Welchen Zukunftstyp streben wir an?

Sich per App das passende E-Verkehrsmittel für den wahlweise schnellsten, sichersten oder CO2 ärmsten Weg zur Arbeit anzeigen zu lassen klingt wie eine Utopie? Das ist es bisher auch. Doch Forscher und Unternehmer sind dabei Visionen für eine „Smart City“ zu entwickeln, welche die Stadt mit innovativen Mobilitätsnetzwerken verknüpft. Die Mobilitätswelt bringt stetig neue Technologien hervor, wie autonomes Fahren, elektromobile Antriebstechniken, oder sogar individuelle Luftfahrzeuge. Werden wir uns daher in 30 oder 50 Jahren ganz anders in Städten fortbewegen?

Mobilitätskonzepte der Zukunft

Die Veränderung der Nutzungsmuster, durch Digitalisierung und das flexiblere Einsetzen unterschiedlichster Verkehrsmittel wirft viele Fragen auf:

Werden wir in Zukunft noch stärker Verkehrsmittel teilen und uns individueller und noch häufiger fortbewegen? Und rücken umweltfreundliche Verkehrsmittel wie Fahrrad und ÖPNV noch stärker in den Fokus? Welchen Einfluss nehmen immer stärker fluktuierende Verkehrssysteme auf die Struktur und Gestaltung der Stadt?

Werkstattgespräch im BBSR

Diese und weitere Fragen werden in einem Werkstattgespräch zum Thema „Smart City – Stadtverkehr für Übermorgen“ des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) diskutiert. Am 5. April 2017 werden in Berlin unterschiedliche Zukunftstypen der Stadt entworfen und neue Visionen für die Mobilitätswelt von Übermorgen generiert.

Weitere Informationen zur Veranstaltung: http://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/Aktuell/Veranstaltungen/programme-2017/2017-stadtverkehr.html

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Die Landschaftsrouten in Norwegen sind legendär. 2022 werden elf neue Architekturprojekte entlang der Routen fertiggestellt werden.
Die Landschaftsrouten in Norwegen sind legendär. 2022 werden elf neue Architekturprojekte entlang der Routen fertiggestellt werden. Foto: Simo Räsänen via Wikimedia Commons

Die Landschaftsrouten in Norwegen sind legendär. Im Jahr 2022 stellt die staatliche norwegische Straßenverwaltung insgesamt elf neue Architekturprojekte fertig. Ende 2022 wird es damit schließlich 172 abgeschlossenen Projekte auf den Norwegischen Landschaftsrouten geben. Hier finden Sie alle neuen Projekt im Überblick.

Sie sind weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt. Und ziehen jährlich Millionen an Tourist*innen an. Der norwegischen Straßenverwaltung ist es über die letzten 30 Jahre gelungen, die Norwegischen Landschaftsrouten zu einer internationalen Attraktion zu machen. Es handelt sich um 18 ausgewählte Straßenabschnitte, die an Küsten, Fjorden, Bergen und Wasserfällen vorüberführen. Sowohl Architektur wie auch Kunst finden sich am Straßenrand. Vor der Kulisse der beeindruckenden norwegischen Landschaft. Statt des schnellsten Weges über die Hauptverkehrsstraßen, wählen die Autofahrer*innen hier den Weg als Ziel.

Eine kurze Geschichte der Landschaftsrouten Norwegen

Die Fahrt wird folglich zum eigentlichen Erlebnis. Die Installationen ziehen sich von Jæren im Süden bis hoch nach Varanger im Norden. Und spannen ein Straßennetz mit einer Gesamtlänge von 1 850 Kilometern auf. Ziel der Initiative war es, die Reise auf den Routen erlebnisreich und inspirierend zu gestalten. Dies ist der Tourismusbranche mit den Projekten über die letzten Jahre gelungen. 2022 kommen zu den bisherigen 161 Projekten elf weitere hinzu.

Das Projekt wurde 1994 gestartet und war ursprünglich auf einige wenige Straßen begrenzt. Vier Jahre später beschloss das norwegische Parlament jedoch, das Projekt auszuweiten. Daraufhin konnten sich Gemeinden selbst mit Vorschlägen bewerben. Aus den vornominierten Strecken wurden die 18 heute als Landschaftsrouten Norwegen bekannten Verkehrswege gewählt.

Entwürfe geprägt von norwegischer Natur

Zu den Projekten entlang der Routen gehören Park- und Rastplätze, Aussichtspunkte und Konzepte zur Landschaftspflege. Weiterhin unterhalten mehrere Behörden in Kooperation Serviceeinrichtungen. So finden sich sowohl Unterkünfte, gastronomische Angebote als auch kleine Shops mit einheimischem Kunsthandwerk an den Strecken als Erweiterung des touristischen Angebots. Vorrangig gestalteten norwegische Künstler*innen und Architekt*innen die gebauten Attraktionen. Mit Ausnahme des Projektes Steilneset Memorial in Vardø. Dieses entstand im Gedenken an 91 Opfer, die hier der Hexerei angeklagt und anschließend auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Die französisch-amerikanische Künstlerin Louise Bourgeois und der Schweizer Architekt Peter Zumthor entwickelten in Erinnerung an die grausame Geschichte einen atmosphärischen Raum.

Sie entwarfen einen brennenden Stuhl umgeben von sieben Spiegeln, der in einer 125 Meter langen Gedenkhalle aus Segeltuch steht. Es ist ein besonderer Entwurf an einem ebenso bedeutsamen Ort. Dahinter liegt der Anspruch der Landschaftsrouten, die Kulturgeschichte und den Geist des Ortes einzufangen und durch Architektur entsprechend zu inszenieren. Auch die elf neuen Projekte haben Potential. Unter den beteiligten Planer*innen finden sich bekannte Namen.

Funktion und Form

Das Büro Snøhetta entwarf in Trælvikosen, Helgelandskysten einen Rastplatz der ans Meer grenzt. 55 Trittsteine führen vom Festland auf eine kleine Insel und ermöglichen anschließend den Blick zurück zur Küste. Bei Ebbe sind die Steine sicht- und betretbar. Bei Flut hingegen komplett überspült. So spielen Snøhetta mit den Gezeiten und lassen die landschaftlichen Gegebenheiten Teil des Entwurfs werden. Eine Auseinandersetzung mit der Natur ist bei denLandschaftsrouten Norwegen wesentlich. Per Ritzner, Pressesprecher der Landschaftsrouten, formuliert es schließlich so: „Die norwegische Natur flößt Respekt ein. Und man muss ihr verantwortlich gegenübertreten.“

Auch die weiteren der elf neuen Projekte suchen dazu verschiedenste Herangehensweisen. Die Architeken Helen&Hard entwarfen in Tyrvefjøra, Hardanger ein Sanitätsgebäude. Sie verwenden dabei als Baumaterial unter anderem Baumstämme samt Wurzeln. So soll sich das funktionale Raumprogramm in die geheimnisvolle Atmosphäre des Fjords einfügen. Ebenfalls in der Fjordlandschaft angesiedelt ist das Projekt Espenes, Hardanger von Code Arkitektur.

Landschaftsrouten in Norwegen: inszenierte Ausblicke

Über 64 m spannen sie eine Dachkonstruktion auf zwölf Stahlmodulen. Darunter finden sich Sitzgelegenheiten und Toilettenanlagen – mit Aussicht über den Sørfjord. Haugen/Zohar Arkitekter entwerfen in Flesefossen, Ryfylke ebenfalls Sanitäranlagen, die in eine Konstruktion aus Holz und Stahl integriert sind. Diese schließt an eine Plattform aus Beton an, welche über den Wasserfall Flesefossen ragt und folglich einen spektakulären Ausblick auf das Naturschauspiel ermöglicht. Haugen/Zohar Arkitekter sind gleich mit zwei Projekten vertreten. In Madland hamn, Jæren entwarfen sie eine erleuchtete Schutzhütte auf einem kleinen Hügel über der Nordsee. Sie erinnert an die Bootshütten im Hafen.

Auch interessant: Die Südtiroler Waalwege werden sie bald immaterielles Kulturerbe?

In Sluppen, Aurlandsfjellet entsteht an der kurvigen Straße ein kleiner Rastplatz nach einem Konzept von Østengen og Bergo AS. Stufen aus Naturstein führen zum Wasserfall Erdalselvi. Am Wasserfall Vøringsfossen, Hardangervidda wird währenddessen eine neue Aussichtsplattform gebaut. Vom Felsplateau Fossetromma führen Treppen und Brücken über den Abgrund, gestaltet von Carl-Viggo Hølmebakk AS.

Eine ebenfalls beeindruckende Brückenkonstruktion ist die Bogenbrücke aus Stein in Måbø bru, Hardangervidda, gebaut im Jahre 1910 über den Fluss Borelo. Als 1986 mit der Fernstraße 7 eine neuere Trasse gebaut wurde, fiel die Brücke aus dem Betrieb und wurde unter Denkmalschutz gestellt. 3RW entwarfen in direkter Nachbarschaft zur Brücke neue Sitzgelegenheiten und einen Aussichtspunkt, von dem aus Fluss und Brücke zu überblicken sind. Der Ausblick ist auch beim Projekt Brunstranda, Lofoten von Studio Vatn & Jørgen Tandberg Arkitektur entwurfstragend. Ihr Sanitärgebäude steht direkt am Meer. Im warmen Inneren können Besucher*innen den Anblick der stürmischen Wellen entsprechend auf sich wirken lassen.

Architektur entlang der Norwegischen Landschatsrouten als Attraktion

Ursprünglicher kommen die Vogelbeobachtungshütten an der Küste in Hamningberg, Varanger daher. Die Architekt*innen von Biotope entwarfen Hütten mit wetterfest abgeflammter Außenfassade und einer Innerverkleidung aus Treibholz, das vor Ort gesammelt wurde. Hamningberg ist für Zugvögel ein wichtiger Zwischenstopp auf ihrer Route.

Zukünftig dürfte der Ort auch für Vogelliebhaber*innen zum Anziehungspunkt werden. Anziehen soll nebenher auch die Umgestaltung in Sundshopen, Helgelandskysten. Hier bauen Rever & Drage einen 65 Meter langen Steg von der Küste Helgelands ins Wasser. Und setzten dabei auf traditionelle Handwerkskunst aus Stein. 
Die elf neuen Projekte sind in ihrer Ausgestaltung vielseitig. Stets versuchen sie jedoch auf eine Art Funktionen des Reisebedarfs mit den Besonderheiten der Landschaft zu verbinden. Teils als stark architektonischer Kontrast in der unberührten Natur. Teils als subtil in die Landschaft eingewebtes Element. Wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind, werden sie die Norwegischen Landschaftsrouten als weitere Attraktionen ergänzen. Und in der Zukunft auch weitere Besucher*innen locken können.

Mehr über die Norwegischen Landschaftsrouten erfahren Sie auf der offziellen Webseite der norwegischen Straßenverwaltung.

Etwa 50 Prozent des Quartiers Baumkirchen Mitte bleiben als öffentliche Grünflächen erhalten, die nicht nur Erholung bieten, sondern auch eine ökologische Vernetzung fördern, die für die Tierwelt von großer Bedeutung ist. Foto: Marcus Hassler

Wo Lokomotiven einfuhren, wächst seit 2013 das visionäre Stadtquartier „Baumkirchen Mitte“ in Berg am Laim heran. Hier verschmelzen städtische Lebensräume und Natur zu einem harmonischen Ensemble, das nicht nur Wohnraum und Arbeitsplätze, sondern auch großzügige Grünflächen und ökologische Oasen bietet. Durch die organischen Bauformen und die Liebe zum Detail hat das Areal eine unverwechselbare Identität erhalten – ein Ort, der Vergangenheit und Moderne in spannender Symbiose vereint. Im Folgenden stellt das Büro mahl gebhard konzepte sein Projekt selbst vor. 

Ein neues Stadtquartier mit historischer Prägung

Auf dem 15 Hektar großen Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerkes München 4 in Berg am Laim entsteht seit 2013 das Stadtquartier „Baumkirchen Mitte“. Fast 70 Jahre lang wurden hier Lokomotiven und Güterwaggons rangiert und repariert. Nun bietet das Areal Raum für etwa 1 300 Einwohner*innen, Arbeitsplätze, Einzelhandel und öffentliche Grünflächen. Grundlage für das Bebauungsplanverfahren war ein 2010 von der Landeshauptstadt und CA Immo durchgeführter städtebaulicher und landschaftsplanerischer Ideenwettbewerb, aus dem der Entwurf von Peter Ebner & Friends und von Mahl Gebhard Konzepte siegreich hervor ging. Der Entwurf überzeuge die Jury im besonderen Maße durch eine für das Gebiet neuartige Struktur. Es entstünde eine einheitliche Bebauung, die von ausgedehnten Grünflächen umschlossen wird. Dieser Entwurf, der sich durch mutig, geschwungene Baukörper auszeichnet, die fließende Räume erzeugen war Grundlage für das sich anschließende Bauleitplanverfahren. Die Freiflächen mit ihren integrierten Spielflächen sollen die Anwohner sowie Besucher zum Verweilen und Erholen einladen.

Freiflächengestaltung und ökologische Balance

Die Landschaftsarchitekt*innen von mahl gebhard konzepte (München) achteten bei der Entwicklung des Quartiers auf eine doppelte Innenentwicklung: So ist für das Quartier Baumkirchen Mitte neben den unverwechselbaren, organisch anmutenden Gebäudekörpern, der sehr hohe Grünanteil prägend. Etwa 50 Prozent des Gesamtareals sind bebaut, die restliche Fläche bleibt im Hinblick auf urbanes Grün als öffentliche Grünfläche und ökologische Vorrangfläche erhalten und wird als Landschaftspark gestaltet. Durch den Erhalt der ökologischen Vorrangfläche bleibt, die für München so relevante Kaltluftschneise erhalten und dennoch kann die geforderte städtische Dichte eingehalten werden. Einen weiteren Mehrwert stellen die neu entstandenen Wohnhöfe bzw. Quartiersmitten wie der Mattoneplatz dar. Sie sprechen grundsätzlich die Sprache des Gesamtareals und verstärken die geschwungenen Strukturen.

Integration von Natur und Stadtplanung

Durch sie wurde eine qualitativ wie quantitativ gute Versorgung der Wohngebiete mit öffentlichen Grün- und Freiflächen für die Erholung verwirklicht – insbesondere auch unter dem Gesichtspunkt der Verringerung des Nutzungsdruckes auf die ökologische Vorrangfläche. Bei der Lage der öffentlichen Grünflächen wurde auf gute räumliche Zuordnung und weitere mögliche Aneignungs- und Verknüpfungsmöglichkeiten besonders auch in Richtung des Rosenheimer Bahndamms geachtet. An der übergeordneten Grünstruktur orientierten sich daraufhin die Baukörper. Im Entwurf soll ein Nebeneinander unterschiedlicher Nutzungsräume entstehen, die sich verschränken und überlagern. Die Privatheit der Wohnhöfe soll davon unberührt bleiben.

Bäume als Leitbild

Wiederkehrendes Gestaltungselement ist die waggonartige Reihung von drei bis fünf zu pflanzenden Bäumen, die den genius loci der ehemaligen Nutzung in der neu gebauten Fläche anschaulich machen sollen. Um den jeweiligen Räumen eine eindeutig wahrnehmbare Gestalt zu geben, bestehen die Baumgruppen aus jeweils einer Gattung und Art. Die öffentlichen und privaten Freiflächen erhalten durch die unterschiedliche Pflanzenverwendung (Leitbaumarten, Wuchsklassen) eine jeweils eigenständige Identität. Dabei wurden je 200 Quadratmeter nicht überbaute Grundstücksfläche ein Baum gepflanzt. Auf die entsprechende Mindestüberdeckung der Substratstärke über Tiefgarage ist zu achten. Die Pflanzauswahl in den Höfen enthält mindestens 50 Prozent Bäume zweiter Ordnung.

Der Bestand als „Hot Spot“ der Biodiversität

Pflanzenwuchs auf aktiven Bahnflächen unterliegt permanenter Störungen. Fallen Bahnflächen aus der Nutzung, so regiert die Vegetation relativ rasch darauf. Deshalb sind die stillgelegten Gleisanlagen heute von mosaikartiger Vegetation geprägt und erhalten ihren eigenen Charme durch die offenen Ruderalflächen, die sich mit aufkommenden Birken und rahmenbildenden, älteren Gehölzen abwechseln.

Kurzum: Das Bahnbetriebswerk entwickelte sich durch die Stilllegung zu einer naturnahen Bahnbrache. Humusarme Substrate (z.B. Gleisschotter) speichern kaum Wasser und begünstigen dadurch schüttere Magerrasen. So ist hier ein „Hot Spot“ der Biodiversität entstanden, das dem Areal in Kombination mit der belassenen Gleisanlage eine besondere Identität verleiht. Mehrere geschützte Tier- und Pflanzenarten (48 Rote-Liste-Arten) haben aufgrund der für sie idealen, trockenen und heißen Standortbedingungen und der Mischung aus lückiger, niedriger Vegetation und besonnten Säumen und Gebüschen einen Vorkommensschwerpunkt. Die angrenzenden noch aktiven Bahnanlagen sind darüber hinaus als Ausbreitungsachse und somit für den Biotopverbund bedeutend. Von den in mehreren Kartierungsdurchgängen in den Jahren 2008 und 2009 nachgewiesenen Arten sind die streng geschützte Zauneidechse sowie die besonders geschützte Blauflügelige Ödlandschrecke und die Blauflügelige Sandschrecke von hoher naturschutzfachlicher Bedeutung und daher wertbestimmend. Aber auch kleine Wirbeltiere wie die Zauneidechse können auf der Vorrangfläche beobachtet werden – sie sind streng geschützt (§7 (2) 14, ‎BNatSchG).

Pflege- und Schutzkonzept für die Biodiversität

Die Habitate der Bahnanlagen sind charakteristische Bestandteile der Natur in der Stadt und spielen eine wichtige Rolle für den Artenschutz. Um diesen naturnahen Trockenstandort mit seiner hohen Artenvielfalt zu erhalten, wurde ein Pflege- und Entwicklungskonzept aufgestellt. Die Sukzession führt ohne weitere Pflege zu waldartigen Beständen, weshalb die immer wiederkehrende Zurücknahme des

Gehölzaufwuchses und die Freihaltung geeigneter, besonnter Standorte wichtige Maßnahmen darstellen. Im Bereich der Sukzessionsflächen wird das Totholz belassen, um Insekten und kleinen Wirbeltieren Unterschlupf zu bieten. Die Rohbodenrotation bietet nicht nur Reptilien wie der Zauneidechse einen idealen Standort, um ihre Eier in die sandigen Böden zu legen.

Nachhaltige Stadtentwicklung

Die naturschutzfachlichen Entwicklungsziele für das Untersuchungsgebiet umfassen den Erhalt und die Pflege von Flächen, die als bevorzugte Lebensräume für die Zauneidechse gelten. Ebenso wird der größtmögliche Erhalt von Flächen mit hoher und mittlerer Bedeutung für die Wert bestimmenden Tierarten angestrebt. Weiterhin soll der räumliche Verbund der Flächen zu angrenzenden Lebensräumen gesichert und die Standorte als Teil einer linearen Vernetzungsachse erhalten und optimiert werden. Ein weiteres Ziel ist die Sicherung und Förderung der Populationen der geschützten Arten durch gezielte Pflegemaßnahmen im Bereich der ökologischen Vorrangfläche. Diese Maßnahmen sollen durch ein dynamisches, dreistufiges Pflegekonzept erreicht und langfristig gesichert werden, das sowohl den fachlichen Ansprüchen als auch der pragmatischen Umsetzbarkeit in Bezug auf die Topografie gerecht wird.

Minimaler Eingriff – Monitoring und Erlebnispfad

Die geplante Umsetzung des gesamten Bauvorhabens wurde in 10 Bauabschnitte unterteilt, deren Abfolge sich von Osten (Baumkirchner Straße) nach Westen erstreckt, und somit eine sinnvolle logistische bauliche und nutzungsbezogene Abwicklung in mehreren Schritten mit geringerer Baustellenbelastung bedeutet. Eine besondere Herausforderung stellte die Zugänglichkeit der ökologischen Vorrangfläche dar: Mittels aufwändigen Monitorings und eigens entwickelter Stege konnten naturschutzfachliche Belange eingehalten werden und dennoch von Anwohnern als naturnaher Erholungsraum barrierefrei erschlossen werden. Der enorme Höhenunterschied zwischen Wohnbebauung und ökologischer Vorrangfläche konnte mit Rampen ausgeglichen werden. Der Erlebnispfad im tieferliegende Gleisbereich ist auf der Westseite über Treppen und an der Ostseite durch eine barrierefreie Rampe erreichbar. Der aufgeständerte Weg führt vorbei an der historischen Eisenbahn-Drehscheibe, mit der früher Waggons und Lokomotiven bewegt wurden. Hier ist eine Tribüne entstanden, sodass die Lokdrehscheibe als Freilufttheater dienen kann.

mahl gebhard konzepte

Das Büro mahl·gebhard·konzepte mit Sitz in München wurde 1986 gegründet und 2009 in eine Partnerschaftsgesellschaft mit Andrea Gebhard und Johannes Mahl-Gebhard als Geschäftsführer umfirmiert. 2022 wurden Markus Anzengruber, Johannes Kruck, Annette Pfundheller und Katrin Rismont PartnerInnen des Büros. Seither steht Johannes Mahl-Gebhard als Berater zur Verfügung. mahl·gebhard·konzepte beschäftigt 40 Mitarbeiter*innen aus den Disziplinen der Landschaftsarchitektur, Landschaftsplanung, Umweltökologie, Stadtplanung, Architektur und Urban Design.

In der Nutzung von Ansätzen, Denkweisen oder Methoden verschiedener Fachrichtungen sehen wir nicht nur die Möglichkeit, Planungen an den unterschiedlichen Bedürfnissen unserer Zeit zu orientieren, sondern auch die Chance Ökologie und Ästhetik zukunftsweisend zu verbinden. Langjährige Erfahrung, erworbene Vielseitigkeit, effiziente Arbeitsabläufe, eine klare gestalterische Sprache und realisierbare Visionen helfen uns dabei, das besondere Gesamte zu schaffen.

Landschaftsarchitektur sucht im Spannungsfeld der Planungen von Architektur, Städtebau und Infrastruktur nach neuen räumlichen Aussagen, kulturellen Eigenarten und gestalterischen Perspektiven. Hierbei ist die Rückkopplung von Landschaftsarchitektur mit den gesellschaftlichen Strukturen und zeitgenössischen Kontexten nicht nur notwendig, sondern unerlässlich.

Weiterlesen: In der G+L 09/24 stellen wir 54 Stadtoasen aus fünf Ländern vor. Das Heft ist im Shop erhältlich. Weiter grüne Oasen sind hier zu entdecken.

 Übrigens: Die Internationale Bauausstellung (IBA) der Metropolregion München 2034 sucht nach Ideen für die Mobilität der Zukunft.