Weltweit wirken Ballungsräume anziehend auf die Bevölkerung in ländlichen Gebieten und befinden sich dadurch im stetigen Wachstum. Auch in Europa kommt es seit einiger Zeit wieder verstärkt zu Wanderungsbewegungen vom Land in die Stadt und stellt die Stadtplanung vor neue Aufgaben. Am 16. Mai veranstaltet die Frankfurt University of Applied Sciences nun einen Kongress zu dem Thema. Unter dem Titel „Ballungsräume Europas – Herausforderungen an das Planen und Bauen“, sollen sich Experten und Teilnehmer zu dem Trend austauschen.
Chancen und Grenzen urbaner Entwicklung
Ziel der Tagung ist es, über aktuelle Forschungsergebnisse und Lösungsansätze Chancen und Risiken urbaner Entwicklung aufzuzeigen. Um sich mit der komplexen Thematik zu befassen, setzt sich der Kongress neben baulichen, rechtlichen und ökonomischen Aspekten auch mit gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen auseinander. Aufgeteilt wird das breite Themenfeld in zwei Parallelforen, in welchen sich die Teilnehmer durch Impulsreferate und Diskussionen informieren und austauschen können. Während sich das Forum I mit Wirtschaft, Recht und Infrastruktur befasst, beschäftigt sich das Forum II unter dem lapidaren Titel „Planung“ mit Gentrifizierung, der Abhängigkeit vom Auto und der Digitalisierung von Planungsdaten. Im Anschluss daran werden in einem gemeinsamen Forum die Herausforderungen des Wachstums hinsichtlich ihrer ökologischen und sozialen Aspekte diskutiert.
Teilnahme und Anerkennung
Teilnahmegebühr: 90 € | Studentenpreis: 30 €
Die Teilnahme wird von der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen sowie von der Ingenieurkammer Hessen mit acht Fortbildungspunkten anerkannt. Weitere Informationen hier:
James Tapscott zeigt in Houston zwei immersive Lichtkunstwerke seiner Arc ZERO-Serie. Die Installation verbindet Wasser, Nebel und Licht zu einer begehbaren Landschaft im öffentlichen Raum. Foto: Studio JT via v2com
Lichtkunst zwischen Wasser, Raum und Wahrnehmung
Die zeitgenössische Lichtkunst bewegt sich heute weit über klassische Skulptur- oder Objektinstallationen hinaus. Immer häufiger entstehen immersive Landschaften, in denen Licht, Wasser, Nebel und Bewegung zu einem Gesamterlebnis verschmelzen. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich die aktuelle Arbeit des australischen Land- und Lichtkünstlers James Tapscott, der im City Place The Woodlands in Houston zwei großformatige Werke seiner Arc ZERO-Serie erstmals gemeinsam präsentiert.
Die Installation verbindet Kunst und Landschaft auf eine Weise, die nicht nur betrachtet, sondern erlebt wird – ein zentrales Merkmal moderner Lichtkunst im öffentlichen Raum.
Ein Landschaftsraum als Bühne für Lichtkunst
Der Standort selbst ist Teil des künstlerischen Konzepts. City Place ist ein öffentlich zugänglicher, landschaftlich gestalteter Wasser- und Parkraum, der Natur, Infrastruktur und Erholung miteinander verbindet. Innerhalb dieses Settings entfalten die beiden Werke Arc ZERO: Nimbus und Arc ZERO: Eclipse ihre volle Wirkung.
Statt isolierter Kunstobjekte entsteht eine durchgehende räumliche Erfahrung, in der sich Besucher durch verschiedene Atmosphären bewegen. Wasser wird dabei nicht nur als Element genutzt, sondern als aktives Medium der Lichtkunst, das Reflexion, Bewegung und Tiefe erzeugt.
Arc ZERO: Eclipse – Licht als schwebende Geometrie
Arc ZERO: Eclipse ist eine großformatige Halbkreisstruktur, die direkt in einem ruhigen Wasserbecken installiert wurde. Durch die Spiegelung der Wasseroberfläche entsteht visuell ein vollständiger Kreis, der scheinbar schwerelos im Raum schwebt.
Diese Wirkung ist jedoch nicht statisch. Je nach Standpunkt des Betrachters, Windrichtung oder Lichtverhältnissen verändert sich das Bild kontinuierlich. Nebel, der aus der Struktur austritt, bricht die klare Geometrie auf und lässt den Kreis immer wieder neu entstehen.
Damit wird deutlich, wie stark Wahrnehmung in der Lichtkunst von Bewegung und Perspektive abhängt. Das Werk existiert nicht als festes Objekt, sondern als sich ständig verändernder Zustand zwischen Struktur, Wasser und Umgebung.
Nachts verstärken integrierte LED-Lichtsysteme die Wirkung zusätzlich. Die Kreisform beginnt über dem Wasser zu leuchten und erzeugt eine ruhige, fast schwebende Atmosphäre, die sich in der Wasseroberfläche spiegelt und verdoppelt.
Arc ZERO: Nimbus – ein begehbares Lichtfeld
Während Eclipse auf Distanz und Spiegelung basiert, ist Arc ZERO: Nimbus ein Werk der direkten körperlichen Erfahrung. Ein ringförmiges Stahlgerüst ist über einem Boardwalk installiert, durch den Besucher hindurchgehen.
Hier wird Lichtkunst nicht mehr nur betrachtet, sondern physisch erlebt. Der Ring ist von dichtem Nebel durchzogen, der sich ständig verändert, auflöst und neu formt. Windbewegungen beeinflussen die Struktur des Nebels, während Licht ihn in feine Schichten und Farbverläufe zerlegt.
Der entscheidende Unterschied zu klassischen Installationen liegt darin, dass der menschliche Körper Teil des Werks wird. Jeder Schritt verändert die Wahrnehmung des Raums. Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit wechseln in Sekundenbruchteilen.
In bestimmten Momenten entstehen haloartige Lichtphänomene, wenn sich Feuchtigkeit und Lichtquellen überlagern. Nachts verstärkt sich dieser Effekt durch warm leuchtende LED-Elemente, die den Nebel wie eine schwebende Materie erscheinen lassen.
Zwei Werke, ein zusammenhängendes System
Obwohl Eclipse und Nimbus formal sehr unterschiedlich sind, bilden sie konzeptionell ein gemeinsames System. Beide Werke beschäftigen sich mit Wasser als Ausgangspunkt – jedoch in unterschiedlichen Aggregatzuständen und Wahrnehmungsebenen.
Eclipse fixiert Wasser als Spiegel und erzeugt Stabilität
Nimbus löst Wasser in Atmosphäre auf und erzeugt Bewegung
Die Landschaft verbindet beide Zustände zu einem kontinuierlichen Erfahrungsraum
In dieser Gegenüberstellung entsteht ein spannender Dialog innerhalb der Lichtkunst: zwischen Form und Auflösung, Distanz und Nähe, Beobachtung und Teilhabe.
Der Besucher entscheidet dabei selbst, wie er sich durch diesen Raum bewegt und welche Perspektive er einnimmt. Die Kunst ist nicht abgeschlossen, sondern entsteht im Moment der Wahrnehmung.
Internationale Relevanz der Arc ZERO-Serie
Die Arc ZERO-Serie wird seit 2009 international gezeigt und zählt zu den bedeutenden Werkgruppen im Bereich der landschaftsbezogenen Lichtkunst. Installationen wurden unter anderem in Asien, Europa, Australien und den USA realisiert und mehrfach ausgezeichnet.
Besonders hervorzuheben sind Auszeichnungen in Kaohsiung und Seoul, die die Serie als wichtigen Beitrag zur Entwicklung zeitgenössischer öffentlicher Kunst im Landschaftsraum bestätigen.
Die aktuelle Installation in Houston ist insofern besonders, als erstmals zwei Varianten der Serie gleichzeitig an einem Ort erfahrbar sind – eine seltene Situation, die den dialogischen Charakter der Werke zusätzlich verstärkt.
Lichtkunst als Landschaftserfahrung
Die Arbeiten von James Tapscott zeigen exemplarisch, wie sich Lichtkunst weiterentwickelt: weg von statischen Objekten hin zu offenen, atmosphärischen Landschaften. Wasser, Nebel und Licht werden dabei zu dynamischen Materialien, die sich ständig verändern und keine feste Form annehmen.
In Houston entsteht so kein klassischer Ausstellungsraum, sondern eine begehbare Landschaft aus Licht, in der Wahrnehmung, Bewegung und Natur untrennbar miteinander verbunden sind.
Durch verschiedene Projekte und Maßnahmen hat sich Dresden einen Namen gemacht als Stadt, die der Hitze mutig entgegensteht. Credit: Michael Treu via pixabay
Seit der Wende ist der Bedarf an Wohnfläche in Dresden um ein Drittel gestiegen. Entsprechend hat die sächsische Landeshauptstadt sehr viel gebaut – mit negativen Folgen für Brachflächen und Stadtgrün. Die zunehmende Verdichtung und Versiegelung sowie abnehmende Grün- und Freiflächen begünstigen neue Hitzeinseln. Seit ein paar Jahren setzt Dresden neben konventionellen Maßnahmen wie Entsiegelung aber nun auch auf die Hilfe von KI.
Die Stadtverwaltung von Dresden beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit dem Klimawandel und den notwendigen Veränderungen. So sollen etwa, ähnlich wie Frankfurt am Main, Fassadenbegrünungen künftig Pflicht werden – jedoch nur für Neubauten und für großflächige, fensterlose Fassaden mit über 25 Quadratmeter Fläche. Für die sehr heißen Sommer, die extreme Grundwasserdürre und die hohe Brandgefahr in Ostsachsen, im Elbtal und in Dresden ist das jedoch nicht ausreichend. Die Hitzewellen, die nun jährlich auftreten, führen bereits jetzt zu gesundheitlichen Belastungen für viele Menschen sowie zu Schäden in der grünen Infrastruktur.
Dennoch hat Dresden sich einen Namen gemacht als Stadt, die der Hitze mutig entgegensteht: Als Modellstadt wird sie aufgrund ihrer Expertise überregional angefragt. Dies liegt an großen abgeschlossenen Studien wie etwa der „Regklam“ zur regionalen Klimaanpassung, dem aktuellen Forschungsverbund „HeatResilientCity“, der 2022 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis bekam, und an Auszeichnungen wie dem Preis für „Dresden baut Grün“ als klimaaktive Kommune im Jahr 2020.
Laut Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen ist Dresden fachlich gut aufgestellt, was die Anpassung an die Hitze angeht. Nun fehle noch die Umsetzung im Alltag der Stadt, da viele Maßnahmen nicht ausreichend Ressourcen erhalten, um flächendeckend zur Praxis zu werden. „Aufgaben zur Klimaanpassung müssen Bestandteil unserer Daseinsfürsorge und Pflichtaufgabe werden. Alles, was neu gebaut wird, muss nach diesen Kriterien ausgerichtet werden“, so Jähnigen.
Credit: Andreas via pixabay
Dresden wird wasserdurchlässiger
Eine praktische Anpassungsmaßnahme in Dresden ist der Hitzeschutz im Rahmen der Renaturierung von Flussläufen und Bächen in der Stadt. Laut Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) hat Dresden in den letzten Jahren mehrere Millionen Euro in diese Projekte investiert. Detailliertere Informationen dazu sind jedoch schwer zu finden – und die lange Trockenheit macht selbst renaturierten Flüssen zu schaffen. So können sie in Hitzeperioden nicht wie gewünscht dazu beitragen, Hitzeinseln in der Stadt zu mildern.
Darüber hinaus möchte sich Dresden als Schwammstadt aufstellen und den Abfluss von Regen neu organisieren. So soll die Stadt nicht nur auf Hitze, sondern auch auf Starkregenfälle vorbereitet sein. Maßnahmen wie die Entsiegelung verschlossener Oberflächen, Rückhaltebecken, Gräben und Zisternen kann die Stadt Regenwasser lokal aufnehmen, anstatt es abzuleiten. Darüber hinaus können zusätzliche Grünflächen zur Kühlung der Stadt beitragen.
Ein Pilotprojekt am Dresdener Südpark testet bereits, wie das Regenwasser optimal versickern kann. Für das neue Technische Rathaus der Stadt, ausgeführt von Ed. Züblin und Dressler Bau, ist eine Zisterne mit zehn Quadratmeter Fassungsvermögen geplant, die zum Wässern von Grünanlagen und Bäumen dienen soll. Und schon jetzt schreibt die Stellplatzsatzung der Stadt vor, Parkplätze mit Rasengittersteinen wasserdurchlässig zu bauen. Pro fünf Stellflächen muss ein Baum auf der Parkfläche gepflanzt werden. Haltestellen sollen zudem künftig mit Gründächern ausgestattet werden.
Daten trainieren KI-Algorithmen zu Hitzeinseln
Darüber hinaus findet in Dresden ein innovatives Projekt zur Stadt- und Verkehrsplanung statt: KLIPS ist eine KI-basierte Informationsplattform für die Lokalisierung und Simulation von Hitzeinseln. Diese Plattform soll es möglich machen, künftig mithilfe eines lokalen Sensornetzwerks und künstlicher Intelligenz Hitzeinseln in Echtzeit zu lokalisieren. Zudem soll eine Prognose möglich sein, um die Gefahr für Hitzeinseln rechtzeitig zu erkennen und zu bannen.
Dabei greift KLIPS auf größtenteils bereits existierende Daten zurück, wie etwa auf Datenbestände von Pilotstädten und Satellitendaten der Sentinel-Flotte des Erdbeobachtungsprogramms Copernicus. Neue Sensornetzwerke in Dresden und Langenfeld sollen die räumliche Auflösung dieser Daten erhöhen, damit lokal verlässliche Messdaten gewonnen werden können. Diese messen permanent die Temperaturen an besonders temperaturempfindlichen Stellen im Stadtgebiet.
Die Daten von KLIPS werden außerdem im Rahmen des Maschinellen Lernens die KI-Algorithmen trainieren. So ist es möglich, die Folgen der Bau- und Verkehrsplanung für Hitzeinseln sowie die Wirkung geplanter Maßnahmen zur Reduzierung von Hitzeinseln einzuschätzen.
Image: Joachim Scheibenpflug via Pixabay
Grüne Maßnahmen in hitzegefährdeten Mikroklimen
KLIPS soll im Frühjahr 2023 starten. Bis dahin plant die Stadt Dresden 300 Temperatursensoren im Stadtgebiet zu verteilen. Bis mindestens 2026 soll das System laufen und wichtige Informationen zu Hitzeinseln im Stadtgebiet liefern. Der Bund fördert das Vorhaben bis 2024 mit 2,3 Millionen Euro aus dem Ministerium für Digitales und Verkehr. Außerdem leisten die beteiligten Projektpartner Eigenanteile.
Die Hoffnung von KLIPS ist es, ein integrales Werkzeug für die Bau- und Verkehrsplanung zu werden. Das Projekt soll eine Datengrundlage für Prognosen zur lokalen Hitzesituation schaffen. Zusätzlich zu den 300 Sensoren werden auch Satelliten-, Kataster-, Wetter- und Klimadaten das Datenbild ergänzen. Von dieser digitalen Modellierung lassen sich verschiedene Anwendungen ableiten. Dazu könnte etwa ein Hitzewarnsystem gehören, um die Öffentlichkeit bei extremen Temperaturen zielgerichteter zu informieren.
Auf Grundlage der Datenbasis soll die Stadt zudem in der Lage sein, abzuschätzen, wie sich Wasserläufe, Verschattungen, Fassadenbegrünungen, Bäume und Oberflächengestaltung auf das lokale Mikroklima auswirken. Entsprechend würde KLIPS sowohl die Gestaltung öffentlicher Straßen, Plätze und Parks als auch Haltestellen des öffentlichen Personennahverkehrs sowie die Frage nach einer möglichen Begrünung von Bahngleisen informieren.
Dresden als Pilotstadt in der EU
Neben der Stadt Dresden sind diverse weitere Akteure an KLIPS beteiligt: Die Software AG, das ERGO Umweltinstitut, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut, das Institut für Informationssysteme der Hochschule Hof, das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung sowie die Firmen Pikobytes, terrestris und meggsimum. Zudem ist die Stadt Langenfeld im Rheinland eine Pilotkommune innerhalb des Forschungsprojekts.
Dresden arbeitet als Pilotstadt und führende deutsche Stadt in Hitzemaßnahmen auch beim EU-Programm MAtchUP mietet. Dieses Modellprogramm zur nachhaltigen Stadtentwicklung untersucht, wie Smart-City-Anwendungen intelligente Lösungen für die urbane Transformation darstellen können. Auch Valencia und Antalya arbeiten an diesem Programm mit.
Von Anpassung zur Milderung der Klimawandelfolgen
Erste Ergebnisse von KLIPS werden mit Spannung erwartet. Schließlich könnten die Daten in Kombination mit künstlicher Intelligenz wesentlich zur Anpassung an die künftig wärmeren Temperaturen beitragen und unter anderem die Gesundheit der Dresdner*innen, aber auch Flora und Fauna in der Stadt, schützen.
Darüber hinaus ist es jedoch nötig, Maßnahmen zur Milderung der Folgen des Klimawandels zu treffen, und zwar so schnell wie möglich. Projekte mit einer größeren Vision zum Klimaschutz, wie etwa eine deutlich verbesserte Energieeffizienz im Gebäudesektor oder die konsequente Begrünung von Dächern in der Stadt, fehlen in Dresden – ebenso wie in fast allen anderen großen Städten – noch.