23.09.2022

Gesellschaft

Spatial Planning Matters! – Buchrezension

von Kun Yan
Spatial-Planning-Matters Cover © vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich
Spatial-Planning-Matters Cover © vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich

Wissenschaftler*innen der ETH Zürich haben ein Sammelband über den Planungsprozess herausgegeben. Es beinhaltet sowohl praktische Beispiele als auch theoretische Aufsätze. Und ist ein Muss für Studierende.

Planung ist rätselhaft. Mit zunehmender Komplexität wird der Prozess eines Projekts entscheidender als der physische Eingriff. Wessen Stimmen werden übertönt, welche Rolle spielen die Planer*innen in diesem Prozess? Wissenschaftler*innen der ETH Zürich veranstalteten zu diesen Fragen eine Reihe von Seminaren mit internationalen Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen aus der Planungswelt. Das 232-seitige Buch dokumentiert die Forschungsergebnisse.

Wie man Planungsfehler vermeidet

Die Publikation ist exemplarisch aufgebaut und besteht aus zwei Hauptteilen: „Inspirierende Geschichten“ und „Grundlegende Themen“. Im ersten Teil werden sieben abgeschlossene sowie neun laufende Projekte vorgestellt, die eine Vielzahl von Herausforderungen und Ansätzen der Planungspraxis in Europa und den USA zeigen.

In den Aufsätzen zu den „grundlegenden Themen“ werden Fragen und innovative Strategien erörtert. Sie sollten in den verschiedenen Phasen des Planungsprozesses berücksichtigt werden. So wird beispielsweise in dem Aufsatz „Planungsansätze oder Von nichts kommt nichts“ erwähnt, dass die Problemanalyse zu Beginn der Planung von entscheidender Bedeutung sei und nicht übergangen werden dürfte. Die mangelnde breite Diskussion der Probleme sei beispielsweise ein Grund für Planungsfehler bei Stuttgart 21.

Fokus auf soziale Aspekte

Der Aufbau des Buches erfüllt seinen Zweck, die Kluft zwischen Praxis und Theorie zu überbrücken und ein breites Publikum außerhalb von Fachkreisen zu erreichen. Die Publikation ist inhaltlich innovativ und wissenschaftlich fundiert. Sie hat eine klare und übersichtliche Struktur, Querverweise zwischen Beispielen und Theorie, ein informatives, aber zurückhaltendes Layout. Die klare Struktur hilft Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund, den Planungsprozess besser zu verstehen. Fachleute können innovative Theorien und den Zusammenhang zwischen Theorie und Praxis durch die beispielsorientierte Struktur, die Anmerkungen und das Glossar sich besser erschließen.

Nicht-Expert*innen können sich auf die detaillierten Erzählungen und die reichhaltigen Diagramme in den Beispiel-Kapiteln verlassen, um wichtige Planungsprozesse zu verstehen. Die Perspektive des Buches auf die Planung konzentriert sich jedoch auf soziale Aspekte. Es bleibt offen, wie die Natur als wichtiger Akteur in die Planung einbezogen werden kann und wie sich der Prozess beispielsweise zur Anpassung an die klimatischen Herausforderungen verändern sollte.

Ein Muss für Planungsstudierende

Darüber hinaus konzentrieren sich die Beispiele auf Europa, mit einer kurzen Erwähnung der Vereinigten Staaten. Einige außereuropäische Planungsprojekte wären durchaus interessant für Forschung und Diskussion. Die europäischen Beispiele sind für neue Erkenntnisse ausreichend, aber die Erforschung weiterer Projekte in unterschiedlichen Kontexten und die Entwicklung von Theorien, unabhängig von Erfolg oder Misserfolg, würden den Planungsmechanismus und die Theorie robuster und universeller machen.

Dieses Buch ist kein Ersatz für ein umfassendes Planungslehrbuch, aber es ist innovativ: ein Muss für Planungsstudierenden, die zwar die Theorie beherrschen, aber wenig praktische Erfahrung haben. Empfehlenswert ist es auch für Planer*innen, Politiker*innen sowie andere, die ständig auf der Suche nach einem effizientere Wege in der Planung sind.

Der Text entstand in der „wissenschaftlichen Schreibwerkstatt Landschaftsarchitektur“ am TUM-Lehrstuhl Landschaftsarchitektur und Transformation bei Prof. Udo Weilacher. Im Rahmen des Seminars wählen Student*innen Fachliteratur aus und erarbeiten gemeinsam individuelle Buchrezensionen.

Welchen Wert haben unbestimmte Räume in einer Stadt? Diese Frage stellt sich Dorothee Rummel in ihrer Dissertation „Unbestimmte Räume in Städten: Der Wert des Restraums“.

 

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