Volkspark als Bühne städtischer Selbstinszenierung

Nützlichkeit und Schönheit in den Parks der Gegenwart 

Hans Stimmann, Berlins früherer Senatsbaudirektor, hat ein neues Buch über Landschaftsarchitektur geschrieben. Es ist sein drittes, und der Unterschied zu den Vorgängern von 2001 und 2008 überrascht zunächst. Während die ersten beiden Bücher Landschaftsarchitektur fast ausschließlich als ästhetisches Objekt behandelten, geht es nun um Nutzungsaspekte öffentlicher Freiräume. Wo zuvor Fotos menschenleerer Anlagen dominierten, zeigt das jüngste Buch das pralle Leben. Es widmet sich nicht mehr der „neuen“ und „neuesten Gartenkunst“ Berlins, sondern der Tradition der Volksparks – und ihrem Verlust in der Gegenwart. Das ist These des Buchs. Der Autor macht sie an der verloren gegangenen Verbindung von Nützlichkeit und Schönheit in zeitgenössischen Parkanlagen fest. Kritik übt er dabei sowohl am „Volk“ und dessen „maßlosem Gebrauch“ der Parks als auch an den Gestaltern, die er notorisch Gartenarchitekten nennt. Diese wüssten nicht mehr, was die Bevölkerung will und braucht, und wenn sie es wüssten, bauten sie ein „urbanes öffentliches Fitnessstudio“ statt einen schönen Park.

Stimmann beklagt den Mangel an Schönheit, sein Fotograf aber hat sie eingefangen. Erik-Jan Ouwerkerks Bilder feiern das Leben im Freien, sie zeigen dichte Atmosphären, intensive Nutzung, Spannung, Ausgelassenheit und Laissez-faire. Damit erzählen sie eine andere Geschichte als der Text. Ouwerkerk zeigt nicht die Schönheit von Baukunst mit gelungenen Raumkompositionen, guten Details und anspruchsvollen Pflanzungen, sondern das Glück der Menschen in den Parks. Gerade dort kristallisiert sich jenes Lebensgefühl, das viele mit Berlin verbinden. Das hat weniger mit städtischer Selbstinszenierung zu tun, wie der Titel des Buches suggeriert. Vielmehr verdankt es sich der Funktion der Parks als wirkliche Frei-Räume, als Orte individueller Selbstentfaltung und des Erfahrens von Gemeinschaft. In Berlin wird davon reichlich Gebrauch gemacht. Welch großen Wert das darstellt, veranschaulichen die Fotos. Sie dokumentieren die stadtkulturelle Bedeutung der Berliner Parkanlagen und verweisen auf die Leistungen der Freiraumplanung für diese Stadt.

Das Buch widmet sich der immer aktuellen Frage, inwieweit Landschaftsarchitektur gesellschaftliche Resonanz erfährt. Ein universeller Schönheitsbegriff hat jedoch ausgedient. Infrage steht vielmehr, wem was gefällt und warum. Was also könnte „Schönheit“ in der Parkgestaltung für eine pluralistische Gesellschaft im 21. Jahrhundert bedeuten? Gewünscht hätte man sich eine intensivere Auseinandersetzung, mehr inhaltliche Tiefe, Begründung und Konstruktivität. Ein genaues Nachdenken über den Unterschied zwischen zeitgeistig und zeitgenössisch. Weniger Nostalgie und mehr Vision.

Bibliografische Daten:

Hans Stimmen, Jan-Erik Ouwerkerk

Stadt. Volk. Park.

Volkspark als Bühne städtischer Selbstinszenierung.

Ernst Wasmut Verlag, Tübingen 2017

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James Tapscott zeigt in Houston zwei immersive Lichtkunstwerke seiner Arc ZERO-Serie. Die Installation verbindet Wasser, Nebel und Licht zu einer begehbaren Landschaft im öffentlichen Raum. Foto: Studio JT via v2com

Lichtkunst zwischen Wasser, Raum und Wahrnehmung

Die zeitgenössische Lichtkunst bewegt sich heute weit über klassische Skulptur- oder Objektinstallationen hinaus. Immer häufiger entstehen immersive Landschaften, in denen Licht, Wasser, Nebel und Bewegung zu einem Gesamterlebnis verschmelzen. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich die aktuelle Arbeit des australischen Land- und Lichtkünstlers James Tapscott, der im City Place The Woodlands in Houston zwei großformatige Werke seiner Arc ZERO-Serie erstmals gemeinsam präsentiert.

Die Installation verbindet Kunst und Landschaft auf eine Weise, die nicht nur betrachtet, sondern erlebt wird – ein zentrales Merkmal moderner Lichtkunst im öffentlichen Raum.

Ein Landschaftsraum als Bühne für Lichtkunst

Der Standort selbst ist Teil des künstlerischen Konzepts. City Place ist ein öffentlich zugänglicher, landschaftlich gestalteter Wasser- und Parkraum, der Natur, Infrastruktur und Erholung miteinander verbindet. Innerhalb dieses Settings entfalten die beiden Werke Arc ZERO: Nimbus und Arc ZERO: Eclipse ihre volle Wirkung.

Statt isolierter Kunstobjekte entsteht eine durchgehende räumliche Erfahrung, in der sich Besucher durch verschiedene Atmosphären bewegen. Wasser wird dabei nicht nur als Element genutzt, sondern als aktives Medium der Lichtkunst, das Reflexion, Bewegung und Tiefe erzeugt.

Arc ZERO: Eclipse – Licht als schwebende Geometrie

Arc ZERO: Eclipse ist eine großformatige Halbkreisstruktur, die direkt in einem ruhigen Wasserbecken installiert wurde. Durch die Spiegelung der Wasseroberfläche entsteht visuell ein vollständiger Kreis, der scheinbar schwerelos im Raum schwebt.

Diese Wirkung ist jedoch nicht statisch. Je nach Standpunkt des Betrachters, Windrichtung oder Lichtverhältnissen verändert sich das Bild kontinuierlich. Nebel, der aus der Struktur austritt, bricht die klare Geometrie auf und lässt den Kreis immer wieder neu entstehen.

Damit wird deutlich, wie stark Wahrnehmung in der Lichtkunst von Bewegung und Perspektive abhängt. Das Werk existiert nicht als festes Objekt, sondern als sich ständig verändernder Zustand zwischen Struktur, Wasser und Umgebung.

Nachts verstärken integrierte LED-Lichtsysteme die Wirkung zusätzlich. Die Kreisform beginnt über dem Wasser zu leuchten und erzeugt eine ruhige, fast schwebende Atmosphäre, die sich in der Wasseroberfläche spiegelt und verdoppelt.

Arc ZERO: Nimbus – ein begehbares Lichtfeld

Während Eclipse auf Distanz und Spiegelung basiert, ist Arc ZERO: Nimbus ein Werk der direkten körperlichen Erfahrung. Ein ringförmiges Stahlgerüst ist über einem Boardwalk installiert, durch den Besucher hindurchgehen.

Hier wird Lichtkunst nicht mehr nur betrachtet, sondern physisch erlebt. Der Ring ist von dichtem Nebel durchzogen, der sich ständig verändert, auflöst und neu formt. Windbewegungen beeinflussen die Struktur des Nebels, während Licht ihn in feine Schichten und Farbverläufe zerlegt.

Der entscheidende Unterschied zu klassischen Installationen liegt darin, dass der menschliche Körper Teil des Werks wird. Jeder Schritt verändert die Wahrnehmung des Raums. Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit wechseln in Sekundenbruchteilen.

In bestimmten Momenten entstehen haloartige Lichtphänomene, wenn sich Feuchtigkeit und Lichtquellen überlagern. Nachts verstärkt sich dieser Effekt durch warm leuchtende LED-Elemente, die den Nebel wie eine schwebende Materie erscheinen lassen.

Zwei Werke, ein zusammenhängendes System

Obwohl Eclipse und Nimbus formal sehr unterschiedlich sind, bilden sie konzeptionell ein gemeinsames System. Beide Werke beschäftigen sich mit Wasser als Ausgangspunkt – jedoch in unterschiedlichen Aggregatzuständen und Wahrnehmungsebenen.

  • Eclipse fixiert Wasser als Spiegel und erzeugt Stabilität
  • Nimbus löst Wasser in Atmosphäre auf und erzeugt Bewegung
  • Die Landschaft verbindet beide Zustände zu einem kontinuierlichen Erfahrungsraum

In dieser Gegenüberstellung entsteht ein spannender Dialog innerhalb der Lichtkunst: zwischen Form und Auflösung, Distanz und Nähe, Beobachtung und Teilhabe.

Der Besucher entscheidet dabei selbst, wie er sich durch diesen Raum bewegt und welche Perspektive er einnimmt. Die Kunst ist nicht abgeschlossen, sondern entsteht im Moment der Wahrnehmung.

Internationale Relevanz der Arc ZERO-Serie

Die Arc ZERO-Serie wird seit 2009 international gezeigt und zählt zu den bedeutenden Werkgruppen im Bereich der landschaftsbezogenen Lichtkunst. Installationen wurden unter anderem in Asien, Europa, Australien und den USA realisiert und mehrfach ausgezeichnet.

Besonders hervorzuheben sind Auszeichnungen in Kaohsiung und Seoul, die die Serie als wichtigen Beitrag zur Entwicklung zeitgenössischer öffentlicher Kunst im Landschaftsraum bestätigen.

Die aktuelle Installation in Houston ist insofern besonders, als erstmals zwei Varianten der Serie gleichzeitig an einem Ort erfahrbar sind – eine seltene Situation, die den dialogischen Charakter der Werke zusätzlich verstärkt.

Lichtkunst als Landschaftserfahrung

Die Arbeiten von James Tapscott zeigen exemplarisch, wie sich Lichtkunst weiterentwickelt: weg von statischen Objekten hin zu offenen, atmosphärischen Landschaften. Wasser, Nebel und Licht werden dabei zu dynamischen Materialien, die sich ständig verändern und keine feste Form annehmen.

In Houston entsteht so kein klassischer Ausstellungsraum, sondern eine begehbare Landschaft aus Licht, in der Wahrnehmung, Bewegung und Natur untrennbar miteinander verbunden sind.

Berlin im Kaufrausch

Bearbeitung: bdla

Mit dem Kauf allein ist es nicht getan

Berlin hat momentan die Möglichkeit, eine bevorratende Bodenpolitik zu betreiben und gezielt Grünflächen zu fördern. Dem ist jedoch nicht der Fall. Der Bund Deutscher Landschaftsarchitekten fordert deshalb eine strategisches Vorgehen und ausreichende Mittel für Entwicklung und Pflege der angekauften Flächen.

Berlin befindet sich erstmals seit Jahrzehnten in der Lage, eine bevorratende Bodenpolitik zu betreiben. Doch von einem gezielten und strategischen Vorgehen fehlt jede Spur. Gekauft werde alles, was „nicht niet und nagelfest sei“, zitiert die Pressen den Regierenden Bürgermeister.

Dabei stehen nun die Chancen gut, strategisch nicht nur diejenigen Flächen anzukaufen, die zum Neubau von Wohnungen und sozialer Infrastruktur nötig sind, sondern auch neue Grünflächen mitzudenken. Die wachsende Stadt braucht dringend Flächen für eine mitwachsende Grüne Infrastruktur. Dies können Grünzüge, Uferrandstreifen, naturnahe Ausgleichs- und Ersatzflächen oder Potentialflächen für Vereins- und Breitensport sein, z.B. als Ergänzung für zu kleine Schulgrundstücke.

Ein Beispiel für ein stark vernachlässigtes Flächenpotential sind die so genannten Friedhofsüberhangflächen. Aufgrund des Trends zur Urnenbestattung sei hier immer weniger Platz vonnöten. Viele Friedhöfe sollen deshalb gewinnbringend veräußert werden, um die Kassen der Kirchen wieder aufzufüllen. Das bedeutet daher in der Regel eine Umwidmung in Bauland. Zwar wollen die Kirchen auch soziale Projekte wie Wohnheime für Geflüchtete, Wohnen für behinderte Menschen u.ä. umsetzen, aber aus „freiraumplanerischer Sicht ist diese Entwicklung ein Debakel“, so Eike Richter, Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla). Denn die Friedhöfe bieten bereits alles, was man sich von einer urbanen Grünanlage erhofft: einen wunderbaren alten Baumbestand, Wege und Bänke. Und sie befinden sich meist in Ortsteilen mit einem großes Freiflächendefizit. Darüber hinaus bilden die Friedhöfe das kulturelle Gedächtnis Berlins und seiner Entwicklung zur Weltstadt.

Nun bestünde die Chance, diese Grünflächen in kommunalen Besitz zu überführen und weiter zu qualifizieren. Vor dem Hintergrund von Klimawandel und der Lebensqualität in der Metropole könne man es sich nicht mehr leisten, gewachsene Grünflächen und alte Bäume Baukörpern weichen zu lassen. „Berlin will und soll kaufen, aber bitte richtig und mit strategischem Blick auf die Entwicklung der Grünen Infrastruktur“, fordert Richter. Mit dem Kauf allein ist es aber nicht getan: Zusätzlich müsse die Stadt ausreichende Mittel für die Entwicklung und Pflege der angekauften Flächen bereitstellen!