06.12.2022

Gesellschaft
Buchrezensionen

Stadtplätze – Die G+L im Dezember 2022

von Theresa Ramisch
Stadtplätze – Die G+L im Dezember 2022. Coverfoto: Paola Corsini
Stadtplätze – Die G+L im Dezember 2022. Coverfoto: Paola Corsini

Vom repräsentativen Marktplatz bis hin zum kleinen Quartiersplatz: Die Gestaltung von Stadtplätzen zählt zu den Lieblingsdisziplinen von Landschaftsarchitekt*innen. In der Dezemberausgabe 2022 stellen wir die neusten Highlight-Projekte im europäischen Raum vor und diskutieren mit gesondertem Blick auf Klimawandel und Nutzungskonflikte, was ein Stadtplatz je nach Maßstab heute können muss.


Auf dem Wochenmarkt einkaufen, Freunde treffen, Kinder flitzen lassen

In der Regel langweilen mich Juryentscheide zu neuen Plätzen. „… ein Ort zum Verweilen, nachhaltig, klimagerecht, der sich klar und gut ins städtebauliche Umfeld einfügt.“ Sie klingen alle gleich. Man hat ganz automatisch kaum noch Lust, sich den Gewinnerentwurf anzuschauen. Der kann dann noch so gut sein. Aber Mensch, hier geht es doch um Stadtplätze! Gerade die müssen doch so viel mehr leisten können. Oder?

Auf Stadtplätzen trifft man schließlich tags wie nachts spontan, ohne große Verabredung oder Hin- und Hergetexte Freunde und Bekannte, fährt mit dem Rad vorbei, hält kurz oder länger an, kauft Obst und Gemüse auf dem Wochenmarkt, trinkt abends vielleicht mal ein, zwei Glaserl Wein, mal grüßt man nur flüchtig, mal versackt man, lässt die Kinder durch die Gegend flitzen, nickt den Älteren zu, wechselt ein paar freundliche Worte, wie es denn so geht, und läuft irgendwann dann glücklich nach Hause.

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Aufenthalt kaum planbar

So oder so ähnlich zumindest meine vollkommen überzogen romantische Vorstellung eines Stadtplatzlebens. Und ich muss eingestehen: Sie ist keine Realität. Leben findet in der Stadt statt, ja, aber immer weniger auf dem Stadtplatz. Vielmehr ruht hier der ein oder andere Obdachlose. Auch voll okay, aber mit einer lebendigen Piazza haben hierzulande die wenigsten Plätze etwas zu tun.

Wir müssen drei Punkte anerkennen: 1.) Die Nutzung von Stadtplätzen, von Quartiers-, aber auch von repräsentativen Plätzen wie Kirch- oder Rathausplätzen, verändert sich. Fortlaufend. 2.) Der tatsächliche Aufenthalt ist kaum planbar – etwas, das VOGT Landschaftsarchitekten im Artikel zum Klosterplatz Einsiedeln im Übrigen auch bestätigen. 3.) Wir haben ein massives Problem mit zu vielen versiegelten Flächen in der Stadt.

 


Aus Stadtplatz wird Stadtwald

Warum also nutzen wir den Platz nicht anders und reagieren auf alle drei Punkte? Wir könnten jetzt sämtliches Wissen zu Stadt- plätzen einfach über Bord werfen und auf Bestandsplätzen nur noch überall Stadt-Biotope, Stadtwälder oder urbane Rückhaltebecken installieren. Oder aber wir trauen uns eine Mischung und agieren wieder stärker je nach Raum (und Stadt) bedürfnisorientiert.

Wie das aussehen kann, das zeigen die Projekte im vorliegenden Heft. Mit dabei sind unter anderem S2L, die in Genf einen unaufgeregten, aber maximal intelligenten Entwurf realisiert haben, das dänische Büro SLA, das in Silkeborg aus Stadtplätzen Stadtwälder machte, sowie die Idee eines überdachten Stadtplatzes im Rahmen des umstrittenen Herzog & de Meuron Hochhausprojekts der Paketposthalle in München.

So oder so: Das Potenzial zu genialen neuen Projekten ist da. Auf also in eine Zukunft, in der das Lesen von Juryentscheiden hoffentlich bald wieder mehr Spaß macht und Neugier weckt.

Die G+L 12/22 zu „Stadtplätzen“ ist bei uns im Shop erhältlich.

Im November ist die gastkuratierte Ausgabe der G+L erschienen. Die These das Landschaftsarchitekturbüros SINAI in dem Heft: Wir stehen vor einer radikalen Wende in der Kultur unserer Raumproduktion. Mehr dazu hier.

 

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