„Steingärten haben einen negativen Einfluss auf die Lebensqualität“

Jörg Golz, Geschäftsführender Gesellschafter bei BÖCKER Immobilien, Leitung Niederlassung Kaiserswerth, erläutert, welche Auswirkungen Steingärten auf das Mikroklima und den Wert von privaten Wohnimmobilien haben.

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Steingärten gelten als pflegeleicht, sind aber schlecht für das Mikroklima (Foto: Immanuel Giel über Wikimedia Commons)

 

Ein Gartentrend spaltet die Nation: Steingärten. Sehen Sie einen Trend hin zu Steingärten in Düsseldorf und Umgebung?

Ja, auch hier in Düsseldorf ist bei etwa jeder zehnten Immobilie der Vorgarten mit einem Stein- bzw. Schottergarten gestaltet oder besitzt zumindest einen größeren Gartenteil aus Stein oder Kies. In Neubausiedlungen ist dieser Trend sogar noch auffälliger: Hier ist bereits jede vierte bis fünfte Immobilie mit einem Steinvorgarten ausgestattet. Es gilt allerdings zu unterscheiden, ob ein Vorgarten komplett mit Steinen und Kies zugepflastert ist – sozusagen eine Steinwüste – oder ob ein klassischer Steingarten mit Bepflanzung und wasserdurchlässigen Stellen angelegt wurde. Diese Form von Steingarten ist gerade für Insekten ein Paradies. Die heutigen Steingärten sindjedoch von Kies dominiert.

Wo haben sich nach Ihrer Beobachtung in den vergangenen Jahren Steingärten breit gemacht?

Sowohl in gewachsenen Wohngebieten als auch in Neubaugebieten mit vielen Doppelhaushälften, Reihenhäusern und Einfamilienhäusern sehen wir einen klaren Trend zum Steingarten. Viele Eigenheimbesitzer ersetzen in ihren Vorgärten zunehmend Grün durch Grau. Teils aufwendige Arrangements aus Naturstein oder Kies werden oftmals von Lichtinstallationen begleitet. Pflanzen spielen dabei eine untergeordnete Rolle.

„Steingärten haben negative Auswirkungen auf das Mikroklima“

Welche Eigentümertypen präferieren Vorgärten aus Stein?

Der Trend zieht sich durch alle Altersschichten. Mehrheitlich begrüßen aber Familien einen Steingarten: Oftmals werden diese als die pflegeleichteste Gartenvariante angepriesen und junge Familien, die zum ersten Mal eine Immobilie mit Garten kaufen, lassen sich schnell zu einem solchen hinreißen.

Was sind die Gründe dafür?

Die sind meist ganz pragmatischer Art: In den innerstädtischen Lagen steht meist die Berufstätigkeit dem Hobby Gartenarbeit im Weg. Es geht hier weniger um optische oder ästhetische Gründe als um den Faktor Zeit. Fälschlicherweise scheinen Steingärten den geringsten Pflegeaufwand zu haben, aber dies stimmt nicht. Auch die Steine muss man pflegen.

Gerade erleben wir eine Rekordhitzewelle in Deutschland, vor allem die Städte heizen sich auf. Welchen Effekt haben Steingärten auf das Mikroklima?

Neben der optischen „Vergrauung“ der Städte, haben Steingärten negative Auswirkungen auf das Mikroklima: Durch fehlende Begrünung und Bäume heizen sich die Steine im Sommer auf und geben die Wärme an die Umgebung ab. Da die Steine die Wärme außerdem speichern, kann sich der Garten, bzw. der Boden, auch nachts nicht abkühlen. Wasserundurchlässige Schotterbeete verhindern dazu, dass Regenwasser ins Erdreich sickern kann und begünstigen so die Austrocknung des Erdreichs.

Hinzu kommen die negativen Auswirkungen auf die Flora und Fauna: Durch die fehlende Begrünung haben es Insekten, Vögel und andere Tiere schwerer an Nahrung und Lebensraum zu kommen. Selbstverständlich gibt es auch Steingärten, die diese Aspekte berücksichtigen, allerdings sind diese Gärten aktuell eher die Ausnahme. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass Steingärten weder für die Luftqualität noch die Vegetation gut sind und sie zu Lasten der Natur gehen und am Ende haben sie so auch einen negativen Einfluss auf unsere Lebensqualität.

„Es muss ein Weg gefunden werden, die Versteinerung der Städte zu stoppen.“

Wirken sich Steingärten auf den Verkaufspreis einer privaten Immobilie aus?

Pauschal lässt sich diese Frage nicht beantworten: Wie bei anderen Faktoren einer Immobilie auch, ist der Preis abhängig von Qualität, Ausstattung und dem Erscheinungsbild der Immobilie. Grundsätzlich verkauft sich eine Immobilie mit einem normal angelegten Vorgarten besser, da hier für den Käufer keine großen Mehrkosten für die Umgestaltung zu erwarten sind. Steingärten lassen sich hingegen nur mit großem Aufwand und entsprechenden Kosten wieder renaturieren – diese Kosten müssen die Käufer beim Erwerb berücksichtigen.

Wir haben in letzter Zeit vermehrt beobachtet, dass junge Familien sich zur Natur zurückbesinnen und einen naturnahen Garten bevorzugen – gerade in Städten, die nicht so viele Grünflächen zu bieten haben.

Begrüßen Sie das Verbot von Steingärten in einigen Städten?

In einigen Städten wie Dortmund oder Bremen ist der Prozess der Versteinerung schon sehr weit fortgeschritten. Diese Städte haben Steingärten in neuen Bebauungsplänen verboten. Bei uns in Düsseldorf spitzt sich die Diskussion aktuell immer weiter zu. Ob ein Verbot der richtige Weg ist, wird sich zeigen. Es muss auf jeden Fall ein für alle Seiten akzeptabler Weg gefunden werden, um die Versteinerung der Städte zu stoppen.

Bei den Hausbesitzern muss ein Umdenken stattfinden: Hierfür sollten Kommunen und Städte pflegeleichte Alternativen aufzeigen und Aufklärungsarbeit leisten, damit Hausbesitzer sich aus freien Stücken für eine naturnahe Gestaltung entscheiden. Dann haben alle gewonnen.

Lesen Sie hier einen Beitrag zum Blog Gärten des Grauens.

Hier finden sie die G+L 08/2019 zum Thema Artenschutz mit dem Kommentar von Jens Haentzschel zu Kiesgärten.