Hinter den Kulissen: Die Bundesstiftung Baukultur schuf das Studio Baukultur in der Potsdamer Schinkelhalle. (© Bundesstiftung Baukultur / Till Budde)

Hinter den Kulissen: Die Bundesstiftung Baukultur schuf das Studio Baukultur in der Potsdamer Schinkelhalle. (© Bundesstiftung Baukultur / Till Budde)

Am 18. und 19. Mai fand das Studio Baukultur der Bundesstiftung Baukultur statt. In dem insgesamt 16-stündigen Livestream setzten die Referent*innen unter anderem wichtige Impulse für den nächsten Baukulturbericht zum Thema „Neue Umbaukultur“. Alles zum Event lesen Sie hier.

Der „fast schon seherische“ Baukulturbericht 2021/22

 

Eigentlich wollte die Bundesstiftung Baukultur am  18. und 19. Mai in Potsdam ja den Konvent der Baukultur von 2020 nachholen. Aufgrund der Pandemiesituation war dies jedoch nicht möglich. Stattdessen entschied sich die Bundesstiftung dafür, das „Studio Baukultur“ ins Leben zu rufen.

Beim Studio Baukultur handelte es sich um einen Versuch, den baukulturellen Diskurs bis zum nächsten Konvent aufrecht zu erhalten, hatte doch die Stiftung seit Beginn der Pandemie deutlich weniger Möglichkeiten, ihrem Anliegen gerecht zu werden. Statt dem Baukulturkonvent organisierte die Bundesstiftung Baukultur also eine Online-Veranstaltung.

Reiner Nagel, der Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung Baukultur, erklärte: „Als wir vor Wochen entscheiden mussten, den Konvent der Baukultur ein weiteres Mal um ein Jahr zu verschieben, wollten wir die fachliche Debatte aufrechterhalten.“

Im Studio Baukultur erhielten deshalb die bereits vorbereiteten Foren und Debatten des ursprünglich geplanten Konvents eine Plattform. Sie wurden in kleiner Runde von den Referent*innen durchgeführt, live übertragen und für Partner*innen und Freund*innen der Bundesstiftung Baukultur sowie das interessierte Fachpublikum aufgezeichnet. Mithilfe einer Chatfunktion und Umfragen bot die Bundesstiftung die Möglichkeit für Zuschauende, sich am Austausch zu beteiligen.

Wer dem Studio Baukultur beiwohnte und eine einzelne Kamera erwartete, die das unscharfe Bild einer Rednerin übermittelt, die aufgrund mangelnder Verkabelung kaum verständlich vor sich hinreferiert, wurde mehr als positiv überrascht. Über ein Jahr Pandemie und die damit verbundene Notwendigkeit, sich auf neue Veranstaltungsformate einzulassen, sind auch an der Bundesstiftung Baukultur nicht vorbeigegangen. So verwandelte das Studio Baukultur die Potsdamer Schinkelhalle, wo gedreht wurde, kurzzeitig in ein professionelles TV-Studio. Ein Glück, denn so blieb den Zuschauer*innen nichts übrig, als sich auf die Inhalte zu konzentrieren, statt mangelhafte Tonqualität oder schlechte Beleuchtung zu monieren.

Denn die Inhalte des Studio Baukultur waren äußerst aktuell – kein Wunder, wurde doch am ersten Tag der Baukulturbericht 2020/21 vorgestellt (mehr zu dessen Inhalten finden Sie hier). Mit dem Thema „Öffentliche Räume“ kam dieser in den beiden Corona-Jahren genau zum richtigen Zeitpunkt. Die Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, Anne Katrin Bohle, bezeichnete ihn als „fast schon seherisch“ und betonte noch einmal, wie die Pandemie die Bedeutung des öffentlichen Raums in den Fokus rückte: „Wir brauchen ihn [den öffentlichen Raum] unbedingt, um für die Menschen gemeinwohlorientiert eine faire und offene Gesellschaft zu leben. Er muss noch nutzungsintensiver und noch gemischter werden. Der öffentliche Raum ist essenziell für eine offene und transparente Gesellschaft.“

Baukulturbericht 2022/21: Neue Umbaukultur

Das Thema Corona kam im Verlaufe des Studios und in Bezug auf öffentlichen Raum immer wieder zur Sprache. So etwa in einem Beitrag von Rasmus Duong-Grunnet, Gehl Architects. Er wies darauf hin, dass wir in Corona-Zeiten erfahren hätten, dass wir in Städten auch anders leben und besonders, dass wir öffentliche Räume auch anders nutzen können. „Diese Erfahrung wollen wir mitnehmen und weiterentwickeln, damit die öffentlichen Räume unserer Städte für alle etwas zu bieten haben – auch in der Zukunft.“

Während viele der Beiträge die Corona-Pandemie fast schon positiv hervorhoben, als Katalysator, als Sichtbarmacherin, fand Prof. Dr. Werner Sobek von der Universität Stuttgart mahnende Worte: „Die Pandemie hat übertüncht, dass es eine dringende Handlungsnotwendigkeit gibt. Wir müssen uns darauf besinnen, dass wir ein Emissionsproblem haben, kein Energieproblem. Und, dass wir ein Ressourcen- und damit verbunden ein Abfallproblem haben im Bauwesen. Beide Dinge müssen wir angehen. Wir brauchen eine Emissionsregelung und eine Kreislaufregelung – und zwar schnell.“

Konvent der Baukultur 2022

 

Damit lieferte Sobek bereits einen wichtigen Beitrag zum Thema des nächsten Baukulturberichts 2022/23. Dieser wird sich mit dem Thema „Neue Umbaukultur“ beschäftigen. Die Bundesstiftung hatte sich zum Ziel gesetzt, am zweiten Tag einen Impuls für ihre Arbeit am nächsten Baukulturbericht zu setzen. Dieses Vorhaben gelang. Gerade das Schlusspodium unter dem Titel „Auf dem Weg zu einer neuen Umbaukultur“ unter anderem mit Prof. Dr. Werner Sobek, Andrea Gebhard (BAK-Präsidentin), Christine Lemaitre (Geschäftsführende Vorständin DGNB e.V.) und Reiner Nagel bot viele spannende Einsichten und Meinungen.

Julian Latzko, mitverantwortlich für die Durchführung des Studio Baukultur, zeigte sich am Ende des Tages erfreut: „Ich glaube, wir haben alle Themen in einem guten Maße darstellen können und nehmen gute Impulse für unsere weitere Arbeit mit.“ Auch Inga Glander, Projektleiterin des Baukulturberichts, war sehr zufrieden mit der Online-Veranstaltung: „Wir freuen uns, dass so viele Leute zugeschaltet haben. Es gab viele gute Rückmeldungen im Chat und wir konnten fast 3 000 Zuschauer*innen erreichen. Wir werden uns auch in Zukunft bemühen, Akteur*innen der Baukultur digital anzusprechen. Aber noch mehr freuen wir uns darauf, uns bald wieder live vor Ort zu Veranstaltungen und zum Austausch zu treffen.“

Etwa im nächsten Jahr zum Konvent der Baukultur 2022. Die Daten sind jedenfalls schon fixiert und können in den Kalender eingetragen werden: Am 3. und 4. Mai 2022 soll der Baukulturkonvent als Wahlkonvent in Potsdam stattfinden. Das heißt, dass zu dieser Gelegenheit sämtliche Mitglieder des Konvents neu berufen werden – insgesamt bis zu 350 Persönlichkeiten mit einem außergewöhnlichen Engagement für Baukultur.

Hier können Sie sich den Livestream zum Tag 1 des Studio Baukultur anschauen.

Hier finden Sie den Livestream von Tag 2 des Studio Baukultur.

 

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Die saubere Kraft der Pflanzen

Das Café de Ceuvel im Norden von Amsterdam ist mehr als nur gemütliches Café. Denn es steht auf einem Grundstück, was zuvor durch die Schwerindustrie verseucht war. Während Gäste ihr Craft Beer trinken, reinigt Phytoremediation den Boden. 

Das ehemalige Werftgelände Buiksloterham, einem Stadtteil im Norden von Amsterdam, zieht seit einigen Jahren jede Menge Aufmerksamkeit auf sich. Hier ist ein temporärer, ökologisch und sozial nachhaltiger Standort für soziale Einrichtungen und kreative Unternehmen entstanden. Seit 2012 transformiert sich De Ceuvel von einem verseuchten Industrieareal zu einem Ort für nachhaltiges Wohnen und Arbeiten.

Gereinigt wird der verseuchte Boden durch die sogenannte Phytoremediation, ein relativ neuer Ansatz zur biologischen Sanierung verseuchter Böden. Sie umfasst verschiedene Verfahren, bei denen Schadstoffe in Mutterböden, Sedimenten sowie Gewässern und Grundwasser mit Hilfe von Pflanzen entfernt, abgebaut und eingedämmt werden. Welche Pflanzen man verwendet, hängt vom jeweiligen Einsatzort ab. Im Falle von De Ceuvel wurden verschiedene Gräserarten, Rohrkolbengewächse und Pappeln eingesetzt, um organische Verbindungen zu zersetzen, Schwermetalle zu absorbieren und verseuchtes Grundwasser zurückzuhalten. Sobald eine bestimmte Pflanzenart ihre Reinigungsaufgabe erfüllt hat, wird sie durch andere Spezies ersetzt. Aussehen und Charakter des betreffenden Geländes sind dadurch ständiger Veränderung unterworfen.

 

Die Phytoremediation ist auch langfristig sehr viel günstiger im Gegensatz zur herkömmlichen Methoden, die verseuchte Mutterbodenschichten abtragen und diese auf Mülldeponien entsorgen, da sie vor Ort stattfindet. Damit rücken auch verseuchte Brachflächen zur erneuten Nutzung ins Blickfeld, die aufgrund fehlender Mittel bis dahin nicht saniert werden konnten. Die biologische Sanierung ist zudem unter ästhetischen Gesichtspunkten deutlich attraktiver. In De Ceuvel macht die Vielfalt an Pflanzen in unterschiedlichen Größenordnungen, Farben und Formen dies unmittelbar ersichtlich. Allerdings ist die Phytoremediation ein langwieriger Vorgang. Der Abbau von Schadstoffen kann Jahre oder gar Jahrzehnte dauern, je nach Grad der Schadstoffkonzentration, Größe der zu sanierenden Fläche, Klima und Anbausaison sowie weiteren Faktoren wie der Wachstumsgeschwindigkeit der Pflanzen, der Reichweite ihrer Wurzeln und der Möglichkeiten, sie gegen Beschädigungen zu schützen.

 

 

 

Alle GIFs von Vandejong, Let it Grow, Mélanie Corre

Mehr Informationen zu dem De Ceuvel Projekt in Amsterdam finden Sie in der Novemberausgabe 2018 der Garten+Landschaft.

 

 

 

Landschaften der Zukunft gesucht

Es ist eine Kluft zwischen Stadt und Land entstanden: Während urbane Räume von Bevölkerungswanderungen und wirtschaftlichen Entwicklungen profitieren, bleibt der ländliche Raum zurück. Das im deutschen Grundgesetz festgehaltene Recht auf gleichwertige Lebensverhältnisse ist zunehmend gefährdet. Die IBA Thüringen veranstaltet zu diesem Thema einen Workshop in der ländlichen Gemeinde Kannawurf. Unter der Überschrift „1.500 Hektar Zukunft – (Er)Findung einer neuen Landschaftstypologie des 21.Jahrhunderts“, werden Studierende, junge Wissenschaftler und Berufstätige dazu aufgerufen ein neues Konzept für den ländlichen Raum zu entwerfen.

Ein neues Landschaftsbewusstsein

Ziel des Workshops ist es ein neues Bewusstsein für die Landschaften des ländlichen Raumes zu schaffen. Stereotypen und etablierte Landschaftsbegriffe und -bilder sollen kritisch hinterfragt und bestehende Landnutzungen und Beziehungen neu entwickelt werden. Themen wie Forst- und Energiewirtschaft, Dorfentwicklung, Tourismus, Naturschutz und Kooperationsnetzwerke müssen dabei Berücksichtigung finden. Fernab von jeglichen Ballungsgebieten, stellt die kleine thüringische Gemeinde Kannawurf den örtlichen Rahmen. Rund 1.500 Hektar strukturarme Agrarlandschaft stehen bereit, um von den Teilnehmern neu bespielt zu werden.

IBA Campus

Unter dem Namen IBA Campus gründet die IBA Thüringen jedes Jahr ein internationales und interdisziplinäres Kollektiv. Der IBA Campus 2017 richtet sich vor allem an junge Interessenten. Eingeladen sind Studenten sowie Wissenschaftler und Berufstätige mit einer maximalen Berufserfahrung von drei Jahren. Eine Einschränkung des Studien- beziehungsweise des Berufsfeldes existiert nicht. Der Bewerbungszeitraum endet am 15. April 2017. Aus den Bewerbern werden 12 Teilnehmer ausgewählt, um mit hochrangigen Experten Teil der IBA Modellprozesse zu werden. Weitere Informationen finden Sie unter www.iba-thueringen.de