Blick auf den neuen Stadtbaustein. Quelle: Franken Generalplaner GmbH
Seit über zehn Jahren liegt in Düsseldorf-Bilk die circa 1,2 Hektar große Fläche brach. Heute sieht man von dem ehemaligen Galvanisierungsbetrieb nur noch Teile der alten Hallenstrukturen. Dabei wäre das Areal ein wichtiger Stadtbaustein. Dementsprechend lobte man einen nicht offenen städtebaulichen Wettbewerb für eine Nachnutzung aus. Näheres zum Entwurfssieger „Südlich Auf’m Hennekamp“ erfahren Sie hier.
Die Gebietseigentümerin VSF Grundstücks AG lobte in Abstimmung mit der Landeshauptstadt Düsseldorf einen städtebaulichen Wettbewerb für „Südlich Auf’m Hennekamp“ aus. Die Entscheidung fiel dabei auf den Beitrag des Planungsteams Franken Generalplaner GmbH, Frankfurt am Main zusammen mit bb22 architekten + stadtplaner maheras, nowak, schulz, wilhelm PartGmbB, Frankfurt am Main. Des Weiteren teilen sich Lorber Paul Architekten GmbH, Köln mit Sehw Architektur GmbH, Duisburg sowie bjp I bläser jansen partner, Dortmund den dritten Preis.
Ansichten auf das Gelände. Quelle: Franken Generalplaner GmbH
Mehr Harmonie und Nutzungsvielfalt erwünscht
Auf der ehemaligen Industriefläche soll nun ein attraktiver Beitrag für das Quartier entstehen. Dabei fügt sich die Neuplanung behutsam in die nachbarschaftlichen Strukturen ein. Die Beigeordnete für Planen, Bauen, Wohnen und Grundstückswesen der Landeshauptstadt Düsseldorf, Cornelia Zuschke, äußert sich hierzu wie folgt: „Die Fläche hat aufgrund ihrer Lagequalitäten eine besondere städtebauliche Bedeutung für Bilk. Sie bietet die Möglichkeit, eine innerstädtische Lücke zu schließen und neuen, dringend benötigten Wohnraum zu schaffen.“ Des Weiteren schreibt die Ausloberin „Südlich Auf’m Hennekamp“ einen Nutzungsmix zu. Dieser besteht aus unterschiedlichen Wohnformen, gewerblichen Nutzungen und sozialer Infrastruktur. Auch qualitätsvolle Frei- und Grünräume dürfen natürlich nicht zu kurz kommen.
Neue grüne Mitte auf'm Hennekamp
„Südlich Auf’m Hennekamp“ stärkt die gewachsene Stadtstruktur durch die Weiterführung der Blockrandbebauung. Diese gewerblich genutzte Riegelbebauung schützt zudem die im Innenbereich gelegenen Wohnstandorte vor Lärm. Eine Stichstraße mit Wendemöglichkeit erschließt das Innere des Areals und macht es zudem autofrei. Ein Fuß- und Radweg verknüpft in Nord-Süd-Richtung das Gelände in sich und mit der Umgebung. Entlang dieses Stichwegs reihen sich vor den Gebäuden Freiraumangebote, wie ein Café oder ein Mehr-Generationen-Platz. Das Gelände wird zu den Rändern entsiegelt und begrünt. Auch staffeln sich die Baukörper nach Süden hin ab. Das sorgt für eine ausreichende Belichtung der ebenerdigen Freiflächen sowie mehr nutzbare Außenflächen auf den Dächern. Die Gebäude bieten dadurch mehr Platz für Fassaden- und Dachbegrünung. Zurück am Boden gibt es im Osten einen öffentlichen Pocket-Park mit Spielplatz. Auch sind der neuen Kita, dem Senior*innenwohnen und den anderen Wohnformen private Grünflächen zugeordnet. Bei den Wohngebäuden werden dabei Mieter*innengärten sowie gemeinschaftliche nutzbare Freiräume angeboten.
Cornelia Zuschke sieht der Planung von „Südlich Auf’m Hennekamp“ freudig entgegen: „Dort kann dann eine grüne Innenwelt mit großzügigen Freiräumen, einem prägnanten Hochpunkt und zwei weiteren markanten Gebäuden entstehen. So wird eine Balance zwischen einer angemessenen Dichte und attraktiven Grünräumen für die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner und die gesamte Nachbarschaft erreicht“.
Schnittansicht auf das Gelände. Quelle: Franken Generalplaner GmbH
„Südlich Auf’m Hennekamp“ wächst mit Bürger:innen beteiligung
Im November letzten Jahres brachten die Bürger*innen in einem Workshop Anregungen für den städtebaulichen Wettbewerb „Südlich Auf’m Hennekamp“ ein. Diese nahm man dann in die Aufgabenstellung des Verfahrens auf. Und auch jetzt sind die Bürger*innen eingeladen, über die sechs Wettbewerbsergebnisse zu diskutieren und erneut ihre Ideen beizusteuern. Der Siegerentwurf dient zudem als Grundlage für ein Bebauungsplanverfahren. Dieses wird laut Zeki Anter, Vertreter der Ausloberin, kurzfristig gestartet.
Wie eine Ausstellung gestalten, deren Fokus Landschaft ist? Wie etwas in begrenzten Räumlichkeiten ausstellen, dessen Essenz doch die Grenzenlosigkeit ist? Kunst- und Kulturschaffende sowie (Landschafts-)Architekt*innen finden seit immer wieder Antworten auf diese Fragen und präsentieren neue Landschaftserlebnisse in Innenräumen. So etwa der isländische Künstler Olafur Eliasson, der kurzum die Fondation Beyeler in Basel mehrerer Aussenwände beraubte und sie unter Wasser setzte. Welche weiteren Möglichkeiten es gibt, Landschaft auszustellen, zeigt Fanny Brandauer mit ihrem Projekt „Atlas of Landscapes in a Room“.
„Wie etwas ausstellen, das nicht nur ‚zu groß‘, sondern bereits öffentlich ist? Wie etwas in einem Ausstellungsraum adäquat vermitteln, das räumliche, körperliche Erfahrungen voraussetzt?“
(Margareth Otti in Ruhl, C., & Dähne, C. (2015). Architektur ausstellen: Zur mobilen Anordnung des Immobilen (S. 6–13). Berlin: Jovis)
Landschaft ist immobil, kontextabhängig und vielschichtig und auf Grund ihrer Komplexität nur schwer in einem Innenraum vor- und noch weniger ausstellbar. Doch das Hereinholen von Landschaft in den Innenraum erzeugt ein ungewohntes Spannungsfeld. Außerdem birgt es Potenziale, die es sich näher zu betrachten lohnt. Das Entkoppeln und Isolieren eines Landschaftsteils und dessen Rekontextualisierung im Innenraum erschliesst neue Spielräume zur (Re-)Präsentation und inhaltlichen Vermittlung von Landschaft. Der Betrachtungsfokus verschiebt sich dadurch und wird neu ausgerichtet. Raumgefühl, Naturphänomene, Geräusche und Gerüche lassen sich entsprechend inszenieren und erlebbar machen. Dadurch wird man als Besucher*in auf imaginative Reisen an nahe und ferne Orte geschickt.
Atlas of Landscapes in a Room soll Diskurs anregen
Doch wie gelingt es, Landschaft in ihrer Komplexität im Innenraum festzuhalten? In welcher Weise muss man Landschaft verändern und umformen, verkleinern, vergrößern, symbolisieren oder abstrahieren, um sie in den Ausstellungsraum transferieren zu können? Wie bleibt ihre räumliche Erfahrbarkeit im Innenraum bestehen?
Antworten darauf lassen sich in den Arbeiten von Landschaftsarchitekt*innen und Architekt*innen, Kunst- und Kulturschaffenden finden, die auf vielfältige Art und Weise neue Landschaften im Innenraum kreieren. Um einen Überblick über jenes breite Spektrum zu geben, entstand das Projekt Atlas of Landscapes in a Room. (Dem Projekt liegt übrigens die im Jahr 2018 verfasste Masterarbeit „Landschaft ausstellen. Über den Transfer von Landschaft in den Innenraum“ zu Grunde.)
Atlas of Landscapes in a Room macht es sich zur Aufgabe, ausgewählte historische und zeitgenössische Arbeiten zu kuratieren und miteinander zu verknüpfen. Er dient folglich als digitales indexiertes Nachschlagewerk und als Archiv. Denn Atlas of Landscapes in a Room möchte einen transdisziplinären Diskurs anregen und Denkanstöße initiieren, wie Landschaft und Natur im Innenraum eingefangen und wiedergegeben werden können.
Robert Smithons Konzept des Site/Non-Site
„Und als Resultat habe ich entschieden, dass es, statt etwas in die Landschaft zu stellen, interessanter sei, die Landschaft nach drinnen zu holen, an den Nicht-Ort, in den abstrakten Behälter.“
Robert Smithson in Schmidt, E., & Vöckler, K. (Hrsg.). (2000). Erde. Ein Symposium am White Museum, Cornell University.
Im Jahr 1968 präsentierte der Land-Art-Künstler Robert Smithson seine Arbeit „Site/Non-Site“ und wirkte wegbereitend für heutige Betrachtungen, wie Landschaft im Innenraum räumlich erfahrbar gemacht werden kann. Denn Smithson‘s Arbeit handelte vom Dialog zwischen dem Außen- und dem Innenraum. Mithilfe von Fotografien und Kartenmaterial sowie entnommenen Mineral- und Gesteinsproben dokumentierte er einen Landschaftsteil der geschützten Wälder Pine Barrens an der Atlantikküste New Jerseys. Er erzählte damit von einem realen Ort in der Landschaft, aber repräsentierte diesen unerwarteterweise im Innenraum.
Ausgestellte Landschaften im zeitlichen Wandel
Die zweidimensionalen Träger (Karten, Fotos) ergänzte er zudem um ein dreidimensionales Bild (Mineral- und Gesteinsproben). Der reale Ort, an dem er das Material entnommen hatte, war dabei genauso Teil der künstlerischen Arbeit wie das Material selbst, das im Ausstellungsraum gezeigt wurde und auf den physischen Ort verwies. (vgl. Schmidt, E., & Vöckler, K. (Hrsg.) (2000). Erde. Ein Symposium am White Museum, Cornell University. Übersetzt aus dem Original: Earth, Nachlass, 1969. In: Gesammelte Schriften (S. 217–227). Köln: Verlag der Buchhandlung Walther König.)
Robert Smithson leistete damit Pionierarbeit im räumlichen Sichtbarmachen und Zeigen von Landschaften, doch das generelle Darstellen von Natur und Landschaft im Innenraum findet seinen Ursprung weitaus früher als in den 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts.
Die wohl früheste gezielte Zurschaustellung exotischer Kostbarkeiten, Naturalien und anderer Artefakte (meist Errungenschaften kolonialer Entdeckungsreisen) vollzog sich in den Wunderkammern und Naturalienkabinetten europäischer Fürstenhöfe des 15. und 16. Jahrhunderts. In Schränken und Schaukästen wurden Kuriositäten aus aller Welt aufbewahrt, wissenschaftlich untersucht und klassifiziert.
Infolgedessen, im darauffolgenden 17. Jahrhundert hielt das Landschaftsmotiv Einzug in die Malerei. Maler aus den Niederlanden, Flandern und Italien setzten sich erstmals grundlegend mit der Landschaft als selbstständiges Bildsujet auseinander und zauberten sublime Landschaften nach Vorbild des antiken Arkadiens auf ihre Leinwände (welche später in den englischen Landschaftsgärten verwirklicht wurden).
Anfang des 19. Jahrhunderts dann prägte der deutsche Maler Caspar David Friedrich mit seinen melancholischen und imaginativen Natur- und Landschaftsdarstellungen die zeitgenössische Landschaftsmalerei, bevor sich Mitte des 19. Jahrhunderts die „Schule von Barbizon“ formierte und eine neue Ära einläutete. Mit Palette und Staffelei verließen die KünstlerInnen die vier Wände ihrer Ateliers und arbeiteten in der freien Natur. Sie verzichteten in ihren Bildern auf eine realitätsgetreue Motivdarstellung und fingen lieber Formen, Farben und Lichtsituationen auf ihren Gemälden ein. (vgl. Van den Berg, K. (2010). Zur Welt kommen. Landschaft als Resonanzraum. In S. von Berswordt-Wallrabe & V. Rattemeyer (Hrsg.), Landschaft als Weltsicht: Kunst vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart (S. 13–27). Köln: Wienand.)
Landschaftsausstellung gibt Einblick in Arbeitspraxis und -philosophie von Planer*innen
Mitte des 20. Jahrhunderts schließlich wurde der Begriff der Installation geprägt: raumgreifende, orts- und situationsbezogene Kunstwerke, die in ihrer medialen Ausrichtung, Erfahrbarkeit und Materialität äußerst vielseitig sind. Mit dem Auflodern der Ökologiebewegung etablierte sich ein neues Verständnis von Natur und Kultur als korrelierende Einheit. Der anthropogene Einfluss wurde viel stärker in die Betrachtung von Landschaft miteinbezogen und Natur- und Landschaftsfragmente nicht mehr als romantisierte oder isolierte Objekte ästhetisiert.
Das Landschaftsmotiv kehrt in beinahe allen Kunststilen und -epochen, in der Fotografie genauso wie im Film, wieder und hat auch in der zeitgenössischen Kunst nicht an Relevanz verloren. Kunst- und Kulturschaffende knüpfen heute an die Positionen der vorhergegangenen Generationen an und erweitern diese. Sie setzen immaterielle und flüchtige Materialien wie Licht, Klang oder Geruch ein, um Atmosphären aufzubauen und die sinnliche Wahrnehmung anzuregen.
Das Projekt Atlas of Landscapes in a Room
Mit steigender Tendenz rückt das inhaltliche Arbeiten mit Natur und Landschaft auch immer mehr ins Interesse von Museen und Kunsträumen. Sie kuratieren z.B. Fachausstellungen und Werkschauen, welche entweder spezifische Fragestellungen unter Setzung eines übergeordneten Themenschwerpunkts ergründen oder geben Einblick in die Arbeitspraxis und -philosophie einzelner Kunstschaffender und Planer*innen geben.
Atlas of Landscapes in a Room veranschaulicht wie Ausstellungsräume zu Orten des Geschichtenerzählens und der (Re-)Präsentation von Landschaft werden. Außerdem wie sie es vermögen, der Landschaft einen Wirkungsraum außerhalb ihres eigentlichen „Habitats“ zu geben.
Der digitale Atlas gliedert sich denn auch über einen klaren und stringenten Aufbau, der einer Kategorisierung in sieben Bereiche folgt: Collage (COL), Diorama (DIO), Exhibition (EXH), Installation (INS), Photography (PHO), Painting (PAI) und Wunderkammer (WUN). Die Kategorisierung nimmt sowohl Bezug auf den eben beschriebenen historischen Wandel ausgestellter Landschaften als auch auf die unterschiedlichen Medien der Darstellung. Das Navigieren durch den Atlas und die kuratierten Beiträge funktioniert primär über die Willkür des subjektiven visuellen Blicks und sekundär über ein Index-System, welches mit dem Aspekt der Wissenschaftlichkeit spielt.
Doch vor allen Dingen soll Atlas of Landscapes in a Room zum Stöbern, Entdecken, Erforschen und Sich-inspirieren-lassen einladen, neue Denkanstöße geben und zudem eine Grundlage für weiterführende Untersuchungen zu diesem spannenden Themenkomplex bilden.
Fanny Brandauer schloss 2018 mit der Masterarbeit „Landschaft ausstellen. Über den Transfer von Landschaft in den Innenraum“ ihr Studium an der TU München ab. 2021 rief sie Atlas of Landscapes in a Room ins Leben. Sie lebt und arbeitet in Berlin und München und ist als Teamleiterin bei Studio Vulkan München tätig. Hier geht es zum Instagram-Account von Atlas of Landscapes in a Room.
Kurz vor Weihnachten 2016 starb Uwe Isterling mit 85 Jahren in Hamburg. Mit ihm ging einer der Landschaftsarchitekten, die von ihren Hochbaukollegen als „Gärtner“ betitelt werden. Doch verliehen sie Isterling diesen Titel nie abschätzig, sondern mit großem Respekt und er war stolz darauf. Eine feine, nie vordergründige, nie modische Entwurfssprache kennzeichnete sein Schaffen.
Von Günther Schulze, bei dem er bis zur Gründung seines eigenen Büros 1964 arbeitete, lernte er den gekonnten Einsatz der Pflanze, um das gemauerte und gepflasterte Rückgrat eines Gartens spannend zu überspielen. Mit Privatgärten für bekannte Persönlichkeiten wie Karl Lagerfeld oder Rudolf Augstein wurde Isterling in der Hansestadt und überregional bekannt. Doch hinterließ er auch im öffentlichen Raum Hamburgs seine Spuren, unter anderem mit dem Sternschanzenpark und der Landschaftsgestaltung entlang der Ortsumgehung für den Flughafen in Fuhlsbüttel (mit Jan M. Runge). Im bdla war er sowohl in der Landesgruppe Hamburg wie im Bundespräsidium aktiv.
Nachdem Isterling 1997 mit Gordon Evans und Dirk Junker zwei jüngere Partner in sein Büro geholt hatte (IPL), stieg er 2001 aus der Partnerschaft aus. Mit Unterstützung eines Mitarbeiters arbeitete er an verschiedenen Projekten allein weiter. Sein letztes großes Werk waren die Außenanlagen zum Kurhotel Oberwaid in St.Gallen. Die vergangenen drei Jahre verbrachte er in einem Pflegestift. Bei seinem letzten Besuch brachte ihm sein langjähriger Freund und Kollege Jan Michael Runge ein Dokument mit: Ein Isterling-Garten an der Elbchaussee war unter Denkmalschutz gestellt worden – ein würdevoller Schlusspunkt eines langen Planerlebens.