Zur Zukunft der Metropolitanregion Basel

Während europaweit Abschottungstendenzen zunehmen, arbeitet die IBA Basel 2020 seit zehn Jahren grenzüberschreitend mit ihren Partnern an modellhaften Projekten der Stadt- und Regionalplanung. Im Rahmen der Swissbau in Basel diskutierte vergangenen Januar ein hochkarätiges Podium über die Zukunft der Metropolitanregion Basel.

Wer trägt den Geist der Internationalen Bauausstellung Basel weiter? Was kann der Rest der Welt von der IBA im Dreiländereck lernen? Diese zwei übergeordneten Fragen standen im Raum, als Pierre de Meuron, Monica Linder-Guarnaccia, Agnes Förster und Beat Aeberhard das Podium betraten, um über die Zukunft der Metropolitanregion Basel zu diskutieren. Die Metropolitanregion Basel ist ein zusammenhängender, gewachsener Lebens- und Wirtschaftsraum, der jedoch von politischen Grenzen zerteilt wird. Entsprechend sind Grenzüberschreitungen alltäglich. Während europaweit Abschottungstendenzen zunehmen, arbeitet die IBA Basel seit zehn Jahren grenzüberschreitend an modellhaften Projekten der Stadt- und Regionalplanung. In diesem Jahr endet die IBA. Nun gilt es den angestoßenen Veränderungsprozess zu verstetigen und Antworten auf die Frage zu finden, wie ein Zusammenleben in der trinationalen Region aussehen soll. Der Moment ist günstig.

Podium Swissbau Event: Die Zukunft der Metropolitanregion Basel
Die Podiumsteilnehmer von links nach rechts: Pierre De Meuron (Gründungspartner Herzog & de Meuron), Prof. Dr.-Ing. Agnes Förster (Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtentwicklung, RWTH Aachen University/Kuratorin IBA 2027 StadtRegion Stuttgart), Monica-Linder-Guarnaccia (Geschäftsführerin IBA Basel 2020), Judit Solt (Moderation) und Beat Aeberhard (Kantonsbaumeister Basel-Stadt) (Foto: IBA Basel 2020).

Die Wirkung beim Nachbarn suchen

In den letzten Jahren hat in der Region Basel ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Die Gemeinden haben begonnen, sich den Nachbarn zuzuwenden. Früher drehte man dem Umland den Rücken zu, heute schaut man auf das lang ignorierte Dazwischen: Der Hinterhof wird zum Zentrum. Man hat gelernt, komplexe Zusammenhänge über die Grenze hinweg zu koordinieren. Gemeinsame Werte und Zielvorstellungen wurden entwickelt. Die Verbundprojekte, wie die Rheinliebe oder das 3Land, spielen hier eine zentrale Rolle.
Nun stellt sich die Frage, wie man das Know-how und den Willen in der trinationalen Region, etwas zu bewirken, in die Zukunft rettet. Es ist die Aufgabe der IBA-Geschäftsstelle und der Projektleiter, die Erfahrungen, Planungswerkzeuge, Methoden und Verfahren weiterzugeben. Die Beteiligten sind aufgefordert darüber nachdenken, welche Formate, Gremien und Institutionen geeignet sind, um die Schlüsselprojekte fortzuführen.
In der Region gibt es derzeit eher zu viele Organisationen, die sich um den Metropolitanraum kümmern. Die IBA ist jedoch ein Kind des Trinationalen Eurodistrict Basel (TEB), einer Plattform der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der trinationalen Agglomeration Basel. Warum sollte man nach zehn Jahren IBA-Ausnahmezustand den Ball nicht einfach wieder zurückspielen? Ein übergeordnetes Gremium wie der TEB wird unbedingt gebraucht, gegenwärtig fehlt ihm jedoch die entwerferische Kompetenz. Vor allem sollte sich jemand der kleineren Projekte annehmen, deren Weiterführung vorantreiben und Ergebnisse einfordern. Denn die kleinen Dinge wie das IBA Kit helfen, schwerfällige und langwierige Umbauprozesse greifbar zu machen.

Die Organisation und das freie Denken

Die Diskussion in Basel hat gezeigt, dass sich alle Anwesenden ihrer Verantwortung bewusst sind. Einen konkreten Plan gibt es bisher zwar noch nicht, aber mit der Strategie 2040 wurde ein wichtiger Prozess angestoßen, den politischen Willen zu formulieren. Jetzt sind die politischen Vertreter am Zug: Wie wollen sie ihre Zusammenarbeit nach der IBA gestalten? Wie kann sie personenunabhängig funktionieren? Politikerfreundschaften vereinfachen die Zusammenarbeit heute sehr. Welche Strategie möchte die Politik mit ihren Administrationen in den nächsten 20 Jahren verfolgen? Wo liegen die Prioritäten der trinationalen Region? Setzt man auf Siedlungs- und Infrastrukturentwicklung oder auf Landschaftsprojekte? Wichtige Fragen, die es früh anzudiskutieren lohnt. Dabei geht es nicht darum, eine Overall-Identität zu erreichen, jede Region hat ihre eigene Identität und soll diese auch behalten. Zentral ist aber, eine langfristige, grenzüberschreitende Strategie zu entwickeln, die die Metropolitanregion voranbringt. Da eine solche Strategie im Lauf des Jahres 2020 nicht vom Himmel fallen wird – auch da sind sich die Anwesenden einig –, gilt es Brückenkonstruktionen für die nächsten Jahre zu finden; Lösungen für die erste Zeit, damit das Begonnene wachsen kann. Diese dürften auch im Projektmodus und themenbezogen sein. Es braucht keine neuen Strukturen. Da muss ein Impuls gesetzt werden. Angerissen wurden Ideen wie ein trinationaler Fonds als Anreizsystem, ein Planungsfonds, getragen durch die ansässigen Firmen oder eine grenzüberschreitende Modellregion für Mobilität. «Wir brauchen beide Welten: die Organisation und das freie Denken. Wir brauchen Finanzierungsmodelle, Fachunterstützung und eine politische Ebene, die den Prozess stützt», hieß es denn auch übereinstimmend auf dem Podium.

Zehn Jahre Arbeit vermitteln

Der IBA Basel 2020 fehlen die gebauten Leuchtturmprojekte. Prozessinnovationen sind wenig greifbar. Der Paradigmenwechsel in der Region ist spür-, aber nicht sichtbar. Der Mehrwert aus den Projekten ist der Bevölkerung schwierig darzustellen. Was erreicht wurde, war und ist nicht einfach zu vermitteln. So verwundert auch der Wunsch aus dem Publikum nicht: Ein roter Faden wird vermisst und, dass nach der IBA etwas räumlich sichtbar bleibt. Die IBA-Geschäftsstelle hat sich genau das zum Ziel gesetzt: Die Besuchenden sollen etwas zum Anschauen haben. Sie sollen aber auch begreifen, welche Prozesse, Werte und Qualitäten die Arbeit der letzten Jahre hervorgebracht hat. Regionen und Städte sind in stetigem Wandel, der Wunsch nach Partizipation wächst. Das sind anspruchsvolle gesellschaftliche Prozesse, bei denen der Mensch im Mittelpunkt steht – auch in anderen Metropolitanregionen. Und diese sollen von Basel und seinen Umlandgemeinden lernen können.

Dieser Artikel erschien erstmals auf espazium.ch