:terra nova: Sichtbare Bezüge in der Braunkohlelandschaft

:terra nova Kulturlandschaft und Energiepark im Rhein-Erft-Kreis großteils fertig gestellt.

Der Rhein-Erft-Kreis westlich von Köln verfügt über eine langjährige Tradition im Braunkohletagebau. 1978 begann Rheinbraun als Vorgängerin der RWE Power AG mit den Arbeiten in Hambach, 1984 wurde dort die erste Kohle gefördert. Mit einer prognostizierten maximalen Größe von 8 500 Hektar ist Hambach der größte Tagebau in Deutschland. bbz Landschaftsarchitekten Berlin in Kooperation mit dem Architekten Ernst Scharf Berlin haben mit „:terra nova” Bezüge hergestellt, die die ständige Veränderung der Landschaft sichtbar machen und auf eine mögliche Zukunft nach der Braunkohle verweisen.

Seit 2007 arbeiten die lokalen Gemeinden, die Regionale 2010 und RWE Power AG mit bbz und Ernst Scharf zusammen, um -:terra nova als Kulturlandschaft und Energiepark neuen Typs zu entwickeln (siehe auch Garten + Landschaft 12/2011). Die Komponenten dieses Parks sind das „BiosphärenBand“, das Energie-Kompetenzareal, die Lupenräume als Prototypen des künftigen Time Park, die Gangways mit Ausblick in den riesigen Tagebau Hambach und die Info-Boxen, die Informationen über die Region und ihre Geschichte vermitteln sowie das Forum Tagebau Hambach und die noch nicht realisierte RWE World.

Nach der Kohle

Timo Herrmann, Geschäftsführer von bbz Landschaftsarchitekten und Projektleiter von :terra nova betont, dass bei Braunkohlefolgelandschaften oft die Tagebaugruben selbst als potentielle Tourismusmagneten favorisiert werden. Im Kontrast hierzu will :terra nova den bestehenden Kontext und die Räume zwischen den Gruben thematisieren und so Bezüge und neue regionale Impulse für die Zeit nach der Kohle herstellen.

Die beiden Pole der Energie-produktion – die bis zu 400 Meter tief liegenden Kohleflöze im Tagebau Hambach und das Kraftwerk Niederaußem – werden entlang des Biosphärenbandes durch einen Asphaltweg verbunden. Dieses Band war ursprünglich eine Fördertrasse für Abraum des Tagebaus Hambach, mit dem der ältere Tagebau Fortuna-Garsdorf verfüllt wurde. Die 14 Kilometer lange Strecke wurde auf beiden Seiten mit Emissionsschutzwällen versehen, die nach rund 30 Jahren nun üppig bewachsen sind. Die Landschaftsarchitekten entschieden sich, diese einzigartige Landschaft (die ursprünglich zurückgebaut werden sollte) als Rückgrat von :terra nova zu verwenden und sie als Abfolge von Räumen und postglazialen Vegetationsstufen des Entstehungsprozesses der Braunkohle neu zu erfinden: mit Sumpfzypressenwäldern, Kiefernwäldern und Trockenrasen auf Sanddünen.

Entlang des Biosphärenbandes mit seinen überwucherten Erdwällen wurden so genannte Landschaftsfenster eingeschnitten, um Bezüge zur umgebenden Landschaft herzustellen. Eines dieser Fenster öffnet sich zu einem üppigen, grünen Feld, auf der eines Tages ein Energiekompetenzzentrum stehen soll. Die Infobox Kompetenzareal, eine von vier leuchtend orangefarbenen Betonpavillons entlang des Bandes, ist auf dieses Feld ausgerichtet, sie soll dazu anregen, über eine mögliche Zukunft nach der Braunkohle nachzudenken. Vorerst schießen Radfahrer und Kinder auf Skateboards vorbei und genießen die neue Bewegungsfreiheit, die das lange Biosphärenband in der dicht besiedelten Region bietet.

Lesen Sie mehr in Garten + Landschaft 11/2015 – Köpfe | Fragen | Zukunftsfelder.

Das könnte Sie auch interessieren
Nachhaltige Stadtplanung für klimafreundliche Städte: Wie mehr Baumkronenbedeckung das Stadtklima verbessert. Foto: Ramin Alizadeh via unsplash
Bäume als Schlüssel für klimafreundliche Städte
Ausstellung: Critical Care
Ideen und Impulse für IBA München gesucht: Räume der Mobilität
Mobilität in der Metropolregion
Seeing Trees, Cover: Yale University Press London
Seeing Trees – Buchrezension
Der Vordergrund wird von einem mächtigen Stamm dominiert. Dahinter erblickt man einen begrünten Straßenraum. Unter einem stattlichen Baum steht ein Lastenfahrrad. Abbildung: Manifest der Freien Strasse / paper planes e. V.
Manifest der freien Straße: Buchrezension
Adventskalender Tag 3
Der blaue Magnet
eine-gruppe-von-gebauden-mit-roten-dachern-in-einer-stadt-xZe82eeE_S4
Straßenbeläge im Hitzetest – Materialvergleich aus planerischer Sicht
bdla-Entwerfertage Nr. 2

Städtewachstum – die G+L im April

Advertorial Artikel Parallax Article

Die demografische Entwicklung wird Deutschland bis 2035 mit voller Wucht treffen – sowohl in den Metropolen als auch im ländlichen Raum. In der Aprilausgabe 2021 der G+L gilt unser Fokus den Metropolen und ihren zunehmenden Wachstumsschmerzen: Wir thematisieren Städtewachstum. Wir werfen einen Blick nach Frankfurt, Freiburg, Hamburg, Leipzig, München, Paris und Zürich und diskutieren kritisch, wie die Städte mit dem zunehmenden Flächendruck umgehen, ohne ihre Grünflächen zu kannibalisieren. Was die Sendung mit der Maus mit Städtewachstum zu tun hat, erklärt Chefredakteurin Theresa Ramisch im Editorial.

Städtewachstum und seine Konsequenzen

 

Den 50. Geburtstag groß feiern, das ist aufgrund der Corona-Pandemie derzeit nahezu unmöglich. Zumindest für uns Normalos, nicht aber für das Geburtstagskind des letzten Monats: die Sendung mit der Maus. Unter viel Applaus feierte sie Anfang März ein halbes Jahrhundert „Lach- und Sachgeschichten“. In der Jubiläumsausgabe erforschten Armin, Christoph und Co., was die Maus in den nächsten 50 Jahren erleben wird – mit Geschichten über Roboter, 3D-Drucker und einem Intro auf Klingonisch (ja, wirklich, die Sprache aus „Star Trek“). 

Die Frage, die dabei natürlich nicht fehlen durfte, war: Wie werden wir in Zukunft bei immer dichter werdenden Städten zusammenleben? Ein Thema, das uns in den planenden Disziplinen inzwischen seit Jahr­zehnten beschäftigt und trotzdem immer wieder neu Anlass gibt, weitere Ansätze und Methoden zu entwickeln. Zufälligerweise ist es auch genau das Thema der vorliegenden G+L. Denn: Mehr und mehr Menschen ziehen weiterhin in die Metropolen, der ländliche Raum hingegen wird an Bevölkerung verlieren. Das sagt zum einen Armin in der Maus-Jubiläumsfolge (und: Wie könnte Armin jemals falsch liegen?!), allen voran bestätigt das aber auch die neue Raum­­­ordnungs­prognose, die der BBSR im März veröffentlichte.

Die Folgen für unsere Städte sind massiv. München, Stuttgart, aber auch Hamburg, Berlin und Köln ächzen zunehmend unter dem anhaltenden Wachstumsdruck. Zugleich scheint das Grün in der Stadt mit jedem neu ausgeschriebenen Baufeld, mit jeder Nachverdichtung zurückzuweichen. Sollten die betroffenen Großstädte nicht frühzeitig nachsteuern, werden sich die ­Konse­quenzen des unkontrollierten Wachstums fatal auf die Lebensqualität und das Stadtklima auswirken.

Ansätze für die Städte der Zukunft

Allgemeine Strategien, wie Metropolen dem Wachstumsdruck begegnen können, gibt es zuhauf. Aber können die was? Wir denken nein – schließlich bringt jede Stadt ihre individuellen Heraus­forderungen mit sich. Da greift kein Schema F. Aus diesem Grund verzichten wir in diesem Heft explizit auf das Vorstellen ­allgemeiner Handlungsansätze und schauen stattdessen direkt in die Städte. Während Armin für die Maus nach Zürich reiste, entschieden wir von der G+L uns für einen Blick nach Frankfurt am Main, Hamburg, Leipzig und Potsdam – also für vier der Städte, die laut dem BBSR und dem Berlin-Institut besonders vom Wachstum betroffen sein werden.

Zugegeben, wir gehen das Ganze ein wenig planerischer an als die Maus, aber mit hoffentlich nicht minder interessanten Ideen. Unser Ziel war es, Ihnen, liebe Leser*innen, viele gute Ansätze zu liefern, wie wir mit nachhaltiger Planung Dichte in unseren Städten der Zukunft möglich machen können, ohne unser Stadtgrün und -klima in Gefahr zu bringen.

PS: Dieses Heft ist die erste Ausgabe der diesjährigen Stadt-Spezial-Serie. Unter dem Motto „Städte für morgen“ diskutieren wir in drei aufeinanderfolgenden Heften drei Themen, an denen aktuell keine Planungs­abteilung vorbeikommt.

Zeit und Landschaft

Temporäre Projekte bieten Abwechslung, schaffen Aufmerksamkeit, werten Baulücken auf. Wir beleuchten in unserer neuen Ausgabe, welche Chancen und Risiken sie bergen. Mit dabei: der Marienhof in München, das Dreispitzareal in Basel und Atelier le Balto.

Vierte Dimension als Kalkül
Das rhythmische Spiel zeitlicher Gegensätze im Raum zeichnet Landschaft und Stadt gleichermaßen aus. Planen als Denken in Zeithorizonten zu verstehen ist zwar kein neuer Ansatz. Dennoch wird er in vielen Projekten mittlerweile radikaler gedacht und gelebt. Zeit wird zum Kalkül.

Von der Kunst des Abwartens
Das Emscher-Gebiet ist der Prototyp einer sich über Generationen hinweg entwickelnden Landschaft. Der Zeitfaktor wird hier allerdings zur Herausforderung: Wenn das Ergebnis erst in Jahren sichtbar wird – wie überzeugt man die Bevölkerung?

Prozess als Prinzip
Das Berliner atelier le balto hat seine Nische gefunden und fühlt sich wohl dort: Die Spezialität der drei Franzosen sind temporäre und prozesshafte Projekte, in denen immer ein Akteur im Mittelpunkt steht: die Pflanze

Quartier in Etappen gedacht
Die Freiräume im Kunstfreilager des Dreispitzareals in Basel werden in Stufen realisiert. So bleiben sie offen für Veränderungen. Und das in einem auf 30 Jahre angelegten Entwicklungsprozess.

Die Zeit einrahmen
Klaus Overmeyer, Gründer des Büros Urban Catalyst Studio und Vordenker in der nutzergetragenen Stadt- und Projektentwicklung, über die Planbarkeit von Lebensgefühl und den Weg als Ziel.

Der Unvollendete
Im Herzen von München steht ein Freiraum in Warteposition. Der Marienhof hinter dem Neuen Rathaus und dem Marienplatz präsentiert sich schon seit Ende des Zweiten Weltkrieges als Dauerprovisorium. Im Moment ist er eine Grünfläche – wieder nur eine Zwischenlösung. Daran ist nichts Problematisches. Oder doch? Wir haben genauer hingeschaut.

Reiz des Vorübergehenden
Seit 2011 interpretieren Studenten und Absolventen Landschaften auf Sardinien mit Hilfe temporärer Installationen neu. Gerade das zeitlich Begrenzte der Aktionen macht sie so interessant: Sie werden zu vorübergehenden Taktgebern, die Orte in ungewohnte Bedeutungszusammenhänge einordnen.

Frage: Brauchen wir BIM? Wie Landschaftsarchitekten profitieren können.

Praxis: Mit Wasser gegen die Langeweile: Matsch- und Wasserspielplätze

Lösungen: GaLaBau 2016 Spezial + Editor’s Pick

Referenz: Buntes Parkett für Altona

Hier geht’s zum Shop