21.12.2021

Aktuelles

The Ideal City – Exploring Urban Futures: Buchrezension

von Lena Lämmle
Das Buchcover von "Ideal City" fällt durch seine gelbe Farbe auf und dem aufgedruckten Bild von einer Stadt aus der Vogelperspektive.

Buchcover: The Ideal City – Exploring Urban Futures (Bild: Sofia Clarke

Das Buch „The Ideal City – Exploring Urban Futures” von Robert Klanten, Elli Stuhler und Space10 nimmt seine Leser*innen auf eine spannende Weltreise. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie Städte nachhaltig gestaltet werden können. In ihrer Rezension hinterfragt die Studentin Lena Lämmle, ob  das Buch diese Zukunftsfrage der nachhaltigen Stadtentwicklung überhaupt beantworten kann. 

Buchcover: The Ideal City – Exploring Urban Futures (Bild: Simon Caspersen, Space10)

The Ideal City: Inhalt und Aufbau

Kann dieses Buch die Frage nach der idealen Stadt beantworten? Die zentrale Idee der sieben Autoren darunter Steph Wade, David Michon und Anna Southgate ist zu untersuchen, wie Städte sozial-psychologisch, ökologisch und ökonomisch nachhaltig gestaltet werden können. Grundlage bilden gesammelte Erkenntnisse aus Projekten und Initiativen aus 53 Städten. Dazu gehören New York, Amsterdam oder Chiang Mai. Es kommen Expert*innen aus wissenschaftlichen Disziplinen wie Architektur, Design, Städteplanung, aber auch Unternehmen und Gemeinden zu Wort. Herausgeber des 260-seitigen, bebilderten Buches ist Space10, ein von IKEA unterstütztes Forschungs- und Designlabor.

Fünf Prinzipien werden für ideale Städte als wesentlich angesehen. Diese sind: Ressourcenvielfalt, Erreichbarkeit, Inklusion, Sicherheit und Attraktivität. Jedes Prinzip wird zunächst erläutert. Darauf werden Expert*innen, etwa von „Space und Matter“ zu Ressourcenvielfalt oder die „East Jerusalem Development Company“ zu Erreichbarkeit befragt. Das Projekt „Schoonschip“ in Amsterdam ist beispielsweise eine ökologisch autarke Wohngemeinschaft, während das Projekt „Old City Jerusalem“ die barrierefreie Navigation in einem 3 000 Jahre alten Stadtkern ermöglichen will. Die Expert*innen sehen zudem Nachhaltigkeit und Gemeinschaft als erstrebenswert an. Sie finden in verschiedenen Projekten, unter anderem im „Co-Living“, in sicheren Gemeinden, oder in biodiversen und multifunktionalen (Außen-)Räumen Anwendung. Bei ökonomisch benachteiligten Stadtbewohner*innen spielt die Förderung von Bildung durch bauliche Interventionen wie beispielsweise die „Avasara Academy“ in Lavale, Indien eine zentrale Rolle.

Die Publikation – empfehlenswert?

Wenngleich den Leser*innen das eine oder andere Referenzprojekt bekannt sein wird, ist es die Fülle an Informationen sowie die Perspektivenvielfalt, die den Leser*innen neues Wissen vermitteln. Der Schreibstil zeichnet sich durch Neugierde, Offenheit und Optimismus aus: Herausforderungen eröffnen Möglichkeiten für Veränderungen. Dabei wird die zukünftige Stadt nicht nur durch Stadtplaner*innen, sondern insbesondere auch durch ihre Bewohner:innen geformt. Entsprechend richten sich die Autor*innen an eine breite Leserschaft, ohne dabei auf wissenschaftliche Befunde zu verzichten. Diese sind für die fachkundigen Leser*innen zwar zu knapp dargestellt, regen aber zu vertiefenden Recherchen an. Insgesamt lesen sich die im Buch dargestellten Inhalte kurzweilig und lassen die Leser vergessen, dass es sich um Sachliteratur handelt.

Das Buch inspiriert. Das liegt zum einen an facettenreichen, erfolgreichen oder erfolgsversprechenden Projekten und Initiativen. Zum anderen ermöglicht die Lektüre eine erlebenswerte (Welt-)Reise in Vergangenheit und Zukunft, Kenntnis und Unkenntnis sowie in Realität und Vision mit dem Gefühl der gemeinschaftlichen Machbarkeit. Allerdings bleiben die Fragen nach Transferierbarkeit, Nutzen und gegebenenfalls Modifikation der Projekte für weitere Stadtentwicklungen überwiegend unbeantwortet.

Hintergrund dieses Artikels: In einem Seminar von Professor Udo Weilacher, Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur und Transformation (LAT) an der TU München konnten Studierende im Sommersemester 2021 in das Feld des Fachjournalismus hineinschnuppern. Masterstudent*innen der Landschaftsarchitektur der Technischen Universität München schrieben in einer „Schreibwerkstatt” Buchrezensionen zu selbst ausgewählter Fachliteratur. Wir stellen auf unserer Seite ausgewählte Rezensionen vor.

Eine Übersicht zu weiteren Buchrezensionen aus dem Seminar finden Sie hier.

Auch interessant: Hier geht es zu der Rezension von Esraa Elmashak zum Buch „Making Plans: How to Engage with Landscape, Design, and the Urban Environment”.

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