Nur fünf Minuten vom Hauptbahnhof Wuppertal liegt der Skulpturenpark Waldfrieden. Eine Straße in Serpentinenschleifen führt in das Skulpturenparadies, das sich der englische Bildhauer Tony Cragg (geb. 1949) in seiner bergischen Wahlheimat geschaffen hat. 2006 erwarb der ehemalige Rektor der Kunstakademie Düsseldorf das knapp 20 Hektargroße Anwesen Waldfrieden, um dort dauerhaft seine großformatigen Skulpturen auszustellen.

Craggs Skulpturen und die Urkräfte der Natur

Lackfabrikant Kurt Herberts (1901–1989) hatte dort einst seine Villa erbauen lassen. Haus und Park ließen die Erben verfallen. „Alles war kaputt, die Fenster im Haus, die Wege im Park, sogar Tierkadaver lagen herum“, erzählt Tony Cragg. Dann zogen seine von der Natur inspirierten Skulpturen aus Metall, Holz oder Marmor ein und auf den Fundamenten des ehemaligen Schwimmbads ließ der Künstler einen gläsernen Ausstellungspavillon, entworfen von dem  Wuppertaler Architekten Rudolf Hoppe errichten. Er zeigt heute monografische Wechselausstellungen. Mario Merz machte mit der Eröffnungschau vor zehn Jahren 2008 den Anfang, Künstler-Kollegen wie Eduardo Chillida, Jean Dubuffet, Richard Long und John Chamberlain folgten. Aktuell sind dort bis zum 25. Juni Werke des Bildhauers Klaus Rinke zu sehen. Als Pionier der Prozesskunst, macht der ehemalige Düsseldorfer Kunstprofessor „Zeit und Raum als ‘Primärdemonstration’ für den Betrachter erfahrbar. Zentrale Rolle im Schaffen des Künstlers spielen die Urkräfte der Natur.

Wandern durch Kunst und Landschaft

Innerhalb des weitläufigen Parks ist die stetig wachsende Skulpturensammlung Tony Craggs ausgestellt, die neben Plastiken des Künstlers auch Werke der Klassische Moderne und Gegenwart von Henry Moore, Markus Lüpertz oder Erwin Wurm umfasst. Bei der etwa anderthalbstündigen Wanderung durch Tony Craggs Idylle kann man sie alle entdecken. In ihrer Artenvielfalt passen die Kunstobjekte perfekt in die verwunschene Landschaft. Waldfrieden lockt jedes Jahr Tausende Betrachter an. „Alle interessieren sich für Naturformen“, freut sich Tony Cragg. „wir sind auch Naturformen, ein Riesenvokabular von Formen. Es sind diese Formen mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften, die uns die Grundlage für eine Sprache gegeben haben – unsere Sprache und unsere Gedanken, alles was wir kennen eigentlich, das, was wir in unserem Kopf haben, kommt aus der Materialwelt um uns herum“.

Skulpturenpark Waldfrieden

Öffnungszeiten: März bis Oktober 11 – 19 Uhr, Dienstag bis Sonntag

Eintrittspreise: Tageskarte Erwachsene 10 Euro

Hirschstraße 12

42285 Wuppertal

Weitere Informationen finden Sie hier.

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„Die IBA Basel hat dem Projekt ‚Trois Pays à Velo‘ Schwung gegeben“

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Basel ist längst ein Tourismuszentrum. Um auch die trinationale Agglomeration touristisch zu aktivieren, begannen Deutschland und die Schweiz ein Radnetz zu planen. Durch die IBA Basel wurde aus dem binationalen Projekt “Trois Pays à Velo” ein trinationales Radnetz. Durch die Radwege soll die Dreilandregion um Basel als Freizeitradler-Destination wahrgenommen werden. Im Gespräch erklärt die Projektleiterin der Dreiland-Radreise-Region, Melissa Chibko, die Hintergründe des Radnetzwerks.

Alle Facetten der Region durch Trois Pays à Velo

Frau Chibko, Sie arbeiten für den Trinationalen Euodisctrict Basel (TEB). Wie kam es zu dem Projekt Trois Pays à Velo?
Ursprünglich war es ein binationales Projekt zwischen Deutschland und der Schweiz, welches den Tourismus in dem Regionalpark Dinkelberg fördern sollte. Dann kam die IBA Basel dazu und es entwickelte sich zu einem trinationalen Projekt, das den Aktionsraum erweitert. Damals nannten wir das Projekt „Landschafts-Rendez-Vous“. Es beschäftige sich mit vier Themen: Velolandschaft, Naturlandschaft, Erlebnislandschaft und Genusslandschaft.

Das sind sehr viele Themen für ein Projekt …
Genau, aus diesem Grund haben sich die Partner*innen des Projekts dazu entschlossen, sich auf ein Thema zu fokussieren, auf das Fahrrad, mit dem man Landschaft und Natur erleben kann.

Welche Rolle hat der TEB bei dem Projekt?
Der TEB ist die Plattform der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der trinationalen Agglomeration Basel. Unser Gebiet erstreckt sich über die drei Länder und umfasst viele Gemeinden und Kommunen in Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Wir arbeiten also immer mit nationalen oder internationalen Partner*innen. Wir koordinieren dabei Projekte zwischen den Partner*innen dieser drei Ländern, wie bei dem Projekt Trois Pays à Vélo.

Wie kann man sich den Radweg vorstellen?
Es ist eher ein Radwegnetzwerk als ein einziger Radweg. Das Netzwerk besteht aus drei Hauptwegen, die die drei Länder durchqueren. Die längste Route ist 195 Kilometer lang. Dazwischen liegen auch kleinere Routen, die durch die Region führen.

Welche nächsten Schritte sind noch geplant? Wird das “Trois Pays à Velo” noch weiterentwickelt?
Derzeit arbeiten wir vor allem an der Kommunikation, damit so viele Radfreund*innen wie möglich von unseren Wegen erfahren. Wir erstellen gerade eine Website und Radkarten für die Öffentlichkeit. Im kommenden Jahr möchten wir vor allem die Serviceeinrichtungen und Infrastrukturen weiterentwickeln. Auf lange Sicht hoffen wir eines der vier vorher erwähnten Themen auszubauen und in die Radtour einzubetten. Dann können wir alle Facetten der Region hervorheben.

Koordination war große Aufgabe

War die Region schon davor touristisch erschlossen?
Basel und Mulhouse sind auf jeden Fall Tourismuszentren. Wir wollten die Radfahrer*innen aber auch in andere Regionen locken. Denn gerade zwischen den beiden Städten gibt es sehenswerte Natur. Außerdem gab es schon die Eurovelorouten im Süd-Elsass. Das ist also ein guter Einstieg für die Radfahrenden, um auf unsere neuen Routen zu fahren.

Wie wird das Projekt angenommen?
Soweit sehr gut. Es gibt eine regelrechte Radbegeisterung. Es ist übrigens auch eines der ersten Projekte bei dem wir die Touristeninformation und die Gemeinden gleich von Anfang an zu Rate gezogen haben. Daher lief die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Akteur*innen von Anfang an gut.

Was war aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung des Projekts?
Alle Akteur*innen zusammenzubringen. Die Region ist sehr groß und versammelt daher sehr viele Partner*innen: Derzeit sind mehr als 27 Akteur*innen an dem Projekt beteiligt. In der Region arbeiten über 20 Partner*innen an dem Projekt. Sie alle zu koordinieren war eine große, aber auch schöne Aufgabe.

Mehr Schwung durch IBA Basel

Sie beschäftigen sich beim TEB also immer mit internationalen Projekten. Was nehmen Sie von dieser transnationalen Zusammenarbeiten mit?
Alle Länder haben natürlich ihre eigenen Vorstellungen, das ist herausfordernd. Im Laufe der Zusammenarbeit wachsen die unterschiedlichen Akteur*innen jedoch zusammen und man findet Kompromisse. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass die Projekte gerade an den unterschiedlichen Herangehensweisen und Anforderungen wachsen. Denn jede*r Akteur*in trägt etwas bei.

Ist es der IBA gelungen, diese Zusammenarbeit zwischen den drei Ländern zu stärken?
Bei diesem Projekt auf jeden Fall. Zu Anfang war es ja ein binationales Projekt. Die IBA hat gefördert, dass daraus ein trinationales Projekt wurde und hat dem Ganzen mehr Schwung gegeben.

Tross Pays à Velo: Schöner Ausflug für Familien

Was macht die Region so besonders?
In Deutschland und der Schweiz haben wir ohnehin schon ein gutes Radnetz. Und auch das Süd-Elsass durchqueren viele Radwege. Unser Radnetz verbindet die vorhandenen Wege untereinander und erlaubt es, die gesamte Region mit dem Fahrrad zu erschließen. Landschaftlich ist gerade das Juragebirge und das Markgräflerland besonders spannend.

Entlang der Routen liegen viele Naturschutzgebiete. Zum Beispiel die „Petite Camargue Alsacienne“. Dort zwitschern nachts die Nachtigallen und tagsüber kann man schottische Hochlandrinder beim Grasen beobachten. Aber auch die Flora ist beachtlich – man findet dort Seerosen und unterschiedliche Orchideen. Und in den beiden Großstädten Basel und Mulhouse trifft Modernität auf Tradition. Die Region bietet von allem ein bisschen.

Und, sind sie die Tour schon mal abgefahren?
Ja, schon des Öfteren. Es gibt wirklich tolle Orte und gerade für Familien ist es ein schöner Ausflug.

Warum wir eine IBA-Basel-Serie gestartet haben? Das lesen Sie hier.

Sämtliche Beiträge zur IBA Basel 2020 finden Sie hier.

Wettbewerbsübersicht November 2019 (2/2)

bei dem TPG Landschaftsarchitekten Trüper

Kornmarkt in Osterode am Harz, 1. Preis TGP Landschaftsarchitekten, Lübeck

Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen monatlich über die spannendsten Wettbewerbsergebnisse.

Parkbogen Ost, Sellerhäuser Bogen, Leipzig, 1. Preis SINAI Landschaftsarchitekten, Berlin

Die historische Altstadt von Osterode am Harz zählt mit ihrer Bausubstanz, der zu großen Teilen erhaltenen Stadtmauer und ihrem mittelalterlichen Stadtgrundriss als Flächendenkmal von überregionaler Bedeutung. TGP Landschaftsarchitekten stellen in ihrem Entwurf Straßenraum und Platzabfolge gestalterisch und funktional in den verloren gegangenen baugeschichtlichen Kontext und führen Gebäude und Freiräume zu einem erlebbaren Gesamtbild zusammen. Grundlage bildet dabei ein Materialkanon für alle Straßen und Plätze der Altstadt, sowie eine einheitliche Pflasterung des Straßenraums als homogener und verbindender Teppich. Wie eingewebte Intarsien heben sich darin die Plätze mit ihrer kleinformatigen Pflasterung hervor, ebenso wie die mittig im Straßenraum liegende Entwässerungsrinne, die zugleich lineares Leitelement bildet. Ein Großteil der Bäume bleibt erhalten, wichtige Wegeverbindungen und Blickachsen werden jedoch freigestellt, störende Baumreihen dabei aufgelöst. Die Planer sehen vor, die entnommenen Eichen wieder einzupflanzen und als Baumgruppen auf dem Kornmarkt zu bündeln.

Freiflächen im Innovationspark Augsburg, 1. Preis SARL Miething, Paris, mit Mila Architekten, Berlin

Leipzig plant seit einigen Jahren, aus dem stillgelegten S-Bahnbogen ein grünes Parkband mit Aktivflächen zu entwickeln, das den Leipziger Osten umfasst. SINAI Landschaftsarchitekten aus Berlin schlagen in ihrem Siegerentwurf zur Gestaltung des Teilbereichs Sellerhäuser Bogen einen Höhenpark vor, der nicht allein die Höhe als Erlebnis thematisiert, sondern auch den Wechsel der Ebenen. Die Dammkrone verknüpft sich dabei stets mir der Basisebene der angrenzenden Stadträume, der Bogen entwickelt sich zur vernetzenden Struktur über die Höhe hinweg. Die Identität des zukünftigen Parks speist sich dabei aus dem Wechselspiel einer zeitgemäßen Programmatik und den der historischen Nutzung entlehnen Codes und Materialien. Der Park selbst besteht aus drei Ebenen – die Basisebene des angrenzenden Stadtraums, die Höhenebene der Dammkrone mit nutzbaren Seitenbereichen sowie die Böschungszone als verbindende Ebene mit Rampen und Treppen. Signifikante Baukörper besetzen als „follies“ neuralgische Orte im Park und schaffen ein übergeordnetes System. Sie bilden Stationen zur Orientierung und helfen, die jeweiligen Parkabschnitte zu unterscheiden.

Auf knapp 70 Hektar entsteht ein Forschungs- und Entwicklungscampus mit Hochschule und beigeordneten Nutzungen, rund 16 Hektar dieses Innovationsparks sind als öffentliche Freiflächen vorgesehen. Der Siegerentwurf sieht eine zeitlich, räumlich und programmatisch unterschiedlich bespielbare Matrix vor. Diese lässt ausreichend Flexibilität zu, um auf aktuell noch nicht definierte Nutzer und Nutzungen des Parks adäquat reagieren zu können, bietet aber dennoch Lösungen für die Zwischenzustände. Die Matrix setzt sich aus einem feinmaschigen Wegenetz zusammen, das die zentralen öffentlichen Räume integriert. Innerhalb dieser Struktur treten die Quartiersplätze durch eine neue Typologie separat hervor. An der Ostseite des Innovationsparks bildet ein naturnah geformter und an der umgebenden Geografie orientierter Landschaftsraum das Rückgrat der Freiflächen. Dieser Freiraumkorridor soll sich sukzessive zum Wald aufbauen, mit einem Raster aus Bäumen und Lichtungen. Die Baumschicht zieht sich zwischen die orthogonale Baustruktur und verwebt die beiden Freiraumtypologien zu einer Einheit.