„Kapazitätsgrenzen kennen wir seit Anbeginn der Tourismusplanung“

Für die Maiausgabe 2019 der Garten + Landschaft interviewte G+L Redakteurin Theresa Ramisch den Tourismusexperten Alexander Schuler von BTE Berlin und unterhielt sich mit ihm über „overtourism“ (Spoiler: Alexander Schuler findet das Thema wird zu heiß gekocht) und wie Kommunen und Gemeinden verhindern, dass ihnen Google und Co. langfristig die Tourismusbranche streitig machen.

Alexander Schuler
Dr. Alexander Schuler ist geschäftsführender Gesellschafter der Tourismus- und Regionalberatung BTE.

Keiner mag Touristen. Geben Sie es zu, Herr Schuler, Sie doch auch nicht, oder?

Das kommt auf die Touristen an. Aber ich gebe zu: Wenn ich reise, dann möchte ich neue Kulturen kennenlernen, suche den kulturellen Austausch. Den Kontakt zu dem Berliner aus meinem Kiez suche ich dann nicht.

Aber Touristen haben derzeit einen denkbar schlechten Stand. Stichwort: Overtourism.

Sicher, in vielen Städten wie in Berlin diskutiert man gerade intensiv über vermeintlich zu viele Touristen in den einzelnen Stadtquartieren, ähnlich wie in Venedig und in Barcelona. Das muss auch ernst genommen werden. Bei genauer Betrachtung zeigt sich allerdings, dass Overtourism nicht unbedingt ein Problem einer Stadt in der Fläche ist, sondern das von Stadtteilen und Quartieren.  So wie es aktuell diskutiert wird, ist es zu heiß gekocht.

„Tourismus ist ein Luxusgut, das wir uns gönnen.“

Wie meinen Sie das?

Gerade hat jeder etwas dazu zu sagen, doch das Thema Kapazitätsgrenzen kennen wir seit Anbeginn der Tourismusplanung. Es ist nichts Neues. Man könnte meinen, das Phänomen bricht wie eine Welle über uns herein. Fakt ist jedoch: Es war früh erkennbar, dass der Tourismus gerade in den Städten so stark zunehmen würde. Das sind die Geister, die wir riefen – unter anderem durch entsprechendes Marketing.

Wir sind also an unseren vollen Innenstädten selber schuld?

Ja, der Tourismus hat zugenommen, weil wir wohlhabender geworden sind, weil wir viel mehr Möglichkeiten im Bereich der Mobilität haben – denken Sie nur an all die Billigairlines und die neuen Flugverbindungen – und weil sich das Volumen an internationalen Gästen, insbesondere der asiatischen, drastisch erhöht hat. Tourismus ist ein Luxusgut, das wir uns gönnen.

Und Reisen ist Lifestyle.

Es gehört einfach dazu. Früher ist man aus bildungstechnischen Gründen gereist. Heute reisen wir, um zu berichten und um unsere Fotos auf Instagram zu posten. Das ist die Instagrammability, von der alle sprechen. Millenials suchen ihre Urlaubsziele nach deren Social-Media-Verwertbarkeit aus.

„Ein funktionierender Tourismus steigert die Lebensqualität.“

Und ein Musikclip von Justin Bieber führt dazu, dass eine ganze Schlucht in Island gesperrt werden musste. Sie hält den neuen Besuchermassen nicht stand. Schauen wir der Wahrheit ins Gesicht: Wir sind alle Touristen und wenn wir reisen, wollen wir alle unseren persönlichen Vorteil.

Ja, und unsere Städte und Regionen verändern sich dadurch. Es hat alles zwei Seiten. Als Bewohner einer Stadt wünschen wir uns kulturelle Angebote, Bars, Clubs und Cafés. Diese brauchen Touristen als Einnahmequelle. Wenn dann deren Kapazitätsgrenze erreicht ist, beschweren wir uns. Das ist Messen mit zweierlei Maß.

Abgesehen vom Finanziellen, was hat eine Stadt, eine Region von Tourismus?

Kulturellen Reichtum. Für uns Stadtbewohner heißt das, dass wir nicht immer in ferne Länder reisen müssen, wir haben das Fremde bei uns zu Gast. Das ist bereichernd und fördert die persönliche Entwicklung.

Und wenn man das Monetäre mitdenkt?

Eine funktionierende und vielfältige Kultur-, Freizeit- und Gastronomieszene, von der auch die Einwohner profitieren und die nur durch die Einwohner nicht überleben könnte. Gleiches gilt auch für Parks, Wanderwege, Radwege oder Spielplätze. Ein funktionierender Tourismus steigert die Lebensqualität auch und gerade für die Bewohner einer Stadt oder Region. Letzten Endes werten all diese Einrichtungen den Imagefaktor und die Lebensqualität eines Standorts auf. Eine Person, die sich bei einem gleichwertigen Job zwischen zwei Städten entscheiden kann, wird sich immer für die Stadt mit der höheren Lebensqualität entscheiden. Eine Stadt tut gut daran, sich für den Tourismus und den Freizeitwert vor Ort zu engagieren.

BTE berät Kommunen, Landkreise, Ministerien und Tourismusorganisationen bei der Entwicklung von Tourismuskonzepten und -strategien. Welchen Herausforderungen stellen diese sich derzeit?

 

Das vollständige Interview können Sie in der Garten+Landschaft 05/2019 nachlesen. Hier geht´s zum Shop.

Das Porträt von BTE Tourismus finden Sie hier.