Die Biennale der urbanen Landschaft im Wissenschaftspark
Die Biennale der urbanen Landschaft im Wissenschaftspark, Foto: Ravi Sejk

Die erste Biennale der urbanen Landschaft geht zu Ende. Über zwei Wochen kamen unterschiedliche Akteur*innen zusammen. Sie alle waren an der Zukunft der urbanen Landschaft in der Metropole Ruhr interessiert. Damit knüpfen sie an die IBA Emscher Park an, die vor über 30 Jahren am selben Ort startete.

Zum Auftakt der Biennale der urbanen Landschaft kamen bei einigen Teilnehmenden Erinnerungen hoch. Denn mit der Einladung in den Wissenschaftspark Gelsenkirchen startete die Veranstaltung genau dort, wo vor über 30 Jahren die IBA Emscher Park ihre Arbeit aufnahm. Der Wissenschaftspark war über zwei Wochen das Zentrum der Biennale. Dass der Auftakt und viele weitere Veranstaltungen draußen im Garten stattfanden, war kein Zufall. Denn im Mittelpunkt der Biennale stand die Landschaft. Die erste Biennale der urbanen Landschaft geht auf die Initiative lala.ruhr – Das Labor für die Landschaft der Metropole Ruhr zurück.

Der Wissenschaftspark war über zwei Wochen das Zentrum der Biennale der Urbanen Landschaft. Foto: Ravi Sejk
Der Wissenschaftspark war über zwei Wochen das Zentrum der Biennale der Urbanen Landschaft. Foto: Ravi Sejk

Das Ruhrgebiet

Seitdem die IBA Emscher Park in den 1990er-Jahren den Strukturwandel der Region begleitete, ist viel passiert. Es sind zahlreiche Projekte und Prozesse initiiert worden, die die alte Steinkohle-Region in die Zukunft führten. In den Jahren nach der IBA sorgten große Events für viel Aufmerksamkeit. Als das Ruhrgebiet 2010 Kulturhauptstadt war oder sich 2017 als Grüne Hauptstadt präsentierte, war die ganze Welt zu Gast. Danach aber kam der Alltag und der zeigte, dass die Herausforderungen im Ruhrgebiet noch immer groß sind. 

lala.ruhr und die Zukunft der Metropole Ruhr

Die Herausforderungen vor Ort treiben die Gründer*innen der Initiative lala.ruhr um, den Diskurs über die Zukunft der urbanen Landschaft anzuregen. Gemeinsam mit einer Bandbreite von Akteur*innen machen sie sich auf die Suche nach Ideen für eine grüne Zukunft. Die soll gerecht und inklusiv, produktiv und lebenswert, resilient und klimaneutral sein. Und genauso breit wie die Vision von lala.ruhr ist, so breit ist auch das Spektrum an Akteur*innen, die an der Biennale mitwirken. Es sind nicht nur professionelle Stadt- und Freiraumplaner*innen, Institutionen und Verwaltungen. lala.ruhr versucht vielmehr alle Menschen zu erreichen, die zur Gestaltung der urbanen Landschaft beitragen möchten.

Auftakt der Biennale: Wochenende der Vielfalt, Foto: Ravi Sejk
Auftakt der Biennale: Wochenende der Vielfalt, Foto: Ravi Sejk

1. Biennale der urbanen Landschaft

Die erste Biennale der urbanen Landschaft hieß alle willkommen, die an der Zukunft der Metropolregion interessiert sind. Sie alle waren eingeladen, ihr Wissen einzubringen. Dabei waren Vorschläge für Veranstaltungen und Aktionen genauso willkommen, wie die Teilnahme an Diskussionen. Dem breiten Aufruf entsprechend bot die Biennale über zwei Wochen ein vielfältiges Programm. Mit einem Wochenende der Vielfalt startete die Veranstaltung. Schon da wurde klar, wie vielfältig die Beiträge zu Transformation der urbanen Landschaft sind.

Frischer Blick von Studierenden

Natürlich fehlten auch Studierende auf der Biennale der urbanen Landschaft nicht. Sie kamen aus diversen Hintergründen und brachten dementsprechend verschiedene Perspektiven ein. Bereits deren Beiträge machten deutlich, dass die Region nicht nur in großen Maßstäben zu planen ist. Vielmehr plädierten die Studierenden dafür, bis in den kleinsten Maßstab zu denken und die Menschen vor Ort miteinzubeziehen. Darüber hinaus scheuten die jungen Akademiker*innen nicht, dabei zu digitalen Technologien zu greifen. Eine Gruppe entwarf eine App, die die Lücke in der Kommunikation zwischen Bürger*innen und der Verwaltung schließen könnte. 

Am mittleren Wochenende der Biennale der urbanen Landschaft hätte ein App nicht überrascht. Denn da kamen Expert*innen der digitalen Welt in einem Hackathon zusammen. Vor Ort skizzierten und entwickelten sie Szenarien und Tools, die vielen älteren, raumplanenden Akteur*innen fremd anmuteten. Aber das wird sich ändern, dazu haben die digitalen Profis einen wichtigen Beitrag geleistet. 

Convention zum Abschluss

Den Abschluss der Biennale bildete eine zweitägige Convention. Durch das ungewöhnlich breite Spektrum von Gästen und Mitwirkenden waren auch hier die Perspektiven facettenreich. Aber fast alle Diskussionen, Workshops und Paneels wiesen auf den aktuellen Handlungsdruck hin. Von der „Überlagerung von Krisen“, von „siamesischen Krisen“ war die Rede. Sie alle drängen mehr denn je und es ist Zeit Lösungen umzusetzen. Genau hier sehen viele das Problem. Ein Kenner der Region richtete deshalb den Blick zurück auf die IBA Emscher Park: „Vielleicht braucht es wieder einen Werkstattcharakter, also die Offenheit für neue Herangehensweisen, den Mut zum Experimentieren und Fehler zu machen.“

Hackathon auf der Biennale, Foto: lala.ruhr
Hackathon auf der Biennale, Foto: lala.ruhr

Die erste Biennale als Auftakt 

Nach zwei Wochen intensivem, buntem Treiben am und im Wissenschaftspark Gelsenkirchen ist die Biennale der urbanen Landschaft zu Ende gegangen. Die Veranstalter*innen sind sehr zufrieden. Es haben über 200 Menschen mitgewirkt und das breitgefächerte Programm möglich gemacht. Dabei reicht das Spektrum von interessierten Bürger*innen aus der Region, über Studierende aus NRW bis zu Vertreter*innen von Wissenschaft, Institutionen, Ministerien und Kammern. Die Biennale hat eine ungewöhnliche Breite von Zugängen zum Thema urbane Landschaft, eine Vielzahl von Perspektiven und Betroffenheiten thematisiert. Vielleicht war es das erste Mal, dass Vertreter*innen etablierter Institutionen so eng mit Macher*innen von Stadt und Landschaft zusammen kamen. In einem Paneel stand ein NRW-Staatssekretär neben einem Mitglied der Ruhrbanen Liga; leider noch immer ein ungewöhnliches Bild.

Das Bild soll kein Einzelfall bleiben. Denn die Biennale wäre nur ein „Auftakt, der Beginn eines Prozesses“, so der Mitinitiator Sebastian Schlecht. Und Melanie Kemner fügt hinzu: „Die beiden Wochen haben gezeigt, dass Interdisziplinarität und Internationalität zusammen funktionieren.“ Auch sie will: „weiter so!“

Mehr über lala.ruhr erfahren Sie hier.

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Beim Ideenwettbewerb um die Bahnhofsvorplätze in Heidelberg konntem sich Bierbaum Aichele Landschaftsarchitekten aus Mainz durchsetzen. Die Jury: „Die Verfasser reagieren sensibel auf die Architektur des Hauptbahnhofs. Es entsteht ein ruhig gestalteter, vielfältig nutzbarer Bahnhofsvorplatz, der in überzeugender Weise die für ein funktionierendes Bahnhofsumfeld erforderlichen Infrastrukturen integriert.

Der Entwurf teilt sich in den Bahnhofsvorplatz und den Willy-Brandt-Platz Nord und Süd. Der zentrale Bahnhofsvorplatz ist als große Freifläche mit hochwertiger Pflasterung geplant. Er stellt die Verbindung zwischen Empfangshalle und Kurfürstenanlage her. Der Willy-Brandt-Platz am nördlichen Ausgang ist ein neuer kleiner Vorplatz mit Sitzinsel, der von Individual- und Lieferverkehr freigehalten wird. Der südliche Teil des Platzes bietet Taxivorfahrt, Behinderten- und Kurzzeit-Stellplätze sowie Platz für die Außengastronomie des Ibis Hotels.

Die bestehenden Platanen des Planungsgebiets werden weitestgehend erhalten und durch neue Baumarten ergänzt, für den schattigeren nördlichen Platz sehen Bierbaum Aichele langfristig Stauden vorgesehen.

Im nächsten Schritt wird der Entwurf den Ausschüssen und Räten der Stadt vorgelegt werden. Für die Umsetzung sind derzeit noch keine Mittel frei, sie sollen zum nächsten Doppelhaushalt 2017/2018 diskutiert werden.

Dopo Expo – Was danach?

Für viele gilt die Expo 2015 als voller Erfolg. Jedenfalls hatten die Mailänder es damals rechtzeitig geschafft, ihre Metropole auf Vordermann zu bringen. Doch mit der Nachnutzung verhält es sich nicht so rosig. Es gibt zwar Ansätze, aber keine finale Idee. Andreas Kipar, Landschaftsarchitekt und Gründer und Inhaber des Büros LAND mit Sitz in Mailand, krempelte die graue Industriestadt in den letzten Jahrzehnten um. Wir sprachen mit ihm über die grüne Entwicklung der italienischen Metropole.

Garten + Landschaft: Wie sind Sie damals nach Mailand gekommen?
Andreas Kipar: Ein alter Professor riet mir damals, nachdem ich mein Studium beendet hatte und nicht wirklich etwas mit mir anzufangen wusste, ich solle mal raus. Ich sollte mein Horizont erweitern und meine unruhige Seele entspannen. Mich reizte schon immer Italien. Italien war schon immer, was die Landschaft, die Freiräume in der Stadt betraf, unter bemittelt. Es gab, außer den historischen Gärten, wenig Grün zwischen dem Grau. Es gab dort kein gesundes Mittelmaß zwischen Masse und Freiraum, wie wir es aus Deutschland kennen. Das weckte damals meine Neugierde und trieb mich nach Italien.

G + L: Was hat sich seither geändert?
A K: Man kann heute sagen, dass aus der grauen Industriestadt Mailand ist mittlerweile eine grüne Metropole geworden. Die großen Industriebrachflächen aus den 1980er Jahren haben sich in neue Stadtviertel entwickelt. Dort sind neue Parks und Grünanlagen entstanden, die heute sehr gut funktionieren. Mein Büro war von Anfang an an dem Wandel dieser großräumigen Entwicklungsgebiete beteiligt. Ein wirklicher Glücksfall für mich. Wir waren zum richtigen Zeitpunkt an Ort und Stelle und haben deshalb eine wichtige Rolle in der grünen Entwicklung Mailands gespielt. Die Expo hat Mailand, die dreckige Stadt Norditaliens, in ein neues, positives Licht gerückt. Mailand fungiert als Scharnier von Nord und Süd und vermittelt zwischen den Regionen. Die Expo hat Mailand die Kirsche aufgesetzt und für ein neues Bewusstsein gesorgt.

G + L: Die Expo war demnach Entwicklungsmotor?
A K: Ja genau, die Expo war die Kirsche des Ganzen. Die vorbereitenden Maßnahmen waren aus den 1980ern und 1990ern Jahren, das systematische Arbeiten an den Industriebrachen und die Expo hat das alles noch einmal zusammen gefasst und hat dadurch die Kirsche auf die Torte gesetzt. Die positive Grundstimmung heute in Mailand nehmen wir als Planer mit und denken weiter. Die Stadt feiert ihre Langsamkeit, ihre Entschleunigung, was vor ein paar Jahren noch verpönt war. Es hat ein Paradigmenwechsel in der Stadtgesellschaft stattgefunden.

G + L: Also würden Sie sagen, dass die Expo ein Segen für die Stadt war?
A K: Ein großer Segen. Auch für das Selbstbewusstsein einer ganzen Nation und ein Selbstbewusstsein der Mailänder, die sich nicht mehr wegducken müssen, sondern die heute auch sagen, dass sie auch am Wochenende gerne mal in meiner Stadt. Der Erfolg einer Stadt misst sich daran, ob die eignen Bürger ihre Stadt schätzen und lieben. Man ist neuerdings auf einer gewissen Art und Weise stolz auf seine Stadt – Eine wunderbare Entwicklung, wie ich finde.

G + L: Müssen heutzutage Räume immer bespielt werden? Braucht es immer ein Event?
A K: Um einen großen Koloss, eine graue Industriemetropole nachhaltig zu verändern, braucht es manchmal einen Paukenschlag. Ein Event, der allgemein anerkannt wird und für Aufmerksamkeit sorgt. Es braucht ein Signal: Hier, wie positionieren uns auf der globalen Weltkarte. Das Konzept der Expo war schlüssig, die Mailänder wurden rechtzeitig fertig und die Stadt war aufgeräumt für die vielen Millionen internationalen Besucher. Aber trotz dessen bin ich der Meinung, dass der öffentliche Raum rustikal sein sollte. Mailand ist eine rustikale Stadt, so elegant und modisch sie auch ist. Sie ist im Zentrum eines Landes errichtet worden und ihre Einwohner bodenständig. Jede Art von Spielerei und Ornament ist deshalb meiner Meinung nach hier zum Scheitern verurteilt.

G + L: Lieber zurückhaltende Entwürfe anstatt überbordende?
A K: Unsere Entwürfe der letzten Jahre wie beispielsweise das Gelände um die Porta Nuova, sind sehr rustikal, auf das Wesentliche beschränkt. Sie sind teilweise auch steinern. Weil sie bieten einfach Raum, öffentlichen Freiraum. Sie füllen den Raum nicht, sondern sie bieten Raum, damit er sich natürlich füllen kann. Die Stadt Mailand hat Raum nötig. Mailand ist eine sehr dicht besiedelte Stadt. Nordeuropäische Städte sind luftig gestaltete, während die südlichen sehr eng und kompakt gebaut sind. Im Norden Europas, wo genügend Raum vorhanden ist, kann man mit dem vielen Raum auch spielerisch umgehen. Jede Spielerei oder Designschnörkel sind in Mailand fehl am Platz. Mailand braucht horizontale Grundflächen, damit die Bewohner sich ihn aneignen können.

Mehr zum Expogelände in Mailand lesen Sie in Garten+Landschaft 06/16 – Stadt und Spektakel.