Lichtverschmutzung Foto: A. Hänel
Foto: A. Hänel

Die Verknappung von Strom und Gas hat zur Folge, dass Städte und Gemeinden Lichter im Außenraum wie die Weihnachtsbeleuchtung reduzieren oder abschalten. Das spart nicht nur Energie, sondern ist letztendlich gesundheitsfördernd für Mensch und Tier.

Maßnahmen nicht nur für Energieeinsparungen

In Zeiten des Ukrainekrieges und der einhergehenden Verknappung von Importen müssen wir in Deutschland den Verbrauch von Gas und Strom reduzieren, um den Winter überbrücken zu können. Es bietet sich nun eine Chance, für Beleuchtung im Außenbereich neue Maßstäbe zu setzen.

Seit dem 1. September 2022 bis zum 28. Februar 2023 greift die Kurzfristenergiesicherungsverordnung – EnSikuV des Bundes. Für den öffentlichen Raum muss die Lichtwerbung zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens abgeschaltet werden. Man verspricht sich durch die Maßnahmen eine Einsparung von zwei Prozent Strom. Auch hinsichtlich des Insekten- und Artensterbens sind die nun vereinbarten Maßnahmen dringend erforderlich. Ob wir lernen, dass diese temporären Maßnahmen für das gesamte Ökosystem von Vorteil sind?

Foto: Claus Baierwaldes
Foto: Claus Baierwaldes

Muss es erst an den Geldbeutel gehen, bis wir handeln?

Seit etwa 150 Jahren sind wir in der industrialisierten Welt auf dem Weg, uns die Sterne in Form von künstlichem Licht auf die Erde zu holen. Die romantischen Bilder eines funkelnden Himmels, der die Menschen und Tiere seit Beginn ihrer Existenz fasziniert, geleitet und beeinflusst haben, sind kaum mehr zu sehen.
Bereits seit 2000 wurden im Kontext mit Lichtverschmutzung erste Untersuchungen zum Thema Insektensterblichkeit veröffentlicht. Seitdem beschäftigen sich immer mehr Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Disziplinen mit dem Licht in der Nacht und dessen Folgen für Mensch, Tier und Pflanze.

Zu ihnen zählt auch Kneginja Richter, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Nürnberg. In einem Gespräch erläutert sie, dass der Mensch für den Erhalt seiner Gesundheit etwa acht Stunden Schlaf in einer tatsächlich dunklen Umgebung benötige: „wie in einer Bärenhöhle zum Winterschlaf.“ Längst ist bekannt, dass wir mit nächtlicher Beleuchtung Gefahr laufen an Schlafstörungen, Übergewicht, Depressionen und Krebs zu erkranken.

Dennoch kaum zu glauben: Allein in Europa wird das Licht jährlich um fünf bis sechs Prozent heller. Jedes Jahr nimmt der bei Nacht beleuchtete Anteil der Erdoberfläche um zwei Prozent zu. Heute im Jahr 2022 ist man kaum weiter. Das ist trotz aller öffentlichen Empfehlungen und rechtlich verbindlicher Texte schwer zu verstehen. Muss es uns Menschen erst weh tun oder – wie jetzt durch die politische Situation forciert – an den Geldbeutel gehen, bis wir handeln?

Lichtverschmutzung: Beleuchtung ist eine Haftungsfrage

Um Lichtverschmutzung zu vermeiden und letztendlich die Gesundheit zu schützen, braucht es Engagement und Expertise auf kommunaler Ebene. Bei den meisten Gemeinden nehmen regionale, wirtschaftlich orientierte Energiedienstleister und ihre Tochterfirmen sowohl die fachliche Beratung als auch die Lichtversorgung vor.

Die Verantwortlichen der Kommunen selbst haben oft aufgrund der vielfältigen anderen Aufgaben zeitlich und personell kaum noch die Möglichkeit, umwelteffiziente Detaillösungen zu bearbeiten. Ein Beispiel dafür ist die verträgliche Umrüstung der besonders sensiblen Bereiche für Natur und Menschen. Hier gilt oft bei Dauerbeleuchtung von Hauptverkehrsstraßen: Wenn auch keine gesetzliche Verpflichtung zur Beleuchtung von Straßen, abgesehen von Gefahrenstellen und gefährlichen Übergängen, vorliegt, so ergibt es sich aus der Rechtsprechung und den Empfehlungen der Kommunalen Haftpflichtversicherung, dass eine vollumfängliche Beleuchtung für die Gemeinden weniger Risiko birgt.

Größere Städte haben in der Regel Lichtbeauftragte, die die Umrüstung im Sinne der Stadt betreuen. Nürnberg beispielsweise bemüht sich zumindest im Bereich der Altstadt ausschließlich warmweißes Licht und Amberlicht einzusetzen. Hier sind auch im Vornherein je nach Artenvorkommen die Untere und Höhere Naturschutzbehörde und entsprechend die Denkmalschutzbehörden eingeschaltet.

„Es geht nicht um Energieeffizienz, sondern um Umwelteffizienz!“

Ein Bundesweites Programm zur Verwendung von LED-Licht unterstützt die Umrüstung und Neuausstattung mit diesem. Dazu gibt es die „Richtlinie zur Förderung von Klimaschutzprojekten in sozialen, kulturellen und öffentlichen Einrichtungen“ (Kommunalrichtlinie) im Rahmen der „Nationalen Klimaschutzinitiative“. 2008 begann das Bundesumweltministerium damit, die Umrüstung von kommunalen Beleuchtungsanlagen auf energieeffiziente Beleuchtung zu fördern. Möglichst viele der rund 12 000 Kommunen in Deutschland sollten die Chance bekommen, in die LED-Technologie einzusteigen und ihre Einsparpotenziale zu realisieren. In Städten und Gemeinden machte allein die Außenbeleuchtung circa 40 Prozent des gesamten kommunalen Stromverbrauchs aus.

Im „Bundesprogramm Biologische Vielfalt“ startete 2019 das Projekt zur Entwicklung eines neuen Straßenbeleuchtungsdesigns, das die Abstrahlung des Lichts minimieren soll. Das sechsjährige Verbundprojekt „Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung“ wird vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) koordiniert und mit rund 2,37 Millionen Euro durch das Bundesumweltministerium gefördert.

Außerdem setzen sich seit vielen Jahren verschiedene Initiativen für den Erhalt des Nachthimmels ein, zum Beispiel die Organisation International Dark-Sky Association. Sie ernannte Fulda 2019 zur ersten „Sternenstadt“ Deutschlands. Der örtliche Energieversorger von Fulda experimentierte mit unterschiedlichen Modellen, die das Licht sanft auf die Straße bringen. Nichts leuchtet mehr in Bäume und Schlafzimmer, Gewässer und andere sensible Bereiche.

Sabine Frank, Koordinatorin des Sternenparks Rhön erklärt, worauf es bei einer zeitgemäßen Beleuchtungspolitik auch im Sinne eines ganzheitlichen Naturschutzes ankommt: „Es geht nicht um Energieeffizienz, sondern um Umwelteffizienz!“

Weitere Sternenparks

Neben dem Sternenpark Rhön sind weitere sogenannte International Dark Sky Park entstanden. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Schönheit des nächtlichen Himmels wieder erlebbar zu machen:

  • Sternenpark Rhön im UNESCO Biosphärenreservat Rhön (2014)
  • Fulda erste „Sternenstadt“ (International Dark Sky Community) (2019)
  • Naturpark Westhavelland (2011) mit dem Ort Gülpe, dem damals dunkelsten Ort Deutschlands
  • Nationalpark Eifel (International Dark Sky Park) provisorisch seit 2014
  • Winklmoos-Alm (International Dark Sky Park) (2018)

In Planung um die Anerkennung als Sternenpark sind die folgenden Regionen: Schwäbische Alb, Nationalpark Harz, Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide in Mecklenburg-Vorpommern.

Der erste österreichische Sternenpark ist der Naturpark Attersee-Traunsee (2021).

Schutz der Nacht als Aufgabe des Natur- und Landschaftsschutzes

Auch wenn auf kommunaler Seite oft ein Bewusstsein für Lichtverschmutzung vorhanden ist, ist für den privaten und gewerblichen Bereich noch sehr viel Aufklärung zu leisten. Hier sollten alle beratenden und planenden Stellen Anreize für eine für alle Lebewesen nachhaltige Verwendung von Licht schaffen.

Die Biologie von Insekten, Vögeln, Fischen, Säugetieren, Menschen und Pflanzen bis zu den Kleinstlebewesen orientieren sich am Licht. Ein Zuviel, zu hell und zu lange gefährden die Gesundheit von Mensch und Tier, wie Beate Jessel, Past Präsidentin des BfN, anmerkt: „Etwa 30 Prozent der Wirbeltiere und sogar über 60 Prozent der Wirbellosen sind nachtaktiv und können durch künstliches Licht in der Nacht beeinträchtigt werden. Der Schutz der Nacht muss daher stärker als bisher als eine grundlegende Aufgabe des Natur- und Landschaftsschutzes begriffen werden.“

Licht aus für unsere Böden!

Licht beeinflusst an Land und im Wasser den Hormonhaushalt, verändert das Jagdverhalten und wirkt als Barriere. Es zerschneidet, vergleichbar mit Straßen, die Lebensräume. Der nachtaktive Igel als eines der ältesten Säugetiere der Erde kommt durch Straßen- und Gartenbeleuchtung in erhebliche Bedrängnis, sein notwendigerweise großes Territorium ist im Siedlungsbereich meist mehrfach zerschnitten. Das gesamte Bodenleben, inklusive des Regenwurms ist nachtaktiv. Wir greifen somit auch massiv in die Bodenfruchtbarkeit und somit auch in die Speicher- und Pufferfähigkeit des Bodens ein.

Die zumeist tagaktiven Vögel sind in der Nacht durch Beleuchtung sowohl an ihrem Schlafplatz gestört und sie sind früher aktiv, balzen und brüten zu einer Zeit, in der es noch kaum Nahrung gibt und brüten auch länger in den Herbst hinein, sodass bei Zugvögeln auch der Abflug gefährlich spät ist. Auch der Tagesrhythmus verlängert sich in die eigentlichen Ruhezeiten: Früh morgens und spät abends, eine Erschöpfung der Tiere ist wissenschaftlich längst belegt. Einige Säugetiere, die ihre Aktivitäten normalerweise gleichmäßig auf Tag und Nacht verteilt hatten, haben aufgrund ihrer bedrängten Lebensumstände ihre Nachtaktivität auf 68 Prozent gesteigert. Sogar Tiere, die nicht nachtaktiv waren, sind jetzt bis zu 20 Prozent öfters nachts unterwegs.

Etliche Pflanzen werden in der Dämmerung/Nacht bestäubt und bieten somit diesen spezialisierten Tieren Nahrung. Eine gegenseitige Abhängigkeit zum Überleben. Pflanzen treiben früher aus, blühen und fruchten früher und schließen später ab. Das Angebot von Nahrung für alle abhängigen Tierarten verschiebt sich.

Foto: A. Hänel
Foto: A. Hänel

Lichtverschmutzung in Form von Märchenlandschaften

Voraussichtlich wird auch in diesem Jahr, trotz des Spargebots wieder an allen erdenklichen privaten und öffentlichen Plätzen eine Menge an Weihnachtsbeleuchtung installiert. Bisher haben die so „günstigen“ LED Lämpchen für eine inflationäre Verschwendung von Licht gesorgt, die Menge macht’s! Bisher begann es bereits weit vor den Feiertagen, manchmal schon zur Zeitumstellung und auch noch bis in das Frühjahr hinein. Die Nacht, die speziell im Winter der Winterruhe für viele Tierarten dient und überlebenswichtig ist, wird auch in vielen Gärten zerstört. Von den Schäden durch die Lichterketten am Holz der Äste, der Störung am gefrorenen Holz und den dort überwinternden Tieren ganz zu schweigen.

Wirtschaftliche Interessen beherrschen den Markt. „Lichtkünstler“ und „Lichtplaner“ inszenieren Märchen in der Nacht. Speziell die Christmas Garden, die international agiert, sucht die schönsten Gartenlandschaften, um Bäume, Wiesen, Bäche, Teiche und Gebäude anzustrahlen und in allen Farben über die Wintermonate glitzern und leuchten zu lassen.

Es kann gar nicht mehr spektakulär genug sein!

Musikalische Events im öffentlichen Raum vom Rammstein-Konzert bis hin zu Classic Open Air Veranstaltungen werden immer heller, immer lauter. Mit Lichtorgeln und Skybeamern verschwenden sie Unmengen an Strom, stören die Nachtruhe von Mensch und Tier und setzen zumeist Grünanlagen, in denen Tiere und Pflanzen leben, bedrohlich zu. Auch Volksfeste und Freizeitparks müssen vermeintlich immer aufwändiger werden, um an der wirtschaftlichen Spirale teilzunehmen.

Im Sportbereich haben wir es ganzjährig mit Luxusbeleuchtung zu tun: Zum Beispiel an Nachtabfahrten in den Bergen, große Stadien, die taghell in die Nacht abstrahlen, Fußball- und Tennisplätzen, die mit ihren Strahlern mit mindestens 6 000 Kelvin eine weithin ausstrahlende tödliche Sogwirkung für Insekten haben.

Die neueste lichtverschmutzende Einrichtung im öffentlichen Raum ist die digitale Werbung. Reklametafeln mit LED-Displays sind in der Regel 24 Stunden in Betrieb. Vom Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung RWI wurde errechnet, dass sie derzeit etwa 113 000 Megawattstunden pro Jahr verbrauchen. Das entspricht dem Verbrauch von 40 000 Zwei-Personen-Haushalten und der Leistung von 28 Windkraftanlagen.

Lichtverschmutzung und das Nature-Defizit-Syndrom

Wir leben und arbeiten zunehmend, bis zu 95 Prozent in geschlossenen Räumen. Vielfach kennen selbst Menschen, die im ländlichen Bereich leben, kaum noch verschiedene Vogelarten und andere wild lebenden Tiere, von Pflanzen ganz zu schweigen. Wie erst kann man annehmen, dass bekannt ist, dass die Tiere, die in der Dämmerung oder in der Nacht leben, Pflanzen die Nachts auf ihre Bestäubung warten, von uns gestört werden? Wir bewegen uns in der Nacht meist nur noch „auf dem Weg“ von A nach B. Eine nächtliche Naturbetrachtung, ein Hinaushören, ein stiller Genuss des nächtlichen Sternenhimmels findet kaum mehr statt.

Man spricht von einem „Natur-Defizit-Syndrom“, einer Störung, die durch eine Entwöhnung des Menschen von der Natur entsteht. Das Fehlen von Naturerlebnissen kann zu mangelnder Empathie für die Notwendigkeit des Erhalts von Lebensräumen und in weiterer Folge zur Zerstörung der eigenen Lebensgrundlage führen.

Foto: Claus Baierwaldes
Foto: Claus Baierwaldes

Beste Methode: Licht aus!

Doch es gibt auch gute Beispiele und Lösungen. „Kommunen sollten Leuchten verwenden, welche kein Licht nach oben abstrahlen. Die Beleuchtungsstärke sollte möglichst niedrig sein und kaltweißes Licht mit einem hohen Blaulichtanteil vermieden werden. Denn die innere Uhr, das sogenannte zirkadiane System, von höheren Wirbeltieren und Menschen reagiert auf blaues Licht besonders empfindlich. Die Verwendung von warmweißem Licht kann die negativen Auswirkungen auf viele Organismen abmildern und wird von Menschen oft als angenehmer wahrgenommen“, so Sibylle Schroer vom Leipniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB).

Untersuchungen in Großbritannien und den USA haben ergeben, dass die Sicherheit, die subjektiv durch die Beleuchtung von Straßen, Parks und Grundstücken empfunden und angenommen wird, nicht gegeben ist. Eine Statistik aus Großbritannien zeigt, dass bei 48 Prozent von mehr als 284 000 Anwesen, in die eingebrochen wurde, sogenannte „Sicherheitsbeleuchtung“ eingebaut war. Grünanlagen und Parks sollten aus Sicherheits- und Artenschutzgründen nur in Ausnahmefällen beleuchtet werden. Belichtete Wegeverbindungen vermitteln nur eine vermeintliche Sicherheit. Der Anspruch, öffentliche Grünanlagen auch nachts nutzen zu können, führt in der Regel zu Vandalismus und erhöhtem Pflegeaufwand.

Zur Frage welche Lampen und welche Leuchtmittel im privaten Bereich und im öffentlichen Raum verwendet werden sollten, gibt es gute Handreichungen bei den einschlägigen Instituten und Verbänden. In jedem Fall sollte Zier- und Luxusbeleuchtung vermieden werden! Die beste Methode ist, das Licht aus zu machen.

Weitere Hinweise / Informationen

In einem anderen Artikel legen wir den Fokus auf einen Vorteil von natürlichem Sonnenlicht: In diesem Sommer ist in der EU so viel Solarstrom produziert worden wie in keinem Sommer zuvor.

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Was ist ein Attention-Mechanismus? – Fokus bei Sprachmodellen erklärt

Schreibtisch mit Tastatur, Apple Pencil, Maus und Handy mit weißem Bildschirm, Symbol für moderne Technologien und KI.
Wie KI relevante Informationen filtert und Sprache versteht. Foto von Jakub Zerdzicki auf Unsplash.

Maschinen mit Aufmerksamkeit? Klingt nach Science-Fiction, ist aber längst die Realität in der KI-Welt: Ohne Attention-Mechanismus wären moderne Sprachmodelle so blind wie ein Stadtplan ohne Straßen. Doch was hat es wirklich mit diesem „Fokus“ auf sich? Wie funktioniert das Prinzip der Aufmerksamkeit in neuronalen Netzen – und warum ist es für Sprachmodelle so revolutionär?

  • Einführung in die Grundidee des Attention-Mechanismus und seine Bedeutung für KI und Sprachmodelle
  • Erklärung, wie Attention neuronalen Netzen hilft, relevante Informationen im Datenstrom zu gewichten
  • Technische Funktionsweise von Attention, insbesondere im Kontext von Transformern
  • Vergleich zu klassischen Methoden ohne Attention und deren Limitationen
  • Praxisbeispiele: Wie Attention die Qualität von Übersetzungen, Textgenerierung und Sprachverständnis verbessert
  • Bedeutung von Attention für erklärbare KI und Transparenz in komplexen Systemen
  • Potenziale und Risiken: Von Bias bis Interpretierbarkeit
  • Einordnung, warum Attention-Mechanismen für die Zukunft von Stadtentwicklung, Planung und Architektur relevant sind

Worum geht es beim Attention-Mechanismus? – Die Revolution im Maschinenlernen

Der Begriff „Attention-Mechanismus“ klingt zunächst nach einer modischen Floskel aus der KI-Welt – dabei handelt es sich um eine der fundamentalsten Innovationen der letzten Jahre im Bereich des maschinellen Lernens. Aufmerksamkeit, wie wir sie aus der menschlichen Wahrnehmung kennen, ist die Fähigkeit, aus einem Überangebot an Reizen gezielt die relevanten herauszufiltern. Ob beim Überqueren einer belebten Kreuzung oder beim Lesen eines umfangreichen Berichts: Ohne selektive Fokussierung wären wir verloren. Genau diese Eigenschaft versucht der Attention-Mechanismus in künstlichen neuronalen Netzen zu imitieren.

Im Kern bedeutet Attention, dass ein Modell nicht alle Eingabedaten gleich behandelt, sondern bestimmten Teilen mehr „Aufmerksamkeit“ schenkt. In der Praxis heißt das: Ein Sprachmodell, das einen Text analysiert, kann erkennen, welche Wörter oder Satzteile für die aktuelle Aufgabe besonders relevant sind – und darauf seine Rechenleistung konzentrieren. Das klingt unspektakulär, ist aber ein Paradigmenwechsel. Denn herkömmliche neuronale Netze, wie etwa klassische LSTM- oder GRU-Modelle, verarbeiten Daten in fester Reihenfolge und haben Mühe, langfristige Abhängigkeiten zu erkennen. Attention hingegen springt flexibel durch den Datenstrom, wie ein aufmerksamer Leser durch einen komplexen Fachartikel.

Die Wurzeln der Idee finden sich in den 2010er Jahren, als Forscher erkannten, dass bei Übersetzungsaufgaben nicht jedes Wort im Ausgangstext gleich wichtig für die Übersetzung ist. Vielmehr variiert der Kontext: Manchmal ist ein entferntes Subjekt entscheidend, manchmal eine lokale Zeitangabe. Der Attention-Mechanismus wurde entwickelt, um genau dieses Problem zu lösen: Das Modell berechnet für jedes Element im Eingabetext eine Art Gewichtung, die angibt, wie viel Fokus es verdient. Das Resultat: Übersetzungen werden präziser, Texte kohärenter, Zusammenfassungen treffender.

Im weiteren Verlauf der KI-Entwicklung wurde Attention zu einem Grundbaustein moderner Architekturen, allen voran den sogenannten Transformern. Diese Modelle, zu denen auch GPT, BERT oder T5 zählen, verdanken ihre Leistungsfähigkeit und Flexibilität dem ausgefeilten Einsatz von Attention-Schichten. Die Modelle sind dadurch in der Lage, kontextuelle Beziehungen – etwa zwischen Anfang und Ende eines Satzes – zu erfassen, ohne aufwendig Informationen durch die gesamte Netzwerkstruktur schleifen zu müssen.

Der Erfolg der Attention-Mechanismen in der KI ist so durchschlagend, dass sie mittlerweile weit über den Sprachbereich hinaus eingesetzt werden: Von der Bildanalyse über die Musikverarbeitung bis hin zur Simulation urbaner Prozesse profitieren viele Disziplinen von der Fähigkeit, relevante Muster gezielt zu erkennen. Doch wie funktioniert das Prinzip technisch und warum ist es so mächtig?

Wie funktioniert Attention technisch? – Von Gewichten, Matrizen und Fokus

Um die technische Funktionsweise des Attention-Mechanismus zu verstehen, lohnt ein Blick unter die Haube moderner Sprachmodelle. Die zentrale Idee ist überraschend einfach – und doch tiefgründig: Jedes Element einer Eingabesequenz (zum Beispiel ein Wort im Satz) wird nicht mehr als statische Größe betrachtet, sondern in Relation zu allen anderen Elementen gewichtet. Das geschieht mithilfe von sogenannten Attention Scores, die angeben, wie stark ein Element auf ein anderes „achtet“.

Im Detail läuft das so ab: Zunächst wird jeder Token (also jedes Wort oder Satzzeichen) in einen mathematischen Vektor übersetzt. Dann berechnet das Modell für jedes Token drei spezielle Vektoren: Query, Key und Value. Diese Begriffe stammen aus der Informationstechnik und lassen sich sinngemäß als Anfrage, Schlüssel und Wert übersetzen. Der Query-Vektor fragt nach Informationen, der Key-Vektor gibt an, welche Informationen ein Token bereitstellt, und der Value-Vektor enthält den eigentlichen Inhalt.

Die Magie geschieht nun durch die Berechnung der sogenannten Dot-Product-Attention. Dabei werden für jeden Query alle Keys der übrigen Tokens betrachtet, um zu bestimmen, wie stark die Beziehung ist. Das Ergebnis ist eine Matrix von Scores, die mit einer Softmax-Funktion normalisiert wird. So entstehen für jedes Token individuelle Gewichtungen, die bestimmen, wie viel Aufmerksamkeit auf die anderen Tokens verteilt wird. Anschließend werden die Value-Vektoren mit diesen Gewichten verrechnet – und heraus kommt eine Art „angereicherte“ Repräsentation jedes Tokens, die den gesamten Kontext mit einbezieht.

Ein besonderes Highlight ist das Konzept der Multi-Head Attention. Hierbei werden mehrere Attention-Mechanismen parallel eingesetzt, die jeweils unterschiedliche Beziehungen und Muster erkennen. Eine Attention-„Kopf“ könnte zum Beispiel nach grammatischen Strukturen suchen, während ein anderer semantische Zusammenhänge analysiert. Das Ergebnis wird am Ende zusammengeführt, was die Kontextualisierung noch präziser macht.

Der Clou: Durch diese Architektur können Sprachmodelle auf einen Blick – oder besser gesagt: in einem Rechenschritt – alle relevanten Beziehungen in einem Text erfassen. Das ist nicht nur effizienter als frühere Ansätze, sondern auch skalierbar. Mit mehr Daten und mehr Rechenleistung wächst die Leistungsfähigkeit der Modelle beinahe exponentiell. Kein Wunder, dass Transformer-Modelle mit Attention heute die Königsklasse der KI darstellen.

Warum ist Attention so ein Gamechanger für Sprachmodelle?

Die Einführung von Attention-Mechanismen hat die Entwicklung von Sprachmodellen auf den Kopf gestellt. Früher waren neuronale Netze zwar in der Lage, Texte zu verarbeiten, doch sie hatten erhebliche Schwächen: Sie vergaßen schnell, was am Anfang eines langen Satzes stand, und konnten komplexe Zusammenhänge kaum abbilden. Das führte zu holprigen Übersetzungen, inkohärenten Texten und begrenztem Verständnis für Kontext.

Mit Attention wurde das anders. Modelle wie BERT, GPT oder T5 können nun nicht nur einzelne Wörter oder lokale Phrasen betrachten, sondern den gesamten Kontext eines Textes in die Berechnung einbeziehen. Das heißt: Ein Wort am Satzanfang hat genauso viel Einfluss auf das Ergebnis wie eines am Satzende – wenn es relevant ist. Diese Fähigkeit, auf beliebige Teile eines Textes zu „springen“ und dort gezielt Informationen zu extrahieren, macht moderne Sprachmodelle so leistungsfähig.

Ein weiteres großes Plus: Attention-Mechanismen sind interpretiertbar. Das bedeutet, dass Fachleute nachvollziehen können, warum ein Modell eine bestimmte Entscheidung getroffen hat – zumindest in gewissem Maße. Die Attention Scores zeigen an, welche Wörter oder Satzteile das Modell als besonders wichtig erachtet hat. Das ist ein Quantensprung in Sachen Transparenz, denn bisher galten neuronale Netze oft als „Black Boxes“, deren innere Logik niemand verstand.

In der Praxis zeigt sich die Wirkung von Attention überall dort, wo komplexe Sprachaufgaben gelöst werden müssen. Bei Übersetzungen sorgt der Mechanismus dafür, dass die Wortstellung korrekt bleibt und Bedeutungsnuancen erhalten bleiben. In der Textzusammenfassung werden die wichtigsten Informationen extrahiert, ohne dass Details verloren gehen. Und bei der Beantwortung von Fragen kann das Modell gezielt nach relevanten Passagen suchen, anstatt den gesamten Text zu durchsuchen.

Der Erfolg der Attention-Mechanismen ist so umfassend, dass sie heute als Standard gelten. Kein modernes Sprachmodell kommt mehr ohne sie aus. Die Fähigkeit, flexibel zu fokussieren und relevante Informationen zu extrahieren, ist inzwischen das Herzstück jeder fortschrittlichen KI-Anwendung. Doch Attention ist nicht nur ein technischer Trick – sondern ein neues Paradigma des maschinellen Lernens.

Von der Black Box zum Leuchtturm: Attention, Transparenz und Herausforderungen

Mit der Verbreitung von Attention-Mechanismen stellt sich unweigerlich die Frage nach deren Auswirkungen auf Transparenz, Kontrolle und Fairness von KI-Systemen. Einerseits bieten die Attention Scores einen Einblick in die Funktionsweise der Modelle: Sie zeigen, welche Teile eines Textes das Modell als wichtig erachtet und wie es zu seinen Schlüssen kommt. Das ist insbesondere für Fachleute aus Recht, Verwaltung und Stadtplanung ein enormer Vorteil. Denn wer Entscheidungen nachvollziehen kann, kann sie auch besser steuern, kontrollieren und erklären.

Doch die Medaille hat eine Kehrseite. Attention-Scores sind zwar hilfreich, aber keine Garantie für vollständige Interpretierbarkeit. Sie zeigen lediglich, worauf das Modell „achtet“ – nicht aber, warum es dies tut. Zudem können Attention-Mechanismen durch Trainingsdaten beeinflusst werden und bestimmte Muster verstärken, die nicht immer sinnvoll oder fair sind. Das Risiko von Bias, also unbeabsichtigten Verzerrungen in den Ergebnissen, bleibt bestehen.

Ein weiteres Problem ist die Komplexität der Modelle. Je größer und leistungsfähiger ein Sprachmodell wird, desto undurchschaubarer wird seine innere Logik. Zwar lassen sich Attention-Scores visualisieren und auswerten, doch bei Hunderten oder Tausenden von Attention-Heads verliert selbst der erfahrenste Fachmann schnell den Überblick. Es braucht also neue Methoden und Werkzeuge, um die Transparenz großer KI-Systeme zu gewährleisten.

Trotz dieser Herausforderungen ist Attention ein wichtiger Schritt hin zu erklärbarer KI. Die Möglichkeit, den Fokus des Modells nachzuvollziehen, hat die Akzeptanz und das Vertrauen in maschinelles Lernen deutlich erhöht. Insbesondere in sensiblen Bereichen wie Justiz, Medizin oder Stadtentwicklung ist das ein entscheidender Vorteil. Denn hier geht es nicht nur um technische Exzellenz, sondern auch um gesellschaftliche Verantwortung.

Für Praktiker bedeutet das: Wer KI-Systeme in Planung, Verwaltung oder Architektur einsetzt, sollte die Funktionsweise von Attention verstehen – und die damit verbundenen Chancen und Risiken abwägen. Nur so lässt sich sicherstellen, dass Technologie nicht zum Selbstzweck wird, sondern echten Mehrwert für Menschen und Städte schafft.

Attention und Stadtentwicklung – Was Sprachmodelle mit urbaner Planung zu tun haben

Vielleicht fragen sich Planer, Architekten und Stadtentwickler jetzt: Was hat das alles mit meiner Arbeit zu tun? Die Antwort: Eine ganze Menge. Denn Attention-Mechanismen sind nicht nur in Sprachmodellen zu finden, sondern überall dort, wo komplexe Zusammenhänge erfasst und relevante Informationen herausgefiltert werden müssen. In der Stadtplanung etwa sind es genau solche Mechanismen, die im Hintergrund von Simulationsmodellen und Entscheidungsunterstützungssystemen laufen.

Stellen wir uns einen Digital Twin einer Stadt vor, der auf Echtzeitdaten aus Verkehr, Klima, Energieverbrauch und Bürgerbeteiligung zugreift. Auch hier muss das System ständig entscheiden, welche Daten gerade relevant sind und wie sie zu gewichten sind. Attention-Mechanismen ermöglichen es solchen Modellen, aus dem Datenrauschen gezielt Muster zu extrahieren, die für eine bestimmte Planungsfrage ausschlaggebend sind. So können zum Beispiel bei der Simulation einer neuen Straßenführung nicht nur aktuelle Verkehrsströme, sondern auch historische Daten, Wetterprognosen und städtebauliche Besonderheiten in die Analyse einfließen.

Auch in der Beteiligung von Bürgern an Planungsprozessen spielt Attention eine Rolle. Moderne KI-gestützte Tools können aus einer Vielzahl von Kommentaren, Vorschlägen und Einwänden jene herausfiltern, die für den weiteren Prozess besonders relevant sind. Das spart nicht nur Zeit, sondern erhöht auch die Qualität der Entscheidungsgrundlagen. Die Kunst besteht darin, die Aufmerksamkeit des Systems auf die wirklich wichtigen Aspekte zu lenken – ganz wie bei Sprachmodellen.

Darüber hinaus eröffnen Attention-Mechanismen neue Möglichkeiten für die Entwicklung intelligenter, adaptiver Stadtmodelle. Sie können helfen, in großen Datenmengen frühzeitig Trends und Risiken zu erkennen, etwa bei der Klimaanpassung, der Verkehrssteuerung oder der Ressourcenplanung. Wer die Prinzipien von Attention versteht, kann solche Systeme gezielt einsetzen – und ihre Ergebnisse kritisch hinterfragen.

Fazit: Attention ist weit mehr als ein technischer Kniff für Computerlinguisten. Es ist ein Fundament für alle, die im Zeitalter der datengetriebenen Stadtentwicklung bestehen wollen. Denn nur wer die Aufmerksamkeit seiner Werkzeuge kontrolliert, behält auch die Kontrolle über die Stadt von morgen.

Fazit: Ohne Aufmerksamkeit läuft nichts – weder bei Menschen noch bei Maschinen

Der Attention-Mechanismus hat die Welt der künstlichen Intelligenz revolutioniert – und ist aus modernen Sprachmodellen nicht mehr wegzudenken. Seine Fähigkeit, flexibel auf relevante Informationen zu fokussieren, hat nicht nur die Qualität von Übersetzungen, Textgenerierung und Sprachverständnis dramatisch verbessert, sondern auch den Weg für neue Anwendungen in der Stadtplanung, Architektur und Verwaltung geebnet. Attention steht für ein neues Paradigma im maschinellen Lernen: Es geht nicht mehr nur um rohe Rechenkraft, sondern um gezielten, kontextsensitiven Fokus, der echte Mehrwerte schafft.

Gleichzeitig wirft Attention Fragen auf: nach Transparenz, Fairness und Kontrolle. Wer KI-Systeme in sensiblen Bereichen einsetzt, muss die Logik der Aufmerksamkeit verstehen – und bereit sein, sie kritisch zu hinterfragen. Nur so lässt sich verhindern, dass Technologie zum undurchsichtigen Orakel wird, dessen Entscheidungen niemand mehr nachvollziehen kann.

Für die Stadtentwicklung der Zukunft ist das Prinzip der Aufmerksamkeit ein Schlüssel: Es ermöglicht, aus der Datenflut gezielt die relevanten Informationen herauszufiltern und in intelligente, nachhaltige Entscheidungen zu überführen. Wer die Mechanismen dahinter kennt, bleibt handlungsfähig – und gestaltet die digitale Transformation aktiv mit. Denn eines ist sicher: Ob Mensch oder Maschine, ohne Aufmerksamkeit bleibt das Wesentliche unsichtbar.

Battersea Power Station: Die Landschaftsarchitektur

Foto: Peter Landers

Auf rund 42 Hektar entsteht in London gerade ein neues Quartier. Im Zentrum: die Battersea Power Station. Der denkmalgeschützte Bau, dessen neues Konzept die Architekten*innen von WilkinsonEyre entworfen haben, ist seit Oktober 2022 erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich. Für die Grünflächen des Projekts ist das Landschaftsarchitekturbüro LDA Design verantwortlich.

Foto: Jason Hawkes
Foto: Jason Hawkes

Die Battersea Power Station

Seit Oktober 2022 besitzt London eine neue Attraktion: Das frühere Kraftwerk Battersea Power Station, ein ikonisches Bauwerk, ist nun öffentlich zugänglich. Über das letzte Jahrzehnt wurde das riesige Gebäude, das unter Denkmalschutz steht, aufwändig saniert und renoviert. Nun stellt es eine lebhafte Nachbarschaft mit gemischter Nutzung dar. Im Kraftwerk selbst gibt es sowohl Wohnraum als auch ein Einkaufszentrum mit vielen gehobenen Marken, einem Kino und weiteren Aktivitäten. Einer der vier Schornsteine lässt sich per Aufzug erklimmen und von oben ist ein schöner Blick auf London garantiert.

© Studios Ltd
© Studios Ltd

Sowohl Anwohner*innen als auch Tourist*innen und Londoner*innen sind hier herzlich willkommen. Zahlreiche Läden, aber auch Bars, Restaurants, Entertainment-Angebote, Parks und historische Sehenswürdigkeiten führen zu großer Vielfalt. Auf einer Fläche von insgesamt etwa 42 Hektar befindet sich die Kombination aus Kraftwerk, umgebenden Gebäuden von Namen wie Norman Foster, und viel öffentlicher Raum.

Die Stadtreparatur rund um Battersea hat insgesamt 9 Milliarden Pfund gekostet. Das Ergebnis ist ein visionärer neuer Stadtteil direkt am Ufer der Themse. Über 4 000 Wohnungen, Büros, Restaurants und Kultur- und Freizeiteinrichtungen sollen hier in den nächsten Jahren zu finden sein. Mit einer neuen U-Bahn-Station wurde die Battersea Power Station bereits an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden. Sie ist nun Teil der Northern Line.

© Peter Landers
© Peter Landers

Grünflächen der Battersea Power Station

Die Architekt*innen von WilkinsonEyre arbeiteten eng mit der Battersea Power Station Development Company zusammen. Dahinter stehen Investor*innen aus Malaysia. Das gesamte Projekt eröffnete am 14. Oktober 2022. Von den acht geplanten Phasen, zu denen jeweils neue Grünflächen gehören, sind bereits drei Phasen komplett:

  • die „Brown Roofs“ / Circus West Village (Phase I, eröffnet)
  • der öffentliche Park und die privaten Dachgärten der Bewohner*innen / Battersea Power Station (Phase II, eröffnet)
  • weitere Wohnmöglichkeiten und Dachgärten / Battersea Roof Gardens & Prospect Place (Phase III)

Weitere fünf Phasen stehen noch aus. Dazu gehört insbesondere mehr Wohnraum, denn von den 4 239 geplanten Einheiten sind derzeit (November 2022) erst 1 600 fertig. Vollbepflanzte Gärten auf den Dächern und um das Kraftwerk herum zeigen, dass auch die Außenanlagen rund um das Kraftwerk neu gedacht sind.

Die Landschaftsarchitekt*innen von LDA Design renaturierten unter anderem das frühere Kohlelager vor dem Kraftwerk. Auch die Fläche, die früher für Gleisanschlüsse diente, ist heute ein Park. Materialien wie Holz, Stahl und schwarz gesprenkelter Beton, der an Kohle erinnert, weisen auf die industrielle Vergangenheit der Power Station hin.

Übrigens lesen Sie mehr über die Architektur bei unseren Kolleg*innen von Baumeister: Battersea Power Station.

Mehr als ein Gebäude

Laut Ben Walker, Direktor und Leiter des Londoner Studios von LDA, ist Battersea Power Station zum ersten Mal in seiner Geschichte mehr als nur ein Gebäude. Stattdessen ist es ein „einladender, gut vernetzter Ort“. LDA Design wurde vor über zehn Jahren eingeladen, das Megaprojekt zu unterstützen. Damals war das Kraftwerk eine Ruine inmitten einer 17 Hektar großen Brachfläche. Die Herausforderung bestand darin, einen Ort für Menschen und für die Natur zu schaffen. Außerdem sollte sich der neue Stadtteil in die umliegende Nachbarschaft einfügen.

Mit der Landschaftsarchitektur will LDA Design den Gemeinschaftssinn des Viertels unterstützen. Gleichzeitig sollte die Gestaltung den fast monumentalen Standard der Battersea Power Station abmildern. Die wichtigsten Grundsätze für die Landschaftsarchitektur waren Wohlbefinden, Nachhaltigkeit, Integration, kulturelles Erbe und Biodiversität. Um dies zu erreichen, war es besonders wichtig, dass die Menschen das Potenzial der Umgebung frühzeitig erleben können. Ein Pop-up-Park lud bereits 2013 dazu ein, sich der Battersea Power Station zu nähern. Die Landschaftsarchitekten von LDA testeten dabei Faktoren wie Aussichtspunkte, Aktivitäten und einen Streichelzoo.

© Peter Landers
© Peter Landers

Fast die Hälfte von Battersea Power Station ist öffentlicher Raum. Dieser ist sehr gut erschlossen. Die vielen Millionen Gäste, die jedes Jahr erwartet werden, sollen sich hier zurückziehen und entspannen können. Dies ist im Power Station Park direkt an der Themse, am Malaysia Square, aber auch in ruhigeren Gärten und auf den Dächern möglich. Besonders schöne Ausblicke auf das Gebäude gibt es von den großen Wiesen. Hier können sich die Besuchenden ins Gras legen oder auf einem der beweglichen Stühle ausruhen.

© Peter Lander
© Peter Lander

Ökologische Vielfalt

Mehr als ein Hektar der Grünflächen rund um die Battersea Power Station ist mit einer artenreichen Bepflanzung versehen, die für Bestäuber und Wildtiere attraktiv ist. Weitere Flächen sollen folgen. Stauden, Blumen und Bäume sorgen für Struktur und Farbe sowie für ein saisonal wechselndes Interesse. Der Schwerpunkt liegt auf der Klimabeständigkeit der Umwelt.

Präriegräser tragen dazu bei, den menschlichen Maßstab zu betonen. Es gibt mindestens 95 verschiedene Vogelarten, darunter Hausrotschwänze, Stieglitze und Bachstelzen. Ein Wanderfalkenpaar nistet im nordöstlichen Schornstein der Battersea Power Station.

Schon jetzt lohnt sich ein Besuch der Battersea Power Station, wenn man in London ist. Und in den nächsten Jahren werden hier sicher noch viele weitere attraktive Grünflächen entstehen. Ein spannendes Beispiel für einen neuen Stadtteil!

Vom neuen Quartier in Großbritanniens Hauptstadt zu einem neuen Quartier in unserer Hauptstadt: Stadtteil Pankower Tor in Berlin.