05.08.2021

Projekt

W-LAB: Ideen für das Leben nach dem Klimawandel

von Juliane von Hagen
Dronenansicht der Biocabin-Siedlung von W-LAB (Visualisierung: © 2021 W-LAB)

Dronenansicht der Biocabin-Siedlung von W-LAB (Visualisierung: © 2021 W-LAB)

Das Klima auf unserem Planeten verändert sich und damit auch unsere Lebensbedingungen. Die Architekt*innen von W-LAB haben per Computersimulation eine Klimawandel-Oase entwickelt, die im Klimawandel-Härtefall das Überleben der menschlichen Zivilisation sichern soll. Das Worst-Case-Szenario-Projekt zeigt, wie wir infolge des veränderten Klimas eines Tages wohnen könnten.

Dronenansicht der Biocabin-Siedlung von W-LAB (Visualisierung: © 2021 W-LAB)
Drohnenansicht der Biocabin-Siedlung von W-LAB (Visualisierung: © 2021 W-LAB)

Heute moderat, in Zukunft Wüste

Der Klimawandel schreitet voran. Mit der zunehmenden Erwärmung der Erde werden Wetterbedingungen extremer. Außerdem werden Ressourcen knapp. Was diese Veränderung für das Leben und Wohnen, für Architektur und Stadtplanung bedeutet, präsentiert W-LAB. Das kreative Team aus Spanien hat verschiedene Vorhersagen zur Klimaveränderung analysiert und davon ausgehend eine darauf abgestimmte Vision zum Leben in der Zukunft entwickelt. Hierbei haben den Architekt*innen Hochleistungscomputer geholfen. Das heißt: Gemeinsam haben sie ein Modell eines resilienten Wohnorts geschaffen, der an eine Oase in der Wüste erinnert.

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Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass extreme Wetterveränderungen kommen werden. Dazu gehören steigende Temperaturen, genauso wie weniger Regen und demzufolge Wasserknappheit. Kurzum, wo heute moderate Lebensbedingungen herrschen, kann es in Zukunft so ungemütlich wie in der Wüste sein. Diesen Gedanken nimmt W-LAB auf. Was als Resignation bezeichnet werden kann, kann auch als Realismus gelten. Das Team von W-LAB wartet nicht ab und hofft. Es wurde aktiv und entwickelte ein Szenario zum Wohnen mit eigener Energie- und Wasserversorgung, mit nachhaltigen Baumaterialien und Kreisläufen zu Verwertung. Keine Frage – mit seinen Ideen gibt W-LAB der Debatte um den Klimawandel neuen Schwung.

Die Analysen von W-LAB stellen fest, dass sich viele Gebiete mit gemäßigtem Klima in Trockengebiete mit ungünstigem Klima verwandeln könnten. (Visualisierung: © 2021 W-LAB)

Vision von W-LAB

Schon auf den ersten Blick ist klar, dass die Vision von W-LAB von wüstenähnlichen Lebensbedingungen ausgeht. Denn um einen kreisförmigen See reihen sich Ringe aus Vegetation und Gebäuden mit markanten Sonnensegeln. Geschützt wird der Wohngürtel wiederum durch einen grünen Ring, der an eine trockene Wüstenfläche grenzt. Im Grunde genommen eine klassische Oase: ein bewohnter Ort mit etwas Vegetation und Wasser inmitten der Wüste.

Der Grüngürtel hält Wind ab und macht die Freiräume in der Siedlung nutzbar. (Visualisierung: © 2021 W-LAB)

W-LAB presents: the Biocabin

Der äussere Gürtel aus Vegetation schützt die Siedlung, vor Extremwetter. Mit Hilfe eines Computertools kann W-LAB genau messen und visualisieren, welchen Komfort der äußere Grüngürtel bringt. Er hält Wind ab und macht die Freiräume in der Siedlung nutzbar. Wie Perlen an einer Kette reihen sich die von W-LAB entworfenen Bio-Häuser aneinander. Deren englische Bezeichnung “biocabins” gibt eine Idee von ihrem äußeren Erscheinungsbild: kleine, aerodynamische Baukörper.

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Die aerodynmische Form der von W-LAB entworfenen Häuser geht auf eine Tragstruktur aus Holz zurück. Genauer gesagt kreiert ein Sockel aus Holz die Basis für zwei darüber liegende Geschosse. Der Sockel ist mit Stützen im Boden verankert, demzufolge der ökologische und lokale Fussabdruck der Gebäude besonders klein bleibt. Während das englische cabin die einfache, äußere Form des Hauses gut beschreibt, wird der Begriff “bio” der technischen Ausstattung nicht gerecht.

Biocabins mit externem Stoffdach und Schutzwänden aus Lehmziegeln (Visualisierung: © 2021 W-LAB)

Nicht nur Wohnen

Hinter einer einfachen Fassade hat W-LAB ausgeklügelte Technik verbaut. Die nutzt Wind und Sonne, die wiederum verschiedene Kreisläufe aufrecht erhalten. Das Haus produziert seinen eigenen Strom, hat ein Kühlungssystem und Kreisläufe zum Wasserrecycling. Zu den natürlichen Baumaterialien zählen Holz, je nach Standort von Agaven oder Palmen. Organisches Isoliermaterial und Lehm gehören genauso dazu wie Aluminium. Das ist gut wieder verwendbar. Die natürlichen Materialien halten extremen Klimabedingungen stand. Darüber hinaus sind sie energiearm zu gewinnen und hinterlassen nur einen geringen, fossilen Fussabdruck.

Im Inneren der aerodynamischen Gebäude wird auf 180 Quadratmetern gewohnt. Genauer gesagt wird dort Arbeit verrichtet, Freizeit verbracht, Sport getrieben und Gemüse angebaut. Der Blick in den von W-LAB kreierten Innenraum erinnert an luxuriöse Yachten. Helle Farbe, eine geschwungene Treppe und Designer-Möbel muten zeitgemäß an. Lediglich das von Robotern gesteuerte Gewächshaus für Gemüse überrascht. Es steht wie eine Skulptur mitten im Wohnraum. Aufgrund des kontrollierten Klimas im Inneren des Hauses kann hier das ganze Jahr über Gemüse wachsen. Aus den organischen Abfälle aus der Küche entsteht Dünger. So wie organische Abfälle kompostiert werden, wird auch das Grauwasser des Hauses aufbereitet und wieder verwendet.

Wohnzimmer mit Gewächshaus und Wendeltreppe (Visualisierung: © 2021 W-LAB)
Wohnzimmer mit Gewächshaus und Wendeltreppe (Visualisierung: © 2021 W-LAB)

Wertvolle Ressourcen

Das Herz und den Mittelpunkt der visionären Siedlung von W-LAB bildet ein großes Becken mit Meerwasser. Die Visualisierung dieses Pools lässt an Feriensiedlungen oder Hotelanlagen denken. Ungeachtet des extremen Klimas chillen Bewohner*innen an oder auf dem Wasser. Hier kommen Menschen zusammen; zum Entspannen und Austauschen. Wie früher. Darüber hinaus dient das mit Meerwasser gefüllte Becken dem Kleinklima in der Siedlung. Es kühlt die Luft tagsüber ab und strahlt zudem in kalten Nächten Wärme ab. Da in der Wüste kaum Wasser vorhanden ist, liegen ausserhalb der Siedlung wichtige Infrastrukturen. Mit einer solargetriebenen Entsalzungsanlage und sogenannten Nebelfängern muss jeder Tropfen Wasser mühevoll eingefangen werden. Auch elektrische Energie muss über Solarpaneele oder Windturbinen vor Ort generiert werden. Wie von selbst, scheint die Versorgung der Siedlung mit WLAN zu funktionieren.

Zentraler Meerwasser-Pool (Visualisierung: © 2021 W-LAB)

Wollen wir so eine Zukunft?

Auch wenn die Ideen von W-LAB in vielen Teilen real anmuten, lassen sie hingegen zahlreiche Fragen offen. Dessen ungeachtet regt der Entwurf der kreativen, aufstrebenden Architekt*innen und Gestalter*innen zum Denken an. Auf eine andere Art als viele theoretische Diskussionen zum Klimawandel. Wenn W-LAB uns vor Augen führt, wie unser Leben unter zunehmend extremen Wetterbedingungen aussehen wird, kommt Unbehagen auf. Vielleicht hilft das, den Bemühungen um Klimaschutz neuen Schwung zu geben.

Auch die Juliausgabe 2021 der G+L, die das Planungskollektiv bauchplan ).( kuratiert hat, beschäftigt sich mit der Frage wie wir künftig mit dem Klimawandel umgehen. Hier erfahren Sie mehr.

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