Der Jewel Changi Airport in Singapur zeigt, wie eine XXL-Innenraumbegrünung aussehen kann. Bildquelle: Bundesverband GebäudeGrün e.V.
Der Jewel Changi Airport in Singapur zeigt, wie eine XXL-Innenraumbegrünung aussehen kann. Bildquelle: Bundesverband GebäudeGrün e.V.

Vom 27. bis 29. Juni 2023 fand in Berlin der Weltkongress Gebäudegrün statt. Über 600 Personen nahmen an der Konferenz zum Thema Dachbegrünung teil. Mehr über das Programm und das Fazit des Kongresses lesen Sie hier.

Praktische Lösungen für die Gebäudebegrünung

Nachdem der Weltkongress Gebäudegrün aufgrund der Corona-Pandemie im Jahr 2020 abgesagt werden musste, konnte er nun im Juni 2023 nachgeholt werden. Somit handelte es sich um den ersten Gebäudegrün-Kongress seit 2017. Die Veranstaltung fand vor Ort in Berlin und online statt und hatte knapp 1 100 Teilnehmende aus 41 Ländern. Das bunte Programm rund um das Thema Dachprogramm bestand aus mehr als 90 Vorträgen. 100 Referierende aus 29 Ländern trugen zu fünf parallel verlaufenden Vortragsreihen bei.

Den Auftakt des Kongresses übernahm Bundesbauministerin Klara Geywitz, die gemeinsam mit Staatssekretärin Britta Behrendt von der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz Begrüßungsworte an das Publikum richtete. Es folgten Impulsvorträge des Düsseldorfer Architekten Christoph Ingenhoven und von Patrick Blanc, dem bekannten Fassadenbegrüner.

Zugleich fand eine ausverkaufte Fachausstellung statt, bei der rund 60 Unternehmen und Organisationen vertreten waren. Sie alle stellten Lösungen rund um die Gebäudebegrünung vor und boten den Teilnehmenden praktische Ansätze an.

Knapp 60 Ausstellende trugen zum Weltkongress Gebäudegrün 2023 bei. Bildquelle: Bundesverband GebäudeGrün e.V.
Knapp 60 Ausstellende trugen zum Weltkongress Gebäudegrün 2023 bei. Bildquelle: Bundesverband GebäudeGrün e.V.

Klimaanpassungsstrategien aus der Praxis

Am 27. und 28. Juni fanden Vorträge und Veranstaltungen zu fünf Themenschwerpunkten statt. Dabei wurden zum Beispiel Städtestrategien diskutiert. Im Städtedialog ging es um Förderungen für die Dachbegrünung, um wasser- und klimasensible Stadtentwicklung und um Resilienz in der Stadt. Auch das Thema Nachhaltigkeit war sehr wichtig: Die Expert*innen diskutierten ökologische Gesamtkonzepte, nachhaltige Stadtentwicklung und die Wirtschaftlichkeit bestimmter Maßnahmen. Darüber hinaus ging es beim Weltkongress Gebäudegrün 2023 um Gesundheit, Biodiversität, Wirtschaft und Politik. Klimaanpassungsstrategien, Arten- und Insektenschutz, Gründach-Index und Gebäudegrün in verschiedenen Ländern standen im Vordergrund.

Einige Veranstaltungen widmeten sich Praxisbeispielen aus der Architektur und Stadtplanung wie etwa Hochhausbegrünungen oder Urban Farming. Auch Hightech-Lösungen sowie Maßnahmen der Regenwasserbewirtschaftung, von Blau-Grüner Infrastruktur über Überflutungsvorsorge bis hin zu Retentionsdächern, wurden diskutiert.

Am 29. Juni boten die Veranstalter*innen Exkursionen zu verschiedenen Projekten in Berlin an. Unter fachkundiger Begleitung wurden Projekte zu Dachbegrünung, Fassadenbegrünung, Innenraumbegrünung und Gebäudebegrünung in der Stadt besucht.

Der Anteil der Dachbegrünung in Deutschland hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Bildquelle: Unsplash
Der Anteil der Dachbegrünung in Deutschland hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Bildquelle: Unsplash

Der BuGG-Marktreport Gebäudegrün 2023

Im Rahmen des Weltkongresses Gebäudegrün 2023 stellte der Bundesverband GebäudeGrün e.V. (BuGG) auch den BuGG-Marktreport Gebäudegrün 2023 vor. Darin sind aktuelle Zahlen zum deutschen Gründach- und Fassadenbegrünungsmarkt enthalten. Auch eine Übersicht zu den indirekten und direkten Förderprogrammen für Gebäudebegrünung in Deutschland ist im Marktreport zu finden.

Der Weltkongress Gebäudegrün ist eines der wichtigsten Events zum Thema Dach- und Fassadenbegrünung und trägt somit dazu bei, Ideen für die Klimaanpassung zu verbreiten. Es bleibt zu hoffen, dass nicht wieder sechs Jahre bis zum nächsten Kongress vergehen, denn so viel Zeit bleibt nicht mehr, um die Folgen des Klimawandels in unseren Städten nachhaltig und mit dem in Berlin demonstrierten Fachwissen anzugehen. Die Schirmherrschaften durch das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen sowie die Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz sind wichtige Signale.

Übrigens: Der BuGG-Marktreport Gebäudegrün 2022 zeigte, dass der Gründach-Anteil in Deutschland in den letzten Jahren gestiegen ist.

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Das diesjährige Greentech Festival fand vom 14.-16. Juli in Berlin statt. credits: Greentech Festival
Das diesjährige Greentech Festival fand vom 14.-16. Juli in Berlin statt. © Greentech Festival

Vom 14. bis 16. Juli fand in Berlin das Greentech Festival 2023 statt. Dort tauschen sich Akteur*innen aus der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu nachhaltigen Themen aus. Über eine Veranstaltung zwischen Innovation und Greenwashing.

Kurze Historie des Greentech Festival

Es war im Jahre 2018 als bei Ex-Rennfahrer und Formel 1 Weltmeister Nico Rosberg die Idee eines Greentech Festivals aufkam. Es sollte als Plattform dienen, um interdisziplinär Lösungen für eine nachhaltigere Zukunft zu ergründen. Dazu suchte sich Rosberg Gleichgesinnte und fand diese in den beiden Ingenieuren und Unternehmern Marco Voigt und Sven Krüger. Bereits ein Jahr später, 2019, veranstalteten sie in Berlin mit dem Greentech Festival Europas größtes Nachhaltigkeitsfestival. Akteur*innen aus der Wirtschaft, Politik und der Gesellschaft debattierten zu Themenbereichen wie Ernährung, Energie, Infrastruktur und Mobilität. 

Die letztgenannten dürften ein besonderer Anreiz für den Beitritt eines weiteren Aktionärs gewesen sein. Denn im Jahr 2020 stieg niemand geringerer als die Deutsche Bahn als zusätzlicher Unterstützer ein. Drei Jahre später ersetzte Serienunternehmer Tobias Assies das Gründungsmitglied Sven Krüger. Und damit stand das Team für das diesjährige Greentech Festival 2023 fest. Das Motto: Net Zero vor 2050. Um dieses Ziel zu erreichen, luden die Veranstalter erneut große Industrieunternehmen und kleine Start Ups nach Berlin ein um sich über Netto-Null-Strategien auszutauschen. Rund um die Talkrunden und Präsentationen bietet das Greentech Festival den Besucher*innen ein buntes Unterhaltungsprogramm. Bands und Künstler*innen steuerten musikalische Untermalung bei. Als weiteres Highlight gelten die Green Awards, bei denen Persönlichkeiten ausgezeichnet werden sollen, die sich in besonderer Weise für nachhaltige Themen stark machten. Darunter finden sich in der noch jungen Historie des Festivals illustre Namen wie Bob Geldof, Elon Musk, Robert Redford oder Vivienne Westwood. 

© Greentech Festival
© Greentech Festival

Programm des Greentech Festival 2023

Diesjährig setzte das Greentech Festival noch eine Schippe drauf und expandierte nach Singapur und Los Angeles. In Deutschland fand es vom 14. bis zum 16. Juni im ehemaligen Flughafen Berlin-Tegel TXL statt. Diesjährig fanden sich im Programm beispielsweise der Direktor des Potsdam-Insti­tuts für Klima­folgen­forschung, Johan Rock­ström. Er referierte in seinem Panel-Talk über das 1,5-Grad-Ziel. Weiterhin das Schweizer Start-up Planted, welches Fleischersatz-Produkte auf pflanzlicher Basis herstellt. Judith Wemmer, Head of Product Development des Unternehmens, ging in ihrem Vortrag der Frage nach, wie die Weltbevölkerung in Zukunft ernährt werden könne. Insgesamt spricht das Greentech Festival von über 150 Vortragenden und 190 Aussteller*innen innerhalb der drei Tage. Darüberhinaus verzeichneten sie rund 15 000 Besucher*innen.

Von innovativen Ansätzen…

Darunter diesjährig Beispielswiese erstmalig das Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz. Dieses stellte einen Photobioreaktor vor, um zu veranschaulichen, wie sich CO2 nutzen lässt, um Algen zu züchten, die das Treibhausgas wiederum binden können. Ebenso innovativ ist das Projekt des Diplom-Physikers Franz Philipps vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Er präsentierte den sogenannten Zedu-1. Das bis dato umweltfreundlichste E-Auto der Welt, welches mittels eigens entwickelter Filtertechnologie sowohl Mikroplastik durch Reifenabrieb als auch Feinstaub eliminiert.

…und Greenwashing

Die lange Liste an Partner*innen und Unternehmen stößt jedoch auch auf Kritik. Denn während Shell, E.ON, die Lufthansa oder Audi auf dem Greentech Festival zwar grüne Ansätze präsentierten, agieren sie in ihrem Unternehmensalltag nicht immer nach den Vorsätzen, die das Festival propagiert. Shell etwa bewarb Recharge-Ladestationen für E-Autos. Gleichzeitig lehnt Shell eine Emissionsreduktion ab, da dies angeblich gegen Aktionärsinteressen verstieße. Auch dass mit der Lufthansa eine der größten Fluggesellschaften der Welt über die Reduzierung von Plastikmüll und Klimaneutralität bis 2050 referiert, hat einen faden Beigeschmack. Das Tech-Portal „Basic Thinking“ resümiert das Greentech Festival mit den Worten: „Was nach dem Greentech-Festival 2023 bleibt, sind zwar einige nette Ideen, aber wenige innovative Konzepte und Aussteller. Dafür aber umso mehr Selfies, Greenwashing und Selbstbeweihräucherung unter dem Deckmantel „Mission to net Zero“.“

Auch andernorts feilt man an umstrittenen Strategien gegen die Klimakrise. Zum Beispiel mit genveränderten Bäumen. Mehr dazu und über das StartUp Living Carbon hier.

Parc des Ateliers

Der spektakuläre Neubau der Stiftung Luma Arles ist ein Kunstwerk für die Kunst: Frank Gehrys Turm ist Museum und Atelierbau zugleich. Er bildet den Höhepunkt eines Kunst- und Kulturareals, das die Luma-Gründerin Maja Hoffmann im Verlauf von 15 Jahren verwirklicht hat.

Luma Arles eröffnet „Parc des Ateliers“

Arles und Kunst – da ist natürlich der erste Gedanke van Gogh, der hier seinen Traum vom Atelier des Südens im Künstlergemeinschaft mit Gauguin zu verwirklichen suchte. Doch der Aufenthalt in Arles wurde für van Gogh zum Debakel. Nicht nur, dass die Zusammenarbeit mit Gauguin im Zerwürfnis endete – in Arles begann er auch zunehmend an Wahnvorstellungen zu leiden, bis er sich schließlich in die Nervenheilanstalt im nahegelegenen Saint-Rémy begeben musste.

Fast erscheint es ein wenig, als habe sich Maja Hoffmann vorgenommen, van Goghs erlittenes Schicksal in Arles im Nachhinein zu heilen. Hoffmann, die der gleichnamigen Basler Großindustriellendynastie entstammt, ist eine der bedeutendsten Kunstsammlerinnen und -förderinnen weltweit. Seit beinahe 20 Jahren wirkt sie als Kulturinitiatorin und Mäzenin in Arles. Im Jahr 2004 gründete sie dort die Luma-Stiftung, die zeitgenössische Kunst fördert und beauftragt.

 

Drei Jahre später begann Maja Hoffmann gemeinsam mit dem Architekten Frank Gehry, dem Kurator Hans-Ulrich Obrist und einer Reihe bedeutender zeitgenössischer Künstler einen Arbeitsprozess. Die Beteiligten entwickelten gemeinsam Ideen für ein neuartiges Kunst- und Kulturzentrum für das 21. Jahrhundert. Als Standort für dieses Projekt wählte Hoffmann den „Parc des Ateliers“. Ein Gelände des seit den Achtzigerjahren aufgelassenen Bahnbetriebswerk der SNCF an Rande der historischen Altstadt von Arles. Die historischen Werkstattgebäude wurden in Verlauf der letzten Jahre von der Architektin Annabelle Selldorf renoviert. Nun beherbergt das Gebäude Ausstellungsräume, Künstlerateliers und -wohnungen sowie ein Restaurant.

Galerie, Atelier und eine öffentliche Aussichtsterrasse

Den krönenden Abschluss fand die Neugestaltung des „Parc des Ateliers“ nun mit der Eröffnung des „Towers“, eines 56 Meter hohen Ausstellungs- und Ateliergebäudes nach dem Entwurf von Frank Gehry. Die ersten Vorarbeiten zu dem Projekt begannen bereits 2009. 2013 begannen die Bauarbeiten. Das Ergebnis ist unübersehbar ein Werk Gehrys – der hier jedoch die für sein Werk so charakteristischen freien Formen mit gewaltigen geometrischen Volumina verbindet. So gestaltete der Architekt eine drei Stockwerke hohe Sockelzone als gewaltigen gläsernen Zylinder. Ein Verweis auf das römische Amphitheater von Arles.

Nachhaltige Baumaterialien entwickelt von Atelier Luma

 

Aus dem Zylinder empor wächst der eigentliche Turm. Dessen auf die Innenstadt ausgerichtete Seite präsentiert sich als glänzende und wild bewegte Metallhaut mit rechteckigen Fenstererkern. Auf der stadtabgewandten Seite scheint der Turm dagegen aus zwei kubischen Körpern zusammengesetzt, die leicht angewinkelt nebeneinanderstehen. Im Innern des Glaszylinders sind scheinbar frei im Raum verteilt die Volumina der unterschiedlichen Galerien untergebracht. Eine Organisationsform, die sich ähnlich auch in Gehrys Fondation Louis Vuitton in Paris findet. Auch mehrere Atelierräume für Künstler finden sich hier. Im Turm dagegen sind hauptsächlich die Verwaltungsräume der Stiftung untergebracht. Eine öffentliche Aussichtsterrasse bildet den oberen Abschluss.

Zahlreiche Kunstwerke, unter anderem von Philippe Parreno und Olafur Eliasson, sind wichtiger Bestandteil des Towers. Sie wurden speziell für diesen Ort geschaffen. Ebenfalls Teil der Arbeit der Luma-Stiftung ist übrigens das Atelier Luma. Diese Werkstätte hat verschiedene nachhaltige Bau- sowie Einrichtungsteile aus heimischen Materialien für das Projekt entwickelt: So finden sich im Gebäude unter anderem textile Wandverkleidungen aus Bioplastik, mit Algen gefärbte Fliesen und Akustikelemente aus Sonnenblumen.

Ein weiteres Museum geschmückt mit gelungenen architektonischen Details sehen Sie hier.