Das Thema der G+L Oktoberausgabe ist Wettbewerbe. Cover: Joshua Golde via Unsplash
Das Thema der G+L Oktoberausgabe sind Wettbewerbe. Cover: Joshua Golde via Unsplash

Ohne Wettbewerbsgewinn fällt es hierzulande vielen Büros schwer, Fuß zu fassen. Ohne Referenzprojekte haben sie aber auch kaum Gewinnchancen. Ein Teufelskreis. Welche Reformen braucht unsere Wettbewerbskultur und inwiefern macht es für Büros heute noch Sinn, an weiteren Rankings und Awards teilzunehmen? Wir analysieren im Oktober unsere Preiskultur.

Drei Büroinhaber, drei Perspektiven.

Gewinnen in unserem Wettbewerbswesen immer dieselben? – Ja, nein, jein. Eine Frage, drei Antworten. Wer genau was gesagt hat, das verrate ich hier nicht; nur, dass ich im Vorfeld dieses Heftes mit AW Faust (SINAI), Franz Reschke (FRL) und Martin Rein-Cano (Topotek 1) zum aktuellen Wettbewerbswesen in Deutschland gesprochen habe. Drei Büroinhaber, drei Perspektiven. Gleiches bei der Frage, ob junge Büros bei Wettbewerben heute eine Chance haben und ob die gerufenen Jurymitglieder tatsächlich unvoreingenommen agieren. Auch hier wieder: eine Frage, drei Antworten. Schönen Dank die Herren. Könnt ihr nicht eine Meinung vertreten? Leichter wär‘s.

Aber um leicht geht es hier nicht. Um leicht kann es in diesem Heft nicht gehen. Denn: Wettbewerbe sind echt. Viel. Arbeit. Und anstrengend. Und komplex. Und manchmal nervig. Für alle Beteiligten. Ja, auch für die Kommunen. Und deswegen haben wir es uns mit der vorliegenden Ausgabe der G+L auch alles andere als leicht gemacht. In dieser feiern wir die herausragendsten Wettbewerbe der letzten zwölf Monate und diskutieren zugleich mit den mitunter namhaftesten Planer*innen dieses Landes intensiv und provokant sämtliche Fragen zum deutschen Wettbewerbswesen – für manch einen gar ein bisschen zu hitzig. Aber es ist eben ein brandaktuelles Thema – und so wichtig.

echt. viel. Arbeit.

Aber um leicht geht es hier nicht. Um leicht kann es in diesem Heft nicht gehen. Denn: Wettbewerbe sind echt. Viel. Arbeit. Und anstrengend. Und komplex. Und manchmal nervig. Für alle Beteiligten. Ja, auch für die Kommunen. Und deswegen haben wir es uns mit der vorliegenden Ausgabe der G+L auch alles andere als leicht gemacht. In dieser feiern wir die herausragendsten Wettbewerbe der letzten zwölf Monate und diskutieren zugleich mit den mitunter namhaftesten Planer*innen dieses Landes intensiv und provokant sämtliche Fragen zum deutschen Wettbewerbswesen – für manch einen gar ein bisschen zu hitzig. Aber es ist eben ein brandaktuelles Thema – und so wichtig.

Kleine und große Miseren

Denn: Wettbewerbe sichern im besten Fall höchst demokratisch die Innovation und Qualität unserer Baukultur – und dennoch geht die Zahl ihrer Auslobungen immer weiter zurück. Und das ist „nur“ die große Misere neben all den kleinen Miseren, wie der, dass nur noch eine gewisse Planungselite sämtliche Wettbewerbe für sich entscheidet, dass junge Büros konsequent von kommunalen Auslober*innen unterschätzt werden (bzw. dank bürokratischer Hürden überhaupt gar keine Chance haben) oder auch dass es viel zu wenige offene Verfahren gibt. Das alles kann doch nicht auf die Baukultur einzahlen.

Berlins Wettbewerbskultur gehe weiter den Bach hinunter, sagte uns Theresa Keilhacker, Präsidentin der Architektenkammer im Interview. Tatsächlich müssen wir uns die Frage stellen, ob nicht die Wettbewerbskultur der kompletten Bundesrepublik den Bach runtergeht und wir hier dringend gegensteuern müssen. Was sagen Sie, liebe Leser*innen? Schreiben Sie es mir.

Theresa Ramisch

Chefredaktion

Das Oktober-Heft „Wettbewerbe“ gibt es ab sofort hier im Shop.

In der letzten Ausgabe der G+L haben wir uns ausführlich mit dem Landschaftsarchitekurstudium und studentischen Arbeiten auseinandergesetzt. Mehr dazu hier.

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An einem Wintervormittag am Limmatufer rauscht der Fluss und ein paar Krähen rufen. Dazu gesellt sich das Rauschen des Verkehrs von der nahen Hardbrücke. Ganz still ist es nie vor dem Gemeinschaftszentrum Wipkingen. Dass ein solcher Ort mitten in der Stadt trotzdem Ruhe ausstrahlen kann, zeigt die dort angesiedelte Ausstellung “Orte der Ruhe in der Stadt”.

Im Freien präsentieren Studierende der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW ihre Forschungsergebnisse. Die angehenden Umweltingenieure haben im Stadtteil Zürich-West unterschiedliche Orte der Ruhe identifiziert. Die Ausstellung ist in die entsprechenden Themen gegliedert. Das sind einerseits die vielen kleinen Parks, der Wald und das Wasser. Dort Stellen zu finden, wo man innehalten kann, ist nicht besonders schwierig. Wer genauer hinschaut, entdeckt aber auch Ruheoasen entlang von Straßen und Wegen, oder innerhalb von Wohnüberbauungen: Zwischen den Ruinen ehemaliger Gewerbebauten im Klingenhof beispielsweise, oder auf den drei weißen Stühlen zwischen den Bäumen beim Hardturm.

Die Ausstellung “Orte der Ruhe in der Stadt” zeigt: Häufig reichen schon einfache Mittel, um einen Ort zu schaffen, der sich für eine Ruhepause eignet. Wie Zitate und Kurzinterviews darlegen, suchen die Quartierbewohner und Passanten an den dokumentierten Stellen nicht nach absoluter Stille. Verkehrsrauschen oder Fluglärm sind fast überall zu hören. Doch die Passanten nehmen die Geräuschkulisse weniger wahr, sobald natürliche Elemente wie Wasser, Bäume oder Grünflächen vorhanden sind.

Ausstellung «Orte der Ruhe in der Stadt» – Wann und wo?

Auf die Frage, wie man die Klanglandschaften urbaner Räume bewusst gestalten kann, gibt die Ausstellung keine genaue Antwort. Vielmehr dokumentiert sie in Wort und Bild das Vorhandene und regt dazu an, aufmerksam durch die Stadt zu gehen und dabei selber neue Orte der Ruhe zu entdecken.


Wann:
18. Januar bis 10. Februar 2019
Wo:
Gemeinschaftszentrum Wipkingen
Breitensteinstrasse 19A, 8037 Zürich
Jederzeit frei zugänglich (Im Freien)
Zuzüglich:
Bilder und kurze Filmausschnitte im Café Tintenfisch: Mo bis Fr 10–18 Uhr; Sa und So 14–18 Uhr

Urban Mining – Die neue G+L im Juli 2026!

Foto: waiheng_tobi via Unsplash

Besonders beim Ausmisten merkt man, wie absurd unser Verhältnis zu Dingen geworden ist. Da steht ein Tisch, der noch Jahrzehnte halten könnte, aber weder will man ihn selbst noch nutzen noch will ihn jemand abholen. Nicht mal kostenfrei. Eine Lampe funktioniert, ein Kinderwagen rollt. Trotzdem werden sie zur Last. Zu schade für den Sperrmüll. Zu wertlos, um sie weiterzuverkaufen. Die einfache Lösung: Ab in die Verschenken-Box vor die Haustür. Problem gelöst, Gewissen beruhigt. Dieses Vorgehen war in den letzten Jahrzehnten so beliebt, dass Berlin im Sommer 2025 neue Bußgelder für das „illegale Entsorgen von Müll“ festsetze.  

Stadt als Vorrat

Feststeht: Wert kippt nicht, weil ein Gegenstand kaputt ist. Wert kippt, weil unser System keine Geduld mit Dingen hat. Diese Logik prägt auch den Umgang mit Häusern und Baustoffen. Deutschland produzierte laut Umweltbundesamt 2023 rund 198,8 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfälle. Während Europa über Rohstoffsicherheit und Klimaziele redet. Man muss diese Gleichzeitigkeit aushalten: Wir suchen Material am anderen Ende der Welt und übersehen, was längst vor unseren Füßen liegt. 

Urban Mining setzt an diesem Widerspruch an. Der Begriff klingt nach Werkzeugkasten und Staub. Doch er verlangt mehr als bessere Sortieranlagen. Er zwingt uns, die Stadt als Vorrat zu lesen, bevor der Bagger Fakten schafft. Wir halten diesen Blick für richtig. Wer Bestand als Rohstofflager ernst nimmt, kann Abriss nicht mehr als beiläufigen Startpunkt behandeln. 

Diese Ausgabe der G+L zeigt, wie konkret das in Stadtplanung und Landschaftsarchitektur wird. In Heidelberg rückt das Patrick-Henry Village die Frage in den Maßstab eines ganzen Stadtteils. Die Grellgasse 3 in Wien zeigt, dass Wiederverwendung Entwurf verlangt, und nicht allein gute Absicht ist. Und im Gespräch mit Dirk Hebel vom KIT sprechen wir mit ihm über die Grenzen von Urban Mining, aber auch darüber, was Deutschland von Äthiopien lernen kann.   

Grüner Trostpreis

Und das ist auch dringend nötig. Der Circularity Gap Report 2025 beziffert den Anteil sekundärer Materialien an der globalen Wirtschaft auf 6,9 Prozent. Von Kreislaufwirtschaft sind wir weit entfernt. Die Linie dominiert, nur das Vokabular klingt besser. UNEP warnt im Global Resources Outlook 2024 vor weiter steigendem Rohstoffverbrauch. Wir können also weiter so tun, als lösten Technik und Moral das schon irgendwie. Oder wir fragen endlich, warum neu so oft einfacher, billiger und rechtlich sicherer ist als weiterverwenden. Urban Mining wird erst dann ernst, wenn es nicht als grüner Trostpreis für Abriss dient. Der beste Rohstoff bleibt der, den wir gar nicht erst ausbauen müssen. 

Die Juniausgabe gibt es hier im Shop.

In unserer Juniausgabe drehte sich alles um das Thema Quartiersentwicklung. Lesen Sie hier mehr davon.