Studentische Arbeiten – die G+L im September 2023

Cover: Alex Avalos via Unsplash
Cover: Alex Avalos via Unsplash

Ist das Landschaftsarchitekturstudium noch zeitgemäß und wenn nein, was muss sich ändern? Diese zentrale Frage beantwortet die Septemberausgabe der G+L auf Basis einer groß angelegten Onlineumfrage. Zudem haben wir wieder Professor*innen und Dozent*innen um Tipps zu den spannendsten Studien-, Bachelor- und Masterarbeiten ihrer Studierenden gebeten. Diese lassen wir die Bearbeiter*innen selbst in der Ausgabe vorstellen. Ganz nach dem Motto: The stage is yours.

Professioneller Eindruck

Sehr freundlich, top organisiert und höchst wortgewandt. Für diese Ausgabe der G+L haben wir mit insgesamt 47 Studierenden von sechs Universitäten zusammengearbeitet und sie gebeten, ihre Arbeiten selbst vorzustellen. Den professionellen Eindruck, den die Student*innen dabei hinterließen, der steckt so manch ein Planungsbüro in die Tasche. Gleichzeitig ist die Qualität der Projekte mitunter einfach beeindruckend. Von wegen also Studis seien faul, hätten zu viel Zeit und verirrten sich regelmäßig in pseudo-philosophischen Fragestellungen.

Von Provokation zur Fragestellung

Unser Cover dieses Mal? Reine Provokation. Gleichzeitig macht es aber auch die Fragen auf, welche Vorurteile Studierende immer wieder treffen, was ein Studium heute eigentlich leisten muss bzw. müsste. Das finden wir spannend und dieser Fragestellung wollen wir in der vorliegenden Ausgabe nicht ausweichen.

Die Möglichkeit, eigene Projekte vorzustellen

Zum insgesamt dritten Mal geben wir mit diesem Heft Studierenden die Möglichkeit ihre Bachelor-, Master- oder Projektarbeiten selbst vorzustellen. Dabei wechseln wir zwischen Studierenden der Universitäten und Studierenden der Fachhochschulen ab. Nachdem die Hochschulen und Universitys of Applied Sciences 2021 das letzte Mal dran waren, kommen nun also wieder die Universitäten zum Zug. Für die Auswahl der Arbeiten kontaktierten wir in der G+L-Redaktion die Fakultäten und baten um Vorschläge zu Arbeiten, die dort in jüngerer Vergangenheit sehr beeindruckt hätten.

Umfrage zum Landschaftsarchitekturstudium

Die Neuheit in diesem Heft: Neben den studentischen Arbeiten präsentieren wir die Ergebnisse der aktuellen G+L-Onlineumfrage. In dieser fragten wir Studierende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, ob und inwiefern sich das Landschaftsarchitekturstudium ändern muss. 91 Prozent der Befragten gaben dabei, dass sich das Studium ihrer Meinung nach ändern muss. Punkt.

Die Stimme einer Praktikerin

Zudem freue ich mich, dass wir mit Marlene Heichele vom Ingolstädter Büro Weinzierl Landschaftsarchitekten die starke Stimme einer Praktikerin veröffentlichen dürfen, die sich nicht scheut zu benennen, welche Auswirkungen die Lücken in der Ausbildung für ihre tägliche Arbeit habe. Danke, Frau Heichele, für Ihren Beitrag.

Alles in allem ist dies hier also eine sehr vielschichtige G+L-Ausgabe, die mir persönlich recht zu denken gibt. Seit Jahrzehnten stehen wir vor den gleichen Herausforderungen. Klimakrise. Die fehlende Stimme der planerischen Disziplinen. Der Fachkräftemangel. Nun Wirtschaftskrise. Eine anbahnende Baukrise. Und statt den Nachwuchs zielgerichtet auszubilden, hacken wir auf der Null-Bock-Haltung der Gen Z rum. Dieses Heft beweist: Die haben Bock, die haben Energie. Aber beides muss eben auch gefördert werden. Das kann weder die alleinige Aufgabe der Hochschulen noch der künftigen Arbeitgeber*innen sein.

Das September-Heft „Studentische Arbeiten III“ gibt es hier im Shop.

In unserer August-Ausgabe haben wir uns mir der digitalisierten Stadt beschäftigt – mehr dazu hier.

Das könnte Sie auch interessieren
Der Wettbewerb für den Rosentalturm in Basel ist entschieden: Herzog & de Meuron überzeugte mit dem Entwurf „Rooseli“ die Jury. Rendering: © Herzog & de Meuron
Rosentalturm Basel: Herzog & de Meurons „Rooseli“
Cityscaper: Augmented Reality-Plattform für Stadtplanung
Schweiz: 300 Gärten und Parks
„Stege an den Feuchtwiesen“ Foto: Ferdinand Graf Luckner
Gärten des Jahres 2024 – Gewinner*innen
Smartphone mit offenen KI-Apps, die unterschiedliche Funktionen und Fokus-Tools zeigen.
Was ist ein Attention-Mechanismus? – Fokus bei Sprachmodellen erklärt
Digitalisierung und Klimaschutz: Die Rolle von digitalen Tools bei der CO2-Reduktion in Städten
kuratiert von Kulturprojekte Berlin
Unvergessener Bewegungsmoment
Eine professionelle Planungsszene im Freiraum zum Thema Leistungsphase 2 Hoai
Leistungsphase 2 Hoai: Bedeutung und Anwendung einfach erklärt
menschen-die-tagsuber-auf-der-strasse-spazieren-gehen-cGAkllp6Bxo
Digitale Führerscheinkontrolle für urbane Carsharing-Flotten
bunte-gebaude-saumen-einen-fluss-mit-bergen-im-hintergrund-W7gR8mtPF04
Ökosystemleistungen operationalisieren – wie Natur Teil der Stadtbilanz wird
der Wissensorte miteinander verbindet aussehen? (Bild: IBA Heidelberg 2017)

Neue Innovationen und Wissenstransfer steigern die Attraktivität von Standorten und wirken somit als Katalysator für die Stadtentwicklung. Die IBA (Internationale Bauausstellung) in Heidelberg setzt sich mit der positiven Dynamik von Wissenstransfer und Urbanisierungsprozessen auseinander. Unter dem Titel „Wissen|schafft|Stadt“ soll Heidelberg als Lern- und Bildungsort der Wandel hin zur Wissensstadt gelingen. Dabei spielt die Freiraumplanung eine maßgebliche Rolle. Grünräume werden nicht mehr nur als vernetzende Elemente von Freiräumen begriffen, sondern auch als Netzstruktur, die Wissensorte miteinander verknüpft.

Grünräume verbinden Wissensorte

Auf einer Konversionsfläche, den Campbell Baracks in Heidelberg soll ein identitätsstiftender Park zentrales Element für das wissensbasierte Stadtquartier werden. Der neu zu gestaltende Netzwerkpark nimmt eine gesellschaftliche Relevanz ein, indem er Wissenseinrichtungen über intelligent gestaltete Freiräume miteinander verknüpft. Das Freiraumspektrum reicht vom vielseitig nutzbaren Bürgerpark bis hin zum ruhigen Museumsgarten. Dazu lobt die Stadt Heidelberg einen nicht offenen freiraumplanerischen und städtebaulichen Planungswettbewerb aus.

Freiraumkonzept mit Modellcharakter

Das Projekt wurde vom Bundesministerium Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit in das Förderprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ aufgenommen. Durch die Förderung mit knapp 6 Millionen Euro und durch das innovative Planungsverfahren im Dialog mit den Bürgern erhält das Projekt Modellcharakter.

Bewerbungsfrist: 6. April 2017

Abgabe der Wettbewerbsleistungen: 19. Juni 2017

 

Weitere Informationen zum Wettbewerb auf der IBA homepage:

http://iba.heidelberg.de

Oder auf competitionline:

https://www.competitionline.com/de/ausschreibungen/258774

Eines der Projekte von Francis Kéré

Eines der Projekte von Francis Kéré

Alles, was Sie über den Pritzker-Preis und die Gewinner*innen dieses sowie der vergangenen Jahre wissen müssen.

Der Pritzker-Preis für Architektur ist ein internationaler Preis, der jedes Jahr an lebende Architekt*innen oder an eine Gruppe von Architekt*innen für bedeutende Leistungen verliehen wird. Die Familie Pritzker aus Chicago rief den Preis 1979 über ihre Hyatt Foundation ins Leben. Die Stiftung ist bis heute für die Verleihung der renommierten Auszeichnung verantwortlich.

Mit dem Pritzker-Preis sollen zeitgenössische Architekt*innen geehrt werden, „deren Bauwerke eine Kombination aus Talent, Vision sowie Engagement zeigen, die durch die Kunst der Architektur beständige und bedeutende Beiträge für die Menschheit und die gebaute Umwelt hervorgebracht haben“.

Die Auszeichnung besteht aus einer Bronzemedaille sowie einem Preisgeld von 100 000 USD. Sie wird im Rahmen einer Zeremonie an einem architektonisch bedeutenden Ort der Welt verliehen. Der Preis, der auch als Nobelpreis der Architektur bezeichnet wird, wird „ungeachtet der Nationalität, der Rasse, des Glaubens oder der Ideologie“ vergeben. Das dazugehörige Medaillon trägt eine lateinische Inschrift, die von dem antiken römischen Architekten Vitruv inspiriert ist: firmitas, utilitas, venustas (Festigkeit, Nutzen und Freude).

Derzeit ist Manuela Lucá-Dazio Exekutivdirektorin des Pritzker-Preises. Die Nominierungen stammen von Architekt*innen, Wissenschaftler*innen und Kritiker*innen. Sie müssen bis zum 1. November eingereicht werden. Die Jury besteht aus fünf bis neun Expert*innen.

Der Pritzker-Preisträger 2022

Im Jahr 2022 wurde der Pritzker-Preis an Francis Kéré verliehen, der damit der erste afrikanische Architekt ist, der den Preis erhält. Kéré wurde in Burkina Faso geboren. Seine Arbeit wird weltweit hoch geschätzt. Er hat nicht nur in seinem Geburtsland, sondern auch in Afrika, Europa und den Vereinigten Staaten von Amerika gearbeitet. Der 55-Jährige bezieht sich in seinen Werken oft auf seine Kindheit, die von einem starken Gemeinschaftssinn geprägt war. Nach seinem Studium in Deutschland erfüllte er sich einen seiner Träume und entwarf eine Grundschule für sein Heimatdorf Gando. Dies war sein erstes Gebäude, das 2001 fertiggestellt wurde. Viele weitere Gebäude folgten.

Laut dem Pritzker-Preis-Komitee sind dies die Fragen, die Francis Kéré in seinem Werk beantwortet. „Welche Rolle spielt die Architektur in einem Kontext extremer Knappheit? Was ist die richtige Herangehensweise an die Praxis, wenn man gegen alle Widrigkeiten arbeitet? Sollte sie bescheiden sein und riskieren, sich den widrigen Umständen zu beugen? Oder ist Bescheidenheit der einzige Weg, um sachdienlich zu sein und Ergebnisse zu erzielen? Sollte sie ehrgeizig sein, um Veränderungen anzuregen? Oder besteht die Gefahr, dass Ehrgeiz fehl am Platz ist und zu einer Architektur des bloßen Wunschdenkens führt?“

Andere Pritzker-Preisträger*innen

Der erste Preisträger des Pritzker-Preises war der Architekt Philip Johnson, der „für 50 Jahre Vorstellungskraft und Vitalität, die sich in einer Vielzahl von Museen, Theatern, Bibliotheken, Häusern, Gärten und Unternehmensstrukturen niedergeschlagen haben“, die Auszeichnung bekam.

Im Jahr 2004 war die Architektin Zaha Hadid die erste Frau, die den Preis erhielt. Ryue Nishizawa gewann 2010 und war mit 44 Jahren der jüngste Architekt, der einen Pritzker-Preis entgegennahm. Weitere Preisträger*innen waren:

  • Jacques Herzog und Pierre de Meuron im Jahr 2001
  • Kazuyo Sejima und Nishizawa im Jahr 2010
  • Rafael Aranda, Carme Pigem und Ramón Vilalta im Jahr 2017
  • Yvonne Farrell und Shelley McNamara im Jahr 2020
  • Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal im Jahr 2021

 

Die Geschichte des Preises

Die Idee für den Pritzker-Preis stammt von Jay sowie Cindy Pritzker, die ein größeres öffentliches Bewusstsein für Architektur fördern und gleichzeitig mehr Kreativität in diesem Beruf anregen wollten. Der Name Pritzker kommt von der Familie, die einen Ruf für ihre zahlreichen internationalen Geschäftsinteressen hat. Sie sitzt in Chicago und ist Eigentümerin der Hyatt Hotels.

Die Familie Pritzker ist seit langem für ihre Unterstützung von Aktivitäten in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Medizin und Kultur bekannt. Heute ist der Sohn von Jay und Cindy, Tom Pritzker, Vorsitzender sowie Präsident der Hyatt Foundation. Er sagte: „Als gebürtige Chicagoer ist es nicht verwunderlich, dass unsere Familie ein ausgeprägtes Bewusstsein für Architektur hat, da sie in der Geburtsstadt des Wolkenkratzers lebt, einer Stadt voller Gebäude, die von Architekturlegenden wie Louis Sullivan, Frank Lloyd Wright, Mies van der Rohe und vielen anderen entworfen wurden.”

Viele Verfahren und Auszeichnungen des Pritzker-Preises sind dem Nobelpreis nachempfunden, so zum Beispiel das Preisgeld, die offizielle Urkunde und die Bronzemedaille. Vor 1987 erhielten die Preisträger anstelle der Medaille eine Henry-Moore-Skulptur in limitierter Auflage.

Die Verleihung des Pritzker-Preises

Während die Bekanntgabe des Pritzker-Preisträgers in der Regel früh im Jahr, im Januar oder Februar, stattfindet, wird die offizielle Zeremonie im Mai abgehalten. Die Wahl des Ortes unterstreicht die Bedeutung der gebauten Umwelt und bietet einen einzigartigen Rahmen für die Zeremonie, während gleichzeitig historische, architektonische Leistungen oder Werke vorheriger Pritzker-Preisträger*innen gewürdigt werden. Die Orte werden in der Regel vor der Auswahl des Preisträger*innen ausgewählt, was bedeutet, dass es keine Verbindung zwischen den beiden gibt.

An der nur auf Einladung stattfindenden Veranstaltung nehmen internationale Gäste sowie Gäste aus dem Gastgeberland teil. Das Event besteht aus einer Begrüßung durch eine*n Würdenträger*in des Gastgeberlandes, Kommentaren der Jury, der Preisverleihung durch Tom Pritzker sowie einer Dankesrede der ausgezeichneten Person.

Im Jahr 2022 wird die Zeremonie im Marshall Building in London stattfinden, das von Grafton Architects entworfen wurde. Die Preisträgerinnen des Jahres 2020, Yvonne Farrell und Shelley McNamara, haben den Entwurf geleitet. Das Marshall Building ist das bisher größte akademische Gebäude der London School of Economics and Political Science. Es wurde 2021 fertiggestellt.

Was für Architekt*innen der Pritzker-Preis ist, der sogenannte „Nobelpreis der Architektur“, ist für Journalist*innen der Pulitzer-Preis: Der Pulitzer-Preis 2021 ging jedoch nicht an eine*n Journalist*in, sondern an die britische Architektin Alison Killing.