14.10.2020

Wettbewerb

Wettbewerbsergebnisse im Oktober 2020

Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen monatlich über die spannendsten Wettbewerbe. Hier die ersten Wettbewerbsergebnisse im Oktober 2020.

Im nichtoffenen Wettbewerb mit acht Teilnehmern suchte Mainz für den Alten Friedhof Judensand nach einer landschaftsplanerischen Aufwertung und Konzeption eines Besucherzentrums.
Das Siegerteam aus Landschaftsarchitekten SINAI und Holzer Kobler Architekturen überzeugte mit einer Großform aus Eiben und darin integrierten Neubauten als schützende Hülle des Friedhofs.
Detail Besucherzentrum als schützender Bau, der Teil der umgebenden Hülle bildet.
Besucherzentrum mit Vorplatz außerhalb des eigentlichen Friedhofsareals
Öffnungen aus Flachstahl rhythmisieren die Heckenpflanzungen aus Taxus baccata, die von einer steinernen Sockelzone gefasst werden.
Historischer Referenzplan von 1779. © Stadtarchiv Mainz

Alter Friedhof Judensand, Mainz; 1. Preis SINAI, Berlin, mit Holzer Kobler Architekturen, Zürich

Alle Bilder: © SINAI mit Holzer Kobler

Als einer der ältesten jüdischen Friedhöfe Europas zählt der Alte Friedhof Judensand in Mainz – entsprechend sensibel müssen die Planer bei der Aufwertung vorgehen. Der Siegerentwurf erreicht mit seiner klaren Gestaltung einen hohen Wiedererkennungswert für den bisher unscheinbaren Ort: Eine umlaufende Eibenhecke stärkt die Besonderheit des Ortes; nach außen schafft sie eine schützende Hülle und im Inneren erzeugt sie eine atmosphärische Dichte. Gezielt leiten Öffnungen als Sichtverbindungen von außen ins Innere und sollen so zur Auseinandersetzung mit dem Erinnerungs- und Glaubensort anregen. Die Hülle aus Heckenwand, Sockel und Öffnungen ermöglicht eine wieder sichtbare Präsenz im Stadtraum und verankert den Ort raumwirksam im heterogenen Umgebungsgefüge. Zugleich greift die Heckeneinfassung die historische Einfriedung des Judensands von 1779 auf und führt damit symbolisch das Erbe der jüdischen Gemeinde fort. Programmatisch und gestalterisch ergänzen die vorgeschlagenen Neubauten als Schutzbauten die neugeschaffene Hülle um das alte Friedhofsareal.

Aus 38 Bewerbern konkurrierten letztlich 15 Büros um den Sieg im begrenzten freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb, den bbz landschaftsarchitekten für sich entschied. © Visualisierung Julia Kattinger
Zwei unterschiedliche Ufer prägen den Entwurf – eine urbane Kante im Norden und eine geschwungene Auenlandschaft im Süden. © bbz landschaftsarchitekten
Das Nordufer präsentiert sich als steinerne Kante mit breiter Ufertreppe als Aussichtsbalkon. © bbz landschaftsarchitekten
Ausbildung des Südufers als Auenlandschaft mit zentralem Spielbereich. © Visualisierung Julia Kattinger

Fuldaufer zwischen den Brücken, Rotenburg; 1. Preis bbz landschaftsarchitekten berlin gmbh

Das Fuldaufer in Rotenburg soll sich als identitätsstiftender Freiraum der Stadt etablieren. bbz landschaftsarchitekten aktivieren den Flussraum durch Erlebnis- und Freizeitangebote und schaffen in großräumiger Geste zwei unterschiedlich ausgeprägte Ufer: Im Norden eine urbane Kante in klarer Geometrie, die den Stadtraum bis zur Fulda erweitert, im Süden das Gegenstück als breiter Auenraum mit geschwungener Uferkante, die den Fließlauf der Fulda aufgreift. Zur Stärkung des Uferraums verlegen die Landschaftsarchitekten den ruhenden Verkehr und lichten die teils kleinräumige Vegetation. Damit stellen sie den Blick frei zur prägnanten Fachwerksilhouette der Altstadt. Das urbane Ufer der Gegenseite fungiert als gegliederter Platzraum mit steinerner Veranstaltungsfläche und begrüntem Rückzugsraum. An die steinerne Platzfläche grenzt der Aussichtsbalkon an, der sich mit weitläufigen Sitzstufen zum Fluss hin erstreckt und in einem Podest am Wasser endet.

Unter fünf Teilnehmern im zweiphasigen Studienauftrag mit Präqualifikation siegten die Landschaftsarchitekten bbz bern und Plangrün AG mit Joos & Mathys Architekten.
Die Neugestaltung des Seeufers samt Seebad und Sportnutzung soll in zwei Planungshorizonten verlaufen: Der erste startet 2022, der zweite 2035.
Der Siegerentwurf will das Seeufer für die Bewohner erlebbar machen, dabei aber die Uferkante frei von Bebauung halten und die bestehenden Riedflächen weiterhin schützen.
Der im Entwurf entwickelte Publikumsweiher ermöglicht neue Naturerfahrungen.

Studienauftrag Seefeld, in Horw, Schweiz; 1. Preis bbz bern mit Joos & Mathys Architekten, Zürich, und Plangrün AG, Rotkreuz

Alle Bilder: © bbz bern / Joos & Mathys / Plangrün

Ein weiterer Wettbewerbserfolg für bbz landschaftsarchitekten: Gemeinsam mit Planungspartnern siegten bbz bern im Studienauftrag für ein neues Seebad samt Sportanlagen und Ufergestaltung, das in den zeitlichen Planungshorizonten 2022 und 2035 umgesetzt werden soll. Die Siegervision sieht die Freizeit- und Sportnutzung im Einklang mit der ökologischen Aufwertung des Areals. Entsprechend soll ein vielfach nutzbarer Park entstehen, dessen Nutzungsfelder in die Landschaft eingebettet und von einer Vielzahl ökologischer Nischen begleitet werden. Der neue Park fungiert dabei als Bindeglied zwischen Siedlungsraum und See. Der Entwurf entfernt die aktuell existierenden künstlichen Aufschüttungen und stellt die ursprünglich flach verlaufende Topographie wieder her. Das ermöglicht eine visuelle Öffnung von der Bebauungskante über Park und Ufer bis zum See. Die geschickte Anordnung der Spielfelder und ihre Mehrfachnutzung lässt dem unverbauten Uferbereich und den Riedflächen ausreichend ökologische Pufferfläche. Den vorhandenen Steg zum Seeufer verlängern die Verfasser und leiten ihn über den neu geschaffenen Publikumsweiher.

Elf Teilnehmer konkurrierten um den Sieg für die baden-württembergische Landesgartenschau 2026, den relais Landschaftsarchitekten für sich entschied.
Zentrale Aufgabe war die Entwicklung eines Gesamtkonzeptes für die Daueranlagen und der Zugänge zur Landesgartenschau.
Der Stadtstrand im zentralen Parkbereich, nahe der Innenstadt
Eine Fußgängerbrücke verknüpft Altstadt und Aue – ihre prägnante Form „faltet“ sich in den Brückenpark hinein.
Der Brückenpark bildet den intensiv genutzten, urbanen Bereich des Parkbandes entlang der Jagst.

Landesgartenschau Ellwangen 2026; 1. Preis relais Landschaftsarchitekten, Berlin

Alle Bilder: © relais Landschaftsarchitekten

Gemäß dem Motto „Ellwangen an die Jagst“ soll der Fluss bis zur Landesgartenschau 2026 naturnah umgestaltet, ökologisch aufgewertet und erlebbar werden. Der Siegerentwurf von relais Landschaftsarchitekten überzeugte mit einem durchgehenden Raumbild für das Flusstal: Im westlichen Teil weitet sich der Flussraum zu einem breiten Korridor auf, innerhalb dessen sich das Fließgewässer eigendynamisch entwickeln kann. Der innenstadtnahe Bereich erfährt dagegen eine intensive Gestaltung mit vielfältigen Nutzungsangeboten und zugänglichem Stadtstrand. Ein Funktionsband im Norden bündelt die für die Gartenschau notwendigen Einrichtungen. Die anschließenden stadtnahen Parkbereiche werden weiterhin für Veranstaltungen genutzt und präsentieren sich nun als weite Flussterrassen bis zum Ufer hin. Eine Fußgängerbrücke verbindet die Freiräume der Jagstaue mit der Ellwanger Altstadt und leitet in prägnanter Form in den intensiv gestalteten Auenbereich, den Brückenpark mit seinen Sport- und Aktivitätsflächen.

Hier geht es zur Wettbewerbsübersicht im September 2020.

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