Wettbewerbsübersicht August 2018 (1/2)

Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen über die spannendsten Wettbewerbsergebnisse der letzten zwei Wochen und was man über sie wissen muss.

Möblierung des Kölner Opernquartiers – Förder Landschaftsarchitekten, Essen

Seit den 70er Jahren prägt die Gestaltung des Künstlers Jürgen Hans Grümmer den großen und kleinen Offenbachplatz in Köln – mit farbiger Geometrie der Bodenplatten und einem kreisrund gefassten Mosaikbrunnen. Im Gutachterverfahren suchte die Stadt nun eine geeignete Möblierung für die sanierten Platzflächen des Opernquartiers. Förder Landschaftsarchitekten überzeugten gemeinsam mit UKW Innenarchitekten durch eine maßstabsgerechte und reduzierte Gestaltung, die keine neuen Formen addiert, sondern auf die vorhandenen Formen reagiert. Die Planer greifen in ihrem Entwurf das Kreiselement auf und vervielfältigen den Brunnenring um vier weitere Ringe, die als große Sitzskulpturen den Platz beleben. Die Ringe umfassen dabei die vorhandenen Bäume und pointieren die einzelnen Standorte. Nach außen vermitteln Form und Profilierung eine fast schwebende Leichtigkeit, die dem denkmalgeschützten Umfeld Respekt zollen soll. Die Jury lobt die „produktive Spannung“ zur strengen Geometrie der denkmalgeschützten Oper (Architekt Wilhelm Riphahn, † 1963).

 

Ortskerngestaltung Fröndenberg an der Ruhr – [f] landschaftsarchitektur, Bonn

Fröndenberg im Sauerland braucht eine neugestaltete Mitte, die als attraktiver Anziehungspunkt einen hohen Funktionsmix gewährleistet. Im offenen Realisierungswettbewerb setzte sich [ f ] landschaftsarchitektur unter sechs Teilnehmern durch. Unter Verzicht einer plakativen Leitidee entwickelte das Planungsbüro mit unaufgeregten Mitteln eine stimmige Gestaltung der Abfolge an Plätzen und verbindenden verkehrsberuhigten Straßenräumen. Grundlegende Idee sei, das Existierende aufzunehmen und weiterzuentwickeln, so Susanne Weihrauch, Geschäftsführerin von [ f ] landschaftsarchitektur. Der Marktplatz bleibt als steinerner robuster Stadtplatz erhalten. Der westlich gelegene Bruayplatz behält seine grüne Prägung bei, gestärkt durch ein lockeres Baumdach und ein geschickt inszeniertes Wasserspiel, das die neugeschaffene Terrassierung nutzt. Die Jury würdigt vorrangig die differenzierte Ausgestaltung der beiden zentralen Plätze. Als Bindeglied und Rahmen fungiert ein einheitlicher Bodenbelag aus Granit.

 

Walckerpark Ludwigsburg – Koeber Landschaftsarchitektur, Stuttgart

Ludwigsburg hat eine zentral gelegene, aber bisher hinterhofgeprägte „Restfläche“ als potentielle Parkanlage ausgewiesen. Der Ideen- und Realisierungswettbewerb fordert, die Aufenthaltsqualität zu steigern, dabei aber den historischen Baumbestand und die notwendigen zentrumsnahen Parkflächen zu integrieren. Unter 17 Teilnehmern setzte sich Koeber Landschaftsarchitektur mit einem naturnahen Konzept für den zukünftigen Walckerpark durch. Die Planer leiten die Morphologie des Parks aus Studien zum Fließbild von Flüssigkeiten ab, und ziehen sie als Analogie für eine weiche Wegeführung heran, deren Ränder nicht exakt vorgegeben und ohne Einfassung sind. Laut Jury erreichen sie damit eine zusammenhängende naturnahe Parkfläche, in der sich Aufenthaltsbereiche und Anknüpfungen von außen sinnfällig integrieren. Ausgehend vom Schutz und Geborgenheit vermittelnden „Nest“ sehen die Verfasser eigens entwickelte Möblierungen vor. Sie stärken den individuellen und singulären Charakter des Parks stärken. Die Elemente dienen als Rückzugsräume oder sind Orte sportlicher Aktivität.

 

Heike Vossen ist freie Landschaftsarchitektin und hat einen Abschluss der Freien Journalistenschule. Als Fachjournalistin schreibt sie über Themen für die Bau- und Planungsbranche. Ihr Fachbuch „Gärten am Hang“ erschien beim Verlag Eugen Ulmer. Kontakt: info@gruentext.de