25.02.2020

Wettbewerb

Wettbewerbsübersicht Februar 2020 (2/2)


Neue Mitte Damm, Aschaffenburg, 1. Preis Holl Wieden Architekten Stadtplaner, Würzburg, mit Verkehrsplanung Link, Stuttgart und licht | raum | stadt planung, Wuppertal

Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen monatlich über die spannendsten Wettbewerbsergebnisse.

15 Entwürfe gingen im nichtoffenen Wettbewerb zur Neuen Mitte Damm ein, bei dem Holl Wieden Architekten Stadtplaner mit den Fachplanern Verkehrsplanung Link und licht raum stadt siegten. © Holl Wieden Partnerschaft
Herzstück und sozialer Mittelpunkt der Neugestaltung wird der neue Stadtplatz an der Michaelskirche. © Holl Wieden Partnerschaft
Die Leitidee ist eine durchgängig gestaltete Achse von Nord nach Süd, mit einheitlich gefärbtem Stadtboden. © Holl Wieden Partnerschaft
Konzept Stadtraum und Mobilität © Holl Wieden Partnerschaft
Ein wesentliches Enwurfselement ist die Erhaltung der dörflichen Strukturen, wie hier am nördlich gelegenen Dorfplatz, der einen Wasserzugang erhalten soll. © Holl Wieden Partnerschaft
Detaillierung des einheitlichen Stadtbodens © Holl Wieden Partnerschaft

Umgestaltung Steintorplatz in Hannover, 1. Preis Grieger Harzer Landschaftsarchitekten, Berlin

Ein Straßenrückbau ermöglicht es, Aschaffenburgs Stadtteil Damm eine neue Mitte zu geben. Der Siegerentwurf schlägt eine urbane Ortsmitte vor, die Fußgängern und Radfahrern mehr Raum gibt. Die Planer gestalten die lange Achse von Nord nach Süd als durchgängigen Stadtraum und rücken sie dadurch optisch enger zusammen. Herzstück und sozialer Mittelpunkt wird der neue Stadtplatz, der mit der angrenzenden Michaelskirche ein einprägsames Ensemble bildet. Die offene Platzgestaltung bietet Raum für multifunktionale Nutzungen, zugleich verzahnt sich der Platzraum durch den einheitlichen Stadtboden barrierefrei mit allen Seitenräumen, was die Funktion als städtischen Mittelpunkt verstärkt. Locker platzierte Zierkirschen kontrastieren zu den Baumreihen in den umgebenden Straßenräumen. Der durchgängige und einheitlich gefärbte Belag verknüpft die bisher räumlich abgetrennte Burchardtstraße im Süden eng an den Stadtplatz, zusätzlich sieht der Entwurf eine Temporeduzierung und breite Fußgängerübergänge vor. Stadtinventar und Möblierung sollen vereinheitlicht und auf wenige Elemente reduziert werden.

Acht Teilnehmer wählte die Landeshauptstadt Hannover für den Realisierungswettbewerb mit Ideenteil aus, den Grieger Harzer mit der Künstlerin Ina Weise für sich entschied. © Grieger Harzer
Dem Wettbewerb ging eine mehrmonatige Bürgerbeteiligung voran, nachdem die ursprünglich geplante Platzbebauung von Bürgerseite vehement abgelehnt worden war. © Grieger Harzer
Der Siegerentwurf sieht eine abgesenkte Platzmitte in Ellipsenform vor, gerahmt und räumlich gefasst von Bäumen und einer mittig platzierten 25 Meter hohen digitalen Lichtsäule. © Grieger Harzer
Die neugestaltete Topographie stellt die Platzmitte als Manege heraus, mit Sitzstufen an den Rändern. © Grieger Harzer
Schnitt West-Ost mit Übergang zur Fußgängerzone © Grieger Harzer
Ideenteil östlich angrenzende Fußgängerzone: Mit Terrazzo-Fliesen und glasiertem roten Klinker © Grieger Harzer

IBA-Projekt Am Zoll Lörrach Riehen, 1. Preis YEWO Landscapes mit Studio Vlay Streeruwitz, Wien

Unbebaut, grüner und mit riesiger Lichtsäule als Blickfang: Der Siegerentwurf für Hannovers Steintorplatz sticht hervor mit einer 25 Meter hohen digitalen Lichtsäule mit frei programmierbaren LED-Flächen. Der Entwurf stärkt die Funktion des Platzes als repräsentatives Entree zur Innenstadt. Dazu kombiniert er den auffälligen Leuchtmasten, der zugleich als riesige Sonnenuhr dienen kann, mit historischen Zitaten der barocken Gärten und klassizistischen Alleen Hannovers. So rahmt der bereits vorhandene und belassene Linden-Halbkreis die neu geformte Platzmitte, die sich als abgesenkte Ellipse präsentiert. Weitere Neuanpflanzungen (Platanus, Celtis) stärken die Raumbildung und ermöglichen breite Aufenthaltszonen mit Schatten auf der großen Platzfläche, die zugleich notwendige Einbauten aufnehmen. Die zentrale Mitte bleibt von Einbauten frei, ihre geformte Topographie ermöglicht Sitzstufen an den Rändern und stärkt damit die Manegenwirkung. Zusätzlich sorgen Wasserspiele auf den baumfreien Flächen für Verdunstungskühle an heißen Tagen.

YEWO Landscapes erhielten den 1. Preis im Team mit den Stadtplanern Studio Vlay Streeruwitz und con.sens Verkehrsplanung © YEWO Landscapes
Der Siegerentwurf entwickelt den grenzüberschreitenden Straßenraum der Baslerstraße zu einem lebendigen Stadtboden, der sich quer in die Quartiere vernetzt. © YEWO Landscapes
Die Nachverdichtungen gehen mit einem hohen Grünanteil einher, der die Lebendigkeit und Attraktivität des Quartiers stärkt. © YEWO Landscapes
Der Straßenraum wird zur Mischverkehrszone und wendet sich damit konsequent dem öffentlichen Raum und ÖPNV zu. © YEWO Landscapes
Die Nachverdichtung entlang der alten Baslerstraße schafft Ensembles aus Vorder- und Hinterhäusern. Die Neubauten ermöglichen, die bestehenden Gärten als Rückzugsräume abzuschirmen. © YEWO Landscapes

Kunst am Bau für das iDiv an der Universität Leipzig, 1. Preis Neubau Forschungsgebäude für Station C23, mit den Künstlerinnen Elisabeth Howey und Enne Haehnle, Leipzig

Die Entwicklung des grenzüberschreitenden Quartiers „Am Zoll“ zwischen der deutschen Stadt Lörrach und der Schweizer Nachbargemeinde Riehen ist IBA-Projekt innerhalb der Projektgruppe Aktive Bahnhöfe. Der Siegerentwurf überzeugte mit einem zeitgemäßen Mobilitätskonzept, das durchgehend hochwertige Umsteigepunkte schaffe, so die Jury. Der Straßenraum, der das Quartier grenzüberschreitend verbindet, wird zur Mischverkehrszone und wendet sich damit konsequent dem öffentlichen Raum und ÖPNV zu. Die Planer definierten die Straße als Stadtraum und entwickeln Raumsequenzen, die auf die Qualitäten der Teilräume reagieren, den Austausch quer über die Straße hinweg stärken und sich im Quartier vernetzen. Bei diesen „Prinzipien zur lebendigen und resilienten Straße“ übernehmen Bäume eine leitende Funktion und stärken zugleich die Raumbildung an den Plätzen. Vorgeschlagene städtebauliche Verdichtungen berücksichtigen immer ausreichend Grün – wie die Grünzungen, die sich als Gemeinschaftsgründächer auf neuen Wohnbauten artikulieren. Die dort zuvor positionierten Garagenanbauten verlegen die Planer unter die Neubauten.

Sieben Teams aus Künstlern und Landschaftsarchitekten konkurrierten im Wettbewerb „Kunst am Bau“ der Universität Leipzig. Der Entwurf von C23 mit Elisabeth Howey und Enne Haehnle siegte bei der Gestaltung des Vorplatzes. © Station C23 / Elisabeth Howey / Enne Haehnle
„Chorus“ basiert auf der Idee von Interaktion und Durchlässigkeit von Systemen und lässt Neues entstehen, indem skulpturale und landschaftsarchitektonische Elemente ineinandergreifen. © Station C23 / Elisabeth Howey / Enne Haehnle
Skulpturale Großformen erinnern in ihrer Formgebung an im Boden lebende Kleinstorganismen. © Station C23 / Elisabeth Howey / Enne Haehnle
Die einzelnen Skulpturen aus Beton sind bis zu zwei Meter lang und gruppieren sich zu Verbänden von bis zu sechs Meter Länge. © Station C23 / Elisabeth Howey / Enne Haehnle
In die Platzfläche aus Asphalt sind Pflanzinseln eingeschnitten und mit artenreichen Wildstauden bepflanzt. Ein Halbtrockenrasen und Gehölze (Traubeneiche, Elsbeere) ergänzen das Spektrum. © Station C23 / Elisabeth Howey / Enne Haehnle

Mit dem Ensemble „Chorus“ überzeugte der Siegerentwurf zur Gestaltung des Vorplatzes am Neubau des Forschungsgebäudes für das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig. Chorus (lateinisch Haufen oder Menge; griechisch Tanz) basiert auf der Idee von Interaktion, Offenheit und Durchlässigkeit von Systemen. Im Entwurf greifen landschaftsarchitektonische und skulpturale Elemente ineinander und schaffen so neue Räume und Prozesse. In den Belag eingeschnittene und vertiefte Pflanzinseln gliedern den Vorplatz, ergänzt durch skulpturale Großformen, die in ihrer Formgebung an im Boden lebende Kleinstorganismen erinnern. Symbolisch schärfen die Formen damit das Beziehungsgeflecht zwischen oberhalb und unterhalb des Bodens. Die einzelnen Skulpturen sind bis zu zwei Meter lang und gruppieren sich zu Verbänden von bis zu sechs Meter Länge. In scheinbar heiterer Anarchie besiedeln sie den Freiraum, werden aber zugleich selbst besiedelt durch Flechten und Moose.

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