Wettbewerbsübersicht Februar 2020 (2/2)

Neue Mitte Damm, Aschaffenburg, 1. Preis Holl Wieden Architekten Stadtplaner, Würzburg, mit Verkehrsplanung Link, Stuttgart und licht | raum | stadt planung, Wuppertal

Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen monatlich über die spannendsten Wettbewerbsergebnisse.

Umgestaltung Steintorplatz in Hannover, 1. Preis Grieger Harzer Landschaftsarchitekten, Berlin

Ein Straßenrückbau ermöglicht es, Aschaffenburgs Stadtteil Damm eine neue Mitte zu geben. Der Siegerentwurf schlägt eine urbane Ortsmitte vor, die Fußgängern und Radfahrern mehr Raum gibt. Die Planer gestalten die lange Achse von Nord nach Süd als durchgängigen Stadtraum und rücken sie dadurch optisch enger zusammen. Herzstück und sozialer Mittelpunkt wird der neue Stadtplatz, der mit der angrenzenden Michaelskirche ein einprägsames Ensemble bildet. Die offene Platzgestaltung bietet Raum für multifunktionale Nutzungen, zugleich verzahnt sich der Platzraum durch den einheitlichen Stadtboden barrierefrei mit allen Seitenräumen, was die Funktion als städtischen Mittelpunkt verstärkt. Locker platzierte Zierkirschen kontrastieren zu den Baumreihen in den umgebenden Straßenräumen. Der durchgängige und einheitlich gefärbte Belag verknüpft die bisher räumlich abgetrennte Burchardtstraße im Süden eng an den Stadtplatz, zusätzlich sieht der Entwurf eine Temporeduzierung und breite Fußgängerübergänge vor. Stadtinventar und Möblierung sollen vereinheitlicht und auf wenige Elemente reduziert werden.

IBA-Projekt Am Zoll Lörrach Riehen, 1. Preis YEWO Landscapes mit Studio Vlay Streeruwitz, Wien

Unbebaut, grüner und mit riesiger Lichtsäule als Blickfang: Der Siegerentwurf für Hannovers Steintorplatz sticht hervor mit einer 25 Meter hohen digitalen Lichtsäule mit frei programmierbaren LED-Flächen. Der Entwurf stärkt die Funktion des Platzes als repräsentatives Entree zur Innenstadt. Dazu kombiniert er den auffälligen Leuchtmasten, der zugleich als riesige Sonnenuhr dienen kann, mit historischen Zitaten der barocken Gärten und klassizistischen Alleen Hannovers. So rahmt der bereits vorhandene und belassene Linden-Halbkreis die neu geformte Platzmitte, die sich als abgesenkte Ellipse präsentiert. Weitere Neuanpflanzungen (Platanus, Celtis) stärken die Raumbildung und ermöglichen breite Aufenthaltszonen mit Schatten auf der großen Platzfläche, die zugleich notwendige Einbauten aufnehmen. Die zentrale Mitte bleibt von Einbauten frei, ihre geformte Topographie ermöglicht Sitzstufen an den Rändern und stärkt damit die Manegenwirkung. Zusätzlich sorgen Wasserspiele auf den baumfreien Flächen für Verdunstungskühle an heißen Tagen.

Kunst am Bau für das iDiv an der Universität Leipzig, 1. Preis Neubau Forschungsgebäude für Station C23, mit den Künstlerinnen Elisabeth Howey und Enne Haehnle, Leipzig

Die Entwicklung des grenzüberschreitenden Quartiers „Am Zoll“ zwischen der deutschen Stadt Lörrach und der Schweizer Nachbargemeinde Riehen ist IBA-Projekt innerhalb der Projektgruppe Aktive Bahnhöfe. Der Siegerentwurf überzeugte mit einem zeitgemäßen Mobilitätskonzept, das durchgehend hochwertige Umsteigepunkte schaffe, so die Jury. Der Straßenraum, der das Quartier grenzüberschreitend verbindet, wird zur Mischverkehrszone und wendet sich damit konsequent dem öffentlichen Raum und ÖPNV zu. Die Planer definierten die Straße als Stadtraum und entwickeln Raumsequenzen, die auf die Qualitäten der Teilräume reagieren, den Austausch quer über die Straße hinweg stärken und sich im Quartier vernetzen. Bei diesen „Prinzipien zur lebendigen und resilienten Straße“ übernehmen Bäume eine leitende Funktion und stärken zugleich die Raumbildung an den Plätzen. Vorgeschlagene städtebauliche Verdichtungen berücksichtigen immer ausreichend Grün – wie die Grünzungen, die sich als Gemeinschaftsgründächer auf neuen Wohnbauten artikulieren. Die dort zuvor positionierten Garagenanbauten verlegen die Planer unter die Neubauten.

Mit dem Ensemble „Chorus“ überzeugte der Siegerentwurf zur Gestaltung des Vorplatzes am Neubau des Forschungsgebäudes für das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig. Chorus (lateinisch Haufen oder Menge; griechisch Tanz) basiert auf der Idee von Interaktion, Offenheit und Durchlässigkeit von Systemen. Im Entwurf greifen landschaftsarchitektonische und skulpturale Elemente ineinander und schaffen so neue Räume und Prozesse. In den Belag eingeschnittene und vertiefte Pflanzinseln gliedern den Vorplatz, ergänzt durch skulpturale Großformen, die in ihrer Formgebung an im Boden lebende Kleinstorganismen erinnern. Symbolisch schärfen die Formen damit das Beziehungsgeflecht zwischen oberhalb und unterhalb des Bodens. Die einzelnen Skulpturen sind bis zu zwei Meter lang und gruppieren sich zu Verbänden von bis zu sechs Meter Länge. In scheinbar heiterer Anarchie besiedeln sie den Freiraum, werden aber zugleich selbst besiedelt durch Flechten und Moose.

Das könnte Sie auch interessieren
eine-stadtstrasse-voller-verkehr-neben-hohen-gebauden-L7RbsRIG7DQ
Recht auf Stadt trifft Raumordnung – wie kompatibel ist das?
“Es ist extrem landschaftsarchi­tektonisch, einen Traum umzusetzen.”
eine-stadtstrasse-voller-verkehr-neben-hohen-gebauden-L7RbsRIG7DQ
V2X-Kommunikation im Testquartier – vernetzte Mobilität vor Ort
Entschleunigung, Verdichtung, Umwandlung
Die Stadt der Zukunft. Cover: Aufbau Verlag
Die Stadt der Zukunft – Buchrezension
eine-stadtstrasse-voller-verkehr-neben-hohen-gebauden-L7RbsRIG7DQ
Was ist eine Epoch? – wie oft KI Städte lernen muss
Eine gestaltete Garten- und Parkanlage zum Thema Pflegeleichter Bauerngarten
Pflegeleichter Bauerngarten: Grundlagen, Geschichte und Bedeutung
Gedenkort für den Turnertempel
Infrastruktur.Innovation.Baukultur
Coverbild: Linus Lintner
Lichtplanung – Die G+L im Oktober 2022
Das diesjährige Greentech Festival fand vom 14.-16. Juli in Berlin statt. credits: Greentech Festival
Das diesjährige Greentech Festival fand vom 14.-16. Juli in Berlin statt. © Greentech Festival

Vom 14. bis 16. Juli fand in Berlin das Greentech Festival 2023 statt. Dort tauschen sich Akteur*innen aus der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu nachhaltigen Themen aus. Über eine Veranstaltung zwischen Innovation und Greenwashing.

Kurze Historie des Greentech Festival

Es war im Jahre 2018 als bei Ex-Rennfahrer und Formel 1 Weltmeister Nico Rosberg die Idee eines Greentech Festivals aufkam. Es sollte als Plattform dienen, um interdisziplinär Lösungen für eine nachhaltigere Zukunft zu ergründen. Dazu suchte sich Rosberg Gleichgesinnte und fand diese in den beiden Ingenieuren und Unternehmern Marco Voigt und Sven Krüger. Bereits ein Jahr später, 2019, veranstalteten sie in Berlin mit dem Greentech Festival Europas größtes Nachhaltigkeitsfestival. Akteur*innen aus der Wirtschaft, Politik und der Gesellschaft debattierten zu Themenbereichen wie Ernährung, Energie, Infrastruktur und Mobilität. 

Die letztgenannten dürften ein besonderer Anreiz für den Beitritt eines weiteren Aktionärs gewesen sein. Denn im Jahr 2020 stieg niemand geringerer als die Deutsche Bahn als zusätzlicher Unterstützer ein. Drei Jahre später ersetzte Serienunternehmer Tobias Assies das Gründungsmitglied Sven Krüger. Und damit stand das Team für das diesjährige Greentech Festival 2023 fest. Das Motto: Net Zero vor 2050. Um dieses Ziel zu erreichen, luden die Veranstalter erneut große Industrieunternehmen und kleine Start Ups nach Berlin ein um sich über Netto-Null-Strategien auszutauschen. Rund um die Talkrunden und Präsentationen bietet das Greentech Festival den Besucher*innen ein buntes Unterhaltungsprogramm. Bands und Künstler*innen steuerten musikalische Untermalung bei. Als weiteres Highlight gelten die Green Awards, bei denen Persönlichkeiten ausgezeichnet werden sollen, die sich in besonderer Weise für nachhaltige Themen stark machten. Darunter finden sich in der noch jungen Historie des Festivals illustre Namen wie Bob Geldof, Elon Musk, Robert Redford oder Vivienne Westwood. 

© Greentech Festival
© Greentech Festival

Programm des Greentech Festival 2023

Diesjährig setzte das Greentech Festival noch eine Schippe drauf und expandierte nach Singapur und Los Angeles. In Deutschland fand es vom 14. bis zum 16. Juni im ehemaligen Flughafen Berlin-Tegel TXL statt. Diesjährig fanden sich im Programm beispielsweise der Direktor des Potsdam-Insti­tuts für Klima­folgen­forschung, Johan Rock­ström. Er referierte in seinem Panel-Talk über das 1,5-Grad-Ziel. Weiterhin das Schweizer Start-up Planted, welches Fleischersatz-Produkte auf pflanzlicher Basis herstellt. Judith Wemmer, Head of Product Development des Unternehmens, ging in ihrem Vortrag der Frage nach, wie die Weltbevölkerung in Zukunft ernährt werden könne. Insgesamt spricht das Greentech Festival von über 150 Vortragenden und 190 Aussteller*innen innerhalb der drei Tage. Darüberhinaus verzeichneten sie rund 15 000 Besucher*innen.

Von innovativen Ansätzen…

Darunter diesjährig Beispielswiese erstmalig das Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz. Dieses stellte einen Photobioreaktor vor, um zu veranschaulichen, wie sich CO2 nutzen lässt, um Algen zu züchten, die das Treibhausgas wiederum binden können. Ebenso innovativ ist das Projekt des Diplom-Physikers Franz Philipps vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Er präsentierte den sogenannten Zedu-1. Das bis dato umweltfreundlichste E-Auto der Welt, welches mittels eigens entwickelter Filtertechnologie sowohl Mikroplastik durch Reifenabrieb als auch Feinstaub eliminiert.

…und Greenwashing

Die lange Liste an Partner*innen und Unternehmen stößt jedoch auch auf Kritik. Denn während Shell, E.ON, die Lufthansa oder Audi auf dem Greentech Festival zwar grüne Ansätze präsentierten, agieren sie in ihrem Unternehmensalltag nicht immer nach den Vorsätzen, die das Festival propagiert. Shell etwa bewarb Recharge-Ladestationen für E-Autos. Gleichzeitig lehnt Shell eine Emissionsreduktion ab, da dies angeblich gegen Aktionärsinteressen verstieße. Auch dass mit der Lufthansa eine der größten Fluggesellschaften der Welt über die Reduzierung von Plastikmüll und Klimaneutralität bis 2050 referiert, hat einen faden Beigeschmack. Das Tech-Portal „Basic Thinking“ resümiert das Greentech Festival mit den Worten: „Was nach dem Greentech-Festival 2023 bleibt, sind zwar einige nette Ideen, aber wenige innovative Konzepte und Aussteller. Dafür aber umso mehr Selfies, Greenwashing und Selbstbeweihräucherung unter dem Deckmantel „Mission to net Zero“.“

Auch andernorts feilt man an umstrittenen Strategien gegen die Klimakrise. Zum Beispiel mit genveränderten Bäumen. Mehr dazu und über das StartUp Living Carbon hier.

H. C. Andersen-Museum von Kengo Kuma eröffnet

Advertorial Artikel Parallax Article

Im dänischen Odense eröffnete Ende Juni das Hans-Christian-Andersen-Haus. Der japanische Architekt Kengo Kuma entwarf das Museum, in dem Besucher*innen in eine traumschöne Märchenwelt abtauchen. Den Märchengarten rundum entwarf das Kopenhagener Landschaftsarchitekturbüro MASU Planning.

Nicht nur der Märchenonkel

Kennen Sie die Geschichte Des Kaisers neue Kleider von Hans Christian Andersen? Grob zusammengefasst geht sie so: Es war einmal ein modisch sehr versierter Kaiser, der die Aufmerksamkeit von zwei Betrügern auf sich zog. Diese gaben sich als Weber und Schneider aus und behaupteten, die luxuriösesten Stoffe herstellen zu können. Außerdem hätten die Stoffe eine wundersame Fähigkeit: Nur intelligente Menschen, die ihres Amtes würdig seien, könnten sie tatsächlich sehen.
Selbst wenn Sie das Märchen nicht kennen, wird Ihnen klar sein, wo die Geschichte hinführt: Die Betrüger steckten die teuren Rohstoffe in ihre Taschen, während sie Luft webten und schneiderten. Niemand traute sich, dem Kaiser das Offensichtliche zu sagen – alles Humbug! – aus Angst, sich als dumm und inkompetent zu outen. Schließlich paradierte der Herrscher nackt durch sein Volk, im Glauben prächtig gekleidet zu sein.

Während dieses Märchen und die Vorstellung des nackten Kaisers inmitten seiner Untergebenen bei Kindern bestimmt zu Belustigung führt, ist die Botschaft für Andersens erwachsene Leser*innen doch auch deutlich: Denkt kritisch und folgt nicht blind dem Konsensus. Hans Christian Andersen war nie der lustige Geschichtenerzähler, der mit seinen Erzählungen nur Kinder unterhalten wollte. Seine Geschichten enthielten oft scharfe Sozialkritik oder waren bissige Satiren seiner Umwelt.

Neuartiges Museum von Kengo Kuma

Obwohl Andersen auch Anderes schrieb, Reiseberichte etwa, waren es die Märchen, die seinen Ruhm begründeten. Die Prinzessin auf der Erbse, Das hässliche Entlein, Die kleine Meerjungfrau und Das Mädchen mit den Schwefelhölzern – ingesamt 156 Märchen verfasste Andersen.

H. C. Andersen kam 1805 im dänischen Odense zur Welt. In Odense ist man natürlich stolz auf den großen Sohn der Stadt: Sein Elternhaus wurde in ein Museum umgewandelt. Mehrere Statuen und ein großes Wandgemälde erinnern ebenso an ihn wie Skulpturen seiner Märchenfiguren, die sich über ganz Odense verteilt finden. Auch der örtliche Flughafen ist nach ihm benannt.

Jetzt hat Odense eine neue Andersen-Sehenswürdigkeit: Ende Juni 2021 eröffnete „H. C. Andersens Hus“. Das neue Museum will aber nicht in erster Linie Informationen über Andersen vermitteln. Stattdessen erlaubt es den Gästen, in seine Märchenwelt einzutauchen, seine Sichtweise einzunehmen.

Andersens Wahrnehmung von Natur

Das Museumgebäude, das der japanische Architekt Kengo Kuma dafür im Zentrum von Odense errichtet hat, stellt eine Hommage an den Schriftsteller dar. Beim seien Entwurf ging es Kuma darum, jene Gegensätzlichkeit der Welt zum Ausdruck zu bringen, die Andersen in seinem Werk stets hervorhob: Realität und Fantasie, Mensch und Tier, hell und dunkel. Kengo Kuma und sein Team hatten zum Ziel, mit dem Gebäude und dem umliegenden Freiraum einen neuartigen Museums-Typus zu schaffen.

Dafür verwob Kengo Kuma die Architektur des Museums eng mit der Landschaft. Zuerst fällt den Besucher*innen nämlich der 7 000 Quadratmeter große Garten rund um das H. C. Andersen-Haus auf, den MASU Planning aus Kopenhagen gestaltete. Kengo Kuma versenkte große Teile seines Museumsbaus – zwei Drittel der Fläche liegen unter der Erde – und erzielt so den Eindruck eines Parks, in dem eine reihe kreisrunder Pavillons aus Holz und Glas stehen, deren Dächer begrünt sind. Damit reagierte Kuma auf den Bauplatz, der auf der Schnittstelle zwischen einem kleinmaßstäblichen mittelalterlichen Stadtgrundriß und einer grobkörnigeren urbanen Struktur des 19. und 20. Jahrhunderts liegt. Mit dem Museumspark fügt er ein neues Strukturelement in den Stadtraum ein, das zwischen den unterschiedlichen Körnungen vermittelt. Gleichzeitig schafft die Durchwegung des Museumsgrundstücks auch ganz praktisch neue Verbindungen zwischen den angrenzenden Quartieren.

Die oberirdischen Teile des Andersen-Hauses nehmen fast ausschließlich die Bereiche auf, die nicht als Ausstellungssäle genutzt werden: Im Nordosten hat der Architekt den Museumseingang mit allen notwendigen Funktionen angeordnet, im Südwesten nehmen zwei Pavillons Gastronomie und Bookshop auf.  Zwischen den beiden Bautengruppen befindet sich ein großer abgesenkter Bereich: der Lichthof, der die Ausstellungsräume im Untergeschoss erhellt. Die übrigen unbebauten Flächen auf Straßenniveau hat MASU als öffentlichen Grünraum gestaltet. Intention der Landschaftsplaner*innen war es, Andersens Wahrnehmung von Natur in den Freiraum zu übertragen: Er soll als Inspirationsquelle fungieren, der Fantasie freien Lauf lassen und zugleich unberechenbar und wild sein.

Dualitäten in den Garten überführt

Die Verflechtung zwischen Architektur und Garten bilden die Hecken: Diese zeichnen die unterirdischen Räumlichkeiten des Museums über dem Boden nach. Als klassisches Element in der Gartenplanung fungieren sie als Raumgrenzen, aber in diesem Falle nicht nur. Stattdessen fügen sie sich labyrinthartig zusammen und erlauben den Besucher*innen, sich im Garten zu verlieren.

Auch im Innern des Museums spielen die Grünräume eine prägende Rolle: Der Ausstellungsparcours mäandert zwischen Sälen ohne Tageslichteinfall, dem großen Lichthof und drei kleineren begrünten Lichthöfen, so dass die Besucher*innen immer wieder neue Variationen des Themen innen und außen, hell und dunkel erleben. Dieses Spiel mit den Gegensätzen leitet der Architekt aus dem Werk Andersens ab, das er als bestimmt von Gegensätzlichkeiten begreift: wirklich und unwirklich, menschlich und tierisch, dunkel und hell.

Kengo Kuma will mit Museum H. C. Andersens Geist einfangen

Die Planer*innen von MASU Planning haben die Dualität hell ­– dunkel auch in den Museumsgarten überführt. Es gibt einen dunklen Gartenteil, in dem eng gepflanzte Kiefern das Licht blockieren und die weiter Bepflanzung soll unheimlich und düster wirken. Vom dunklen Garten geht es über in den hellen Garten, wo sich Räume auftun und weiße Blumen und Gräser die die Gäste empfangen. Der grüne Freiraum rund um das Museum wird der Öffentlichkeit zugänglich sein und soll zu einem Teil der Stadt werden.

Was den neues Museums-Typus ausmacht, ist die Art und Weise mit der Kengo Kuma und sein Team aus Garten, Architektur und Ausstellungsgestaltung ein Ganzes schaffen. Das war Kuma auch besonders wichtig: Diese drei Elemente sollten von Anfang an zusammen gedacht werden. Deshab wurde auch die Ausstellung von Anfang an mitkonzipiert: Künstler*innen gestalteten eigens dafür verschiedene Elemente. Darunter befinden sich etwa Filme, Illustrationen, Puppen und verschiedene Installationen. Dafür haben sie sich von den verschiedenen Märchen H. C. Andersens inspirieren lassen. So gibt es etwa eine Installation basierend auf der Schwalbe in Däumelinchen oder eine, die sich auf das Märchen Das Feuerzeug bezieht. Des Kaisers neue Kleider hingegen ist noch nicht vertreten. Aber davon gibt es in Odense immerhin bereits eine Statue – nur sechs Minuten Fußweg entfernt.

Sie mögen Märchen? Dann interessieren Sie sich vielleicht auch für den Brüder-Grimm-Platz von Club L94.