Wettbewerbsübersicht Juli 2019 (2/2)

Ortsmitte Breitengüßbach, 1. Preis Grieger Harzer, Berlin, gemeinsam mit BSM Berlin und ZILA Leipzig

Ein starkes Zentrum, prägnante Trittsteine und ein blau-grünes Band überzeugten zum Sieg: Um die Ortsmitte im Fränkischen Breitengüßbach aufzuwerten, zeichnen Grieger Harzer Landschaftsarchitekten den historischen Bachlauf durch die Gemeinde als blau-grünes Band nach. Teils öffnen sie dazu den verrohrten Güßbach, teils bilden sie den Verlauf durch eine markante Baumreihe mit begleitender Staudenfläche nach. Die Ortsmitte wird klar zoniert und hochwertig gestaltet, die neuen Platzflächen vermitteln wie Trittsteine zwischen den Ortsteilen. Westlich der Kirche weitet sich der Straßenraum zu einem dreiecksförmigen Platz, der die Kirche mit dem frei gelegten Bach verknüpft. Die Jury hebt als Besonderheit die Weiterführung des Platzes nach Westen in Form einer Promenade hervor. Die Planer stärken diesen Platzraum durch einen Wasserspielplatz der sich auf die historische „Rübenwäsche“ bezieht. Südlich ergänzt der neue Festplatz die zukünftige Grünzone. Mit Schotterrasen befestigt, lässt er sich bei Bedarf auch als temporärer Parkplatz nutzen.

Alle Bilder: © Grieger Harzer, BSM, ZILA

Innenstadterneuerung Bad Honnef, 1. Preis RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, Bonn, gemeinsam mit Lindschulte Ingenieurgesellschaft mbH, Düsseldorf

Ein zusammenhängendes Netzwerk aus urbanen Plätzen und Identifikationsräumen soll Bad Honnefs heterogene Innenstadt strukturieren, so die Intention des Siegerteams aus RMP Stephan Lenzen mit Lindschulte Ingenieurgesellschaft. Herzstück ihrer Idee bildet der Kirchplatz der zentral gelegenen Pfarrkirche St. Johann Baptist, dem Wahrzeichen der Stadt. Die Sequenzen des umgebenden alten Baumbestandes bilden das Hauptmotiv der Gestaltung, das die Planer in Form von „Baumclustern“ auf die gesamte Innenstadt übertragen. Ihre Gestaltung hebt die Platzfolge Kirchplatz – Markt – Franz-Xaver-Trips-Platz hervor und leitet über zur Saynschen Passage. Der Kirchplatz erhält eine klare Fassung mit zusätzlichem Grün und einem barrierefreien Ring, dessen Inneres ein Pflasterbelag betont. Der Markt fügt sich in dieses Gestaltprinzip ein, ebenfalls mit gepflasterter Mitte, gesäumt von Langbänken und Bäumen. Der Franz-Xaver-Trips-Platz soll durch eine komplette Neugestaltung einen vielfältigen urbanen Identifikationsraum schaffen. Unter Einbezug der Platzränder schafft es der Entwurf, die schwierigen Höhenunterschiede aufzuheben.

Halbinsel Kesselstraße Düsseldorf, 1. Preis Atelier Loidl Landschaftsarchitekten, Berlin, mit DFZ Architekten, Hamburg

In direkter Nähe zum Medienhafen zählt die Halbinsel Kesselstraße zu den wichtigsten städtebaulichen Potenzialflächen Düsseldorfs. Als zukünftiges urbanes Hafenquartier soll sie Büro- und Dienstleistungen, sowie Gastronomie, Sport- und kulturelle Einrichtungen aufnehmen. Die Arbeitsgemeinschaft aus DFZ Architekten und Atelier Loidl Landschaftsarchitekten siegten im zweistufigen Verfahren mit einem Entwurf, der über qualitative Freiräume einen starken Bezug zum Wasser schafft und dabei die Uferkante als öffentlichen Freiraum weiterentwickelt. Die Planer machen die grüne Kante als besonderes Alleinstellungsmerkmal des ehemaligen Industriehafens aus, die sie zu einem Park als Grüne Mitte weiterentwickeln. Dieser Uferpark schafft eine räumliche Zäsur zwischen dem Quartier Kesselstraße und dem vorgelagerten zukünftigen Pier One (Ingenhoven Architects). Den westlichen Quartierabschluss bildet die Kaipromenade, die sich von der Spitze bis zum Hafenkopf der Insel erstreckt. Spitze und Kopf heben sich als Hochpunkte in der Baustruktur des Quartiers hervor, das sich durch Öffnungen, Höfe und Arkaden mit Park und Promenade verzahnt.

Landesgartenschau Kirchheim 2024, 1. Preis SINAI Landschaftsarchitekten, Berlin

Vier charakteristische und kontrastierende Landschaftsräume, die sogenannten „Sphären“, bilden die Basis des Siegerentwurfs von SINAI. Die vier Parksphären Wildnis, Wasser, Wald und Wiese füllen das Areal und verzahnen sich in weichen Übergängen miteinander. Eine zentrale Wegeschleife, in Form einer verzerrten großen Acht, bindet sie zusammen. Die zentrale Schleife kombiniert Fuß- und Radweg in großzügiger Breite von 4,50 Metern, während die Traversen maximal drei Meter Wegebreite aufweisen. Die fünfte Sphäre bildet der gemeinschaftliche Garten, der Bewirtschaftung und Ernte mit Spiel und Entspannung kombinieren soll. Die Sphäre „Wildnis“ im Norden soll sich durch eine gelenkte Sukzession entwickeln, der angrenzende Wald wird möglichst erhalten und ergänzt. Aus den Bestandsbäumen im Zentralbereich entwickeln sich dabei hutewaldartige Baum-Wiesen-Komplexe. Die offen gestaltete Wiesensphäre gliedert sich durch Säume und einer Fassung von Wäldchen und Baumreihen. Das zentrale und identitätsgebende Parkbild definiert aber die mittig gelegene Sphäre Wasser, mit großem See und feinteilig gestaffeltem Uferrelief.

Das könnte Sie auch interessieren
Topotek 1 entwickelte in Zusammenarbeit mit Cobe Architects ein neues freiraumplanerisches Konzept für das Quartier Høje Taastrup nahe Kopenhagen. Foto: Hanns Joosten
Downtown Høje Taastrup
Mai-Ausgabe: Konversion in der Stadt
Forschperspektive entlang moderner Gebäudefassade gen Himmel
Hertzallee Nord: Im Berliner Quartier geht es weiter
eine-strasse-mit-einem-baukran-darauf-vKCXloTsZKk
Autonome Roboter für Pflege digitaler Infrastrukturen
Karte mit Kompass als Symbol für urbane Kühlinseln kartieren – Methodik und Anwendung.
Urbane Kühlinseln kartieren – Methodik, Interpretation, Anwendung
eine-luftaufnahme-einer-stadt-JSRekW1fRfY
Digitale Dynamikzonen für Lieferverkehre in Echtzeit
eine-gruppe-von-personen-ausserhalb-eines-gebaudes-o18qa3wFuys
Verkehrsflächen umverteilen – die neue Geometrie der Stadt
Gärten des Jahres gesucht!
Angebot
BahnCard 100 – 50 Prozent sparen
Insel im Strom

Minecraft inspiriert Schüler zur Stadtplanung

Minecraft Jugend forscht

Minecraft Jugend forscht

Ein 14-jähriger Gymnasiast aus München gewinnt mit seinem eigens entwickelten Programm für klimafreundliche Stadtplanung den bayerischen Landeswettbewerb „Schüler experimentieren“. Welche Rolle das Computerspiel Minecraft dabei spielt, lesen Sie hier.  (mehr …)

Mit einem Bundesverdienstkreuz am Bande wurde die Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard in München ausgezeichnet.

Seit vielen Jahren setzt sich die Landschaftsarchitektin als Mitglied und Vorsitzende in verschiedenen Gremien für Stadtentwicklung, Landschaftsarchitektur und Landschaftsökologie ein. Sie leitete im Planungsreferat der Stadt München die Abteilung Grünplanung und arbeitete als Geschäftsführerin der BUGA 2005 GmbH das Konzept der Bundesgartenschau für die Messestadt Riem erfolgreich mit aus. Dabei waren die Aspekte Ökologie, Ökonomie und Soziales für Sie stets ein zentrales Thema.
Darüber hinaus fördert sie Städtebau und Landesplanung in Wissenschaft und Praxis. Beispielsweise im Stiftungsrat der Bundesstiftung Baukultur, im Bundeskongress zur Nationalen Stadtentwicklungspolitik des Bundesbauministeriums oder als Vorsitzende der Landesgruppe Bayern der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL).