1834 (Foto: Stadt Zürich)

Bis heute prägen ihre landschaftlichen Entwürfe die Stadt am Zürichsee: Uferpromenaden, Stadtplätze, der Botanische Garten sowie eine Vielzahl privater Gärten wurden vom Vater-Sohn-Gespann Theodor und Otto Froebel im 19. Jahrhundert gestaltet. In einer Ausstellung unter dem Titel „Teppichbeet und Promenade“, ehrt die Stadt Zürich ihre Ausnahmegärtner vom 11. April bis zum 14. Juli dieses Jahres.

Universalgärtner

Alles begann 1834 mit einer Anstellung Theodors als Universitätsgärtner. Dort hatte der talentierte Pflanzenzüchter die Chance einen neuen öffentlichen botanischen Garten zu konzipieren. Da das Einkommen als wissenschaftlicher Mitarbeiter zu wünschen übrig ließ, begann Theodor Froebel nebenher eine Handelsgärtnerei zu betreiben, wo er Pflanzen züchtete und anschließend verkaufte. Der Handel florierte und machte ihn zum gefragtesten Gärtner Zürichs. In der aufstrebenden Stadt fand Theodor ein ideales Spielfeld für seine Ideen: Öffentliche Plätze und Promenaden entlang des Zürichsees aber auch viele private Gärten konnte er beplanen. Im Gegensatz zu zeitgemäßen Entwürfen, waren seine Anlagen mit geschwungenen Wegen und asymmetrisch angeordneten Bepflanzungen ausgestattet. Sohn Otto unterstützte seinen Vater ab 1865 in der Pflanzenzucht und übernahm ab 1890 sein Vermächtnis.

Umfangreiche Ausstellung

Im Baugeschichtlichen Archiv der Stadt Zürich wird der umfangreiche Nachlass der Froebels nun ausgestellt. Der von der ETH Zürich verwaltete Nachlass wird mit Plan- und Bilddokumenten des Stadtarchives ergänzt. Die Ausstellung wird in die Themenbereiche „Frühe öffentlichen Anlagen“, „Städtebauliche Änderungen im Zuge des Baus der Quaianlagen“, „Private Gärten“ und „Die Handelsgärtnerei“ unterteilt. Der Eintritt ist frei und von Montag bis Freitag 8-18 Uhr sowie Samstag 10-16 Uhr möglich.

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Hauptrolle für den Hamburger Hafen

An prominenter Stelle hat Hamburg ein neues Stadtmöbelstück mit spektakulärer Beleuchtung bekommen: eine Hafenpromenade als Hochwasserschutzanlage von den Landungsbrücken bis zur Speicherstadt. Das Lichtkonzept zu der prägnanten Architektur von Zaha Hadid Architekten stammt vom Planungsbüro Schlotfeldt Licht. 

Es sieht heute leer aus im Hamburger Hafen. Noch vor wenigen Jahrzehnten tummelten sich auf der Norderelbe Boote, Schlepper, Frachter und Passagierschiffe – jetzt parken hier vor allem  Museums- und Ausflugsschiffe. Das Leben am Nordufer des Flusses hat sich verändert. In den frühen 1930er-Jahren diente das Elbufer an den Vorsetzen in Hamburg dem Güterumschlag. Zwischen Hochbahnviadukt und Kaimauer standen Schuppen und Kräne, wirkten See- und Schauerleute. Hier gab es dunkle Räume und dunkle Gestalten, aber auch lichte Momente und jeden Tag Lohn für Handarbeit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und zwei verheerenden Sturmfluten 1961 und 1978 schloss lange Zeit eine Hochwasserschutzanlage die Stadt vom Hafen und vom Wasser ab. Im Hafen war die Arbeit schmutzig und ölig – in der Stadt wich die produzierende immer mehr der administrativen Arbeit. Seit Container außerhalb des Stadtzentrums umgeschlagen werden und der Stückgutverkehr fast keine Rolle mehr spielt, die Freihafengrenze verlegt ist und die HafenCity mit großen Schritten wächst, gehören auch die alten Hafengebiete am Nordufer der Elbe zur Stadt. Sie wandelten sich vom Hinterhof zum Salon. Die Einfahrt der großen Kreuzfahrt- und Frachtschiffe ist eine Attraktion geworden und längst kein Tagesgeschäft mehr.

Stadt und Hafen

Die Flutschutzanlage hat den Charakter der Grenzlinie eingebüßt. Die Sportboote, Restaurants, Museumsschiffe und Musical-Theater am Südufer der Norderelbe gehören mehr zur Stadt als zum Hafenbetrieb. Dieser ist südlich der Norderelbe förmlich in den Hintergrund getreten. Spätestens 2006, als die Flutschutzanlage im Rahmen einer „Architektur Olympiade“ unter vielen Projekten in der Stadt zum Gegenstand einer architektonischen Neuinterpretation werden sollte, war klar, dass es hier zu einem signifikanten Wandel kommen musste. Zaha Hadid Architekten stellten sich der Aufgabe. Mit den für ihr Büro obligatorisch gerundeten Formen entwarf Hadid eine neue Promenade, die nicht nur flussauf- und -abwärts beschritten, sondern auch gequert werden kann. Der erste Bauabschnitt der Hafenpromenade – in unmittelbarer Nähe der Elbphilharmonie – ist jetzt fertig gestellt worden. Auf der Stadt- wie auf der Hafenseite sind Treppen wie Theaterforen ausgebildet.

Die Stadt hat in ihrem Wohnzimmer ein neues Möbelstück bekommen, dessen Stufen sich zum Sitzen eignen. Stadtflaneure können hier wie auf einem überdimensionierten Sofa verweilen und entweder das Stadtleben oder das Hafengeschehen wie auf einer Bühne verfolgen. Mit dem Unterschied, dass dieses Schauspiel nicht inszeniert wird – jedenfalls nicht im Regelfall. Spätestens bei einer Sturmflut dürften sich die Plätze in der ersten Reihe als ungemütlich erweisen. Die Assoziation vom Wasser ausgespülter Buchten, die dem Entwurfsgedanken der Treppenanlagen zugrunde liegt, fordert das Sicherheitsbedürfnis und die Angst vor der Flut heraus, die hinter dem Bau der Anlage stehen.

In jedem Fall ist hier ein vielfältig kommunikativer Raum entstanden, der Stadt- und Wasserseite miteinander verbindet und als Promenade gut funktioniert. Fast nebenbei dient das Bauwerk dem Hochwasserschutz. […]

Wie die Lichtplanung den Entwurf maßgeblich beeinflusste lesen Sie in Garten+Landschaft 03/2016 – Licht im Freiraum.

Promenade Niederhafen Hamburg
Bauherr: Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer, Hamburg
Architektur: Zaha Hadid Architects, London
Lichtplanung: Schlotfeldt Licht, Hamburg
Zeitraum: 2006 – 2015
Fläche: 625 Quadratmeter

Wettbewerb zum Jüdischen Garten – eine Kultur der Haltung und der Handlung

Für die Gärten der Welt in Berlin soll ein Jüdischer Garten entstehen, um die bereits vertretenen Weltreligionen zu ergänzen. Das atelier le balto hat mit seinem Entwurf hat das Wettbewerbsverfahren für sich entschieden. Bis zum 03. April 2019 kann man die eingereichten Entwürfe in einer Ausstellung betrachten. Alles zum Wettbewerb „Jüdischer Garten“ lesen Sie hier.

Wie sieht ein Garten aus, der nicht in einer Tradition überlieferter Gestaltungsideen steht, nicht originär in der Kultur verwurzelt ist? Das war die Herausforderung für den Entwurf des Jüdischen Gartens in Berlin-Marzahn. Dort, in den Gärten der Welt, entstanden in den vergangenen Jahren auf Initiative der Grün Berlin GmbH Anlagen für alle großen Weltreligionen. Nur ein jüdischer Garten fehlte noch. Und das ausgerechnet in einer Stadt, deren Kultur und Geschichte untrennbar mit der Jüdischen verbunden ist. Erst jüngst, zum Lichterfest im Dezember ist ein 10 Meter hoher Chanukka-Leuchter am Brandenburger Tor aufgestellt worden. Auch in den Gärten der Welt soll das Judentum nun Einzug halten.

Im Oktober entschied atelier le balto Landschaftsarchitekten zusammen mit Manfred Pernice und Wilfried Kuehn den Wettbewerb für sich, den die Senatsverwaltung zusammen mit der Grün Berlin GmbH im Mai diesen Jahres ausgelobt hatten. Im Gegensatz zu den anderen Gärten der Welt, die introvertierte, geschützte Räume bilden, öffnet sich der Jüdische Garten nach außen, ist Begegnungsort. Atelier le balto war es wichtig zu zeigen: „Die jüdische Kultur ist Teil der Stadt.“ Ein Netz aus Wegen und kleinen Plätzen umschließt Pflanzfelder. Dort sollen Pflanzen wachsen, die mit der Geschichte der Berliner Juden in Verbindung stehen. Welche genau das sind, das wollen die Landschaftsarchitekten im Laufe des Jahres herausfinden.

Da eben keine überlieferte Gartentradition existiert, stand die Auseinandersetzung mit dem Naturverständnis im Judentum im Mittelpunkt des Wettbewerbs. Schon im Verfahren wurden die Teilnehmer beraten: von verschiedenen Vertretern der jüdischen Kultur, die auch eine Expertise zum Naturverständnis erarbeiteten. Auch in die weitere Ausarbeitung soll die jüdische Gemeinde Berlins einbezogen werden. Es ist also noch vieles offen. Und genau das soll es auch sein: ein Garten im Prozess, den die Berliner Schritt für Schritt zum Teil ihrer Kultur machen sollen. Denn: „Das Judentum ist primär eine Kultur der Haltung und der Handlung, nicht eine Kultur des fertigen Bildes“, stellten die Verfasser fest.

Eröffnung im Oktober 2021

Mitte Oktober 2021 eröffnete die Berliner Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Regine Günther den Jüdischen Garten in den Gärten der Welt in Berlin. Für die Gestaltung ist mitunter atelier le balto verantwortlich. Die Baukosten für den 2 000 Quadratmeter Garten betrugen rund zwei Millionen Euro. Hier erfahren Sie alles zum realisierten Entwurf: Jüdischer Garten.