Grün – Blau – Kreativ

Konzepte für die Stadt von (über)morgen | 20. Februar 2020

Die Verdichtung der Städte, die Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt und eine vielschichtige Stadtgesellschaft, die ihren Lebensraum mitgestalten möchte: All das sind Themen, über die wir uns heute bereits nicht mehr nur für morgen, sondern auch für übermorgen Gedanken machen müssen. Denn nur eine vorausschauende Planung ist eine gute Planung.

Die Referenten der diesjährigen Vortragsveranstaltung ZukunftStadt@GRÜNBAU Berlin, die am 20. Februar 2020 zum vierten Mal im Rahmen der bautec/GRÜNBAU Berlin (18. bis 21. Februar 2020) auf dem Messegelände in Berlin stattfindet, stellen sich den Fragen, die die Stadt der Zukunft mit sich bringt und zeigen mögliche Antworten auf.

Kreativ

Der Stadtplaner Julian Petrin aus Hamburg befasst sich in seinem Vortrag mit den Themen, die unsere Städte übermorgen bewegen werden und somit auch uns Planer, die wir diese maßgeblich mitgestalten. Mit seinem Büro urbanista setzt er sich, unter anderem mit dem offenen Stadtlabor „Nexthamburg“ und dem Projekt „Stadt von übermorgen“, intensiv mit der Thematik auseinander. Mit „Stadt von übermorgen“ ordnet urbanista Einflussfaktoren auf Städte und zeigt verschiedene Entwicklungspfade unter Beteiligung von Akteuren auf bundes- und lokaler Ebene auf. Nexthamburg versteht sich als Ideensammlung zu bisher ungelösten Zukunftsaufgaben der Stadtentwicklung. Aus diesen Ideen werden Szenarien entwickelt, die zeigen, wie Hamburg mit diesen Aufgaben umgehen und als Beispiel für eine neue Form der Stadtentwicklung stehen kann.

Blau

Die Folgen des Klimawandels waren in den vergangenen Jahren insbesondere auch in Berlin immer öfter zu spüren: Nicht nur einmal standen die U-Bahnhöfe bei Starkregen unter Wasser und der ÖPNV kam zum erliegen. Zukunftsfähige Konzepte sind daher mehr denn je gefragt. Neue Quartiere bieten die Chance, den Umgang mit Regenwasser völlig neu zu denken: Für das Schumacherquartier, das nach Schließung des Flughafens Tegel rund um den Kurt-Schumacher-Platz entstehen soll, haben bgmr Landschaftsarchitekten ein Konzept entwickelt, das auf der Idee der Schwammstadt basiert. Der Projektleiter von bgmr, Dirk Christiansen, wird das Regenwassermanagement des Quartiers erklären.

Grün

Auch Parks müssen heute sehr viele Anforderungen erfüllen: Sie müssen Raum für Freizeit und Erholung für eine multikulturelle Gesellschaft und Menschen jeden Alters bieten, zur Bewegung anregen, Klimapuffer und Refugium für Tiere und Pflanzen zum Schutz der Artenvielfalt sein etc. Wie sich die Ansprüche an die Gestaltung von urbanen Freiräumen geändert haben und künftig weiter ändern müssen und wie es gelingt, resiliente Parklandschaften zu gestalten, darüber referiert Irene Lohaus und stellt beispielhafte Projekte ihres Büros Lohaus Carl Köhlmos Landschaftsarchitekten Stadtplaner vor.

 

Programm

10 Uhr Begrüßung

10.15 Uhr Die Stadt von übermorgen | Referent: Julian Petrin, urbanista Hamburg

11.00 Uhr Schwammstadt_ Berlin-Schumacherquartier | Referent: Dirk Christiansen, bgmr Landschaftsarchitekten, Berlin

11.45 Uhr Resiliente Parklandschaften | Referentin: Irene Lohaus, Lohaus Carl Köhlmos Landschaftsarchitekten, Stadtplaner, Hannover

12.30 Uhr Fazit & Diskussion

 

Referenten

Julian Petrin arbeitet als Stadtforscher und Planer in Hamburg. Nach seinem Studium des Städtebaus und der Stadtplanung an der TU Hamburg-Harburg (heute HafenCity Universität, HCU), gründete er das Stadtentwicklungsbüro urbanista. Seit 2005 forscht und lehrt er zudem an der HCU. 2009 hat Petrin das Bürger-Stadt-Labor „Nexthamburg“ gegründet.

Dirk Christiansen absolvierte vor seinem Studium der Landespflege an der FH Osnabrück und Städtebau-Stadtplanung an der TU Hamburg-Harburg (heute HafenCity Universität, HCU) eine Lehre als Landschaftsgärtner. Nach acht Jahren Mitarbeit in verschiedenen Landschaftsarchitekturbüros in Hamburg und Berlin arbeitet er seit 2002 bei bgmr Landschaftsarchitekten. Seit 2015 ist er Mitgesellschafter.

Prof. Irene Lohaus studierte an der Universität Hannover. 1996 gründete sie zusammen mit Peter Carl das Landschaftsarchitekturbüro Lohaus Carl, zu dem im Jahr 2019 mit Thomas Köhlmos ein dritter Gesellschafter hinzukam und das seitdem als Lohaus Carl Köhlmos Landschaftsarchitekten Stadtplaner PartGmbB firmiert. Nach Lehraufträgen in Hannover und Münster ist Irene Lohaus seit 2010 Professorin für Landschaftsbau am Institut für Landschaftsarchitektur der TU Dresden und seit 2012 dort Studiendekanin.

Anmeldung und weitere Infos

Der Eintritt ist frei bei Anmeldung über die Website der Messe Berlin (ZukunftStadt@Grünbau Berlin auswählen):

www.bautec.com

 

 

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Hauptrolle für den Hamburger Hafen

An prominenter Stelle hat Hamburg ein neues Stadtmöbelstück mit spektakulärer Beleuchtung bekommen: eine Hafenpromenade als Hochwasserschutzanlage von den Landungsbrücken bis zur Speicherstadt. Das Lichtkonzept zu der prägnanten Architektur von Zaha Hadid Architekten stammt vom Planungsbüro Schlotfeldt Licht. 

Es sieht heute leer aus im Hamburger Hafen. Noch vor wenigen Jahrzehnten tummelten sich auf der Norderelbe Boote, Schlepper, Frachter und Passagierschiffe – jetzt parken hier vor allem  Museums- und Ausflugsschiffe. Das Leben am Nordufer des Flusses hat sich verändert. In den frühen 1930er-Jahren diente das Elbufer an den Vorsetzen in Hamburg dem Güterumschlag. Zwischen Hochbahnviadukt und Kaimauer standen Schuppen und Kräne, wirkten See- und Schauerleute. Hier gab es dunkle Räume und dunkle Gestalten, aber auch lichte Momente und jeden Tag Lohn für Handarbeit.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und zwei verheerenden Sturmfluten 1961 und 1978 schloss lange Zeit eine Hochwasserschutzanlage die Stadt vom Hafen und vom Wasser ab. Im Hafen war die Arbeit schmutzig und ölig – in der Stadt wich die produzierende immer mehr der administrativen Arbeit. Seit Container außerhalb des Stadtzentrums umgeschlagen werden und der Stückgutverkehr fast keine Rolle mehr spielt, die Freihafengrenze verlegt ist und die HafenCity mit großen Schritten wächst, gehören auch die alten Hafengebiete am Nordufer der Elbe zur Stadt. Sie wandelten sich vom Hinterhof zum Salon. Die Einfahrt der großen Kreuzfahrt- und Frachtschiffe ist eine Attraktion geworden und längst kein Tagesgeschäft mehr.

Stadt und Hafen

Die Flutschutzanlage hat den Charakter der Grenzlinie eingebüßt. Die Sportboote, Restaurants, Museumsschiffe und Musical-Theater am Südufer der Norderelbe gehören mehr zur Stadt als zum Hafenbetrieb. Dieser ist südlich der Norderelbe förmlich in den Hintergrund getreten. Spätestens 2006, als die Flutschutzanlage im Rahmen einer „Architektur Olympiade“ unter vielen Projekten in der Stadt zum Gegenstand einer architektonischen Neuinterpretation werden sollte, war klar, dass es hier zu einem signifikanten Wandel kommen musste. Zaha Hadid Architekten stellten sich der Aufgabe. Mit den für ihr Büro obligatorisch gerundeten Formen entwarf Hadid eine neue Promenade, die nicht nur flussauf- und -abwärts beschritten, sondern auch gequert werden kann. Der erste Bauabschnitt der Hafenpromenade – in unmittelbarer Nähe der Elbphilharmonie – ist jetzt fertig gestellt worden. Auf der Stadt- wie auf der Hafenseite sind Treppen wie Theaterforen ausgebildet.

Die Stadt hat in ihrem Wohnzimmer ein neues Möbelstück bekommen, dessen Stufen sich zum Sitzen eignen. Stadtflaneure können hier wie auf einem überdimensionierten Sofa verweilen und entweder das Stadtleben oder das Hafengeschehen wie auf einer Bühne verfolgen. Mit dem Unterschied, dass dieses Schauspiel nicht inszeniert wird – jedenfalls nicht im Regelfall. Spätestens bei einer Sturmflut dürften sich die Plätze in der ersten Reihe als ungemütlich erweisen. Die Assoziation vom Wasser ausgespülter Buchten, die dem Entwurfsgedanken der Treppenanlagen zugrunde liegt, fordert das Sicherheitsbedürfnis und die Angst vor der Flut heraus, die hinter dem Bau der Anlage stehen.

In jedem Fall ist hier ein vielfältig kommunikativer Raum entstanden, der Stadt- und Wasserseite miteinander verbindet und als Promenade gut funktioniert. Fast nebenbei dient das Bauwerk dem Hochwasserschutz. […]

Wie die Lichtplanung den Entwurf maßgeblich beeinflusste lesen Sie in Garten+Landschaft 03/2016 – Licht im Freiraum.

Promenade Niederhafen Hamburg
Bauherr: Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer, Hamburg
Architektur: Zaha Hadid Architects, London
Lichtplanung: Schlotfeldt Licht, Hamburg
Zeitraum: 2006 – 2015
Fläche: 625 Quadratmeter

Wettbewerbsübersicht März 2019 (2/2)

Quartierspark Linsingenkaserne in Hameln, 1. Preis hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH, Berlin

Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen monatlich über die spannendsten Wettbewerbsergebnisse.

Umgestaltung des Marktplatzes in Witzenhausen, 1. Preis impuls Landschaftsarchitektur, Jena

Im Zentrum des geplanten Bildungs- und Gesundheitscampus auf dem ehemaligen Kasernengelände Linsingen soll ein Quartierspark entstehen. Das Planungsbüro hutterreimann Landschaftsarchitektur entwickelt den Park als quartiersverbindendes Element, das die Barriere der bisher abgeschlossenen Kaserne durchkreuzt. Dafür spannen die Planer ein Wegenetz auf und verknüpfen den Park über fünf „Ankerplätze“ an den Eingängen mit den angrenzenden Quartieren und dem Bildungscampus. Das Wegenetz teilt die Parkfläche in vier Grünflächen auf. In der formalen Ausgestaltung zwar ähnlich, weisen sie jeweils einen eigenständigen Charakter auf: Die „Arena“ im Nordwesten nimmt die Topographie des alten Exerzierplatzes auf und bietet sportliche Intensivflächen für Skaten, Streetball, Rollsport und Calisthenics. Extensivere Parkbereiche bilden im Süden die „feuchte Senke“, mit ihrer Retentionsmulde, die freie Wiese als offene Spielfläche, sowie das Wäldchen als Rückzugsort für Naturerlebnis und Rodelfläche im Winter.

 

Regenpromenade und –brücke Mitterdorf in Roding, 1. Preis DKFS Architects, London mit Lex Kerfers Landschaftsarchitekten und Stadtplaner, Bockhorn

impuls Landschaftsarchitektur überzeugte mit einer reduzierten, aber sehr differenzierten und zukunftsorientierten Entwurfsidee, die Ort und Historie berücksichtigt. Der Entwurf arbeitet den Platz als großes zusammenführendes Zentrum heraus. Das Rathaus rückt so in den Mittelpunkt und erhält als raumstarkes Gegenüber das Baumpaket der bestehenden Platanen. Südlich des Rathauses ergänzen zwei weitere Hochstämme die bestehende Platane zu einem Platanendach. Die beiden Baumdächer im Süden und Norden erhalten einen Formschnitt und bieten jeweils kompakte schattenspendende Aufenthaltsbereiche. Eine Reihenpflasterung aus Kleinstein fasst den Platz bis zu seinen Rändern. Der Innenbereich des Platzes hebt sich mit gesägter Oberfläche als Intarsie hervor. Sie nimmt die Fluchten des Rathauses auf und betont die zentrale Stellung des Gebäudes. Parallel der umfassenden Gebäudekanten verlaufen flache Entwässerungsrinnen aus Naturstein. Sie rahmen die Platzfläche zusätzlich, und ermöglichen, den Platz nahezu barrierefrei an die Gebäude anzubinden.

 

Die Stadt Roding will den Uferbereich des Regens im gegenüberliegenden Ortsteil Mitterdorf hochwassergerecht gestalten, sowie eine eigenständige Fuß- und Radwegeverbindung über den Regen schaffen. So wenig Gebautes und Befestigtes wie nötig, und so viel Grün wie möglich, lautet die Zielsetzung des Siegerteams aus DKFS Architects und Lex Kerfers Landschaftsarchitekten. Nicht das Design der Schutzanlagen, sondern deren Integration in die Naturlandschaft steht im Vordergrund. Die Brücke präsentiert sich skulptural anspruchsvoll, fügt sich aber zugleich unaufdringlich in die Landschaft ein. Die Hochwasserschutzmauer verläuft geschwungen, mit vorgelagerten Beetflächen und gliedernden Sitznischen. Die Uferpromenade führt relativ nah am Wasserspiegel entlang und bleibt frei von Einbauten. Die Öffnungen zum Uferraum lassen sich im Hochwasserfall schließen. Die Durchgänge bilden wie die Brücke inszenierte Ausblicke auf die Flusslandschaft und sind über Stufen oder Rampen an die Uferpromenade angebunden.