Zwischen Bohnenstange und Trichter

Internationales Gartenfestival in Reford Gardens, Kanada

Die Teilnehmer des 17. internationalen Gartenfestivals in Reford Gardens/Jardins de métis stehen fest. Unter 203 Einsendungen aus 31 Ländern suchte eine fünfköpfige Jury fünf Garteninstallationen aus.

Die Gewinnerprojekte:

Le caveau, Christian Poules, Basel, Schweiz

Umgeben von vier Wänden aus Gabionen taucht der Besucher ein in die Welt von Licht und Schatten. Die reduzierte Installation spielt mit Material und Licht, der Mensch soll dort zu sich finden und träumen können. Gleichzeitig sollen die mit Stein gefüllten Wände eine Leinwand für die Natur sein. Christian Poules, Landschaftsarchitekt und Architekt, ist in der Schweiz bekannt für poetische Kunstinstallationen und Skulpturen, die mit natürlichen Phänomenen und den menschlichen Sinnen spielen.

Carbone, Coache Lacaille Paysagistes, Nantes, Frankreich

Diese Installation stellt den Lebenszyklus eines Baums dar und schließt damit auf den Akt des Gärtnerns. Einer Explosionszeichnung gleich sieht der Betrachter die Wurzeln eines gefällten Baums, den Stamm in Abschnitte zerteilt, bearbeitete Holzblöcke und schließlich Möbelstücke anstelle einer Baumkrone. Ein junger Setzling schließt den Kreislauf. Die Landschaftsarchitekten Maxime Coache, Victor Lacaille und Luc Dallanora verstehen den Gärtner als restaurative Kraft in der Natur, die den zerstörerischen Eingriff der Menschheit heilen könne.

Cyclops, Craig Chapelle, Phoenix, USA

258 Holzteile und zwei Stahlringe sind zentrales Element des Cyclops. Wie ein Trichter schwebt die Installation inmitten eines Waldes, der Fokus des Besuchers in der Mitte der Installation wird auf die Baumwipfel gelenkt. Er soll gleichzeitig spüren, welche Kräfte nötig sind, um den Holztrichter schweben zu lassen, und so einen neuen Bezug zu Energie in der Umwelt finden. Craig Chapple studierte Architektur in der Yale University und produziert seitdem Zeichnungen, Gemälde und Skulpturen zwischen Architektur und Kunst.

La maison de Jacques, Romy Brosseau, Rosemarie Faille-Faubert, Émilie Gagné-Loranger, Quebec, Kanada

In Anlehnung an den Kinderklassiker Jack und die Bohnenranke werden Romy Brosseau, Rosemarie Faille-Faubert und Émilie Gagné-Loranger ein Labyrinth aus wachsenden Bohnen schaffen, das zum Versteckspielen einladen soll. Im May sollen die Samen gepflanzt werden, Ende Juli soll das Labyrinth Blüten und später Früchte tragen, die die Besucher essen können. Die drei Kanadierinnen lernten sich in ihrem Studium an der Universität in Quebec kennen. Mit dem Projekt loten sie das Gefühl der Intimität in natürlichen und künstlichen Räumen aus.

TüLT, SRCW, Winnipeg, Kanada

Kanada ist auch das Land des Campings. Daher bietet diese Installation den Besuchern verschiedene kleine Zelte, die sie nutzen und verändern können. Jedes der gelben Zelte kann umgekippt werden und gibt dann eine neue Perspektive und einen neuen Weg frei. Die Zeltgruppe soll sich wirken wie eine Fischschule oder ein Vogelschwarm, individuell und doch zusammengehörig. Die leichten Strukturen sollen sich mit der knalligen gelben Farbe von der grünen Umgebung und dem blauen Himmel absetzen. Sean Radford und Chris Wiebe von SRCW arbeiten als Designer und Architekten in Winnipeg und nutzen häufig vertraute Objekte als Skulpturen.

Dress Up!, Ran Hwang, Sangmok Kim, Sungwoo Kim, Shin Hee Park, Seoul, Korea

Dieses Projekt erhielt eine Sonderwürdigung und wird als gesonderte Garteninstallation zu sehen sein.

Das International Garden Festival ist eines der führenden Gartenevents in Nordamerika. Seit dem Start im Jahr 2000 waren über 150 Gartenkonzepte und Landschaftsskulpturen zu sehen. Die fünf neuen Gärten werden vom 23. Juni bis zum 2. Oktober 2016 zu sehen sein. Die Reford Gardens wurden zwischen 1926 und 1958 von Elsie Reford im Osten von Quebec angelegt und sind heute Publikumsmagnet.

Das könnte Sie auch interessieren
Der Otto Linne Preis 2023 lädt Studierende und junge Absolvent*innen dazu ein, Ideen für die Lühmannstraße in Hamburg zu entwickeln. Blick auf Hamburg-Eißendorf. Bildquelle: Bild: © Ajepbah / Wikimedia Commons
Otto Linne Preis 2023
luftaufnahme-einer-stadt-durch-die-ein-fluss-fliesst-P2d8SKdbjEE
Planung per Satellit: Wie Rio informelle Siedlungen digitalisiert
Kultivierte Werkstatt
Ein Stadion als Stadt
roter-bus-tagsuber-unterwegs-21HKIGtU9Xk
Modellbasierte Emissionsvermeidung im Verkehrsnetz
Grau als Trendfarbe bei der Außengestaltung
eine-bunte-kiste-steht-mitten-in-einer-einfahrt-KqF7NIUVc78
Schulhöfe im Hitzestress – was pädagogische Räume thermisch brauchen
drumrum erfolgreich
Eine professionelle Planungsszene im Freiraum zum Thema Hoai Anlage 11
Hoai Anlage 11: Bedeutung und Anwendung einfach erklärt
Adventskalender Tag 12

Zukunft Asphalt – können smarte Beläge Hitze puffern?

eine-stadtstrasse-voller-verkehr-neben-hohen-gebauden-L7RbsRIG7DQ
Eine verkehrsreiche Stadtlandschaft mit Hochhäusern, aufgenommen von Bin White.

Stadtstraßen, die wie Hightech-Schwämme Hitze verschlucken, Asphalt, der mehr kann als nur Autos tragen – das klingt nach Science-Fiction, ist aber längst Gegenstand ambitionierter Forschung. Angesichts extremer Hitzesommer steht fest: Die Zukunft unserer Städte entscheidet sich Meter für Meter auf dem Boden. Doch wie smart können Asphaltbeläge wirklich werden? Sind intelligente Straßenoberflächen der Gamechanger für klimaresiliente Städte oder am Ende nur ein netter Gag auf dem Weg zur nächsten Baustelle? Willkommen bei der Spurensuche nach der Wahrheit im Asphalt.

  • Warum klassische Asphaltflächen in Städten zum Hitzeproblem werden
  • Wie innovative, smarte Beläge zur Klimaanpassung beitragen können
  • Technologien: Von reflektierenden Asphalten bis zu aktiven, wasserspeichernden Systemen
  • Forschung und Pilotprojekte in Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Chancen und Grenzen smarter Asphaltbeläge im urbanen Kontext
  • Relevanz für Stadtplanung, Freiraumgestaltung und Mobilitätskonzepte
  • Technische, rechtliche und wirtschaftliche Herausforderungen
  • Wie Städte jetzt handeln können – und warum die Debatte um den Asphalt so wichtig ist
  • Abschließende Bewertung: Wo stehen wir, und wohin führt der Weg?

Asphalt unter Druck: Städte, Hitze und das Problem der versiegelten Flächen

Wer im Hochsommer durch deutsche Städte läuft, kennt das Phänomen: Kaum ein Ort heizt sich so gnadenlos auf wie die endlosen Asphaltbänder unserer Straßen und Plätze. Die Gründe sind offensichtlich und doch oft unterschätzt. Asphalt – genauer gesagt, der klassische Schwarzdeckenbelag aus Bitumen und Gesteinskörnung – absorbiert Sonnenstrahlung wie ein schwarzer Schwamm. Mit spezifischen Wärmekapazitäten, die weit unter denen von Vegetationsflächen liegen, verwandelt er jede Sonnenscheinstunde in gespeicherte Hitze. Nachts gibt er diese Energie langsam an die Umgebung ab, was das berüchtigte Phänomen der urbanen Wärmeinseln verstärkt. Die Folgen sind nicht nur messbar, sie sind spürbar: Straßenräume werden zu Glutöfen, das Mikroklima leidet, vulnerable Gruppen sind gefährdet, die Aufenthaltsqualität sinkt rapide.

Das Problem verschärft sich durch die schiere Menge: In Deutschland sind über vierzigtausend Quadratkilometer Fläche versiegelt, ein Großteil davon entfällt auf Verkehrsflächen. Jede neue Straße, jeder zusätzliche Parkplatz ist ein weiterer Baustein in der Hitzespirale. Hinzu kommt, dass Asphaltflächen nicht nur Hitze, sondern auch Wasser zurückhalten. Regenwasser kann nicht versickern, das Risiko von Überflutungen steigt, und die natürliche Verdunstungskühlung entfällt. Damit wird klar: Die Frage nach der Zukunft des Asphalts ist keine Nischenfrage für Bauingenieure, sondern eine Schlüsselfrage für klimaresiliente Stadtentwicklung.

Doch warum ist Asphalt immer noch unser Material der Wahl? Die Antwort ist banal und komplex zugleich. Asphalt ist günstig, langlebig, schnell zu verarbeiten und bewährt. Sein Einbau ist Standard, seine Eigenschaften sind kalkulierbar – zumindest, was Tragfähigkeit und Beständigkeit betrifft. Die Kehrseite: Die energetische und klimatische Bilanz ist desaströs. Bitumen, als Bindemittel im Asphalt, ist ein Erdölprodukt und damit alles andere als nachhaltig. Die Wiederverwertung ist technisch möglich, wird aber oft durch Schadstoffe und Mischungsprobleme erschwert.

Für Planer, Architekten und Stadtverwaltungen ergibt sich daraus ein Dilemma. Einerseits sind belastbare, pflegeleichte Straßenbeläge unverzichtbar für urbane Mobilität. Andererseits fordert der Klimawandel ein radikales Umdenken: Wie können wir Straßenbeläge entwickeln, die nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung sind? Genau hier beginnt die Reise zu den smarten Asphalten – und zu den spannenden Fragen, die sie aufwerfen.

Dieses Spannungsfeld prägt die aktuelle Debatte. Die Erwartungen an den Asphalt der Zukunft sind hoch: Er soll weniger Hitze aufnehmen, Wasser speichern oder durchlassen, sich selbst instand halten, sogar Strom erzeugen – und das alles, bitte schön, zum Preis von Standardasphalt. Doch wie realistisch sind diese Hoffnungen? Und welche Technologien stehen tatsächlich vor dem Durchbruch? Zeit, einen genaueren Blick auf die Forschung und Entwicklung zu werfen.

Smarte Asphaltbeläge: Technologien, Funktionsweisen, Potenziale

Der Begriff „smarter Asphalt“ ist schillernd und wird gern überstrapaziert. Gemeint sind damit in der Regel Straßenbeläge, die über klassische Anforderungen hinausgehen und aktiv zur Klimaanpassung beitragen. Die Bandbreite reicht von passiven Maßnahmen wie reflektierenden Asphalten bis hin zu hochinnovativen, interaktiven Systemen mit Sensorik, Kühlkreisläufen oder Energiegewinnung. Ein zentrales Ziel aller Technologien: die Reduzierung der Oberflächentemperatur und damit der Hitzebelastung im städtischen Raum.

Reflektierende Asphalte, auch „Cool Pavements“ genannt, setzen auf helle Gesteinskörnungen oder spezielle Beschichtungen. Sie reflektieren ein größeres Spektrum der Sonnenstrahlung und nehmen dadurch weniger Wärme auf. In Pilotprojekten in Südeuropa und den USA wurden Oberflächentemperaturen gemessen, die bis zu zehn Grad unter denen klassischer Schwarzdecken lagen. Auch in Mitteleuropa gibt es erste Feldversuche, etwa im Rahmen von Forschungsprojekten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) oder an der TU Dresden. Die praktische Herausforderung: Die hellen Beläge müssen langlebig, rutschfest und verkehrssicher sein – und dürfen weder blenden noch die Verkehrssicherheit verschlechtern.

Ein anderer Ansatz sind wasserspeichernde oder durchlässige Asphalte. Porenreiche Mischungen nehmen Regenwasser auf oder lassen es versickern. Das gespeicherte Wasser kann bei Hitze verdunsten und so für lokale Kühlung sorgen. Solche Systeme werden besonders im Bereich von Gehwegen, Parkplätzen oder Fahrradwegen getestet. In Japan etwa gibt es bereits stadtweite Programme mit sogenannten „Water Retentive Pavements“. Die Erfahrungen zeigen: Die Oberflächentemperaturen sinken messbar, die Belastbarkeit der Beläge bleibt jedoch eine Herausforderung – vor allem bei hoher Verkehrsbelastung und Frost-Tau-Wechseln.

Wirklich futuristisch wird es mit aktiven Systemen: In den Niederlanden, der Schweiz und auch in Deutschland gibt es Pilotprojekte mit Asphaltbelägen, die über eingebaute Rohre oder Kanäle Kühl- oder Heizflüssigkeiten führen. Solche „thermoaktive Straßen“ können gezielt gekühlt oder geheizt werden, um Hitze zu puffern oder Eisbildung im Winter zu verhindern. Die Energie kann aus Geothermie, Abwärme oder sogar Solarthermie stammen. Klingt nach Hightech – und ist es auch. Die Kosten sind hoch, die Steuerung komplex, die Wartung aufwendig. Trotzdem sind die Pilotprojekte vielversprechend, vor allem für sensible Bereiche wie Krankenhäuser, Schulen oder Plätze mit hoher Aufenthaltsqualität.

Ein weiteres spannendes Feld ist die Integration von Sensorik in den Asphalt. Smarte Beläge können mit Temperatur- und Feuchtesensoren ausgestattet werden, die in Echtzeit Daten liefern. Diese Informationen sind wertvoll für die Stadtplanung, das Management von Hitzewellen oder die Steuerung von Bewässerungssystemen. Auch Verkehrsbelastungen, Schadstoffkonzentrationen oder der Zustand der Oberfläche lassen sich so überwachen. Die Daten bieten eine neue Transparenz und ermöglichen es, Maßnahmen gezielt und effizient einzusetzen – ein echter Quantensprung für die urbane Resilienz.

Alle diese Technologien zeigen: Der Asphalt der Zukunft kann mehr als nur Lasten tragen. Er wird zum aktiven Bestandteil der städtischen Klimaanpassung – vorausgesetzt, er wird intelligent geplant, eingebaut und betrieben. Doch wie weit sind wir auf diesem Weg wirklich?

Forschung, Pilotprojekte und Praxiserfahrungen: Wo stehen wir wirklich?

Die Entwicklung smarter Asphaltbeläge ist kein reines Zukunftsthema mehr. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es eine wachsende Zahl von Forschungsprojekten, Modellvorhaben und ersten Anwendungen im öffentlichen Raum. Dennoch bleibt der flächendeckende Durchbruch bislang aus – aus guten Gründen, wie ein Blick auf die Erfahrungen zeigt.

Ein Vorreiter ist das Projekt „Klimaplatz“ in Wien, wo verschiedene Beläge – von reflektierendem Asphalt bis zu wasserspeichernden Pflasterungen – auf ihre Wirkung getestet werden. Erste Messungen zeigen, dass helle Asphaltmischungen die Oberflächentemperatur um bis zu sechs Grad senken können. Gleichzeitig wird deutlich: Die Nutzungsintensität, Verschmutzung und Witterungseinflüsse setzen den Belägen zu. Wartung und Reinigung werden zum entscheidenden Faktor für die Effektivität. Das Fazit der Wiener Forscher: Smarte Beläge können einen Beitrag leisten, sind aber kein Allheilmittel.

In Deutschland laufen Projekte wie „BlueGreenStreets“ in Berlin, das DLR-Vorhaben zu Cool Pavements oder das Forschungsprojekt „Hitze-Resiliente Infrastruktur“ an der RWTH Aachen. In Hamburg wurden auf Versuchsflächen verschiedene Asphaltmischungen eingebaut, die sowohl reflektierende als auch wasserspeichernde Eigenschaften kombinieren. Die Ergebnisse sind ermutigend: Messbar kältere Oberflächen, verbesserte Wasserbilanz und eine höhere Aufenthaltsqualität für Passanten. Gleichzeitig werden Grenzen sichtbar: Die Kosten für innovative Beläge sind weiterhin deutlich höher als für Standardasphalt. Die Herstellung ist aufwendiger, spezielle Materialien sind teurer, das Know-how für Einbau und Wartung ist noch nicht flächendeckend vorhanden.

Auch in der Schweiz werden innovative Beläge getestet. In Zürich und Basel kommen poröse Asphalte zum Einsatz, die Regenwasser aufnehmen und bei Hitze verdunsten. Die Wirkungen sind lokal spürbar, doch bei Starkregen oder hoher Verkehrsbelastung stoßen die Systeme an ihre Belastungsgrenzen. In ländlichen Regionen sind solche Beläge einfacher zu realisieren als auf hochfrequentierten Stadtstraßen.

Die Forschung zeigt zudem: Die Effekte smarter Beläge sind stark kontextabhängig. Eine reflektierende Asphaltdecke wirkt in engen Straßenschluchten anders als auf weiten Plätzen. Die Wechselwirkungen mit Begrünung, Gebäuden und Verkehrsdichte sind komplex. Hier sind interdisziplinäre Ansätze gefragt – Stadtplaner, Landschaftsarchitekten, Bauingenieure und Umweltwissenschaftler müssen gemeinsam an Lösungen arbeiten.

Insgesamt lässt sich sagen: Die technischen Potenziale sind da, die Werkzeuge werden immer besser. Was fehlt, ist der große Rollout – und der politische Wille, innovative Beläge in die Breite zu tragen. Noch dominiert die klassische Kosten-Nutzen-Rechnung – doch die Klimakrise macht klar, dass es Zeit ist, neu zu denken.

Chancen, Herausforderungen und der Weg zur klimaresilienten Stadt

Die Möglichkeiten smarter Asphaltbeläge sind faszinierend – aber sie lösen nicht alle Probleme. Vielmehr sind sie ein wichtiger Baustein in einem umfassenden Maßnahmenmix zur Klimaanpassung. Ihre größten Stärken entfalten sie in Kombination mit anderen Strategien: mehr Stadtgrün, entsiegelte Flächen, wasserbewusste Stadtgestaltung, intelligente Verkehrsführung. Der Asphalt wird so vom isolierten Problemfall zum vernetzten Akteur im urbanen Klima- und Wassermanagement.

Für die Stadtplanung ergeben sich daraus neue Perspektiven. Die Auswahl des Straßenbelags ist keine rein technische Frage mehr, sondern wird Teil der strategischen Planung für lebenswerte Quartiere. Innovative Beläge können gezielt in Hitze-Hotspots eingesetzt werden: auf Plätzen, Schulhöfen, Bushaltestellen oder Radwegen. Sie bieten kurzfristig wirksame Lösungen, während langfristige Maßnahmen wie Stadtbegrünung und Entsiegelung ihre Wirkung entfalten.

Das größte Hemmnis ist nach wie vor die Kostenfrage. Innovative Beläge sind derzeit etwa doppelt so teuer wie Standardasphalt. Förderprogramme, gezielte Ausschreibungen und Pilotprojekte können helfen, die Mehrkosten zu kompensieren. Gleichzeitig braucht es neue Bewertungsmaßstäbe: Die Folgekosten von Hitze, Gesundheitsbelastungen und Überflutungen müssen stärker in die Bilanz einfließen. Hier sind Bund, Länder und Kommunen gleichermaßen gefordert.

Rechtliche Rahmenbedingungen sind ein weiterer Knackpunkt. Die technische Zulassung neuer Beläge ist langwierig, die Normen sind auf klassische Materialien zugeschnitten. Hier braucht es Experimentierklauseln, schnellere Genehmigungsverfahren und einen offenen Dialog zwischen Forschung, Verwaltung und Industrie. Nur so können Innovationen den Weg aus dem Labor auf die Straße finden.

Letztlich ist auch die Akzeptanz in der Bevölkerung entscheidend. Smarte Beläge sind sichtbar, sie verändern das Stadtbild, und sie lösen Debatten aus – etwa über helle, ungewohnte Farben oder neue Oberflächenstrukturen. Hier ist Kommunikation gefragt: Die Vorteile müssen erklärt, die Zusammenhänge gezeigt werden. Beteiligung und Transparenz schaffen Vertrauen und Akzeptanz für neue Lösungen.

Fazit: Asphalt neu denken – Chancen nutzen, Grenzen anerkennen

Die Zukunft des Asphalts ist offen, aber sie beginnt jetzt. Smarte Beläge sind kein Allheilmittel, aber sie sind ein entscheidendes Werkzeug für klimaresiliente Städte. Ihre Stärken liegen in der gezielten Anwendung, der Kombination mit anderen Maßnahmen und der intelligenten Integration in die Stadtplanung. Die Forschung ist weit, die Technik ist da – jetzt braucht es Mut, Investitionen und neue Prozesse, um innovative Lösungen in die Breite zu tragen.

Städte, die auf smarte Beläge setzen, können Hitzeinseln entschärfen, Lebensqualität verbessern und sich besser auf die Herausforderungen des Klimawandels vorbereiten. Die Grenzen sind real: Kosten, Technik, Akzeptanz und Normen setzen klare Rahmen. Aber die Chancen überwiegen – wenn Politik, Verwaltung, Planung und Bürgerschaft gemeinsam handeln.

Es ist an der Zeit, Asphalt nicht länger nur als notwendiges Übel zu sehen, sondern als Gestaltungsspielraum für die Stadt von morgen. Wer jetzt investiert, kann die Weichen stellen – für kühlere, lebenswertere, smartere Städte. Alles andere wäre ein heißer Fehler.

Werkstatt oder Landschaftsarchitekturbüro? In den Räumen des Berliner Studios von Franz Reschke ist der Übergang fließend. Materialien und Arbeitsmodelle stapeln sich in Regalen und auf Tischen, lehnen an den Wänden. 2011 hat hier alles begonnen, als Versuch, der eigenen Leidenschaft für das Entwerfen und für Wettbewerbe nachgehen zu können. Ein eigenes Büro hatte Franz Reschke nicht geplant. 

Steiniger Weg

In Wettbewerben und Projekten, auf Konzeptebene und im Detail, entwerfen Franz Reschke und seine Mitarbeiter zunächst von Hand und möglichst in gleichwertigen Varianten. Die wesentlichen Erkenntnisse gewinnen sie aus Serien von Arbeitsmodellen. ­­„Je früher es ein Modell gibt, desto besser.“ Diese können auch improvisiert sein: abgeklebte Wandflächen oder Kreidezeichnungen auf dem Boden helfen, Maßstab und Proportionen zu erfassen. Der Modellbau begleitet das Team nicht nur während des Entwurfs, sondern bis zur Ausführungsplanung. „Dabei gilt es, letztendlich ebenso zu entwerfen, nur mit einer anderen Tiefenschärfe“, sagt Reschke. In dieser Phase entstehen auch 1:1-Modelle, die das Team unter freiem Himmel testet. Bei den Arbeitsmodellen geht es nicht um schick und glatt, sondern darum, den Raum zu verstehen und wie einzelne Elemente darin wirken.

Inzwischen ist Reschkes Studio über den formalen Status des „jungen Büros“ hinausgewachsen. Doch der Weg war schwierig. Projekte in Schweden und Österreich mussten sie nach gewonnenen Wettbewerben auf Eis legen, andere Bauvorhaben hingen lange in der Luft, zum Beispiel der Seehafen Teichland bei Cottbus. Positive Überraschungen gab es aber auch: Zum Beispiel mit der Stadt Bad Lippspringe, die – mit einem aufgeschlossenen Team in der Verwaltung – keine Angst vor den jungen Planern aus Berlin hatte. 2013 hatte Franz Reschke den Wettbewerb für den Marktplatz gewonnen. Das Projekt ist inzwischen realisiert.

Professionelle Kommunikation

Damit aus Wettbewerbserfolgen auch Projekte werden, setzt Franz Reschke auf Professionalität in der Kommunikation mit den Auftraggebern. Für sein erstes Verhandlungsverfahren nach einem Wettbewerb holte er sich Unterstützung, um sich auf das Gespräch mit dem Bauherren gewissenhaft vorzubereiten. „Die Denkweise und Sprache der Wettbewerbsentwürfe ist eine andere als die der meisten Bauherren“, resümiert Reschke.

Er glaubt aus tiefster Überzeugung an Wettbewerbe als einzig faires Vergabe­verfahren und als wertvollen Beitrag zur Baukultur. Nur so sei Qualität gewähr­leistet: „Wer ehrlich zu sich selbst ist, muss zugeben: Man wird bequem, wenn die Konkurrenz nicht hinter einem her ist.“

Mehr zum Büro Franz Reschke lesen Sie in Garten + Landschaft 11/2017