Bildung mit Schaf und Biene

Wie können wir mehr Grünflächen in urbanen Zentren schaffen? Mit dieser Frage beschäftigt sich die neue Almschule im Münchner Werksviertel-Mitte. Auf dem Dachgarten am Ostbahnhof sollen Kinder und Jugendliche für einen ressourcenschonenden Umgang mit der Natur sensibilisiert werden.

Städte sind für 80 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. Und sie wachsen weiter: Jede Woche ziehen weltweit mehr als eine Million Menschen in die Stadt. Die Gründer der Almschule erklären: „Würden alle Menschen so leben, wie in den entwickelten Industrienationen, bräuchten wir fünf Erden. Wenn wir im Zuge der weltweiten Urbanisierung die Organisation unserer Städte nicht neu denken, werden nicht nur die Städte, sondern auch unser Planet daran zugrunde gehen.“

Almschule für Kinder

Bei der Almschule handelt es sich um ein gemeinsames Projekt der Baywa-Stiftung und der Stiftung Otto Eckart. Einen Teil der Lösung sieht das Team darin, mehr Grünflächen in Städten zu schaffen. Münchner Kindern und Jugendlichen will die Schule darum auf der Dachgarten-Alm im Werksviertel den Ressourcen-schonenden Umgang mit der Natur beibringen. Das Konzept orientiert sich an den Modulen Ernährung und Bewegung, Mensch und Natur, Landwirtschaft und Handwerk.

Alle drei Module verbindet das Denken in nachhaltigen Kreisläufen. Das fängt bereits bei kleinen Details an: Die Hochbeete der Almschule werden mit recycelter Erde gefüllt. Der Beauftragte für Ökologie, Umweltbildung und Soziales imWerksviertel-Mitte Nikolas Fricke erklärt: „Auf Hühnerkot lassen sich zum Beispiel Pilzkulturen ansetzen. So können wir Champignons produzieren, die in den umliegenden Restaurants verarbeitet werden können, da sie zuvor nicht kilometerweit transportiert werden mussten.“

Aktives Lernen

Wichtig für den Lernprozess ist das aktive Mitmachen: „Die Almschüler lernen mit allen Sinnen und können ihre eigenen Erfahrungen sammeln. So bleibt das Erlernte besser haften“, erklärt Maria Thon, Geschäftsführerin der Baywa-Stiftung. Bewusst fänden die Workshops daher in kleinen Gruppen statt.

Dazu soll auch der Ort selbst beitragen: Auf dem begrünten Dach des Werk 3 befindet sich eine 2 500 Quadratmeter große Wiese mit Blumen und Wildkräutern, Hochbeeten, einem Stall für Schafe und Hühner, Vogelnistkästen, einer Schäferhütte sowie einem Bienenstock und einem „Ameisenhotel“. Ein eigener Klassenraum für die Almschule ist ebenfalls in Planung.

Nachhaltigkeit im Werksviertel-Mitte

Die Almschule ist nur eines von vielen Nachhaltigkeits-Konzepten des Werksviertel-Mitte: Themen wie Umweltschutz, Energiebilanz und Ressourcenschonung spielten bei der gesamten Planung des Viertels eine Rolle. So verfügt das Gelände über ein eigenes Nahwärme- und Nahkältenetz, stellt die Energieversorgung durch ein eigenes Blockheizkraftwerk sicher und nutzt Grundwasser zur Gebäudekühlung.

„Unser Ziel ist es, im Werksviertel-Mitte aufzuzeigen, wie unsere Städte in Zukunft Ressourcen-schonender und grüner funktionieren können. Wir hoffen, dass sich auch andere Städte von dem Konzept der Almschule inspirieren lassen, um sich mit diesem wichtigen Thema auseinanderzusetzen“, erklärt Martin Schütz, Vorstand der Stiftung Otto Eckart die Bildungsinitiative. „Es geht darum, bei der künftigen Generation ein Bewusstsein für Nachhaltigkeits- und Umweltthemen zu schaffen. Wir wollen das Ernährungsverhalten verbessern und mit dem Erlebnischarakter der Workshops eine Bindung zwischen Kindern und der Natur aufbauen.“

Mehr zu urbanen Biotopen in der kommenden Garten+Landschaft 05/2018 zum Thema Städte und ihr Klima: Ute Strimmer über Schafe auf Dächern und Bienen an Fassaden.