12.08.2023

Wettbewerb

Alt-Hohwacht an der Ostsee, Wettbewerb entschieden

Vision Promenade und Platz in Alt Hohwacht. Mit Wasserspiel auf dem Platz. Im Hintergrund ein zweistöckiges Gebäude mit roter Fassade.
Vision Promenade und Platz in Alt Hohwacht. credits: studiomauer Architekten, Hannover; Ottl.la Landschaftsarchitekten, München.

Im Jahre 2014 sorgte eine Bauleitplanung im Dorf Alt-Hohwacht an der Ostsee für großen Unmut. Mithilfe eines nicht offenen, städtebaulichen Wettbewerbs mit freiraumplanerischen und hochbaulichen Anteilen suchte die Gemeinde im vergangenen Jahr nach einer besseren Lösung. studiomauer und ottl.la sicherten sich mit ihrem Entwurf den ersten Platz. Mehr dazu hier.


Angemessene Lösungen für Alt-Hohwacht gesucht

Der Umgestaltungsprozess in der kleinen Gemeinde Alt-Hohwacht an der Ostseeküste nahm bereits im Jahre 2014 seine Anfänge. Damals rief die aufgestellte Bauleitplanung Unmut bei den Anwohner*innen hervor. Denn während der Ortskern des ehemaligen Fischerdorfes bis dahin durch eine kleinteilige Bebauung und eine romantische Strandpromenade geprägt war, sah der neue Beschluss relativ großmaßstäbliche Baukörper vor. Alt-Hohwacht reagierte auf die Kritik der Bevölkerung. 2022 rief die Gemeinde einen Wettbewerb aus um eine dem Ort angemessenere Bebauung zu finden. Der städtebauliche Realisierungswettbewerb mit hochbaulichen und freiraumplanerischen Anteilen sollte zur Vorbereitung des B-Plans dienen. Bereits im März vergangenen Jahres wurden die Sieger*innen des Verfahrens gekürt. Das Architekturbüro studiomauer aus Hannover und das Landschaftsarchitekturbüro ottl.la aus München konnten sich mit ihrem Ansatz den ersten Platz sichern.

Übersichtsplan mit Promenade zwischen kleinteiliger Bebauung. Im Osten beginnt das Meer.
Übersichtsplan Alt-Hohwacht. credits: studiomauer Architekten, Hannover; Ottl.la Landschaftsarchitekten, München.

Gemeinschaftliches Leben im Vordergrund

Der Entwurf geht auf die Besonderheiten des Dorfes ein. Alt-Hohwacht ist von der Ostsee, zwei Binnenseen und Waldgebieten umgeben. Rund 900 Einwohner*innen leben in diesem naturnahen Idyll. Hinzu kommen jährlich bis zu 3 000 Saisongäst*innen. Dieses Ungleichgewicht galt es im Wettbewerb zu beachten. Denn sowohl die Interessen der Anwohner*innen als auch der Tourist*innen und Investor*innen sind für die weitere Entwicklung von Alt-Hohwacht entscheidend. So suchte die Jury beispielsweise nach einer klugen Lösung zur notwendigen Ausdifferenzierung öffentlicher und privater Flächen. Studiomaurer und ottl.la fanden eine Antwort auf diese drängenden Fragen. Lucas Hövelmann vom Büro ottl.la beschreibt das eigene Konzept wie folgt: „Die angemessene Umgestaltung nach Wettbewerbsentwurf stellt baukulturelle, soziale und ökologische Faktoren in den Vordergrund, schafft neue touristische Anlaufpunkte und bietet gemeinschaftlichem Leben Vorort einen Raum.“

Leitbilder des Entwurfs mit kleinen Piktogrammen dargestellt. Dazu zählen Wechselhafte Dachlandschaft, Kurze Gebäudelängen, Einladende öffentliche EG's, Resilente Vegetation, Sensibles Parken, Belebte Strandstraße, Nutzbare Dächer
Leitbilder des Entwurfs. credits: studiomauer Architekten, Hannover; Ottl.la Landschaftsarchitekten, München.

Entwurfselemente des Gewinnerprojektes

Die Erstplatzierten schlagen mit dem Ostseeblick und dem Gemeindeplatz zwei offene Platzsituationen vor, die durch eine Strandstraße verbunden sind. Die öffentliche Promenade wird durch die neue Bebauung klar gefasst. Für Lucas Hövelmann eine klare Verbesserung zum Status Quo: „Der verkehrlich geprägte Dorfkern wird revitalisiert und für Anwohnende und FußgängerInnen aktiviert.“ Die Gebäude orientieren sich dabei an der Geschosshöhe des Bestands mit zwei bis drei Etagen. Verhältnismäßig kurze Gebäudelängen spiegeln die Kleinteiligkeit der umgebenden Bautypologie wider. Innerhalb der neu ausgebildeten Gebäudekante sind Öffnungen als Korridore in die umgebende Landschaft definiert. Weiterhin wird der öffentliche Charakter der Promenade durch eine gewerbliche Nutzung in den Erdgeschosszonen gefördert. Dabei generieren Aufweitungen qualitätsvolle Aufenthaltsräume. 

Demgegenüber sind die Wohnhöfe als halböffentliche Bereiche ausgebildet. Durch eine Regenwasserversickerung im Inneren der Höfe werden diese auf lange Sicht zu begrünten Oasen. Auch die Gestaltung der Dachflächen mit Begrünung und Solarzellen orientiert sich an umweltsensiblen Vorsätzen. Einen weiteren wesentlichen Aspekt der Planung stellt der Umgang mit Mobilität dar. Stellplätze werden anteilig aus dem Zentrum ausgelegter oder sensibel in den Erdgeschossen oder unter Baumpflanzungen integriert. Lucas Hövelmann sieht im Zusammenspiel der ökologischen und ästhetischen Komponente die Stärke des Entwurfs: „Teilräume werden entsiegelt und in einer Abfolge identitätsstiftender, wassersensitiver Platzsituationen zusammen mit der Promenade ausgeprägt.“

Vision Gemeindeshaus und Strandstraße.
Vision Gemeindeshaus und Strandstraße. credits: studiomauer Architekten, Hannover; Ottl.la Landschaftsarchitekten, München.

Zukunft in Alt-Hohwacht noch offen 

Mit ihrer Vision des ehemaligen Fischerdorfes überzeugten studiomaurer und ottl.la die Jury. Die Preisrichter*innen sprechen von einem wertvollen Beitrag und einer belastbaren Grundlage für die weitere städtebauliche Entwicklung und das anschließende Bauleitplanverfahren. Eine direkte bauliche Realisierung aus dem Wettbewerb heraus ist dabei im Moment nicht angestrebt. Wie es zeitnah in Alt-Hohwacht weitergeht, ist zum derzeitigen Zeitpunkt noch ungewiss. Art und Umfang einer Umsetzung seien, laut Lucas Hövelmann noch in Klärung. 

Nicht Ostsee, sondern Nordsee: Bis zum Ende des Jahrzehnts wollen europäische Nordsee-Anrainerstaaten ihre Offshore-Windenergiekapazität vervierfachen. Als Vorreiter gilt Dänemark dank sogenannter Energieinseln. Mehr über diese Inseln erfahren Sie hier.

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