Et voilà: L’Arc de Triomphe, Wrapped

Tausende Besucher*innen strömten im Herbst 2021 zum Arc de Triomphe

Tausende Besucher*innen strömten im Herbst 2021 zum Arc de Triomphe

In den 1960er-Jahren hatte das Künstler-Ehepaar Christo und Jeanne-Claude erstmals die Idee, den Pariser Arc de Triomphe in Stoff einzuhüllen. Im Herbst 2021, knapp 1,5 Jahre nachdem Christo verstorben ist, wurde dieser Traum Wirklichkeit. Alles was es dafür brauchte, waren eine Idee, 60 Jahre Zeit, 14 Millionen Euro, 25 000 Quadratmeter Stoff – und sehr viel deutsche Expertise.

„Es wird wie ein lebendiges Objekt sein, das sich im Wind bewegt und das Licht reflektiert. Mit seinen beweglichen Falten wird die Oberfläche des Denkmals sinnlich werden. Die Menschen werden den Arc de Triomphe berühren wollen.“ – so sagte Christo es voraus. Und er sollte Recht behalten.

L’Arc de Triomphe, Wrapped – von Christos Vision zur Wirklichkeit

Nur zu Ihrer Erinnerung: So sieht der Arc de Triomphe, der Triumphbogen, in Frankreichs Hauptstadt Paris üblicherweise aus. Plus eine ganze Menge Tourist*innen. In diesem Herbst war er aber 16 Tage lang (vom 18. September bis zum 3. Oktober 2021) nur anhand seiner Silhouette – und auch des unveränderten Standorts, aber das nur am Rande – erkennbar. Denn über diesen Zeitraum war der Arc de Triomphe in Stoff gehüllt – wie vor ihm schon zahlreiche andere Bauten, unter anderem der Deutsche Reichstag. Dafür verantwortlich zeichnet sich der bulgarische Künstler Christo.

Wie so vieles, war auch die Verhüllung des Arc de Triomphe aufgrund der Corona-Pandemie um ein Jahr verschoben worden. Ursprünglich für den Herbst 2020 angedacht, verkündete Christo im April 2020 über seine Social-Media-Kanäle, dass sein Team die arbeitsintensive Kunstinstallation erst im nächsten Jahr realisieren würde. Wenige Wochen nach der Ankündigung verstarb Christo kurz vor seinem 85. Geburtstag im Mai 2020. So konnte er die Realisierung seines Mega-Projekts nicht mehr miterleben. Trotz seinem Tod schritten die Pläne, den Arc de Triomphe zu verhüllen, fort. Dies entspreche Christos Wunsch, so hieß es im Statement, das sein Team auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte.

Mit der Erlaubnis von Emmanuel Macron

Denn das Projekt ist schon einige Jahre in der Mache. Die Timeline geht zurück bis zum Jahr 1961 – nachdem Christo, dessen bürgerlicher Name Christo Vladimirov Javacheff war, seine Frau Jeanne-Claude Denat de Guillebon in Paris kennengelernt hatte, begannen die beiden, gemeinsam Kunst im öffentlichen Raum zu kreieren. Eines dieser Projekte war ein öffentliches Gebäude einzupacken. Während dieser ersten Schaffensphase in Paris lebte Christo in einem Zimmer nahe des Arc de Triomphe – und war ab diesem Zeitpunkt fasziniert von dem Bauwerk. Die erste Fotomontage, die einen verhüllten Arc de Triomphe zeigt, erstellte Christo bereits 1962. Seitdem schuf Christo immer wieder neue Collagen und Skizzen von dem Projekt. Heute, beinahe 60 Jahre später, ist seine Vision Wirklichkeit geworden.

Der Auslöser dafür war die Ausstellung „Christo et Jeanne-Claude, Paris!“, die 2020 im Centre Pompidou eröffnet werden sollte. 2017, mitten in den Vorbereitungen für die Ausstellung, diskutierte Christo gemeinsam mit dem Präsidenten des Centre Pompidou, Serge Lasvignes, und dessen Direktor, Bernard Blistène, parallel dazu ein Projekt zu realisieren. Christo entschied sich, seine Vision für den Arc de Triomphe aufleben zu lassen. Ein Jahr später stellte der Präsident des Centre des monuments nationaux (die Institution, die den Arc de Triomphe verwaltet), Philippe Bélaval, das Projekt dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron vor. Wenige Monate später, im Januar 2019 geben Macron und das Centre des monuments nationaux ihre Zustimmung. Das Projekt kann endlich in die Planung gehen.

Et voilà: L’Arc de Triomphe, Wrapped.

Christo holte sich dafür praktisch ausschließlich deutsche Expertise ins Boot: Das Berliner Büro Schlaich Bergermann Partner aus Berlin erstellte die technischen Studien für das Projekt. Wacker Ingenieure aus Birkenfeld waren für die Windkanaltests verantwortlich. Und die deutsche Firma Setex Textil webte den Stoff, wonach ROWO Coating in Herbholzheim diesen mit Farbe beschichtete. Schließlich nähte die Firma Geo – Die Luftwerker den Stoff zu langen Bahnen zusammen. Obendrein produziert eine weitere deutsche Firma – Gleistein – die roten Seile, die die Stoffbahnen am Arc de Triomphe fixieren.

Neben technischen Studien und Windkanaltest sind viele weitere Sicherheitsaspekte zu beachen – so fand die Verhüllung nicht im Frühling statt, wie erst geplant, sondern im Herbst. Damit gab Christos Team dem Wunsch des Landesbundes für Vogelschutz statt, die Brutzeit der im Arc de Triomphe ansässigen Turmfalken zu schützen. Stahlkäfige rund um die Skulpturen an den Pfeilern des Arc de Triomphe stellen sicher, dass diese nicht von den tonnenschweren Stoffbahnen beschädigt werden. Ähnliche Konstruktionen bewahren auch das Gesims und die Ornamente davor, Schaden zu nehmen.

Christo, Jeanne-Claude und der Arc de Triomphe

Nachdem der Triumphbogen fachgerecht geschützt worden war, installierten unzählige Monteur*innen insgesamt 25 000 Quadratmeter Stoff (übrigens ein recyclebares Polypropylen-Gewebe in Silberblau). Diese banden sie mit drei Kilometern rotem Seil am Arc de Triomphe fest – et voilà: L’Arc de Triomphe, Wrapped.

Dieses Unterfangen, das so viele Jahre Planung, Unmengen an Ressourcen und Tests (darunter mehrere lebensgroße Verhüllungstests und ein Verhüllungs-Trainingszentrum für die Montierenden) sowie ein riesiges Team voraussetzte, war nicht billig: 14 Millionen Euro soll es gekostet haben. Diese kamen aber nicht etwa von der Öffentlichen Hand oder aus Stiftungen. L’Arc de Triomphe, Wrapped wurde komplett aus dem Nachlass von Christo finanziert. Unter anderem durch den Verkauf seiner vorbereitenden Studien, Zeichnungen und Collagen sowie von maßstabsgetreuen Modellen des Projekts.

 

Christo und Jeanne-Claude waren ein Künstlerehepaar, das von den 1960er-Jahren an vor allem mit großangelegten Verhüllungsprojekten auf sich aufmerksam machte. Nebst Vehüllungen von Gebäuden und anderen architektonischen Strukturen (z.B. Reichstag Berlin, 1995; Pont-Neuf-Brücke Paris, 1985) setzten die beiden auch Großprojekte in der Landschaft um. Dazu gehören etwa die Surrounded Islands vor Miami 1983 oder die Floating Piers 2016 in Italien. Jeanne-Claude verstarb bereits 2009 in New York. Christo arbeitete von da an – stets inspiriert von ihrer gemeinsamen Arbeit – als Solo-Künstler weiter, bis zu seinem Tod 2020. Ab da übernahm sein Team, um das Werk L’Arc de Triomphe, Wrapped von Christo zu Ende zu bringen.

Hier erfahren Sie mehr über das Projekt Floating Piers von Christo. Dafür installierte er mit Stoff verkleidete Stege im Iseosee in Italien. Es handelte sich um das erste Projekt, das Christo ohne seine Frau Jeanne-Claude vollendete.

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Die Berliner bauen riesige neue Kletterlandschaft auf einem Spielplatz in Reinickendorf

Auf 1500m² erstreckt sich im Berliner Norden, angrenzend an das Sportgelände des Vereins Füchse Berlin, eine neue Kletterlandschaft. In Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Reinickendorf und der Berliner Seilfabrik erarbeitete Landschaftsplanerin Alena Kniesche das umfassende Konzept und berücksichtigte dabei die verschiedensten Themen, wie Bestandsgeräte, U3, Inclusive Play oder das benachbarte Sportzentrum.

Die Ausgangssituation
Schon lange befand sich auf dem Gelände ein „Spielplatz“, hier wurden Schritt für Schritt Geräte ersetzt bzw. hinzugefügt. Es ließ sich kein Gesamtkonzept erkennen. Durch die Vergabe von EU-Geldern für den Bezirk Reinickendorf ergaben sich neue Finanzierungsmöglichkeiten für dieses vernachlässigte Areal. Für die Sanierung und Neugestaltung des Spielplatzes wurde die Berliner Seilfabrik beauftragt.

Konzentration und Übermut
Frau Kniesche teilte das Spielareal in zwei Teilabschnitte auf. Es entstanden ein Bereich für Kleinkinder und einer für ältere Kinder. Für die größeren Kinder und Jugendlichen konzipierte sie einen Parcours, auf dem es möglich ist, von einem Ende des Spielplatzes zum anderen zu kommen, ohne den Boden zu berühren. Dabei geht es durch ein 9m hohes Mittelmastgerät, über diverse Niedrigseilgartenelemente in ein weiteres Raumnetzgerät, einen sogenannten Spaceball. Dieser fand bereits vor einigen Jahren Platz auf dem Gelände und führt über eine Seilbrücke auf ein Feld mit Gummimatten. „Dieser Teil des Spielplatzes war noch in einem so guten Zustand, dass er komplett erhalten bleiben konnte.“, so Frau Kniesche. „Das modulare System der Berliner Seilfabrik erlaubt es, die neuen Elemente des Parcours auf der einen Seite und die Spielhäuser auf der anderen Seite mit den alten Geräten zu verbinden.“ Der Teil mit den Gummimembranen ließ sich so einfach an die Spielhäuser anschließen. Von diesen „Triis“ führt eine lange Kurvenrutsche in Richtung der „Face-to-Face-Swing“, welche Platz für 6 Kinder bietet. Für die kleineren Kinder entstand im schattigeren Bereich des Geländes eine kleine Niedrigseillandschaft kombiniert mit kleinen Baumhäusern. Die Trii-Baumhäuser sind Spielhäuser mit Bambuspaneelen als Aufwertung. Bambus ist umweltfreundlicher als gewöhnliches Holz. Botanisch betrachtet handelt es sich um ein Gras und das wächst nach, wenn es geerntet ist und zwar in diesem Fall bis zu einem Meter am Tag.

Das Farbkonzept bezieht sich auf die Vereinsfarben der Füchse Berlin. Die Seile leuchten orange und rot zwischen den grünen Pfosten. Auf einem der 3m hohen Pfeiler prangt ein Schild in Form eines Fuchskopfes. Getreu dem Motto der Füchse Berlin: konzentriert hier und übermütig an anderer Stelle machen die kletternden Kinder klar: „Hier ist unser Revier“. Passend zur Location finden sich in und um die Anlage weitere Sportgeräte, wie Reck und Barren.

Inclusive Play
Inklusive Spielräume, bei denen Kinder mit und ohne Behinderung, junge und alte Kinder einander begegnen und erleben können, gewinnen an Bedeutung. Bei diesem Projekt befindet sich beispielweise eine Nestschaukel direkt am Weg. Die tellerförmigen, großen Schaukeln geben mehreren Personen gleichzeitig die Möglichkeit, diese zu nutzen, ob im Liegen, Sitzen oder Stehen. So kann ein echtes Wir-Gefühl entstehen.

Individuelle Planung
„Spannend sind die Projekte mit besonderen Gegebenheiten. Wenn bspw. alte Geräte wiederverwendet oder natürliche Vorkommnisse wie Hügel oder Baumbestand mit in die Planung einfließen müssen. In Medebach realisieren wir für Center Parcs gerade das vermutlich längste Spielgerät Europas. 160m schlängelt sich die Kletterlandschaft aus Türmen, Netzen, Brücken und Tunneln den Bromberg auf 500m hinauf.“, erklärt Kniesche. Seit 2012 ist sie festes Teammitglied des 10-köpfigen Berliner Creative Center der Berliner Seilfabrik.

Berliner Seilfabrik, 2015
www.berliner-seilfabrik.com

Im Hintergrund Bergpanorama, davor ein See und grüne Wiesen. Im Vordergrund blüht eine lilafarbene Blume. Der schöne Schein trügt? Das Landesentwicklungsprogramm Bayern braucht einen Neustart. Foto: Mario Dobelmann via Unsplash
Der schöne Schein trügt? Das Landesentwicklungsprogramm Bayern braucht einen Neustart. Foto: Mario Dobelmann via Unsplash

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