Holzbau Lörrach: Stadt investiert in Gewerbegebiet

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Die Stadt Lörrach will Zeichen setzen. Sie nutzt nicht nur das Gelände eines ehemaligen Textilunternehmens neu. Sie nutzt den Umbau des Areals für ein Projekt mit Leuchtturmcharakter: In Lörrach entsteht Deutschlands erstes klimaneutrales Gewerbegebiet in Holzbau-Weise.

 

Gewerbegebiete im Wandel

 

Das Areal der ehemaligen Lauffenmühle ist heute in städtischem Eigentum. Das eröffnet der Stadt die Chance, Einfluss auf die Neuentwicklung des Areals zu nehmen. Bis 2028 soll dort ein klimaneutrales Gewerbegebiet wachsen. Durch seine Bauweise in Holz können verschiedene Aspekte der Nachhaltigkeit respektiert werden. Um die Besonderheiten des Holzbaus mit Expert*innen zu diskutieren, lädt die Stadt zu einer ersten Wald- und Holzbaukonferenz ein. Damit bringt Lörrach viel Wissen um Holzbau und die Ursprünge diese Materials, den Wald, zusammen.

Bisher hat keine Stadt in Deutschland ein Gewerbegebiet in Holzbauweise errichtet. Mit dieser Idee – den Holzbau nach Lörrach zu holen – geht die Stadt einen ungewöhnlichen Weg. Sie nutzt die Chance, die es mit sich bringt, Eigentümerin eines 7,4 Hektar großen Geländes zu sein, das auf eine Neuentwicklung wartet. Dort, wo das Unternehmen Lauffenmühle früher Textilien produzierte, sollen demnächst Gewerbetreibende zusammen kommen.

So verschieden sie auch sein mögen, alle bindet zusammen, dass ihre Bauten aus Holz bestehen und das gesamte Areal klimaneutral sein wird. Diese Vision hat einerseits mit dem Standort zu tun: Lörrach liegt nah am Südschwarzwald, der ein großes Holzvorkommen besitzt. Darüber hinaus will die Stadt einen innovativen Weg gehen und Vorbild sein. Denn bisher setzt kein Gewerbegebiet in der Bundesrepublik die Nutzung von Holz konsequent um. 

Ministerium unterstützt Stadt Lörrach bei Holzbau-Gewerbegebiet

Alle Fotos: © Stadt Lörrach

Die Idee Holz zum Bauen und zur Gewinnung von Energie einzusetzen, fiel im Ministerium in Stuttgart auf fruchtbaren Boden. Das baden-württembergische Wirtschaftsministerium fördert deshalb die Weiterentwicklung der Vision. Zunächst werden die Ideen nun weiter verfeinert. Aber noch in diesem Jahrzehnt soll das Gewerbegebiet Flächen für Produktion und Dienstleitungen anbieten. Um dabei das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen, kommen dafür nur innovative und nachhaltige Unternehmen in Frage.

Durch seine Lage inmitten der Stadt stellt Lörrach auch gestalterische Ansprüche. Deshalb werden ortsbildprägende Elemente wie Teile der alten Fabrik erhalten und in die Planung integriert. Und was an vorhandener Bausubstanz nicht umgenutzt werden kann, wird zur Ressource. Die auf dem Gelände bisher verbauten Wert- und Baustoffe werden recycelt und größtenteils wiederverwendet. Darüber hinaus soll so viel regenerative Energie wie möglich genutzt werden. Wasser, Sonne und Wind helfen bei ihrer Entstehung.

Holz als wertvoller Rohstoff

Letztlich macht die Stadt Lörrach aus der Not eine Tugend. Sie nutzt den Rohstoff, den sie direkt vor ihrer Haustür findet. Die aktuelle Situation in den Wäldern besorgt viele. Zahlreiche Baumsorten, darunter Fichten und Eschen sterben. Für den Holzbau liegt in dieser Situation eine große Chance. Bereits heute, aber auch in den nächsten Jahren, steht im Schwarzwald viel Holz zur Verfügung. Dabei ist die Stadt Lörrach noch in der komfortablen Lage, Waldeigentümerin zu sein.

Ihr Stadtwald umfasst etwa 1600 Hektar Mischwald, was fast die Hälfte der städtischen Fläche ausmacht. Vor dem Hintergrund liegt es nahe, dass Lörrach den Holzbau für sich entdeckt und zur Basis eines innovativen Gewerbegebiets macht. Damit fallen schon beim Transport wenig Emissionen an. Zusätzlich kann CO2 eingespart werden. Denn während die Produktion üblicher Baustoffe, wie Stahl und Beton, große Emissionen kreiert, bindet Holz das klimaschädliche Gas. Mit Holz zu bauen bedeutet demnach, CO2 erst gar nicht entstehen zu lassen. Holz hat außerdem den Vorteil, das es als Energieträger in seiner Bilanz CO2-neutral und dazu ein nachwachsender Rohstoff ist.

Klimaschutz in Lörrach

Klimaschutz wird in Lörrach schon seit fast 20 Jahren groß geschrieben. Bereits 2012 hat die Kommune beschlossen, bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu werden. Im vergangenen Herbst wurde dieser Beschluss durch den Ausruf des Klimanotstands weiter bekräftigt. Vor diesem Hintergrund ist die Ausweisung und Entwicklung eines klimaneutralen Gewerbegebiets kein Marketingzweck. Es ist vielmehr eine Notwendigkeit und konsequente Fortsetzung einer nachhaltigen Politik.

Die hat in der Grenzstadt Lörrach Tradition. Im Jahr 2002 wurde das deutsche Lörrach mit dem Schweizer Label Energiestadt ausgezeichnet. Wenige Jahre später erhielt die Kommune dann als erste in Baden-Württemberg den European Energy Award. Drei Jahre später schaffte sie den European Energy Award Gold, den sie bis heute erfolgreich verteidigt. Dazu beigetragen hat auch Lörrachs Mut im Wohnungsbau. Mit dem Wohnquartier Niederfeldplatz hat die Stadt das erste CO2-neutrale Wohnquartier in Deutschland realisiert. Damit nimmt die Stadt deutschlandweit eine Vorreiterrolle in klimaneutralem Städtebau ein.

Erste Wald- und Holzbau-Konferenz in Lörrach

Lörrach setzt mit seinem Holzbau nicht nur bauliche Zeichen. Im Oktober lädt die Stadt zu einer 1. Wald- und Holzbau-Konferenz ein. Diese Veranstaltung wird im Rahmen Holzbau-Offensive Baden-Württemberg möglich. Auf dieser Konferenz wird auch das  Projekt „Lauffenmühle Lörrach – next innovation“ präsentiert. Das Projekt ist dann auch Anlass für Referent*innen, Bürger*innen und Vertreter*innen der Holzbranche und der Stadt gemeinsam zu diskutieren.

Es kommen Fachleute aus Holzbau und Waldwirtschaft, Wissenschaftler*innen und Vertreter*innen aus Politik und Verwaltung zusammen, um über das neue Gewerbegebiet zu diskutieren. Dazu gehören auch Fragen zur Zukunft des Waldes im Klimawandel. Ist er Opfer oder Klimaschützer? Ebenso wird diskutiert, was Baukultur und Klimaschutz miteinander zu tun haben. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass das das Gewerbegebiet in Holzbauweise zum Leuchtturmprojekt wird. Es wird ein Reallabor für klimaneutrale Gewerbegebiete in Holzbauweise.

Interesse an einem weiteren Holzbau-Großprojekt? In Hamburg entsteht gerade Deutschlands größtes Holzgebäude. Hier erfahren Sie mehr zum Entwurf des dänischen Architekturbüros ADEPT.

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Digitales Crowdmanagement für städtische Events

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Grünes Feld und moderne Stadt treffen auf schneebedeckte Alpen – aufgenommen von Daniele Mason.

Stadtfeste, Marathonläufe, Weihnachtsmärkte – sie bringen Leben in die Städte, aber auch Herausforderungen. Wer hat das Gedränge noch im Griff, wenn Straßenschluchten zur Menschenlawine werden? Digitales Crowdmanagement ist die neue Disziplin, die urbanen Raum und digitale Technologien zu einem intelligenten Schutzschild für Veranstaltungen verschmelzen lässt. Wie funktioniert das? Wer ist in Deutschland Vorreiter? Und warum sind Sensoren, Algorithmen und urbane Planung plötzlich unzertrennlich?

  • Definition und Bedeutung von digitalem Crowdmanagement für urbane Events
  • Technologische Grundlagen: Sensorik, Datenplattformen, KI und Simulation
  • Praktische Einsatzbeispiele aus Deutschland, Österreich und international
  • Rechtliche, ethische und planerische Herausforderungen
  • Integration in bestehende Stadtplanung und Synergien mit Urban Digital Twins
  • Partizipation, Akzeptanz und der Einfluss auf Stadtgesellschaft und Behörden
  • Risiken: Datenschutz, technologische Abhängigkeit und soziale Auswirkungen
  • Zukunftsausblick: Adaptive Städte und resiliente Veranstaltungen

Was ist digitales Crowdmanagement? Vom Bauchgefühl zur Echtzeitintelligenz

Jahrzehntelang war Crowdmanagement oft eine Mischung aus Erfahrung, Fingerspitzengefühl und improvisiertem Absperrband. Doch mit der wachsenden Komplexität städtischer Events und immer dichter besiedelten Innenstädten reicht das längst nicht mehr. Digitales Crowdmanagement bezeichnet den datengestützten Ansatz, Menschenströme bei Veranstaltungen in Echtzeit zu erkennen, zu analysieren und zu steuern. Es geht dabei nicht nur um Sicherheit, sondern auch um Komfort, Teilhabe und nachhaltige Nutzung des öffentlichen Raums.

Das Herzstück modernen Crowdmanagements sind Sensoren und Datenquellen. Kameras, WLAN-Tracker, Bluetooth-Beacons, Mobilfunkdaten, aber auch Wetter- und Umweltsensoren liefern ein detailliertes Echtzeitbild der Bewegung und Dichte von Menschenmengen. Die Daten landen auf urbanen Plattformen, wo sie durch Algorithmen und Künstliche Intelligenz ausgewertet werden. So erkennen Systeme nicht nur, wo es voll wird, sondern können auch vorhersagen, wann und wo es kritisch werden könnte.

Die Echtzeitanalyse ermöglicht es, Maßnahmen dynamisch zu steuern – etwa Wegeführungen anzupassen, temporäre Leitsysteme zu aktivieren, Absperrungen zu öffnen oder mobile Einsatzkräfte gezielt zu dirigieren. Die Zeiten, in denen Sicherheitsdienste nach Bauchgefühl agierten, sind damit vorbei. Softwaregestützte Entscheidungsfindung bringt ein neues Maß an Präzision und Schnelligkeit in die Eventsteuerung.

Doch digitales Crowdmanagement ist mehr als reine Technik. Es ist ein Paradigmenwechsel in der urbanen Planung: Die Stadt wird zum lernenden System, das sich flexibel an wechselnde Situationen anpassen kann. Das schärft nicht nur den Blick für Risiken, sondern eröffnet auch Chancen für eine effektivere Flächennutzung, inklusive Partizipation und nachhaltigere Eventkonzepte. Wer heute innovativ steuern will, muss digitale Instrumente beherrschen – und sie auch kritisch reflektieren.

Die Bedeutung von digitalem Crowdmanagement wächst mit jedem Großevent, jedem Klimaprotest und jedem Stadtfest. Es ist die Königsdisziplin für alle, die Stadt als Bühne für Gemeinschaft und Innovation begreifen – und Verantwortung für das große Ganze übernehmen wollen.

Technologien und Methoden: Sensorik, Künstliche Intelligenz und urbane Plattformen

Der Werkzeugkasten für digitales Crowdmanagement ist so vielfältig wie die Städte selbst. Im Zentrum stehen Sensoren, die Menschenströme erfassen. Moderne Kamerasysteme liefern anonymisierte Bewegungsdaten, sodass Datenschutz und Sicherheit vereinbar bleiben. WLAN- und Bluetooth-Tracking erkennen mobile Endgeräte, natürlich unter strengen Auflagen zur Privatsphäre. Mobilfunkanbieter stellen aggregierte Standortdaten bereit, die helfen, Hotspots und Verlagerungen von Menschenmengen frühzeitig zu identifizieren.

Die eigentliche Magie entsteht jedoch erst, wenn diese Datenströme auf urbanen Datenplattformen zusammenfließen. Diese Plattformen sind die digitalen Schaltzentralen, in denen alle Informationen in Echtzeit verarbeitet und visualisiert werden. Hier kommen Algorithmen und maschinelles Lernen ins Spiel: Sie erkennen Muster, prognostizieren Engpässe und geben Handlungsempfehlungen aus. So lassen sich beispielsweise Zuflüsse steuern, Fluchtwege optimieren oder sogar das Programm eines Events anpassen, um eine gleichmäßigere Verteilung der Besucher zu erreichen.

Simulation ist ein weiteres zentrales Element. Mit digitalen Zwillingen – also virtuellen Abbildern von Städten oder Veranstaltungsarealen – werden Szenarien durchgespielt: Was passiert, wenn ein Unwetter droht? Wie reagieren Menschen auf geänderte Wegeführungen? Welche Auswirkungen hat eine kurzfristige Sperrung? Solche Simulationsmodelle erlauben es, Maßnahmen im Voraus zu testen und die Auswirkungen auf Sicherheit, Komfort und Nachhaltigkeit zu bewerten.

Die Integration in bestehende Systeme der Stadt – etwa Verkehrsmanagement, Notfalldienste oder Umweltüberwachung – bringt zusätzliche Synergien. So können zum Beispiel Verkehrsströme umgeleitet, Rettungsdienste gezielter eingesetzt oder Umweltbelastungen während Großveranstaltungen minimiert werden. Die Stadt wird als ganzheitliches, vernetztes System betrachtet – ein Ansatz, der weit über die klassische Eventplanung hinausgeht.

Doch jede technische Lösung steht und fällt mit der Akzeptanz und Kompetenz der Anwender. Schulungen für Behörden, Einsatzkräfte und Veranstalter sind ebenso essenziell wie eine transparente Kommunikation gegenüber der Öffentlichkeit. Nur wenn alle Beteiligten verstehen, wie und warum digitale Tools eingesetzt werden, können sie ihr volles Potenzial entfalten – und das urbane Eventerlebnis auf ein neues Level heben.

Praxis: Wo digitales Crowdmanagement heute Realität ist

Während in vielen deutschen Städten noch Pilotprojekte laufen, gibt es bereits beeindruckende Beispiele für den erfolgreichen Einsatz digitalen Crowdmanagements. In Düsseldorf werden bei Karnevalsumzügen Sensorik und Datenanalyse eingesetzt, um die Besucherströme gezielt zu lenken und Engpässe zu vermeiden. Die Plattform sammelt und visualisiert Daten in Echtzeit, sodass Polizei und Ordnungsamt flexibel reagieren können – sei es durch temporäre Straßensperrungen oder die gezielte Information von Besuchern über Apps und Anzeigetafeln.

Auch in München, wo jährlich das Oktoberfest Millionen Menschen anzieht, ist digitales Crowdmanagement längst Standard. Hier werden Mobilfunk- und WLAN-Daten genutzt, um Besucherströme zu analysieren. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Planung von Zugängen, Fluchtwegen und Rettungskonzepten ein. Im Falle von Überfüllung können die Verantwortlichen gezielt Abschnitte schließen oder Besucherströme umlenken, bevor kritische Situationen entstehen.

Ein weiteres Vorzeigebeispiel kommt aus Wien. Die Stadt setzt auf eine offene Datenplattform, die Echtzeitinformationen zu Mobilität, Wetter und Besucherströmen bündelt. Bürger und Veranstalter können sich live über die Situation informieren und erhalten Handlungsempfehlungen. Das fördert nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Transparenz und Akzeptanz der Maßnahmen.

International setzt Singapur Maßstäbe: Mit seinem „Urban Digital Twin“ wird das gesamte Stadtgebiet in Echtzeit abgebildet und simuliert. Für Großevents wie das Formel-1-Rennen werden Besucherflüsse, Verkehr, Wetter und Notfallkapazitäten in einem System integriert. So lassen sich Maßnahmen nicht nur reagieren, sondern auch proaktiv steuern. Die Resultate: weniger Unfälle, höhere Zufriedenheit, effizientere Abläufe.

Doch auch kleine und mittlere Städte profitieren: In Ulm etwa wird bei Stadtfesten ein Mix aus Sensorik, KI-gestützter Analyse und Bürgerbeteiligung getestet. Hier zeigt sich, dass digitales Crowdmanagement nicht nur für Megacitys relevant ist – sondern für jede Kommune, die urbane Lebensqualität, Sicherheit und Innovation miteinander verbinden will.

Herausforderungen: Datenschutz, Ethik und der Wandel der Planungskultur

So überzeugend die Erfolge des digitalen Crowdmanagements auch sind – sie werfen neue Fragen auf. Datenschutz steht dabei ganz oben auf der Liste. Die Erfassung und Analyse von Bewegungsdaten muss höchsten rechtlichen Standards genügen. Anonymisierung und Pseudonymisierung sind Pflicht, ebenso wie transparente Kommunikationsstrategien gegenüber der Öffentlichkeit. Aufklärung ist essenziell, damit das Vertrauen in die Systeme erhalten bleibt.

Aber auch ethische Fragen gewinnen an Bedeutung: Wer entscheidet, welche Daten erfasst und wie sie genutzt werden? Welche Algorithmen kommen zum Einsatz, und wie wird sichergestellt, dass sie keine sozialen Gruppen benachteiligen? Hier braucht es klare Governance-Strukturen und unabhängige Kontrolle, um Machtasymmetrien und Diskriminierung zu vermeiden. Digitale Systeme dürfen nicht zu Black Boxes werden, die jenseits demokratischer Kontrolle operieren.

Nicht zu unterschätzen ist die Herausforderung, digitale Lösungen in die urbane Planungskultur zu integrieren. Stadtplaner, Behörden und Veranstalter müssen lernen, mit neuen Tools zu arbeiten – und Planung als dynamischen, datengetriebenen Prozess zu verstehen. Das erfordert Weiterbildung, Austausch und Offenheit für Innovation. Gleichzeitig darf die Technik nicht zum Selbstzweck verkommen: Im Mittelpunkt stehen immer die Menschen und ihr Erleben von Stadt.

Ein weiteres Risiko liegt in der technologischen Abhängigkeit. Wer kritische Infrastrukturen und Entscheidungsprozesse an externe Softwareanbieter delegiert, muss sich der damit verbundenen Risiken bewusst sein. Offene Standards, Interoperabilität und langfristige Strategien sind notwendig, um Abhängigkeiten und Monopolstellungen zu vermeiden. Die Stadt der Zukunft muss souverän bleiben – auch im digitalen Raum.

Schließlich geht es um Akzeptanz und Teilhabe: Digitale Crowdmanagement-Systeme bieten die Chance, Bürger frühzeitig einzubinden und Mitgestaltung zu ermöglichen. Doch das gelingt nur, wenn Prozesse transparent, nachvollziehbar und partizipativ gestaltet werden. Offenheit ist der Schlüssel, damit aus Technik Vertrauen wird – und aus Innovation echte Lebensqualität.

Zukunftsperspektiven: Adaptive Städte und resiliente Events

Digitales Crowdmanagement steht erst am Anfang seiner Entwicklung. Mit dem Vormarsch von 5G, Internet of Things und Künstlicher Intelligenz werden die Möglichkeiten noch vielfältiger. In Zukunft könnten Städte nicht nur auf Besucherströme reagieren, sondern sie proaktiv gestalten: durch adaptive Infrastruktur, flexible Verkehrssteuerung und personalisierte Informationsangebote.

Die Integration mit Urban Digital Twins wird zum Gamechanger. Städte, die ihre Infrastruktur, Mobilität und Events in einem digitalen Spiegel abbilden, können Szenarien nicht nur simulieren, sondern in Echtzeit optimieren. Das eröffnet völlig neue Möglichkeiten für Sicherheit, Nachhaltigkeit und Erlebnisqualität. Die Stadt wird zum lernenden Organismus, der sich kontinuierlich verbessert.

Auch die Rolle der Bürger wird sich wandeln. Mit digitalen Partizipationstools und offenen Datenplattformen können sie sich nicht nur informieren, sondern aktiv an der Gestaltung urbaner Events mitwirken. Das fördert Identifikation, Innovation und soziale Kohäsion – und macht aus dem Besucher einen Mitgestalter.

Die Herausforderungen werden dabei nicht kleiner. Technologischer Fortschritt muss mit sozialer Verantwortung und rechtlicher Klarheit einhergehen. Städte müssen ihre Planungs- und Entscheidungsstrukturen anpassen, Kompetenzen aufbauen und Allianzen mit Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft schmieden. Nur so entsteht eine resiliente, zukunftsfähige Eventkultur.

Wer heute die Weichen stellt, kann Städte zu Vorreitern einer neuen urbanen Intelligenz machen. Digitales Crowdmanagement ist dabei weit mehr als ein Trend – es ist der Schlüssel zu einer Stadt, die nicht nur reagiert, sondern gestaltet. Und das macht sie zu einer Bühne, auf der Sicherheit, Erlebnis und Innovation Hand in Hand gehen.

Fazit: Digitales Crowdmanagement – das Betriebssystem für die urbane Eventzukunft

Die Steuerung von Menschenmengen bei städtischen Events ist längst keine Frage des Bauchgefühls mehr. Digitales Crowdmanagement verbindet Sensorik, Datenanalyse und urbane Intelligenz zu einem neuen Betriebssystem für die Stadt von morgen. Wer es klug einsetzt, schafft nicht nur mehr Sicherheit, sondern auch mehr Lebensqualität, Teilhabe und Nachhaltigkeit.

Die Technik ist dabei Mittel zum Zweck – im Zentrum steht das Erleben von Stadt als Gemeinschaftsraum. Wer die Herausforderungen von Datenschutz, Ethik und Governance meistert, kann Innovation mit Verantwortung verbinden und urbane Events als Motor für eine lernende, resiliente Stadtgesellschaft nutzen. Die Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Welt zeigen: Die Zukunft ist digital, vernetzt und partizipativ.

Digitales Crowdmanagement wird die Stadtplanung nicht ersetzen, aber sie grundlegend verändern. Es ist das neue Werkzeug für alle, die urbane Räume nicht nur gestalten, sondern verstehen und weiterentwickeln wollen. Wer heute beginnt, den Wandel aktiv mitzugestalten, wird morgen Teil einer zukunftsfähigen, intelligenten und lebenswerten Stadt sein, die Events nicht nur ermöglicht, sondern zelebriert.

Verschwindet das Dorf?

Menschenleere Dorfkerne bedrohen das ländlich geprägte Oberschwaben. Die Leader Aktionsgruppe Oberschwaben geht dagegen vor: Die Gruppe hat mit Bewohnern den Leerstand diskutiert, nach Lösungen gesucht und sich dafür eingesetzt, dass Dörfer positiv gestaltet werden. Daraus resultierten nicht nur ein wissenschaftlicher Abschlussbericht, sondern auch ein Bildband. Der Fotograf Claudio Hils porträtiert in “abseits – aside – à l’écart” die Dörfer Oberschwabens. Eine Reise vorbei an kargen Lagerhallen, Golfplätzen, vernagelten Fenstern und rissigen Fassaden.

Der erste Teil des Bildbandes ist eine fotografische Rundfahrt durch den ländlichen Raum Oberschwabens. Claudio Hills zeichnet mit seinen Fotografien die unterschiedlichen Facetten des Lands auf. Neben pittoresken Landschaftsaufnahmen, zeigt er vor allem die schwermütigen Seiten der Gemeinden. Diese reichen von halb-abgerissenen Häusern, über Schuttplätze, Deutschlandfahnen neben Satellitenschüssel bis hin zu platten Traktorenreifen. Die Bilderstrecke vermittelt das etwas pessimistische Bild einer Landschaft, die zu verschwinden droht.

“Im Funkloch leben, nicht erreichbar sein, und wenn,
dann nur: mit einem Rabenkrächzen als Klingelton” Walle Sayer

Der zweite Teil ist eine literarische Kollektion an Kurzgeschichten von Autoren wie Peter Renz, Gedichte von Walle Sayer und ein Kommentar von Manfred Schmalriede. Alle Beiträge sind auch in der englischen und französischen Übersetzung abgedruckt. Die schriftlichen Beiträge begleiten die Fotografien und betten die Abbildungen in einen Kontext. Dadurch gewinnen sie an Bedeutung und die Stimmung des ländlichen Raums wird umso deutlicher eingefangen. In allem, eine sehens- und lesenswerte Reise nach Oberschwaben, eine Reise zwischen zwei Buchdeckeln.

Bibliografische Daten:

Claudio Hils: “Abseits – aside – à l’écart”, 2012, Klöpfer&Meyer

ISBN-10: 3863515005