Das Thema der G+L Novemberausgabe sind Bahnhöfe. Cover: © ingenhoven associates / HGEsch
Das Thema der G+L Novemberausgabe sind Bahnhöfe. Cover: © ingenhoven associates / HGEsch

Hamburg, München und natürlich Stuttgart – in all diesen Städten entstehen mitunter neue Bahnhöfe. In dieser Ausgabe diskutieren wir die Innen- und Außengestaltung der Großprojekte und wollen wissen: Was muss ein Bahnhof heute leisten?

"Es gehört inzwischen regelrecht zum guten Ton über die Deutsche Bahn zu meckern…"

Was die Deutsche Bahn betrifft, vertrete ich eine inzwischen höchst unpopuläre Meinung. – Ich bin großer Fan. Ernsthaft. Ich liebe Zugfahren, ich liebe Bahnhöfe, ich liebe die DB mobil – und die meisten Zugbegleiter*innen finde ich auch recht sympathisch. Für diese Position muss ich mich seit ein paar Jahren immer wieder rechtfertigen. Ich beobachte: Es gehört inzwischen regelrecht zum guten Ton über die Deutsche Bahn zu meckern. Ich hingegen kann das ewige Geknatsche um die Verspätungen, die Tiraden zu den Verfehlungen der Bahn nicht mehr hören. Es nervt. Und ist wenig konstruktiv. Insbesondere wenn wir in puncto Verkehrswende so dringend voran kommen müssen.

Große Projekte, zaghafte Kommunikation

Sie werden also im vorliegenden Heft keine vernichtende Kritik über die Deutsche Bahn lesen, ja. Gleichzeitig muss ich zugeben, dass diese Ausgabe uns auch in der Redaktion einiges an Nerven gekostet hat. Denn so spannend die aktuellen Großumbauprojekte der DB auch sind (und sein werden), so zaghaft und vorsichtig sind sämtliche, beteiligten Akteure in ihrer Kommunikation. Man merkt regelrecht: Die Proteste und der mediale Eklat rund um die großen Infrastrukturprojekte der jüngeren Vergangenheit wie Stuttgart 21 oder der BER haben ihre Spuren hinterlassen – und die Deutsche Bahn genießt eine große Autorität, was den Auftritt nach außen angeht. Man möchte es sich mit ihr nicht verscherzen.

Die DB, Planungsbüros und verantwortliche Stadtbauräte

Und trotzdem legen wir in diesem Heft in den Gesprächen mit der Deutschen Bahn, den beauftragten Planungsbüros und den verantwortlichen Stadtbauräten den Finger in akute Wunden. Mit der Münchner Stadtbaurätin Elisabeth Merk besprachen wir, warum Umbaumaßnahmen so besucherunfreundlich sind, mit dem Hamburger Oberbaudirektor Franz-Josef Höing unterhielten wir uns über die Grenzen von Öffentlichkeitsbeteiligung, und Oliver Hasenkamp von der DB fragten wir, was er als Architekt und Leiter der Projektentwicklung gegen die Verspätungen tun kann.

Fünf Jahrhundertaufgaben in verschiedenen Stadien

Der Fokus in diesem Heft liegt auf den Hauptbahnhofsprojekten in Duisburg, Hamburg, München, Stuttgart und Ulm. Alle fünf sind Mammutprojekte, tatsächliche Jahrhundertaufgaben in verschiedenen Stadien, die durch die Hände (und Köpfe) sehr vieler entstehen. Nicht zu allem Ja und Amen zu sagen ist wichtig, definitiv, aber auch Anerkennung für das zu zeigen, was da tagtäglich für die Bahnhöfe unserer Zukunft geleistet wird.

Das Heft ist hier im Shop erhältlich.

In der letzten Ausgabe der G+L drehte sich alles rund ums Thema Wettbewerbe. Mehr dazu im Editorial.

Passend zum Thema Bahnhöfe begeben sich unsere Kolleg*innen vom Baumeister in der Novemberausgabe auf eine Reise mit dem Orient Express, zu sieben besonderen Destinationen. Alles dazu hier.

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Regenwasserversickerung Berechnung: Funktion, Vorteile und Umsetzung

Begrünte, klimaangepasste Stadtinfrastruktur zum Thema Regenwasserversickerung Berechnung
Wasserkreise breiten sich sanft auf einer ruhigen Oberfläche aus. Foto: bielmorro / Unsplash

Wer Regenwasser auf einem Grundstück versickern lässt, statt es in die Kanalisation abzuleiten, leistet einen messbaren Beitrag zur Wiederherstellung des natürlichen Wasserkreislaufs. Die Regenwasserversickerung Berechnung ist dabei kein bürokratisches Beiwerk, sondern das technische Fundament jeder funktionierenden Anlage: Sie bestimmt, wie groß eine Versickerungsmulde sein muss, welche Bodenpermeabilität vorausgesetzt werden kann, welche Regenmengen das System aufnehmen soll und ob die gewählte Lösung den wasserrechtlichen Anforderungen standhält. Wer diese Berechnung versteht, versteht dezentrale Regenwasserbewirtschaftung an ihrer Wurzel.

  • Was Regenwasserversickerung bedeutet und welche Anlagentypen es gibt
  • Warum die Berechnung der Versickerungsanlage technisch und rechtlich unverzichtbar ist
  • Welche Kennwerte Boden, Niederschlag und Einzugsgebiet liefern müssen
  • Wie die Bemessung nach anerkannten Regelwerken wie dem DWA-Arbeitsblatt A 138 funktioniert
  • Welche Rolle der kf-Wert, die Regenspende und der Abflussbeiwert spielen
  • Welche Versickerungstypen für welche Standortbedingungen geeignet sind
  • Wie Versickerungsanlagen in die Freiraumplanung integriert und gestaltet werden
  • Welche Fehler bei Planung, Bau und Betrieb häufig auftreten und wie sie sich vermeiden lassen

Grundlagen: Was Regenwasserversickerung ist und warum sie geplant werden muss

Regenwasserversickerung bezeichnet das gezielte Einleiten von Niederschlagswasser in den Untergrund, um den natürlichen Wasserkreislauf zu unterstützen, Grundwasser anzureichern und die Kanalisation zu entlasten. Im Gegensatz zur direkten Ableitung in ein Gewässer oder in das Mischkanalnetz verbleibt das Wasser dabei im lokalen Bodensystem. Fachleute sprechen von dezentraler Regenwasserbewirtschaftung, wenn diese Maßnahmen möglichst nah am Entstehungsort des Abflusses angeordnet werden, also auf dem Grundstück selbst oder im unmittelbaren Straßenraum.

Der Hintergrund dieser Praxis liegt in der Veränderung des Wasserkreislaufs durch Versiegelung. Jede asphaltierte Fläche, jedes Dach, jeder Betonparkplatz verhindert, dass Regen versickert und verdunstet. Stattdessen fließt das Wasser schnell und konzentriert in die Kanalisation, was bei Starkregenereignissen zu Überlastungen, Überflutungen und Mischwasserentlastungen in Gewässer führt. Gleichzeitig fehlt dem Grundwasser die Speisung, und Stadtbäume leiden unter Trockenstress. Die Regenwasserversickerung ist eine der wirksamsten Antworten auf diese Probleme, vorausgesetzt, sie ist korrekt dimensioniert.

Genau hier setzt die Regenwasserversickerung Berechnung an. Eine zu klein bemessene Anlage läuft bei mittleren Regenereignissen über und erfüllt ihre Funktion nicht. Eine zu groß bemessene Anlage ist unwirtschaftlich und verbraucht Fläche, die in dichten Stadtquartieren knapp ist. Die Berechnung ist deshalb keine Formalität, sondern das Instrument, mit dem Planer die richtige Balance zwischen Leistungsfähigkeit, Flächenverbrauch und Kosten finden. Wasserrechtliche Genehmigungen setzen in der Regel einen rechnerischen Nachweis voraus, der zeigt, dass die Anlage das maßgebende Bemessungsereignis schadlos aufnehmen und ableiten kann.

Anlagentypen: Mulden, Rigolen, Schächte und Kombinationen

Die Versickerungsmulde ist die einfachste und in der Freiraumplanung am häufigsten eingesetzte Form der Regenwasserversickerung. Sie ist eine flache, begrünte Geländevertiefung, die Regenwasser oberflächig sammelt und es über die belebte Bodenzone langsam in den Untergrund abgibt. Die Mulde hat den Vorteil, dass sie gut sichtbar, pflegbar und ökologisch wertvoll ist: Begrünte Mulden bieten Lebensraum, fördern die Verdunstung und filtern Schadstoffe aus dem Wasser, bevor es den Grundwasserleiter erreicht. In der Stadtplanung werden Mulden heute als Gestaltungselement in Straßenräumen, Parks und Wohnquartieren eingesetzt, etwa als sogenannte Regengärten oder Bioretentionsmulden.

Die Versickerungsrigole ist ein unterirdisches System aus einem mit Kies oder Kunststoffblöcken gefüllten Graben, der Wasser zwischenspeichert und über die Grabensohle und -flanken in den Boden abgibt. Rigolen eignen sich besonders dort, wo oberflächige Mulden aus Platz- oder Nutzungsgründen nicht möglich sind, etwa unter Parkplätzen, Gehwegen oder in engen Straßenräumen. Sie sind weniger sichtbar, aber auch schwieriger zu kontrollieren und zu reinigen. Kombinierte Mulden-Rigolen-Systeme verbinden die Vorteile beider Typen: Die Mulde übernimmt die Vorklärung und die Pufferung kleiner Ereignisse, die Rigole darunter speichert größere Wassermengen und gibt sie verzögert ab.

Versickerungsschächte leiten Wasser direkt in tiefere Bodenschichten, ohne den Weg durch die belebte Bodenzone. Sie sind technisch einfach und kostengünstig, aber aus wasserschutzfachlicher Sicht problematisch: Da die Filterwirkung des Oberbodens fehlt, können Schadstoffe ungefiltert ins Grundwasser gelangen. Wasserrechtliche Regelungen schränken den Einsatz von Versickerungsschächten deshalb in vielen Bundesländern stark ein oder schließen ihn für belastete Flächen wie Straßen oder Gewerbehöfe aus. Für Dachflächen ohne Metallbeschichtungen und ohne verkehrsbedingte Verschmutzung sind sie unter bestimmten Bedingungen zulässig, müssen aber im Einzelfall geprüft werden.

Flächenversickerung über durchlässige Beläge, also Rasengittersteine, Schotterrasen, Pflaster mit breiten Fugen oder Porenpflaster, ist eine weitere Variante, die besonders für Stellflächen und Wege geeignet ist. Hier versickert das Wasser direkt an Ort und Stelle, ohne in ein separates Leitungssystem eingeleitet zu werden. Die Bemessung dieser Systeme folgt denselben Grundprinzipien wie bei Mulden und Rigolen, muss aber die Durchlässigkeit des Belags selbst und die darunter liegende Tragschicht einbeziehen.

Regenwasserversickerung Berechnung: Kennwerte, Formeln und Regelwerke

Das maßgebende Regelwerk für die Bemessung von Versickerungsanlagen in Deutschland ist das DWA-Arbeitsblatt A 138, herausgegeben von der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall. Es beschreibt ein anerkanntes Berechnungsverfahren, das auf drei zentralen Eingangsgrößen beruht: dem Bemessungsregen, dem Einzugsgebiet mit seinen Abflussbeiwerten und der Versickerungsleistung des Untergrunds, ausgedrückt durch den kf-Wert.

Der kf-Wert, auch als gesättigte hydraulische Leitfähigkeit bezeichnet, beschreibt, wie schnell Wasser durch den Boden fließt. Er wird in Metern pro Sekunde angegeben und variiert je nach Bodenart um viele Größenordnungen. Sandige Böden erreichen kf-Werte von 10 hoch minus 3 bis 10 hoch minus 4 m/s und sind gut versickerungsfähig. Schluffige oder lehmige Böden liegen bei 10 hoch minus 6 m/s oder darunter und sind für die Versickerung kaum geeignet. Tonböden mit kf-Werten unter 10 hoch minus 7 m/s scheiden in der Regel vollständig aus. Der kf-Wert wird durch Feldversuche ermittelt, am gebräuchlichsten durch den Doppelringinfiltrometerversuch oder durch Pumpversuche. Laborwerte aus Bodenproben sind weniger zuverlässig, weil sie die natürliche Lagerung und Makroporenstruktur des Bodens nicht abbilden.

Der Bemessungsregen beschreibt die Niederschlagsintensität, auf die die Anlage ausgelegt werden soll. In Deutschland werden hierfür statistisch ausgewertete Niederschlagsdaten verwendet, die der Deutsche Wetterdienst in Form von KOSTRA-Datensätzen bereitstellt. KOSTRA steht für Koordinierte Starkniederschlagsregionalisierung und -auswertung. Aus diesen Daten lässt sich für jeden Standort ablesen, welche Regenspende, also welche Niederschlagsmenge pro Zeiteinheit und Fläche, einem bestimmten Wiederkehrintervall entspricht. Üblich für Versickerungsanlagen auf privaten Grundstücken ist ein Bemessungsregen mit einem Wiederkehrintervall von zwei Jahren, für öffentliche Anlagen oder solche mit erhöhtem Schadenpotenzial auch fünf oder zehn Jahre.

Der Abflussbeiwert, in der Fachliteratur mit dem Symbol Psi bezeichnet, beschreibt, welcher Anteil des Niederschlags tatsächlich als Abfluss anfällt. Ein Flachdach mit Kiesbelag hat einen Abflussbeiwert von etwa 0,5 bis 0,7, ein Steildach aus Ziegel von 0,8 bis 0,9, eine asphaltierte Fläche von 0,9 bis 1,0. Begrünte Flächen dagegen weisen Abflussbeiwerte von 0,1 bis 0,3 auf, weil ein großer Teil des Niederschlags verdunstet oder im Boden zurückgehalten wird. Das maßgebende Einzugsgebiet ergibt sich aus der Summe aller angeschlossenen Flächen, gewichtet mit ihren jeweiligen Abflussbeiwerten.

Die eigentliche Bemessungsformel nach DWA-A 138 ermittelt das erforderliche Speichervolumen der Versickerungsanlage aus der Differenz zwischen dem zufließenden Niederschlagsvolumen und dem in der Bemessungsdauer versickernden Volumen. Das versickernde Volumen ergibt sich aus dem kf-Wert, der wirksamen Versickerungsfläche und einem Sicherheitsabschlag, der die natürliche Variabilität des Bodens berücksichtigt. Üblicherweise wird nur die Hälfte des kf-Werts als Bemessungsgrundlage angesetzt, um auf der sicheren Seite zu bleiben. Das Ergebnis ist ein Mindestvolumen, das die Anlage bereitstellen muss, um das Bemessungsereignis ohne Überlauf aufzunehmen.

Standorteignung: Boden, Grundwasser und Schutzgebiete

Nicht jeder Standort ist für die Regenwasserversickerung geeignet. Neben der Durchlässigkeit des Bodens sind der Grundwasserstand und die Lage in Schutzgebieten entscheidende Kriterien. Das DWA-Arbeitsblatt A 138 fordert einen Mindestabstand zwischen der Unterkante der Versickerungsanlage und dem höchsten zu erwartenden Grundwasserstand. Dieser Abstand, in der Regel mindestens ein Meter, soll sicherstellen, dass das versickernde Wasser eine ausreichende Filterstrecke durch den ungesättigten Boden zurücklegt, bevor es den Grundwasserleiter erreicht. In Gebieten mit hoch anstehendem Grundwasser, wie in Niederungen, Flussauen oder auf Marschen, ist Versickerung deshalb oft nicht oder nur eingeschränkt möglich.

In Wasserschutzgebieten gelten besondere Regelungen. Die Schutzzone I, der engste Bereich um eine Wassergewinnungsanlage, schließt Versickerungsanlagen in der Regel vollständig aus. In Schutzzone II sind sie nur für unbelastetes Dachflächenwasser und unter strengen Auflagen zulässig. In Schutzzone III, dem weiteren Einzugsgebiet, sind die Anforderungen weniger restriktiv, aber immer noch durch wasserrechtliche Genehmigungen geregelt. Planer müssen die Schutzgebietsgrenzen frühzeitig recherchieren, da sie die Machbarkeit einer Versickerungsanlage grundlegend beeinflussen.

Die Qualität des anfallenden Regenwassers ist ein weiterer Standortfaktor. Dachflächenwasser von Ziegeldächern gilt als vergleichsweise sauber und ist in den meisten Fällen ohne Vorbehandlung versickerungsfähig. Dachflächen aus Kupfer, Zink oder Blei dagegen geben Schwermetalle an das Regenwasser ab, die nicht ungefiltert in den Boden gelangen sollten. Straßenabfluss enthält Kohlenwasserstoffe, Reifenabrieb und Schwermetalle und erfordert vor der Versickerung eine Behandlung, etwa durch Sedimentationsanlagen oder Filterschichten. Die Richtlinie des DWA-Merkblatts M 153 gibt Orientierung, welche Flächen welche Anforderungen an die Vorbehandlung stellen.

Altlasten im Untergrund sind ein oft unterschätztes Risiko. Auf ehemaligen Industrie- oder Gewerbeflächen kann der Boden mit Schadstoffen belastet sein, die durch eingebrachtes Wasser mobilisiert und in den Grundwasserleiter transportiert werden. Vor der Planung einer Versickerungsanlage auf solchen Flächen ist eine Altlastenrecherche und gegebenenfalls eine Bodenuntersuchung unerlässlich.

Integration in die Freiraumplanung: Gestaltung, Ökologie und Stadtklima

Versickerungsanlagen sind keine rein technischen Bauwerke, die möglichst unsichtbar in den Untergrund verschwinden sollten. Gut geplante Mulden, Rigolen und Retentionsflächen können gestalterisch wertvolle Elemente im Freiraum sein und gleichzeitig ökologische Funktionen übernehmen. Begrünte Versickerungsmulden mit standortgerechter Bepflanzung aus Gräsern, Stauden und Gehölzen bieten Lebensraum für Insekten, verbessern das Mikroklima durch Verdunstungskühlung und erhöhen die Aufenthaltsqualität in öffentlichen Räumen. In der zeitgenössischen Stadtplanung werden solche Elemente unter dem Begriff Schwammstadt oder auf Englisch Sponge City zusammengefasst.

Die Bepflanzung von Versickerungsmulden folgt besonderen Anforderungen. Die Pflanzen müssen sowohl kurzzeitige Überflutung als auch Trockenphasen tolerieren, da Versickerungsmulden je nach Niederschlagsgeschehen stark wechselnde Bodenwasserverhältnisse aufweisen. Bewährte Arten für die Muldenbepflanzung in mitteleuropäischen Klimabedingungen sind unter anderem Iris pseudacorus, Carex acutiformis, Juncus effusus für die Sohlbereiche sowie trockentolerante Stauden wie Achillea millefolium oder Festuca-Arten für die Böschungen. Die Auswahl sollte standortspezifisch erfolgen und die Bodenart, die Überflutungsdauer und die Exposition berücksichtigen.

Im Straßenraum haben sich sogenannte Baumrigolen als besonders wertvolle Kombination erwiesen. Dabei wird das Regenwasser von Fahrbahn oder Gehweg in unterirdische Speicher- und Versickerungsräume geleitet, die gleichzeitig als Baumsubstratvolumen dienen. Stadtbäume profitieren von der Wasserversorgung, die Rigole übernimmt die Versickerungsfunktion, und der Straßenraum wird durch das Baumgrün aufgewertet. Diese Synergie zwischen Regenwasserbewirtschaftung und Stadtbaumförderung ist ein Beispiel dafür, wie grüne und blaue Infrastruktur gemeinsam gedacht werden sollten.

Für die Stadtplanung ist die Regenwasserversickerung ein Instrument zur Klimaanpassung. Häufigere und intensivere Starkregenereignisse, wie sie für das mitteleuropäische Klima prognostiziert werden, überlasten konventionelle Kanalisationssysteme, die für historische Niederschlagsmuster bemessen wurden. Dezentrale Versickerungsanlagen puffern Spitzenabflüsse, entlasten die Kanalisation und reduzieren das Überflutungsrisiko in tiefer gelegenen Stadtteilen. Gleichzeitig tragen sie zur Grundwasserneubildung bei, die in vielen Stadtregionen durch Versiegelung und veränderte Niederschlagsmuster zurückgegangen ist.

Häufige Fehler bei Planung, Bau und Betrieb von Versickerungsanlagen

Der häufigste Planungsfehler ist die Unterschätzung des kf-Werts. Wird die Bodendurchlässigkeit zu optimistisch angesetzt, weil keine Feldversuche durchgeführt wurden und stattdessen Tabellenwerte für die Bodenart verwendet wurden, ist die Anlage von Anfang an unterdimensioniert. Tabellenwerte geben nur grobe Orientierung; die tatsächliche Durchlässigkeit eines Standorts kann erheblich von den Mittelwerten der Bodenklasse abweichen, besonders in städtischen Böden, die durch Verdichtung, Auffüllungen und Fremdmaterialien verändert sind. Feldversuche sind deshalb bei größeren Anlagen nicht optional, sondern fachlich geboten.

Ein weiterer verbreiteter Fehler ist die Vernachlässigung der Wartung. Versickerungsanlagen, insbesondere Mulden und Rigolen, können durch Feinsedimente verlanden. Wenn die Poren des Bodens oder der Filterschicht durch Schlamm verstopft sind, sinkt die Versickerungsleistung drastisch. Regelmäßige Kontrolle, Entfernung von Sedimenten und gegebenenfalls Erneuerung der Filterschicht sind notwendige Betriebsmaßnahmen, die in der Planung vorgesehen und in Betriebskonzepten festgehalten werden sollten. Anlagen, die nach wenigen Jahren nicht mehr funktionieren, weil die Wartung unterblieben ist, schaden dem Ruf der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung insgesamt.

Fehler bei der Einzugsgebietsermittlung führen ebenfalls zu Fehldimensionierungen. Werden nicht alle angeschlossenen Flächen erfasst, oder werden Abflussbeiwerte falsch zugeordnet, stimmt die Grundlage der Berechnung nicht. Besonders bei nachträglichen Umbauten, wenn zum Beispiel eine Dachfläche neu angeschlossen oder eine Hoffläche versiegelt wird, muss die Berechnung aktualisiert werden. Versickerungsanlagen sind keine statischen Systeme, die einmal geplant und dann vergessen werden können.

Schließlich wird die Tiefenlage der Anlage manchmal falsch gewählt. Eine Rigole, die zu tief eingebaut wird und damit in den Bereich des schwankenden Grundwasserspiegels gerät, kann bei hohem Grundwasserstand nicht mehr versickern und läuft über. Umgekehrt führt eine zu flache Anlage in bindigen Böden dazu, dass das Wasser nicht schnell genug abgegeben wird und die Mulde dauerhaft nass bleibt, was Nutzungskonflikte und Schäden an der Vegetation verursacht.

Regenwasserversickerung als planerische Daueraufgabe

Die Regenwasserversickerung Berechnung ist kein einmaliger Akt am Ende der Planung, sondern ein iterativer Prozess, der Standortanalyse, Entwurf und Nachweisführung miteinander verknüpft. Wer früh im Planungsprozess Bodenverhältnisse erkundet, Einzugsgebiete definiert und Anlagentypen mit dem Regelwerk abgleicht, vermeidet teure Korrekturen in späteren Phasen. Die Zusammenarbeit zwischen Landschaftsarchitekten, Tiefbauplanern, Hydrologen und Wasserrechtsbehörden ist dabei keine Ausnahme, sondern die Regel für erfolgreiche Projekte.

Das Regelwerk entwickelt sich weiter. Das DWA-Arbeitsblatt A 138 wird regelmäßig überarbeitet, um neue Erkenntnisse aus Forschung und Praxis zu integrieren. Planer sind gut beraten, stets mit der aktuellen Fassung zu arbeiten und die ergänzenden Merkblätter, etwa zu Wasserqualität oder zu Sonderformen der Versickerung, in ihre Planung einzubeziehen. Wasserrechtliche Anforderungen variieren zudem zwischen den Bundesländern, sodass die frühzeitige Abstimmung mit der zuständigen Behörde unverzichtbar ist.

Dezentrale Regenwasserbewirtschaftung durch Versickerung ist eine der wenigen Maßnahmen im Stadtumbau, die gleichzeitig den Wasserhaushalt verbessern, das Stadtklima kühlen, die Biodiversität fördern und die Kanalinfrastruktur entlasten. Dass sie rechnerisch nachgewiesen werden muss, ist keine bürokratische Hürde, sondern die Voraussetzung dafür, dass sie tatsächlich das leistet, was von ihr erwartet wird. Eine sorgfältige Regenwasserversickerung Berechnung ist deshalb nicht das Ende der Planung, sondern ihr verlässlichstes Fundament.

KlimaKonkret-Faltplan

Faltplan von KlimaKonkret

Die österreichische Non-Profit-Initiative KlimaKonkret hat einen Guide erstellt, wie Kommunen klimafit werden können. Der Faltplan zeigt Problemstellungen und konkrete Lösungsansätze auf. Hier finden Sie ihn zum Download.

Die Lösungsansätze sind KlimaKonkret

Nur vier Mal auffalten, dann hält man ihn in den Händen: einen Plan, der die Lösungen für hitzeangepasste Städte verspricht. Und die sind auch nötig. Vor allem – aber nicht nur – in Österreich. Denn Österreich zählt zu den Ländern, die vom Klimawandel besonders betroffen sind: Während die Temperaturen global in den letzten 50 Jahren durchschnittlich um 0,5 Grad gestiegen sind, weist Österreich im internationalen Vergleich einen Anstieg von 1,5 Grad auf. Höchste Zeit also, etwas zu unternehmen. Und damit zurück zum Faltplan: Dieser entstand durch die Non-Profit-Initiative „KlimaKonkret“, die Gemeinden und Städte dabei unterstützt, klimafit zu werden.

Das interdisziplinäre Team aus Landschaftsarchitekt*innen, Raumplaner*innen, Metereolog*innen und Mobilitätsdesigner*innen arbeitete ein Jahr lang pro bono am Faltplan, präsentiert darin ganzheitliche Lösungen und zeigt in vier Handlungsfeldern – Mobilität, Grünräume, Wasser und Bauen – Problemstellungen und konkrete Lösungsansätze für eine klimafreundliche Kommune auf. Konstruktiv, übersichtlich, schön illustriert und mit einer positiven Grundstimmung, ganz ohne Angstmache. 30 000 Stück von dem Faltplan wurden gedruckt, sämtliche österreichischen Gemeinden – 2095 an der Zahl – haben eine Lieferung erhalten. Jetzt liegt es an ihnen.

Hier können Sie den KlimaKonkret-Faltplan als PDF herunterladen.