15.01.2024

Projekt

„Kleiner grüner Bahnhof“ in Zorneding

von Laura Puttkamer
Die Deutsche Bahn eröffnete im Dezember 2023 ihren ersten Bahnhof aus Holzmodulen in Zorneding. Copyright: Deutsche Bahn AG / Station & Service
Die Deutsche Bahn eröffnete im Dezember 2023 ihren ersten Bahnhof aus Holzmodulen in Zorneding. Copyright: Deutsche Bahn AG / Station & Service

Die Deutsche Bahn hat im oberbayerischen Ort Zorneding ihren ersten „kleinen grünen Bahnhof“ eröffnet. Das Besondere: Das Thema Nachhaltigkeit steht bei dem modular gebauten Bahnhof aus Holz im Mittelpunkt. Künftig möchte die Bahn mehr Bahnhöfe dieser Art bauen.


Erstes Bahnhofs-Empfangsgebäude aus Holz

Der „kleine grüne Bahnhof“ in Zorneding ist ein wichtiges Pilotprojekt der Deutschen Bahn, denn er stellt die Blaupause für viele weitere Stationen dar. Der nachhaltige Bahnhof punktet mit einer kleinen Photovoltaikanlage auf dem Dach inklusive Batteriespeicher. Ein nachhaltiger Second Life Batteriespeicher aus gebrauchten E-Auto-Batterien kann bis zu 20 kWh Energie aus der Solaranlage speichern und bei Bedarf abgeben. Die Oberlichter des Bahnhofs spenden natürliches Licht. Die Außenkonstruktion besteht aus Holz aus der Region. Der modular gebaute Bahnhof soll es erlauben, künftig mehr Platz zu bieten. Außerdem plant die Deutsche Bahn, viele ähnlich modular gestaltete nachhaltige Mini-Bahnhöfe zu bauen. Der nächste entsteht derzeit in Haar, einem nur wenige Kilometer entfernten Ort, und soll im Frühsommer 2024 eröffnen.

Zornedings neuer Bahnhof eröffnete am 18. Dezember 2023. Es handelt sich um das erste Bahnhofs-Empfangsgebäude, das komplett aus Holz besteht. Bernd Koch, Vorstandsvorsitzender der DB Station&Service AG, weihte das 200 Quadratmeter große Gebäude ein. Vertreter*innen von Bund, Freistaat und Gemeinde waren ebenfalls vor Ort. Insgesamt kostete das Gebäude etwa 2,2 Millionen Euro. Die Deutsche Bahn finanzierte diesen Preis gemeinsam mit dem Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BDMV), dem Land Bayern und der Gemeinde Zorneding.

Der nachhaltige Bahnhof soll der erste von vielen kleinen Holzbahnhöfen in Deutschland sein. Copyright: Deutsche Bahn AG / Station & Service
Der nachhaltige Bahnhof soll der erste von vielen kleinen Holzbahnhöfen in Deutschland sein. Copyright: Deutsche Bahn AG / Station & Service

Modularer Holzbau

Nachhaltigkeit steht beim „kleinen grünen Bahnhof“ sowohl beim Bau als auch bei der technischen Ausrüstung und der Inneneinrichtung klar im Vordergrund. So stammt das Holz für den Bahnhof Zorneding aus der Region. Ein traditioneller Holzbaubetrieb aus Regensberg fertigte die einzelnen Bauelemente. Diese Module sind standardisiert und können nun ähnlich wie bei Fertighäusern viele verschiedene Grundrisse, Größen und Gestaltungen ermöglichen. Dabei bleibt die Konstruktionsbasis gleich. Die Deutsche Bahn erhofft sich, dass in den nächsten Jahrzehnten viele weitere „kleine grüne Bahnhöfe“ entstehen. Sie sollen individuell, schnell und umweltfreundlich den Zugang zum Reisen ermöglichen.

Im Warteraum der Station gibt es moderne Sitzmöbel, Lademöglichkeiten für Handys und einen ServiceStore DB, der Außensitzplätze auf dem Vorplatz bietet. 200 zusätzliche Fahrradparkplätze und eine neue Fahrradrampe sollen den Bahnhof leichter erreichbar machen. Zudem gehören öffentliche, barrierefreie WC-Anlagen und ein Ticketautomat zum neuen Bahnhof Zorneding. Im Winter sorgt eine klimafreundliche Wärmepumpe für angenehme Temperaturen, im Sommer kann auch gekühlt werden.

Neben einer Solaranlage bietet der Bahnhof in Zornedin auch eine Wärmepumpe, Fahrradparkplätze und Lademöglichkeiten für Handys. Copyright: Deutsche Bahn AG / Station & Service
Neben einer Solaranlage bietet der Bahnhof in Zornedin auch eine Wärmepumpe, Fahrradparkplätze und Lademöglichkeiten für Handys. Copyright: Deutsche Bahn AG / Station & Service

Serielles, nachhaltiges Bauen

Bernd Koch, Vorstandsvorsitzender der DB Station&Service AG, sagt: „Unser Ziel ist es, Städten, Gemeinden und unseren Reisenden in kurzer Zeit nachhaltige Bahnhofsgebäude zu bauen. Zorneding bildet das Debüt für eine ganze Reihe weiterer kleiner grüner Bahnhöfe. Denn je einladender und attraktiver der Aufenthalt an unseren Stationen ist, desto mehr Fahrgäste können wir für die klimafreundliche Bahn und damit für die „Starke Schiene“ gewinnen.“

Dr. Corinna Salander, Abteilungsleiterin Eisenbahnen im Bundesministerium für Digitales und Verkehr betont, dass die Bauweise des Zornedinger Bahnhofs zukunftsweisend ist: „Serielles, nachhaltiges Bauen ist für uns ein Riesenthema. Denn mit dieser Bauweise lassen sich drei wesentliche Vorteile vereinen: es geht schneller, ist nachhaltiger und auf lange Sicht günstiger. Wir werden uns darum dieses Pilotprojekt ganz genau anschauen, weil wir glauben, dass darin große Chancen für die Bauweise der Zukunft liegen.“

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