Die Deutsche Bahn eröffnete im Dezember 2023 ihren ersten Bahnhof aus Holzmodulen in Zorneding. Copyright: Deutsche Bahn AG / Station & Service
Die Deutsche Bahn eröffnete im Dezember 2023 ihren ersten Bahnhof aus Holzmodulen in Zorneding. Copyright: Deutsche Bahn AG / Station & Service

Die Deutsche Bahn hat im oberbayerischen Ort Zorneding ihren ersten „kleinen grünen Bahnhof“ eröffnet. Das Besondere: Das Thema Nachhaltigkeit steht bei dem modular gebauten Bahnhof aus Holz im Mittelpunkt. Künftig möchte die Bahn mehr Bahnhöfe dieser Art bauen.

Erstes Bahnhofs-Empfangsgebäude aus Holz

Der „kleine grüne Bahnhof“ in Zorneding ist ein wichtiges Pilotprojekt der Deutschen Bahn, denn er stellt die Blaupause für viele weitere Stationen dar. Der nachhaltige Bahnhof punktet mit einer kleinen Photovoltaikanlage auf dem Dach inklusive Batteriespeicher. Ein nachhaltiger Second Life Batteriespeicher aus gebrauchten E-Auto-Batterien kann bis zu 20 kWh Energie aus der Solaranlage speichern und bei Bedarf abgeben. Die Oberlichter des Bahnhofs spenden natürliches Licht. Die Außenkonstruktion besteht aus Holz aus der Region. Der modular gebaute Bahnhof soll es erlauben, künftig mehr Platz zu bieten. Außerdem plant die Deutsche Bahn, viele ähnlich modular gestaltete nachhaltige Mini-Bahnhöfe zu bauen. Der nächste entsteht derzeit in Haar, einem nur wenige Kilometer entfernten Ort, und soll im Frühsommer 2024 eröffnen.

Zornedings neuer Bahnhof eröffnete am 18. Dezember 2023. Es handelt sich um das erste Bahnhofs-Empfangsgebäude, das komplett aus Holz besteht. Bernd Koch, Vorstandsvorsitzender der DB Station&Service AG, weihte das 200 Quadratmeter große Gebäude ein. Vertreter*innen von Bund, Freistaat und Gemeinde waren ebenfalls vor Ort. Insgesamt kostete das Gebäude etwa 2,2 Millionen Euro. Die Deutsche Bahn finanzierte diesen Preis gemeinsam mit dem Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BDMV), dem Land Bayern und der Gemeinde Zorneding.

Der nachhaltige Bahnhof soll der erste von vielen kleinen Holzbahnhöfen in Deutschland sein. Copyright: Deutsche Bahn AG / Station & Service
Der nachhaltige Bahnhof soll der erste von vielen kleinen Holzbahnhöfen in Deutschland sein. Copyright: Deutsche Bahn AG / Station & Service

Modularer Holzbau

Nachhaltigkeit steht beim „kleinen grünen Bahnhof“ sowohl beim Bau als auch bei der technischen Ausrüstung und der Inneneinrichtung klar im Vordergrund. So stammt das Holz für den Bahnhof Zorneding aus der Region. Ein traditioneller Holzbaubetrieb aus Regensberg fertigte die einzelnen Bauelemente. Diese Module sind standardisiert und können nun ähnlich wie bei Fertighäusern viele verschiedene Grundrisse, Größen und Gestaltungen ermöglichen. Dabei bleibt die Konstruktionsbasis gleich. Die Deutsche Bahn erhofft sich, dass in den nächsten Jahrzehnten viele weitere „kleine grüne Bahnhöfe“ entstehen. Sie sollen individuell, schnell und umweltfreundlich den Zugang zum Reisen ermöglichen.

Im Warteraum der Station gibt es moderne Sitzmöbel, Lademöglichkeiten für Handys und einen ServiceStore DB, der Außensitzplätze auf dem Vorplatz bietet. 200 zusätzliche Fahrradparkplätze und eine neue Fahrradrampe sollen den Bahnhof leichter erreichbar machen. Zudem gehören öffentliche, barrierefreie WC-Anlagen und ein Ticketautomat zum neuen Bahnhof Zorneding. Im Winter sorgt eine klimafreundliche Wärmepumpe für angenehme Temperaturen, im Sommer kann auch gekühlt werden.

Neben einer Solaranlage bietet der Bahnhof in Zornedin auch eine Wärmepumpe, Fahrradparkplätze und Lademöglichkeiten für Handys. Copyright: Deutsche Bahn AG / Station & Service
Neben einer Solaranlage bietet der Bahnhof in Zornedin auch eine Wärmepumpe, Fahrradparkplätze und Lademöglichkeiten für Handys. Copyright: Deutsche Bahn AG / Station & Service

Serielles, nachhaltiges Bauen

Bernd Koch, Vorstandsvorsitzender der DB Station&Service AG, sagt: „Unser Ziel ist es, Städten, Gemeinden und unseren Reisenden in kurzer Zeit nachhaltige Bahnhofsgebäude zu bauen. Zorneding bildet das Debüt für eine ganze Reihe weiterer kleiner grüner Bahnhöfe. Denn je einladender und attraktiver der Aufenthalt an unseren Stationen ist, desto mehr Fahrgäste können wir für die klimafreundliche Bahn und damit für die „Starke Schiene“ gewinnen.“

Dr. Corinna Salander, Abteilungsleiterin Eisenbahnen im Bundesministerium für Digitales und Verkehr betont, dass die Bauweise des Zornedinger Bahnhofs zukunftsweisend ist: „Serielles, nachhaltiges Bauen ist für uns ein Riesenthema. Denn mit dieser Bauweise lassen sich drei wesentliche Vorteile vereinen: es geht schneller, ist nachhaltiger und auf lange Sicht günstiger. Wir werden uns darum dieses Pilotprojekt ganz genau anschauen, weil wir glauben, dass darin große Chancen für die Bauweise der Zukunft liegen.“

Noch mehr Lektüre über Bahnhöfe gewünscht? Die November-Ausgabe der G+L widmet sich ganz diesem Thema.

Das könnte Sie auch interessieren
ein-gelber-bus-auf-der-strasse-SFGPIyVaH20
Energieverbrauch von Verkehrssystemen in Digital Twins simulieren
Dänemark – die G+L im Februar 2021
Nachhaltige Stadtentwicklung: Die kluge Nutzung bestehender Ressourcen und die Integration natürlicher Elemente in die urbane Architektur als Schlüssel zu einer zukunftsfähigen Stadtplanung.
Nachhaltige Stadtentwicklung: Re-Sourcing als Zukunftsstrategie
luftaufnahme-einer-stadt-durch-die-ein-fluss-fliesst-GLnZNGNCqj4
Clustering in der Stadtanalyse – Muster erkennen ohne Anleitung
gebaude-mit-ziegeldachern-und-dachgauben-dogQu5prLXg
Thermische Aufwertung durch Farbwahl – Stadtgestaltung im Albedo-Spektrum
Neuss bewirbt sich für Landesgartenschau 2026
Cover der Zeitschrift Garten+Landschaft, darauf eine Luftaufnahme eines Hafengebiets mit Containern, mehreren Wohnbauten und Meer. Coverfoto: Rasmus Hjortshøj - COAST
Zukunftsquartiere – die G+L im September 2022
Weltkongress Gebäudegrün – verschoben
blau-weisse-strassenbahn-tagsuber-auf-der-strasse-in-der-nahe-des-gebaudes-gDKak1J6px4
API-Management in Verkehrsbehörden – von Standardisierung bis Transparenz
So könnte der neue Park neben dem Hauptgebäude von Harley-Davidson aussehen. Bildquelle: Heatherwick Studio
Heatherwick Studio: Park für Harley-Davidson

Verantwortung neu beleben

Im Sommer 2016 fanden sich in München überall Plakate, die die Bevölkerung dazu ermahnte, ihren Müll nicht in den Isarauen zu verteilen, sondern ordentlich zu entsorgen. Auch dieser Kinospot gehört zur Kampagne:

Ob und warum es solche Aktionen – in München inzwischen jährlich neu – braucht, um Bürger darauf hinzuweisen, Grünflächen, Ufer und Parks sauber zu hinterlassen, dazu lesen Sie einen Kommentar von Andrea Gebhardt, Inhaberin des Büros Gebhard mahl Konzepte und ehemalige Präsidentin des bdla, in der Sichtachse der Garten+Landschaft 11/2016 –Planen mit Regenwasser.

Mit Grønningen-Bispeparken setzt Kopenhagen neue Maßstäbe für Klimaresilienz, Biodiversität und soziale Freiräume. Ein wegweisendes Projekt der Landschaftsarchitekten von SLA. Foto: SLA via v2com
Mit Grønningen-Bispeparken setzt Kopenhagen neue Maßstäbe für Klimaresilienz, Biodiversität und soziale Freiräume. Ein wegweisendes Projekt der Landschaftsarchitekten von SLA. Foto: SLA via v2com

Klimawandel, Starkregenereignisse und der Verlust biologischer Vielfalt stellen Städte weltweit vor neue Herausforderungen. Wie innovative Landschaftsarchitektur diesen Entwicklungen begegnen kann, zeigt der neue Klimapark Grønningen-Bispeparken in Kopenhagen eindrucksvoll. Auf einer Fläche von 20.000 Quadratmetern entstand im Stadtteil Nordvest ein öffentlicher Freiraum, der Regenwasser speichert, Biodiversität fördert und gleichzeitig ein lebendiger Treffpunkt für die Nachbarschaft ist.

Das international renommierte dänische Planungsbüro SLA verfolgt dabei einen konsequent naturbasierten Ansatz. Statt die Natur gestalterischen Vorgaben zu unterwerfen, folgt die Gestaltung den natürlichen Prozessen. Das Leitmotiv „Form follows Nature“ prägt jeden Bereich des Parks und macht ihn zu einem Vorzeigeprojekt moderner Klima- und Landschaftsarchitektur.

Vom Problemraum zum klimaresilienten Stadtpark

Die Freiflächen der in den 1950er-Jahren errichteten Wohnsiedlung Grønningen-Bispeparken waren über Jahrzehnte kaum genutzt. Große Rasenflächen ohne Aufenthaltsqualität, fehlende Spielmöglichkeiten sowie eine mangelhafte Regenwasserbewirtschaftung führten dazu, dass sich bei Starkregen regelrechte Wasserströme bildeten. Gleichzeitig boten die monotonen Grünflächen nur wenig Lebensraum für Pflanzen und Tiere.

Die Herausforderung bestand deshalb darin, die Freianlagen nicht nur gegen die Folgen extremer Wetterereignisse zu sichern, sondern gleichzeitig ihre ökologische und soziale Qualität grundlegend zu verbessern.

Schwammstadt-Prinzip konsequent umgesetzt

Herzstück des Projekts ist ein innovatives Regenwassermanagement nach dem Prinzip der Schwammstadt. Insgesamt 18 miteinander verbundene Bioswales – bepflanzte Mulden zur natürlichen Versickerung und Speicherung von Regenwasser – durchziehen den Park.

Diese naturnah gestalteten Retentionsflächen können mehr als 3.000 Kubikmeter Regenwasser aufnehmen, zwischenspeichern und langsam in den Boden ableiten. So wird nicht nur die Kanalisation entlastet, sondern gleichzeitig ein vielfältiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere geschaffen.

Bemerkenswert ist dabei die doppelte Funktion der Bioswales. Sie dienen nicht ausschließlich dem Hochwasserschutz, sondern wurden bewusst als sogenannte „Social Swales“ gestaltet. Wege, Aufenthaltsbereiche und Spielräume integrieren sich harmonisch in die Regenwassermulden und machen sie zu attraktiven Begegnungsorten für die Bewohner.

Fünf Naturräume für Mensch und Biodiversität

Anstelle einer klassischen Parkgestaltung entwickelte SLA fünf unterschiedliche Landschaftstypologien, die jeweils spezifische ökologische und soziale Aufgaben übernehmen.

Die feuchten Bio-Oasen bieten geschützte Lebensräume für Flora und Fauna und stehen ganz im Zeichen der Biodiversität. Kleine trockene Biotope zwischen bestehenden Baumgruppen schaffen intime Rückzugsorte zum Spielen und Entspannen. Großzügige Gemeinschaftswiesen dienen als multifunktionale Flächen für Sport, Nachbarschaftsfeste oder Wochenmärkte. Ergänzt werden sie durch urbane Pocket-Plazas zwischen den Wohngebäuden sowie die sogenannten Bunker Hills, auf denen ehemalige Bunkeranlagen aus dem Kalten Krieg zu neuen Aufenthaltsorten umgestaltet wurden. Im Sommer entstehen hier sonnige Aussichtspunkte, im Winter verwandeln sich die modellierten Hügel in beliebte Rodel- und Spielflächen.

Dieses differenzierte Freiraumsystem schafft ganzjährig nutzbare Räume für unterschiedlichste Altersgruppen und Bedürfnisse.

Ein Weg, der der Natur folgt

Auch das Wegenetz verzichtet bewusst auf klassische Geradlinigkeit. Ein geschwungener Hauptweg aus wasserdurchlässigem Kies und gelben Klinkersteinen verbindet sämtliche Parkbereiche miteinander. Die Farbgebung nimmt Bezug auf die markante Grundtvig-Kirche, die das Stadtbild des Quartiers prägt.

An vielen Stellen scheint der Weg förmlich in der Vegetation zu verschwinden. Statt harter Grenzen entstehen fließende Übergänge zwischen gebautem Raum und Natur. Diese Gestaltung unterstützt nicht nur die ökologische Funktion des Parks, sondern lädt Besucher dazu ein, Landschaft bewusst zu erleben.

Mehr Biodiversität durch heimische Pflanzen

Ein zentrales Ziel des Projekts war die deutliche Steigerung der Artenvielfalt. Dafür wurden 149 neue Bäume aus 23 heimischen Arten gepflanzt. Ergänzend kamen mehr als vier Millionen Samen speziell entwickelter Saatgutmischungen zum Einsatz.

Die vorhandenen historischen Sanddornbestände blieben erhalten und wurden gezielt in die neue Vegetationsstruktur integriert. Ein dynamisches Pflegekonzept sorgt dafür, dass sich bewusst gestaltete Bereiche mit naturnahen Wildflächen abwechseln. So entstehen langfristig stabile Lebensräume für Insekten, Vögel und zahlreiche weitere Tierarten.

Kunst als Bestandteil der Landschaft

Ein besonderes Merkmal des Klimaparks ist die enge Verbindung von Landschaftsarchitektur, Kunst und Bürgerbeteiligung.

Im Auftrag des Dänischen Kunstrats entwickelte die Künstlerin Kerstin Bergendal über vier Jahre hinweg das Beteiligungsprojekt Concerning A Meadow. Gemeinsam mit dem Landschaftsstudio Efterland entstanden skulpturale Holzelemente, die sich selbstverständlich in die Parklandschaft einfügen.

Die Installationen dienen zugleich als Spielobjekte, Bewegungsangebote und Treffpunkte und fördern den informellen Austausch zwischen den Bewohnern.

Nachhaltigkeit bis ins Detail

Auch bei der Materialwahl setzte das Planungsteam konsequent auf Ressourcenschonung. Vorhandene Asphaltwege wurden entfernt und durch wasserdurchlässige Beläge ersetzt. Zahlreiche Baumaterialien stammen aus dem Materialbestand der Stadt Kopenhagen und wurden wiederverwendet oder hochwertig recycelt. Dadurch konnte der CO₂-Fußabdruck des Projekts erheblich reduziert werden.

Der Praxistest bestand bereits wenige Tage nach der Eröffnung

Die Wirksamkeit des Konzepts zeigte sich unmittelbar nach der offiziellen Eröffnung am 31. August 2024. Bereits fünf Tage später traf ein schweres Unwetter die dänische Hauptstadt. Während zahlreiche Straßen und Infrastrukturanlagen überflutet wurden, funktionierte Grønningen-Bispeparken exakt wie geplant.

Das Regenwasser wurde vollständig innerhalb des Parks aufgenommen und gespeichert. Statt Schäden verursachte der Niederschlag eine besonders eindrucksvolle Inszenierung der Landschaft – Wasser wurde nicht als Problem, sondern als gestaltendes Element sichtbar.

Ein internationales Vorbild für klimaresiliente Städte

Mit Grønningen-Bispeparken demonstriert Kopenhagen eindrucksvoll, wie zeitgemäße Landschaftsarchitektur ökologische Funktionen, soziale Aufenthaltsqualität und gestalterische Exzellenz miteinander verbinden kann.

Der Klimapark zeigt, dass urbane Freiräume künftig weit mehr leisten müssen als reine Erholung. Sie werden zu multifunktionalen Infrastrukturen, die Regenwasser speichern, Artenvielfalt fördern, das Mikroklima verbessern und gleichzeitig hochwertige öffentliche Räume schaffen.

Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Extremwetterereignisse dürfte dieses Projekt weit über Dänemark hinaus als Referenz für zukünftige Stadtentwicklungen dienen. Grønningen-Bispeparken beweist eindrucksvoll, dass nachhaltige Klimaanpassung nicht mit Verzicht verbunden sein muss – sondern neue, lebenswerte Landschaften entstehen lässt, in denen Natur, Architektur und Gesellschaft gleichermaßen profitieren.