13.07.2021

Wettbewerb

Bayerischer Landschaftsarchitektur-Preis 2020: Zwei erste Preise

von Vera Baeriswyl
Die Markierungen an den Bäumen verweisen auf den ehemaligen Appellplatz. (Foto: Laura Loewel)

Die Markierungen an den Bäumen verweisen auf den ehemaligen Appellplatz. (Foto: Laura Loewel)

Aufgrund der Pandemielage konnte der Bayerische Landschaftsarchitektur-Preis 2020 im letzten Jahr noch nicht verliehen werden. Das holte der bdla Bayern in einer digitalen Preisverleihung Anfang Juli nach. Wir stellen die siegreichen Projekte des Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preises 2020 vor – denn es gibt gleich zwei Gewinner*innen.

Die Markierungen an den Bäumen verweisen auf den ehemaligen Appellplatz. (Foto: Laura Loewel)
Der Bayerische Landschaftsarchitektur-Preis wurde 2020 zum ersten Mal ausgelobt (Logo: Bayerischer Landschaftsarchitektur-Preis)

Gewinner Bayerischer Landschaftsarchitektur-Preis 2020

 

Im Januar 2020 hat der bayerische Landesverband des Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla) erstmals den Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preis ausgelobt. Die Auslobung entstand in einer Kooperation mit der Bayerischen Architektenkammer.

Aufgrund der Corona-Pandemie war es nicht möglich, den ursprünglich intendierten Zeitplan einzuhalten. Dieser ging von einer Verleihung Ende Oktober 2020 aus. Stattdessen beschloss der Vorstand des bdla Bayern Ende Mai 2020 neue Termine. So konnte die zweite Jurysitzung auf Basis von Vor-Ort-Besichtigungen erfolgen. Anschließend traf die Fachjury aus 53 nationalen Einreichungen eine Vorauswahl. Im Oktober 2020 gab der bdla Bayern schlussendlich die Nominierungen bekannt.
Daraufhin folgte ein Online-Voting, an dem sich sämtliche Mitglieder des bdla Bayern beteiligen konnten. Das Voting entschied über die Gewinner*innen des Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preises 2020 sowie über die siegreichen Entwürfe der einzelnen Kategorien.

Die Verleihung des Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preises 2020 fand letzten Freitag, den 9. Juli 2021, im Rahmen einer öffentlichen, digitalen Preisverleihung statt. Gäste aus Politik, Verwaltung, Planungs- und Baubranche wohnten dem Event bei.
An der Veranstaltung zeichnete der bdla Bayern gleich zwei Büros mit dem Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preis aus: Die Mitglieder des bdla Bayern hatten sie mit der gleichen Anzahl Stimmen auf den ersten Platz gewählt. Sowohl Latz+Partner als auch mahl gebhard konzepte konnten mit ihrem Projekt überzeugen. Die Videodokumentation der Preisverleihung sehen Sie im nachfolgenden Video.

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1. Preis: Gedenkorte im Mühldorfer Hart bei Waldkraiburg (Latz+Partner)

Im Mühldorfer Hart liegt ein Waldstück – 1 100 Hektar groß –, indem sich ab 1944 ein Außenlager des Konzentrationslagers Dachau befand. Nach dem Krieg verschwanden die baulichen Überreste des Lagers. Latz+Partner hatten die Aufgabe, die schmerzhaften Erinnerungen und Orte wieder sichtbar zu machen. Ihr Ansatz war es, aus einem „Unort“ einen sensiblen Gedenkort zu gestalten.

Dies, indem sie die Gesamtsituation gründlich erforschten und eine klare räumliche Ordnung herstellten. Das symbolträchtige Konzept überzeugt durch minimalen Materialeinsatz und Raum für eigene Gedanken und Gefühle. Latz+Partner begegnen den historischen Ereignissen würdevoll. Mit den Gedenkorten leisten sie zugleich Aufklärung und schärfen die Wahrnehmung der Besucher*innen.

Latz+Partner überzeugten die Fachjury und die Mitglieder des bdla Bayern mit den Gedenkorten am Mühldorfer Hart. (Foto: Laura Loewel)
Die Markierungen an den Bäumen verweisen auf den ehemaligen Appellplatz. (Foto: Laura Loewel)
Eine sensible Wegeführung leitet die Gedenkenden durch die Anlage. (Foto: Laura Loewel)
Eine große Lichtung markiert das Massengrab. (Foto: Laura Loewel)
Baumstämme symbolisieren die Opfer. (Foto: Laura Loewel)

1. Preis: Baumkirchen Mitte in München (mahl gebhard konzepte)

Insgesamt drei Gedenkorte sollen die Geschichte des Außenlagers erzählen. Bereits fertiggestellt sind die Orte „Massengrab“ und „Waldlager“. „Massengrab“ erschüttert durch eine Lichtung aus gekappten Bäumen. Baumstümpfe symbolisieren die Opfer der Nationalsozialisten. „Waldlager“ hingegen macht die Dimensionen des Lagers erfahrbar: Weiße Markierungen auf Baumstämmen umreißen den ehemaligen Appellplatz, die Erdhütten des Winterlagers wurden von Bewuchs befreit und erkenntlich gemacht.

Der dritte Gedenkort, „Rüstungsbunker“, ist aktuell noch nicht fertiggestellt. Erst noch gilt es, sicherzustellen, dass keine Kampfmittel mehr im Gelände zu finden sind. (Die Alliierten sprengten den Bunker nach dem Krieg.) Sobald dies geschehen ist, soll der Ort mit einem Steg erschlossen werden. Dadurch erhalten Besucher*innen einen Überblick über das Trümmerfeld des Bunkers.

Auf dem Gelände des ehemaligen Bahnbetriebwerks München 4 befindet sich ein 6 000 Quadratmeter großer Park. Dieser besticht nicht durch Wasserspiele, Blumenbeete und den perfekten Rasen, sondern durch beinahe unberührte Natur. mahl gebhard konzepte schufen einen besonderen Lebensraum für seltene Tierarten – zwischen Schotterflächen, Gleisen und Ruderalflächen.

mahl gebhard konzepte schufen in Baumkirchen Mitte einen Park, der durch fast unberührte Natur besticht. (Foto: Laura Loewel)
Das Parkgelände ist ein ehemaliges Bahnbetriebwerk. (Foto: Laura Loewel)
Besucher*innen gelangen über ein sensibles Erschließungskonzept Zutritt zum Park. (Foto: Laura Loewel)
Der Park bietet einen besonderen Lebensraum für seltene Tierarten. (Foto: Laura Loewel)
Baumkirchen Mitte: Wohnanlage und Park in direkter Nachbarschaft (Foto: Laura Loewel)

Bayerischer Landschaftsarchitektur-Preis 2020: Auszeichnungen in den einzelnen Kategorien

Ein sensibles Erschließungskonzept verschafft Besucher*innen schliesslich Zutritt in den Park. Dadurch erhalten sie Zugang zur Geschichte des Areals und schärfen gleichzeitig ihr ökologisches Bewusstsein. So entsteht ein nachbarschaftliches Verhältnis, denn die meisten Besucher*innen kommen aus dem Quartier Baumkirchen Mitte. mahl gebhard konzepte verzahnen die beiden Lebensräume, Urbanität trifft auf Natur.

Folgende Büros erhielten eine Auszeichnung:

Auf der Webseite des bdla finden Sie die Übersicht der Nominierten mit Fotos.

Bayerischer Landschaftsarchitektur-Preis 2020: Ziel und Voraussetzungen

Ziel des Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preises ist es, Projekte und Planungen in Bayern zu würdigen. Diese sollen sich durch innovative Außen- und Landschaftsräume hoher Qualität auszeichnen – sowohl in der Neuanlage als auch im Bestand. Er sollte zudem auch explizit der jungen Planer*innengeneration eine Möglichkeit bieten, ihre beruflichen Ideale und Visionen zu fördern.

Dazu suchte der bdla Bayern nach herausragenden Projekten in sieben Kategorien:

Planer*innen konnten Projekte einreichen, die innerhalb von vier Jahren vor dem 1. Januar 2020 in Bayern realisiert worden waren. Es konnten sich sowohl Landschaftsarchitekt*innen aus dem Inland als auch dem Ausland bewerben. Überdies waren auch Arbeitsgemeinschaften eingeschlossen. Thorsten Glauber, Bayerischer Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz ist Schirmherr des Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preises 2020.

Der Wettbewerb findet alle zwei Jahre statt. Entsprechend wird im Januar 2022 die nächste Auslobung für den Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preis 2022 erwartet.

Lohaus · Carl · Köhlmos gewannen im April den Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2021 mit dem „Westpark Augsburg“. Alles zum Projekt erfahren Sie hier.

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