Die beiden neuen Beisitzerinnen Antje Backhaus (links) und Martina Gaebler (rechts). Fotos: Vanessa Evard
Die beiden neuen Beisitzerinnen Antje Backhaus (links) und Martina Gaebler (rechts). Fotos: Vanessa Evard

Der Bund Deutscher Landschaftsarchitekt:innen (bdla) hat zwei neue Beisitzerinnen. Bdla-Präsident Prof. Stephan Lenzen hat Ende März 2023 die Landschaftsarchitektinnen Prof. Dr. Antje Backhaus und Martina Gaebler ins Präsidium des bdla berufen. Am 31. März wurden die zwei neuen Beisitzerinnen im Rahmen der bdla-Beiratssitzung in Mainz willkommen geheißen.

Antje Backhaus

Antje Backhaus studierte Landschaftsnutzung und Naturschutz an der Hochschule nachhaltige Entwicklung (HNE) Eberswalde und war mehrjährige Mitarbeiterin bei gruppe F in Berlin, bis sie 2013 Mitinhaberin des Büros wurde. Bei gruppe F bearbeitet sie unterschiedlichste Projekte in den Themenfeldern Regenwasserbewirtschaftung, großräumige Konzepte, Landschaftsarchitektur und Beteiligung. Darüber hinaus hält sie Vorträge und ist als Preisrichterin tätig. Von 2008 bis 2018 war sie zudem als Assistant Professor an der Universität Kopenhagen tätig, mit Schwerpunkt in Forschung und Lehre im Bereich Regenwasserbewirtschaftung und Klimaanpassung von Städten. Ihre Doktorarbeit mit dem Titel „Urban Stormwater Management – Values and Design“ wurde 2012 mit dem Peter Stahre Stipendium für herausragende Forschung im Bereich Regenwassermanagement ausgezeichnet. Im Oktober 2022 hat Antje Backhaus die Professur für Grüne Technologien in der Landschaftsarchitektur an der Universität Hannover übernommen. Das sagt Antje Backhaus zur Aufgabe ihrer Berufsgruppe: „Als Landschaftsarchitekt:innen nehmen wir eine zentrale Schnittstelle in der überfälligen Klimaanpassung unserer Städte ein. Unsere Expertise in Bereichen wie Planungskommunikation, Grünentwicklung oder nachhaltiger Entwässerung ist gefordert. Mutig und nachdrücklich müssen wir uns Herausforderungen wie der Anpassung von Regelwerken und Normen stellen. Vor allem aber müssen wir klar aufzeigen, welche Chancen in der Transformation liegen.“

Martina Gaebler

Martina Gaebler absolvierte den Studiengang Landschaftsentwicklung an der Hochschule Osnabrück. Seit 2001 ist sie bei Kortemeier Brokmann Landschafsarchitekten in Herford tätig. Im Jahr 2014 wurde sie Teil der Geschäftsführung. Ihre Tätigkeitsschwerpunkte umfassen die Projektleitung, umweltfachliche Beiträge, vor allem im Bereich der Infrastrukturplanung, Regional- und Bauleitplanung, Landschaftsplanung und Artenschutz. Darüber hinaus schloss Martina Gaebler eine Ausbildung als Mediatorin im Bereich Planen und Bauen ab. Ihre Motivation als neue Beisitzerin des bdla fasst sie so zusammen: „Ich möchte die Themen, mit denen ich in meinem Berufsalltag tagtäglich befasst bin, in die Verbandsarbeit einbringen: Naturschutzrecht, Artenschutz, Ausbau erneuerbarer Energien…, aber eben auch genau die Schnittstellen zwischen der Freiraum- und Landschaftsplanung. Denn wir haben doch das gemeinsame Ziel, die Städte und Landschaften von morgen resilient gegen die Auswirkungen des Klimawandels aufzustellen.“

bdla-Präsidium
Präsident: Prof. Stephan Lenzen, freischaffender Landschaftsarchitekt, Bonn
Vizepräsidentin: Gudrun Rentsch, freischaffende Landschaftsarchitektin, Kitzingen
Vizepräsident: Timo Herrmann, freischaffender Landschaftsarchitekt, Berlin
Schatzmeister: Jens Henningsen, freischaffender Landschaftsarchitekt, Berlin
Beisitzer*innen:
Prof. Dr. Antje Backhaus, freischaffende Landschaftsarchitektin, Berlin
Martina Gaebler, freischaffende Landschaftsarchitektin, Herde
Franz Reschke, freischaffender Landschaftsarchitekt, Berlin
(Stand: 1.4.2023)

Essentials zur Klimaanpassung: Welche 20 Anforderungen der bdla an eine konsequente Klimaanpassungspolitik formulierte, lesen Sie hier

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Das diesjährige Greentech Festival fand vom 14.-16. Juli in Berlin statt. credits: Greentech Festival
Das diesjährige Greentech Festival fand vom 14.-16. Juli in Berlin statt. © Greentech Festival

Vom 14. bis 16. Juli fand in Berlin das Greentech Festival 2023 statt. Dort tauschen sich Akteur*innen aus der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu nachhaltigen Themen aus. Über eine Veranstaltung zwischen Innovation und Greenwashing.

Kurze Historie des Greentech Festival

Es war im Jahre 2018 als bei Ex-Rennfahrer und Formel 1 Weltmeister Nico Rosberg die Idee eines Greentech Festivals aufkam. Es sollte als Plattform dienen, um interdisziplinär Lösungen für eine nachhaltigere Zukunft zu ergründen. Dazu suchte sich Rosberg Gleichgesinnte und fand diese in den beiden Ingenieuren und Unternehmern Marco Voigt und Sven Krüger. Bereits ein Jahr später, 2019, veranstalteten sie in Berlin mit dem Greentech Festival Europas größtes Nachhaltigkeitsfestival. Akteur*innen aus der Wirtschaft, Politik und der Gesellschaft debattierten zu Themenbereichen wie Ernährung, Energie, Infrastruktur und Mobilität. 

Die letztgenannten dürften ein besonderer Anreiz für den Beitritt eines weiteren Aktionärs gewesen sein. Denn im Jahr 2020 stieg niemand geringerer als die Deutsche Bahn als zusätzlicher Unterstützer ein. Drei Jahre später ersetzte Serienunternehmer Tobias Assies das Gründungsmitglied Sven Krüger. Und damit stand das Team für das diesjährige Greentech Festival 2023 fest. Das Motto: Net Zero vor 2050. Um dieses Ziel zu erreichen, luden die Veranstalter erneut große Industrieunternehmen und kleine Start Ups nach Berlin ein um sich über Netto-Null-Strategien auszutauschen. Rund um die Talkrunden und Präsentationen bietet das Greentech Festival den Besucher*innen ein buntes Unterhaltungsprogramm. Bands und Künstler*innen steuerten musikalische Untermalung bei. Als weiteres Highlight gelten die Green Awards, bei denen Persönlichkeiten ausgezeichnet werden sollen, die sich in besonderer Weise für nachhaltige Themen stark machten. Darunter finden sich in der noch jungen Historie des Festivals illustre Namen wie Bob Geldof, Elon Musk, Robert Redford oder Vivienne Westwood. 

© Greentech Festival
© Greentech Festival

Programm des Greentech Festival 2023

Diesjährig setzte das Greentech Festival noch eine Schippe drauf und expandierte nach Singapur und Los Angeles. In Deutschland fand es vom 14. bis zum 16. Juni im ehemaligen Flughafen Berlin-Tegel TXL statt. Diesjährig fanden sich im Programm beispielsweise der Direktor des Potsdam-Insti­tuts für Klima­folgen­forschung, Johan Rock­ström. Er referierte in seinem Panel-Talk über das 1,5-Grad-Ziel. Weiterhin das Schweizer Start-up Planted, welches Fleischersatz-Produkte auf pflanzlicher Basis herstellt. Judith Wemmer, Head of Product Development des Unternehmens, ging in ihrem Vortrag der Frage nach, wie die Weltbevölkerung in Zukunft ernährt werden könne. Insgesamt spricht das Greentech Festival von über 150 Vortragenden und 190 Aussteller*innen innerhalb der drei Tage. Darüberhinaus verzeichneten sie rund 15 000 Besucher*innen.

Von innovativen Ansätzen…

Darunter diesjährig Beispielswiese erstmalig das Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz. Dieses stellte einen Photobioreaktor vor, um zu veranschaulichen, wie sich CO2 nutzen lässt, um Algen zu züchten, die das Treibhausgas wiederum binden können. Ebenso innovativ ist das Projekt des Diplom-Physikers Franz Philipps vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Er präsentierte den sogenannten Zedu-1. Das bis dato umweltfreundlichste E-Auto der Welt, welches mittels eigens entwickelter Filtertechnologie sowohl Mikroplastik durch Reifenabrieb als auch Feinstaub eliminiert.

…und Greenwashing

Die lange Liste an Partner*innen und Unternehmen stößt jedoch auch auf Kritik. Denn während Shell, E.ON, die Lufthansa oder Audi auf dem Greentech Festival zwar grüne Ansätze präsentierten, agieren sie in ihrem Unternehmensalltag nicht immer nach den Vorsätzen, die das Festival propagiert. Shell etwa bewarb Recharge-Ladestationen für E-Autos. Gleichzeitig lehnt Shell eine Emissionsreduktion ab, da dies angeblich gegen Aktionärsinteressen verstieße. Auch dass mit der Lufthansa eine der größten Fluggesellschaften der Welt über die Reduzierung von Plastikmüll und Klimaneutralität bis 2050 referiert, hat einen faden Beigeschmack. Das Tech-Portal „Basic Thinking“ resümiert das Greentech Festival mit den Worten: „Was nach dem Greentech-Festival 2023 bleibt, sind zwar einige nette Ideen, aber wenige innovative Konzepte und Aussteller. Dafür aber umso mehr Selfies, Greenwashing und Selbstbeweihräucherung unter dem Deckmantel „Mission to net Zero“.“

Auch andernorts feilt man an umstrittenen Strategien gegen die Klimakrise. Zum Beispiel mit genveränderten Bäumen. Mehr dazu und über das StartUp Living Carbon hier.

Parc des Ateliers

Der spektakuläre Neubau der Stiftung Luma Arles ist ein Kunstwerk für die Kunst: Frank Gehrys Turm ist Museum und Atelierbau zugleich. Er bildet den Höhepunkt eines Kunst- und Kulturareals, das die Luma-Gründerin Maja Hoffmann im Verlauf von 15 Jahren verwirklicht hat.

Luma Arles eröffnet „Parc des Ateliers“

Arles und Kunst – da ist natürlich der erste Gedanke van Gogh, der hier seinen Traum vom Atelier des Südens im Künstlergemeinschaft mit Gauguin zu verwirklichen suchte. Doch der Aufenthalt in Arles wurde für van Gogh zum Debakel. Nicht nur, dass die Zusammenarbeit mit Gauguin im Zerwürfnis endete – in Arles begann er auch zunehmend an Wahnvorstellungen zu leiden, bis er sich schließlich in die Nervenheilanstalt im nahegelegenen Saint-Rémy begeben musste.

Fast erscheint es ein wenig, als habe sich Maja Hoffmann vorgenommen, van Goghs erlittenes Schicksal in Arles im Nachhinein zu heilen. Hoffmann, die der gleichnamigen Basler Großindustriellendynastie entstammt, ist eine der bedeutendsten Kunstsammlerinnen und -förderinnen weltweit. Seit beinahe 20 Jahren wirkt sie als Kulturinitiatorin und Mäzenin in Arles. Im Jahr 2004 gründete sie dort die Luma-Stiftung, die zeitgenössische Kunst fördert und beauftragt.

 

Drei Jahre später begann Maja Hoffmann gemeinsam mit dem Architekten Frank Gehry, dem Kurator Hans-Ulrich Obrist und einer Reihe bedeutender zeitgenössischer Künstler einen Arbeitsprozess. Die Beteiligten entwickelten gemeinsam Ideen für ein neuartiges Kunst- und Kulturzentrum für das 21. Jahrhundert. Als Standort für dieses Projekt wählte Hoffmann den „Parc des Ateliers“. Ein Gelände des seit den Achtzigerjahren aufgelassenen Bahnbetriebswerk der SNCF an Rande der historischen Altstadt von Arles. Die historischen Werkstattgebäude wurden in Verlauf der letzten Jahre von der Architektin Annabelle Selldorf renoviert. Nun beherbergt das Gebäude Ausstellungsräume, Künstlerateliers und -wohnungen sowie ein Restaurant.

Galerie, Atelier und eine öffentliche Aussichtsterrasse

Den krönenden Abschluss fand die Neugestaltung des „Parc des Ateliers“ nun mit der Eröffnung des „Towers“, eines 56 Meter hohen Ausstellungs- und Ateliergebäudes nach dem Entwurf von Frank Gehry. Die ersten Vorarbeiten zu dem Projekt begannen bereits 2009. 2013 begannen die Bauarbeiten. Das Ergebnis ist unübersehbar ein Werk Gehrys – der hier jedoch die für sein Werk so charakteristischen freien Formen mit gewaltigen geometrischen Volumina verbindet. So gestaltete der Architekt eine drei Stockwerke hohe Sockelzone als gewaltigen gläsernen Zylinder. Ein Verweis auf das römische Amphitheater von Arles.

Nachhaltige Baumaterialien entwickelt von Atelier Luma

 

Aus dem Zylinder empor wächst der eigentliche Turm. Dessen auf die Innenstadt ausgerichtete Seite präsentiert sich als glänzende und wild bewegte Metallhaut mit rechteckigen Fenstererkern. Auf der stadtabgewandten Seite scheint der Turm dagegen aus zwei kubischen Körpern zusammengesetzt, die leicht angewinkelt nebeneinanderstehen. Im Innern des Glaszylinders sind scheinbar frei im Raum verteilt die Volumina der unterschiedlichen Galerien untergebracht. Eine Organisationsform, die sich ähnlich auch in Gehrys Fondation Louis Vuitton in Paris findet. Auch mehrere Atelierräume für Künstler finden sich hier. Im Turm dagegen sind hauptsächlich die Verwaltungsräume der Stiftung untergebracht. Eine öffentliche Aussichtsterrasse bildet den oberen Abschluss.

Zahlreiche Kunstwerke, unter anderem von Philippe Parreno und Olafur Eliasson, sind wichtiger Bestandteil des Towers. Sie wurden speziell für diesen Ort geschaffen. Ebenfalls Teil der Arbeit der Luma-Stiftung ist übrigens das Atelier Luma. Diese Werkstätte hat verschiedene nachhaltige Bau- sowie Einrichtungsteile aus heimischen Materialien für das Projekt entwickelt: So finden sich im Gebäude unter anderem textile Wandverkleidungen aus Bioplastik, mit Algen gefärbte Fliesen und Akustikelemente aus Sonnenblumen.

Ein weiteres Museum geschmückt mit gelungenen architektonischen Details sehen Sie hier.