Die Visualisierung zeigt den Haupthof des Quartiers. Blaue Sitzmöbel werden durch ausladende Pflanzungen ergänzt. Kleine Bäume und Stauden wachsen in Pflanzbereichen.
Visualisierung Haupthof. credit: DND

Das MQ Wien will bis 2030 ein klimaneutrales Kulturareal werden. Dazu laufen derzeit mehrere Projekte. Zuletzt wurde ein Wettbewerb zur Begrünung der Außenflächen entschieden. Bereits ab diesem Sommer werden die Innenhöfe grüner. 

MQ Wien stößt Transformation an 

Das Wiener Museumsquartier ruft unter dem Slogan „MQ goes Green“ zu einer Transformation des Areals auf. Dahinter steht die Vision eines klimagerechteren und umweltbewussten Quartiers. Dazu wird gleich an mehreren Stellschrauben gedreht. Erneuerbare Energien, mehr Biodiversität, und mehr Grün gelten als Schlagworte im Transformationsprozess. Das MQ Wien will durch die Kampagne einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Gesellschaft leisten. Und dabei die eigenen Potentiale nutzen. Denn als Kulturareal bieten sich dem MQ Wien neben baulichen Anpassungen, die auch in anderen Vierteln Anwendung finden, darüberhinaus künstlerische Interventionen als Instrument an. So stehen dem ressourcenschonenden Betrieb beispielsweise umweltbezogene künstlerische Projekte gegenüber. Das MQ will aktive Impulse setzen und so zu einem gesamtgesellschaftlichen Diskurs anregen. Dabei kann der öffentliche Raum als wichtiger Ort dieser Aushandlung dienen. Dies hat auch das MQ erkannt und setzt zukünftig auf eine vermehrte Bespielung des ebenjenen. Zuletzt etwa durch einen geladenen Wettbewerb zur Begrünung der Außenflächen.

Wettbewerb zur Begrünung entschieden

Damit werden sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Denn einerseits bietet eine Begrünung des Außenraumes stadtklimatische und ökologische Vorteile für das Areal. Andererseits provoziert die Umgestaltung weiterhin bei allen Besucher*innen unweigerlich eine Reaktion und regt so zum Umdenken an. Der Wettbewerb startete im Frühjahr 2023 und hat nun ein Gewinnerprojekt gefunden. Der Entwurf „MQ in morphosis“ von Anna Detzlhofer (D/D Landschaftsplanung) konnte die Jury – bestehend aus der Direktorin des MQ Wien Bettina Leidl, der Landschaftsarchitektin Birgit Leinich, der Direktorin des Architekturzentrums Wien Angelika Fitz, Roland Krebs von der superwien urbanism zt gmbh sowie Georg Poduschka von PPAG Architekten – letztlich überzeugen. Dazu trugen mehrere Aspekte bei. Zunächst sieht der Entwurf für den Vorplatz und jeden der Höfe des MQ ein jeweils eigenständiges Begrünungsthema vor.

Visualisierung Fürstenhof. credit: DND
Visualisierung Fürstenhof. credit: DND

Standortgerechte Pflanzthemen im MQ Wien

Der Haupthof steht unter dem Thema „Mediterranes Flair“ . Um dieses zu kreieren, schlägt Anna Detzlhofer Baumarten wie Seidenakazien oder Zelkoven sowie Pflanzen wie die Weidenblättrige Sonnenblume, Tautropfengras, Fackellilie oder Monbretie vor. Der Fürstenhof hingegen soll ein dichtes „Dschungel-Feeling“ verbreiten. Dafür sorgen großblättrige Gehölze wie Pappau, berankte Hopfenstangen, Großblatt-Funkien oder Ziergräser.

Der Staatsrathof beim Architekturzentrum Wien folgt dem Pflanzthema „Pink Cloud“. Neben Waldkiefern sind Gräser wie Pampas- oder Texasgras sowie immergrüner Wolfsmilch und Palmlilien vorgesehen. Und am MQ Vorplatz schließlich empfängt zukünftig ein „Parlament der Klimabäume“ die Besucher*innen. Zehn ausgewählte Klimabäume beschatten den Raum. Infotafeln zur jeweiligen Baumart informieren über Herausforderungen und Anpassungsmöglichkeiten an das Stadtklima. Generell reagieren die unterschiedlichen Pflanzthemen auf die Standortbedingungen, Anforderungen und Nutzungen der einzelnen Höfe. Gleichzeitig entsteht durch die Artenvielfalt jedoch auch ein spannendes Raumerlebnis. Das Licht- und Farbenspiel variiert je nach Textur und Struktur der Pflanzen. Wer alle Höfe durchwandert, erfährt ein spannendes Gesamterlebnis.  

Weiterhin sind die einzelnen Pflanzenarten mit Bedacht gewählt. Sowohl Klima- und Hitzeresilienz als auch Winterfestigkeit wurden bedacht. So entsteht ganzjährig ein ansprechendes Erscheinungsbild. Dafür sorgen die einzelnen Stauden, Gräser, sowie Baumsolitäre gleichermaßen. 

Visualisierung Hof Architekturzentrum. credit: DND
Visualisierung Hof Architekturzentrum. credit: DND

„MQ goes green“ braucht Zeit

Zudem ist das Projekt bereits in Entwicklungsstufen gedacht. Ein wichtiger Aspekt, der ein starkes Pflanzkonzept auszeichnet. Denn die Zeit ist ein wesentlicher Faktor in der Arbeit mit Vegetation und in der Freiraumgestaltung allgemein. Die Gewinnerin Anna Detzlhofer sieht darin einen großen Reiz: „Bei der Landschaftsarchitektur geht es zum einen darum, die Zukunft vorweg zu nehmen und neue Realitäten zu schaffen – und zum anderen darum, das Bestehende zu wahren und zu schützen.“

Die ersten Pflanzungen beginnen bereits diesen Sommer. Jedoch wird sich erst über die Zeit eine dichte Begrünung etablieren. Zunächst sind die Maßnahmen für die folgenden drei Jahre angesetzt. Dann kann sich zeigen, welche Arten dem Stadtklima am besten trotzen. Anna Detzlhofer ist sich der Verantwortung bewusst, die einem Projekt wie „MQ goes green“ innewohnt: „Als Planende sind wir gefordert, die drohenden Folgen des Klimawandels in unseren Projekten zu antizipieren und Pflanzungen vorauszudenken, die mit den Veränderungen zurechtkommen.“

MQ Wien: Nachhaltigkeit erlebbar machen

Gleichzeitig freut sie sich über die Chance, an der Transformation des Areals mitzuwirken: „Es ist eine große Freude, wenn es gelingt, besondere Orte wie das MuseumsQuartier noch attraktiver zu machen“. Auch Bettina Leidl, Direktorin des MuseumsQuartiers setzt große Hoffnungen auf das Projekt: „Die Begrünung der MQ Höfe und Außenflächen wird wesentlich dazu beitragen, die Aufenthaltsqualität am Areal zu erhöhen.“

Wenn die Umgestaltung gelingt, sieht sie darin außerdem einen wichtigen Beitrag zu einem allgemeinen Umdenken. Dadurch, dass sich ein prominenter Ort wie das MuseumsQuartier zu Themen der Nachhaltigkeit positioniere, könne im besten Falle eine breite Masse erreicht werden. Durch „MQ goes green“ übernehme das MQ Wien eine Vorbildfunktion. Nicht nur in der didaktischen Wissensvermittlung über Ausstellungen oder Vorträge, sondern in Erfahrungen im Alltäglichen liegt der Schlüssel. In den Worten Bettina Leidls: „Das MuseumsQuartier ist ein Gemeinschaftsraum, ein öffentliches Forum, in dem das Thema Nachhaltigkeit für die Besucher:innen unmittelbar erlebbar wird“.

Was sich sonst noch in Wiens Stadtplanung tut? Zum Beispiel gibt’s einen neuen Stadtteil: Simmering Bricolage City.

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Die saubere Kraft der Pflanzen

Das Café de Ceuvel im Norden von Amsterdam ist mehr als nur gemütliches Café. Denn es steht auf einem Grundstück, was zuvor durch die Schwerindustrie verseucht war. Während Gäste ihr Craft Beer trinken, reinigt Phytoremediation den Boden. 

Das ehemalige Werftgelände Buiksloterham, einem Stadtteil im Norden von Amsterdam, zieht seit einigen Jahren jede Menge Aufmerksamkeit auf sich. Hier ist ein temporärer, ökologisch und sozial nachhaltiger Standort für soziale Einrichtungen und kreative Unternehmen entstanden. Seit 2012 transformiert sich De Ceuvel von einem verseuchten Industrieareal zu einem Ort für nachhaltiges Wohnen und Arbeiten.

Gereinigt wird der verseuchte Boden durch die sogenannte Phytoremediation, ein relativ neuer Ansatz zur biologischen Sanierung verseuchter Böden. Sie umfasst verschiedene Verfahren, bei denen Schadstoffe in Mutterböden, Sedimenten sowie Gewässern und Grundwasser mit Hilfe von Pflanzen entfernt, abgebaut und eingedämmt werden. Welche Pflanzen man verwendet, hängt vom jeweiligen Einsatzort ab. Im Falle von De Ceuvel wurden verschiedene Gräserarten, Rohrkolbengewächse und Pappeln eingesetzt, um organische Verbindungen zu zersetzen, Schwermetalle zu absorbieren und verseuchtes Grundwasser zurückzuhalten. Sobald eine bestimmte Pflanzenart ihre Reinigungsaufgabe erfüllt hat, wird sie durch andere Spezies ersetzt. Aussehen und Charakter des betreffenden Geländes sind dadurch ständiger Veränderung unterworfen.

 

Die Phytoremediation ist auch langfristig sehr viel günstiger im Gegensatz zur herkömmlichen Methoden, die verseuchte Mutterbodenschichten abtragen und diese auf Mülldeponien entsorgen, da sie vor Ort stattfindet. Damit rücken auch verseuchte Brachflächen zur erneuten Nutzung ins Blickfeld, die aufgrund fehlender Mittel bis dahin nicht saniert werden konnten. Die biologische Sanierung ist zudem unter ästhetischen Gesichtspunkten deutlich attraktiver. In De Ceuvel macht die Vielfalt an Pflanzen in unterschiedlichen Größenordnungen, Farben und Formen dies unmittelbar ersichtlich. Allerdings ist die Phytoremediation ein langwieriger Vorgang. Der Abbau von Schadstoffen kann Jahre oder gar Jahrzehnte dauern, je nach Grad der Schadstoffkonzentration, Größe der zu sanierenden Fläche, Klima und Anbausaison sowie weiteren Faktoren wie der Wachstumsgeschwindigkeit der Pflanzen, der Reichweite ihrer Wurzeln und der Möglichkeiten, sie gegen Beschädigungen zu schützen.

 

 

 

Alle GIFs von Vandejong, Let it Grow, Mélanie Corre

Mehr Informationen zu dem De Ceuvel Projekt in Amsterdam finden Sie in der Novemberausgabe 2018 der Garten+Landschaft.

 

 

 

Landschaften der Zukunft gesucht

Es ist eine Kluft zwischen Stadt und Land entstanden: Während urbane Räume von Bevölkerungswanderungen und wirtschaftlichen Entwicklungen profitieren, bleibt der ländliche Raum zurück. Das im deutschen Grundgesetz festgehaltene Recht auf gleichwertige Lebensverhältnisse ist zunehmend gefährdet. Die IBA Thüringen veranstaltet zu diesem Thema einen Workshop in der ländlichen Gemeinde Kannawurf. Unter der Überschrift „1.500 Hektar Zukunft – (Er)Findung einer neuen Landschaftstypologie des 21.Jahrhunderts“, werden Studierende, junge Wissenschaftler und Berufstätige dazu aufgerufen ein neues Konzept für den ländlichen Raum zu entwerfen.

Ein neues Landschaftsbewusstsein

Ziel des Workshops ist es ein neues Bewusstsein für die Landschaften des ländlichen Raumes zu schaffen. Stereotypen und etablierte Landschaftsbegriffe und -bilder sollen kritisch hinterfragt und bestehende Landnutzungen und Beziehungen neu entwickelt werden. Themen wie Forst- und Energiewirtschaft, Dorfentwicklung, Tourismus, Naturschutz und Kooperationsnetzwerke müssen dabei Berücksichtigung finden. Fernab von jeglichen Ballungsgebieten, stellt die kleine thüringische Gemeinde Kannawurf den örtlichen Rahmen. Rund 1.500 Hektar strukturarme Agrarlandschaft stehen bereit, um von den Teilnehmern neu bespielt zu werden.

IBA Campus

Unter dem Namen IBA Campus gründet die IBA Thüringen jedes Jahr ein internationales und interdisziplinäres Kollektiv. Der IBA Campus 2017 richtet sich vor allem an junge Interessenten. Eingeladen sind Studenten sowie Wissenschaftler und Berufstätige mit einer maximalen Berufserfahrung von drei Jahren. Eine Einschränkung des Studien- beziehungsweise des Berufsfeldes existiert nicht. Der Bewerbungszeitraum endet am 15. April 2017. Aus den Bewerbern werden 12 Teilnehmer ausgewählt, um mit hochrangigen Experten Teil der IBA Modellprozesse zu werden. Weitere Informationen finden Sie unter www.iba-thueringen.de