Essentials zur Klimaanpassung – bdla für eine konsequente Klimaanpassungspolitik

Der bdla empfiehlt 20 Maßnahmen zur Klimaanpassung in deutschen Städten
Der bdla empfiehlt 20 Maßnahmen zur Klimaanpassung in deutschen Städten. Foto: Pxhere

Der bdla formulierte 20 Anforderungen an eine konsequente Klimaanpassungspolitik. Der Anlass waren die Weichenstellungen für Klimaanpassung und -schutz der Bundesregierung.

20 Empfehlungen für eine konsequente Klimaanpassungspolitik

Im Oktober 2022 veröffentlichte der bdla ein Dokument mit 20 Empfehlungen für die Klimaanpassung in Deutschland. Damit reagierte der Verband auf die Ankündigungen der Bundesregierung, in der 20. Legislaturperiode neue Weichen für Klimaanpassung sowie Klimaschutz stellen zu wollen. Dabei geht es um ein neues Klimaanpassungsgesetz, eine nationale Klimaanpassungsstrategie, ein Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz sowie eine Reform des Baurechts.

In seinen Empfehlungen fordert der bdla eine konsequente Klimaanpassungspolitik mit Schwerpunkt auf Stadtlandschaften. Er schlägt der Bundesregierung folgende Maßnahmen vor, um die genannten Zielsetzungen insbesondere in Städten umzusetzen:

  • Förderung von Innovationen in der Stadt- sowie Landschaftsentwicklung
  • Ausrichtung der Förderpolitik an den Anforderungen der Klimaanpassung der Entwicklung grüner Infrastrukturen
  • Optimierung des gesetzlichen und instrumentellen Rahmens für die Klimaanpassung und das Stadtgrün

Förderung der Landschaftsarchitektur zugunsten Klimaanpassung

Laut bdla sind der klimaresiliente Umbau von Städten und Regionen sowie die nachhaltige Umsetzung der Energiewende und umweltschonender Landnutzungskonzepte Kernkompetenzen von Landschaftsarchitekt*innen. Das Bündnis fordert eine Stärkung und den weiteren Ausbau der Ausbildungsstätten für Landschaftsarchitektur. Zudem sei eine fundierte Kapazitätsbildung nötig, um die heutigen Herausforderungen zufriedenstellend zu bewältigen.

Aus diesem Grund fordert der bdla, dass die Bundesregierung Zukunftsschecks für sieben Stiftungsprofessuren im Bereich Klimaanpassung sowie Natürlichen Klimaschutz ausloben solle. Dabei geht es sowohl um neue als auch um etablierte Fakultäten der Landschaftsarchitektur. Darüber hinaus unterstreicht der bdla die Notwendigkeit dafür, Forschung und Entwicklung im Bereich Klimaanpassung und -schutz finanziell zu unterstützen. Dafür kommen etwa innovationsfreundliche Förderprogramme in Frage.

Dies sind laut bdla die 20 essenziellen Schritte für eine Klimaanpassung in Deutschland:

1. Der Jahrhundertaufgabe „Klimaanpassung“ gerecht werden

Eine mutige, grüne und umweltgerechte Stadtentwicklung ist nötig, um die Klimaanpassung umzusetzen. Dafür ruft der bdla dazu auf, die Schnittstellen von Wasserwirtschaft, Verkehrsflächenplanung und Freiraumentwicklung zu optimieren.

2. Wassersensible Städte bauen

Alle Projekte und Prozesse sollten laut bdla den Schutz sowie den optimierten Umgang mit der wertvollen Ressource Wasser als Ziel haben. Dafür sind unter anderem neue technische Regelwerke nötig, um eine wasserbewusste Stadtentwicklung zu ermöglichen.

3. Klima- und Freiraumcheck einführen

Bauprojekte sollten den natürlichen Klimaschutz sowie die Klimaanpassung bereits bei der Konzeption berücksichtigen. Ein neuer Klima- und Freiraumcheck könnte an die Vergabe von Fördermitteln gebunden sowie bei Bundesinvestitionen verpflichtend werden.

4. Freiraumentwicklungskonzepte etablieren

Diese Konzepte bieten laut bdla eine geeignete Dachstrategie für die klimaresiliente Stadt. Sie helfen dabei, auf gesamtstädtischer Ebene, in Neubau- und Bestandquartieren sowie am Stadtrand visionäre Entwicklungskonzepte für grüne Infrastruktur umzusetzen.

5. Planungsphase 10 und Experimente ermöglichen

Eine neue, partizipative und prozessbezogene Planungskultur soll es ermöglichen, das Stadtgrün naturbasiert und clever einzusetzen. Zudem spricht sich der bdla für Experimente aus, um neue Umwelttechnologien einzusetzen.

6. Städtebauförderung neu justieren

Aktuell reicht es aus, wenn eine Maßnahme in einem Förderprogramm der Klimaanpassung dient. Daher fordert der bdla, Klimaanpassung im Rahmen der Städtebauförderung künftig stärker zu berücksichtigen und eine höhere Verbindlichkeit einzuführen.

7. Klimaanpassung urbaner Räume effektiv unterstützen

Das Bundesprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ soll laut bdla verstetigt und besser finanziert werden, um Kommunen zu unterstützen.

8. Wohnungsbau mit Freiraumoffensive verknüpfen

Förderbedingungen und rechtliche Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau sollten laut bdla mit der Förderung des Stadtgrüns und der Klimaanpassung verknüpft werden. So soll die gleichzeitige Entwicklung von Wohnungsneubau und Stadtgrün gelingen, was zu mindestens 1.000 neuen Nachbarschaftsparks führen könnte.

9. Natürlichen Klimaschutz multifunktional fördern

Das Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz leistet einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung. Es beabsichtigt unter anderem die Pflanzung von Stadtbäumen, die Schaffung von „StadtKlimaoasen“ und Maßnahmen für eine wassersensible Stadt. Dafür sollte die Bundesregierung die Förderbedingungen an die Multifunktionalität urbaner Räume knüpfen.

10. Außenanlagen und Gebäudebegrünung in die Bundesförderung für effiziente Gebäude integrieren

Die Bundesförderung für effiziente Gebäude wird im Jahr 2023 neu ausgerichtet und sollte laut bdla sowohl nachhaltige Außenanlagen als auch Gebäudebegrünung integrieren.

11. Ausbildung und Forschung für Klimaanpassung fit machen

Eine Stärkung und ein Ausbau der Ausbildungsstätten für Landschaftsarchitektur mit entsprechender Kapazitätsbildung sind wichtig, um den Nachwuchs zu sichern. Auch Forschung und Entwicklung im Bereich Klimaanpassung sind laut bdla stärker zu fördern.

12. Gemeinschaftsaufgabe prüfen

In bestimmten Bereichen wirkt der Bund bei der Erfüllung von Länderaufgaben mit. Laut bdla ist die Klimaanpassung eine wichtige Gemeinschaftsaufgabe der Daseinsvorsorge, weshalb sich der Bund an Klimaanpassungsmaßnahmen beteiligen sollte.

13. Verschlechterungsverbot bestimmen

Hinsichtlich der Freiflächenversorgung sowie der klimatischen Situation darf es in Städten keine Verschlechterung geben. Daher fordert der bdla, dass neue Bauvorhaben einem Verschlechterungsverbot unterliegen sollten.

14. Sanierungsrecht und Vorkaufsrechte für Grünflächen schärfen

Die Regelungen zu städtebaulichen Sanierungsmaßnahmen sollen laut bdla geschärft werden, um die Bodenbevorratung zu erleichtern und die Handlungsfähigkeit von Kommunen zu stärken.

15. Freiflächengestaltung normieren

Durch den Freiflächengestaltungsplan werden Bauprojekte beschleunigt sowie klimaschonend realisiert. Dieses Instrument soll laut bdla bundesrechtlich verankert und bundesweit angewendet werden.

16. Freiraumbezogene Orientierungswerte etablieren

Hier fordert der bdla die Einführung von Orientierungswerten für zukunftsfähige Städte als allgemein verbindliche Konvention. Fördermittelvergaben lassen sich daran knüpfen.

17. Grünflächenfaktor einführen

Ein Grünflächenfaktor würde den Umfang an grün-, biodiversitäts- sowie klimawirksamen Flächen in der Bauleitplanung darstellen und festsetzen. Ein definierter Maßnahmenkatalog würde dabei helfen, die Umsetzung auf dem jeweiligen Grundstück abzustimmen.

18. Urbane Kompensation optimieren

Eine Pflicht zur klimapositiven Kompensation im Städtebau mit Ausgleichskonzepten würde Maßnahmen zur Klimaanpassung unterstützen.

19. Landschaftsplanung aktivieren

Landschaftspläne sollten aktualisiert sowie neue aufgestellt werden, um wesentliche Veränderungen in Natur und Landschaft durch den Klimawandel widerzuspiegeln.

20. Umweltbaubegleitung stärken

Dieses Instrument stellt sicher, dass geplante Maßnahmen bei Bauprojekten fachkundig sowie zulassungskonform realisiert werden. Hier sollte der Bund dafür sorgen, dass die Umweltbaubegleitung zu Fachrecht wird.

Übrigens: Auf der Fachtagung Nachhaltigkeit und Klimaanpassung diskutierte der bdla den aktuellen Status Quo sowie die Ziele weiterer Entwicklungen.

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Beim Ideenwettbewerb um die Bahnhofsvorplätze in Heidelberg konntem sich Bierbaum Aichele Landschaftsarchitekten aus Mainz durchsetzen. Die Jury: „Die Verfasser reagieren sensibel auf die Architektur des Hauptbahnhofs. Es entsteht ein ruhig gestalteter, vielfältig nutzbarer Bahnhofsvorplatz, der in überzeugender Weise die für ein funktionierendes Bahnhofsumfeld erforderlichen Infrastrukturen integriert.

Der Entwurf teilt sich in den Bahnhofsvorplatz und den Willy-Brandt-Platz Nord und Süd. Der zentrale Bahnhofsvorplatz ist als große Freifläche mit hochwertiger Pflasterung geplant. Er stellt die Verbindung zwischen Empfangshalle und Kurfürstenanlage her. Der Willy-Brandt-Platz am nördlichen Ausgang ist ein neuer kleiner Vorplatz mit Sitzinsel, der von Individual- und Lieferverkehr freigehalten wird. Der südliche Teil des Platzes bietet Taxivorfahrt, Behinderten- und Kurzzeit-Stellplätze sowie Platz für die Außengastronomie des Ibis Hotels.

Die bestehenden Platanen des Planungsgebiets werden weitestgehend erhalten und durch neue Baumarten ergänzt, für den schattigeren nördlichen Platz sehen Bierbaum Aichele langfristig Stauden vorgesehen.

Im nächsten Schritt wird der Entwurf den Ausschüssen und Räten der Stadt vorgelegt werden. Für die Umsetzung sind derzeit noch keine Mittel frei, sie sollen zum nächsten Doppelhaushalt 2017/2018 diskutiert werden.

Dopo Expo – Was danach?

Für viele gilt die Expo 2015 als voller Erfolg. Jedenfalls hatten die Mailänder es damals rechtzeitig geschafft, ihre Metropole auf Vordermann zu bringen. Doch mit der Nachnutzung verhält es sich nicht so rosig. Es gibt zwar Ansätze, aber keine finale Idee. Andreas Kipar, Landschaftsarchitekt und Gründer und Inhaber des Büros LAND mit Sitz in Mailand, krempelte die graue Industriestadt in den letzten Jahrzehnten um. Wir sprachen mit ihm über die grüne Entwicklung der italienischen Metropole.

Garten + Landschaft: Wie sind Sie damals nach Mailand gekommen?
Andreas Kipar: Ein alter Professor riet mir damals, nachdem ich mein Studium beendet hatte und nicht wirklich etwas mit mir anzufangen wusste, ich solle mal raus. Ich sollte mein Horizont erweitern und meine unruhige Seele entspannen. Mich reizte schon immer Italien. Italien war schon immer, was die Landschaft, die Freiräume in der Stadt betraf, unter bemittelt. Es gab, außer den historischen Gärten, wenig Grün zwischen dem Grau. Es gab dort kein gesundes Mittelmaß zwischen Masse und Freiraum, wie wir es aus Deutschland kennen. Das weckte damals meine Neugierde und trieb mich nach Italien.

G + L: Was hat sich seither geändert?
A K: Man kann heute sagen, dass aus der grauen Industriestadt Mailand ist mittlerweile eine grüne Metropole geworden. Die großen Industriebrachflächen aus den 1980er Jahren haben sich in neue Stadtviertel entwickelt. Dort sind neue Parks und Grünanlagen entstanden, die heute sehr gut funktionieren. Mein Büro war von Anfang an an dem Wandel dieser großräumigen Entwicklungsgebiete beteiligt. Ein wirklicher Glücksfall für mich. Wir waren zum richtigen Zeitpunkt an Ort und Stelle und haben deshalb eine wichtige Rolle in der grünen Entwicklung Mailands gespielt. Die Expo hat Mailand, die dreckige Stadt Norditaliens, in ein neues, positives Licht gerückt. Mailand fungiert als Scharnier von Nord und Süd und vermittelt zwischen den Regionen. Die Expo hat Mailand die Kirsche aufgesetzt und für ein neues Bewusstsein gesorgt.

G + L: Die Expo war demnach Entwicklungsmotor?
A K: Ja genau, die Expo war die Kirsche des Ganzen. Die vorbereitenden Maßnahmen waren aus den 1980ern und 1990ern Jahren, das systematische Arbeiten an den Industriebrachen und die Expo hat das alles noch einmal zusammen gefasst und hat dadurch die Kirsche auf die Torte gesetzt. Die positive Grundstimmung heute in Mailand nehmen wir als Planer mit und denken weiter. Die Stadt feiert ihre Langsamkeit, ihre Entschleunigung, was vor ein paar Jahren noch verpönt war. Es hat ein Paradigmenwechsel in der Stadtgesellschaft stattgefunden.

G + L: Also würden Sie sagen, dass die Expo ein Segen für die Stadt war?
A K: Ein großer Segen. Auch für das Selbstbewusstsein einer ganzen Nation und ein Selbstbewusstsein der Mailänder, die sich nicht mehr wegducken müssen, sondern die heute auch sagen, dass sie auch am Wochenende gerne mal in meiner Stadt. Der Erfolg einer Stadt misst sich daran, ob die eignen Bürger ihre Stadt schätzen und lieben. Man ist neuerdings auf einer gewissen Art und Weise stolz auf seine Stadt – Eine wunderbare Entwicklung, wie ich finde.

G + L: Müssen heutzutage Räume immer bespielt werden? Braucht es immer ein Event?
A K: Um einen großen Koloss, eine graue Industriemetropole nachhaltig zu verändern, braucht es manchmal einen Paukenschlag. Ein Event, der allgemein anerkannt wird und für Aufmerksamkeit sorgt. Es braucht ein Signal: Hier, wie positionieren uns auf der globalen Weltkarte. Das Konzept der Expo war schlüssig, die Mailänder wurden rechtzeitig fertig und die Stadt war aufgeräumt für die vielen Millionen internationalen Besucher. Aber trotz dessen bin ich der Meinung, dass der öffentliche Raum rustikal sein sollte. Mailand ist eine rustikale Stadt, so elegant und modisch sie auch ist. Sie ist im Zentrum eines Landes errichtet worden und ihre Einwohner bodenständig. Jede Art von Spielerei und Ornament ist deshalb meiner Meinung nach hier zum Scheitern verurteilt.

G + L: Lieber zurückhaltende Entwürfe anstatt überbordende?
A K: Unsere Entwürfe der letzten Jahre wie beispielsweise das Gelände um die Porta Nuova, sind sehr rustikal, auf das Wesentliche beschränkt. Sie sind teilweise auch steinern. Weil sie bieten einfach Raum, öffentlichen Freiraum. Sie füllen den Raum nicht, sondern sie bieten Raum, damit er sich natürlich füllen kann. Die Stadt Mailand hat Raum nötig. Mailand ist eine sehr dicht besiedelte Stadt. Nordeuropäische Städte sind luftig gestaltete, während die südlichen sehr eng und kompakt gebaut sind. Im Norden Europas, wo genügend Raum vorhanden ist, kann man mit dem vielen Raum auch spielerisch umgehen. Jede Spielerei oder Designschnörkel sind in Mailand fehl am Platz. Mailand braucht horizontale Grundflächen, damit die Bewohner sich ihn aneignen können.

Mehr zum Expogelände in Mailand lesen Sie in Garten+Landschaft 06/16 – Stadt und Spektakel.