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„Warnow bietet Rostock eine einmalige Chance“

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Die Stadt Rostock will in wenigen Jahren die BUGA 2025 ausrichten, und ein komplett neuer Stadtteil am Osthafen soll eines ihrer Kernprojekte werden: das Warnowquartier – gefördert mit insgesamt 74,2 Millionen Euro. Vergangenen Sommer haben uns für die Juniausgabe 2020 der Garten+Landschaft mit Anja Epper, Sachgebietsleiterin im Rostocker Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Wirtschaft, über die Rostocker Wasserprojekte der Zukunft unterhalten.

Der direkte Austausch fehlt

Anja Epper, starten wir mit einem aktuellen Projekt der Stadt Rostock. Die Hansestadt bemüht sich bereits seit knapp zehn Jahren um die Fortschreibung des Strukturkonzepts für Warnemünde, dem wohl bekanntesten Ortsteil der Stadt. Es hakt aber immer wieder in der Umsetzung. Wieso?

Im Jahr 2011 beschloss die Rostocker Bürgerschaft das Strukturkonzept Warnemünde. Eine regelmäßige Evaluierung wurde bereits im Beschluss verankert. Mit dem Prozess der Fortschreibung hat man 2016/17 begonnen. Eine Reihe von Fragen zu den verschiedenen Handlungsfeldern im Strukturkonzept konnten in der Fortschreibung nicht beantwortet werden, da sowohl politische Entscheidungen zu dem Zeitpunkt nicht vorlagen oder Entscheidungen nicht zu treffen waren.

Dies betraf unter anderem die weitere Entwicklung der Werftflächen im Südosten des Ortsteils, den Umgang mit dem Parkraumkonzept, die weitere Entwicklung eines möglichen Caravanstellplatzes sowie die Entwicklung des Wohnungsmarktes. Zentrales Thema war aber auch die zukünftige Entwicklung der Mittelmole. Hier war zu einigen wenigen, aber wesentlichen Punkten kein Konsens in der Zivilgesellschaft und der Politik, aber auch mit den Eigentümern der Flächen und der Fachverwaltung zu erlangen.

Infolgedessen hat der neue Rostocker Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen vergangenen September die Planungen zur künftigen Nutzung und Bebauung der Warnemünder Mittelmole vorerst gestoppt. Warum ist die Entwicklung der Fläche so schwierig?

Die weitere Planung zur Mittelmole in Warnemünde ruhte vergangenes Jahr. Mit der Entscheidung des Oberbürgermeisters beginnen wir wieder mit dem Arbeitsprozess einschließlich der Beteiligung zur Fortschreibung. An der Mittelmole zeigt sich – wie an vielen Orten – ein klassischer Konflikt: Die Bewohner wünschen sich keine oder eine sehr kleinteilige bzw. geringe Bebauung, die eher historisierend gestaltet ist. Gleichzeitig ist der Wunsch nach gemeinschaftlichen Freiflächen und Orten der Begegnung groß. Investoren wollen die notwendigen Wohnungen und Infrastruktur errichten, die aber auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten sind. Zudem ist bei Neubauvorhaben in der Regel eine zeitgemäße Architektur gefragt.

Zum Start der Bürgerbeteiligung sollte es vergangenen April eine öffentliche Ausstellung geben. Dann kam die Corona-Pandemie. Wie ist der weitere Plan?

Die Corona-Pandemie hat – gegebenenfalls auch langfristig – starke Auswirkungen auf die Beteiligung der Öffentlichkeit an Planungsprozessen. Daher überlegen wir derzeit, welche Beteiligungsformate wir online durchführen können. Dazu zählt unter anderem eine Ausstellung. Aber bei allen digitalen Lösungen fehlt immer der direkte Austausch. Das ist insbesondere bei der informellen Beteiligung schwierig. Für andere Formate wie Bürgerversammlungen suchen wir ebenso nach entsprechenden Lösungen, die man in dann kleinen Gruppen und dem nötigen Mindestabstand durchführt.

Wasser als Wirtschaftsgrundlage

Als Hansestadt sind Sie im Rostocker Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Wirtschaft im besonderen Maße damit konfrontiert, wie man mit Wasser in der Stadt umgeht. Welche Bedeutung hat das Element Wasser für die Stadt Rostock?

Der Bezug zum Wasser war in der Geschichte der Stadt stets von herausragender Bedeutung. Die städtische und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt basiert bis heute – und absehbar auch in Zukunft – auf ihrer Lage an der Ostsee/Warnow. Vor allem Häfen, Schiffbau, Marine, Tourismus und Fischfang sind hierbei zu benennen. Gerade die Facetten und Veränderungen in diesen Bereichen treiben die Stadtentwicklung ständig voran. Neben dem steigendem Bedarf an Wohnraum und allen Folgeeinrichtungen für die zahlreichen Beschäftigten sind das die Standortvoraussetzungen im Einzelnen, wie mehr und andere Flächen sowie ihre Ein- und Anbindung, aber auch Verlagerungen oder das Aufgeben von Flächen, was neue planerische Möglichkeiten eröffnet.

Im Grundsatz geht es planerisch darum, das Wasser und alle notwendigen Flächen als Wirtschaftsgrundlage zu sichern und gleichzeitig den Zugang und die Erlebbarkeit des Wassers für die Öffentlichkeit zu verbessern. Natürlich ist in diesem Zusammenhang dabei auch die Vielzahl ökologischer und naturschutzrechtlicher Belange zu beachten.

Meeresspiegelanstieg berücksichtigen

Welchen Herausforderungen müssen Sie sich in Rostock aufgrund der Meeresnähe gesondert stellen?

Eine besondere Herausforderung besteht im Schutz gegen Sturmfluten, also im Hochwasserschutz. Die fachliche Zuständigkeit für den Hochwasserschutz liegt beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt, Mittleres Mecklenburg (StALU MM). Das StALU MM ist sowohl für den Schutz der Außenküste als auch den Schutz entlang der Warnow zuständig. Zwischen dem StALU MM und der Stadt (vordergründig Amt für Umweltschutz, aber unter anderem auch Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Wirtschaft) findet ein ständiger Abstimmungsprozess statt. Dieser bezieht sich auf grundsätzliche Fragen wie den Verlauf der Hochwasserschutzlinie und das Freihalten gefährdeter Bereiche von baulicher Nutzung, aber auch auf die jeweils konkreten baulichen Einzelmaßnahmen.

Aus stadtplanerischer Sicht liegen die Schwerpunkte in der Sicherung des notwendigen Schutzes für geplante neue Baugebiete (unter anderem in den Höhenlagen von Straßen und Fußböden), aber auch in der Form der Ausführung und Gestaltung von Schutzanlagen (insbesondere in sensiblen Bereichen wie dem Alten Strom in Warnemünde und dem Stadthafen). Ein zusätzliches wichtiges Thema ist die Berücksichtigung des klimawandelbedingten Anstiegs des Meereswasserspiegels.

Rostock: Grüne Stadt am Meer

Sie erarbeiteten seit 2018 den sogenannten „Zukunftsplan Rostock“. Worum geht es hier?

Der „Zukunftsplan Rostock“ ist der Arbeitstitel für den künftigen Flächennutzungsplan der Hanse- und Universitätsstadt Rostock. Der 2006 von der Bürgerschaft beschlossene und 2009 neu bekannt gemachte Flächennutzungsplan hat sich bisher als vorbereitender, generalisierter Plan zur Steuerung der räumlichen Entwicklung der Stadt bewährt. Ausgehend von der künftig zu erwartenden Entwicklungsdynamik in vielen Bereichen zeichnet sich jedoch ab, dass der gegenwärtig rechtswirksame Flächennutzungsplan die zukünftig notwendige Entwicklung nur noch unzureichend abbildet.

Das Schrittmaß, mit dem sich Rostock in den nächsten Jahren entwickeln muss, bedarf einer ganzheitlichen und zusammenhängenden Neubetrachtung. Daher hat die Bürgerschaft bereits 2017 beschlossen, den Flächennutzungsplan neu aufzustellen. In Vorbereitung dieser Aufstellung wurde 2018/19 ein umfangreicher Stadtdialog zum intensiven Austausch der Öffentlichkeit zu den Inhalten des „Zukunftsplans Rostock“ durchgeführt.

Außerdem gibt es noch die Leitlinien von „Rostock 2025“, die Rostock unter anderem als „Grüne Stadt am Meer“ definieren …

Genau, die Leitlinien zur Stadtentwicklung der Hanse- und Universitätsstadt Rostock wurden im Jahr 2012 von der Bürgerschaft beschlossen. Sie stellen den langfristigen strategischen Handlungsrahmen für die Stadt Rostock auf ihrem Weg zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung bis zum Jahr 2025 dar. Sie bilden die Grundlage für das Integrative Stadtentwicklungskonzept (ISEK), die Bauleitplanung und alle kommunalen Fachkonzepte und Fachplanungen. Dazu zählt beispielsweise auch der „Zunkunftsplan Rostock“ (Flächennutzungsplan). Der Zukunftsplan zielt auf das übergeordnete Leitbild („Rostock als Regiopole positionieren“) ab und trägt zur Erreichung der in den acht Leitlinien (zum Beispiel der Leitlinie „Grüne Stadt am Meer“) sowie den Querschnittsaufgaben genannten Zielen bei.

Projekte der BUGA 2025

Hamburg hat kürzlich seine Planung für den Stadtteil Grasbrook verkündet. Auf welche Projekte dürfen wir uns in den kommenden Jahren in Rostock freuen? Was planen Sie?

Die Mittelmole in Warnemünde haben Sie ja bereits erwähnt. In Verbindung mit dieser Planung steht der derzeitig in der Planung befindliche Umbau weiterer Kaianlagen im Bereich des ehemaligen Werftbeckens für den Kreuzfahrttourismus und landseitig zusätzliche Gewerbeflächen. Ein für die Stadtentwicklung von Rostock besonders wichtiges Projekt ist die Bewerbung um die Ausrichtung der BUGA 2025, mit vielen weitreichenden Einzelmaßnahmen und unmittelbarem Bezug zur Warnow.

Findet die BUGA 2025 statt?

 

Im Zusammenhang mit der Planung zur BUGA 2025 steht das Landesmuseum für Archäologie, das im Stadthafen errichtet werden soll. Ein weiteres herausragendes Projekt mit unmittelbarem Bezug zum Wasser ist der geplante „Ocean Technology Campus“ (OTC), mit dem Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD) als Kern sowie einem großflächigen Unterwasser-Testfeld „Digital Ocean Lab“. Das OTC soll im Gebiet des Rostocker Fracht- und Fischereihafens sowie auf dem Gelände des südlich angrenzenden ehemaligen Schlachthofes entstehen.

Außerdem plant die Stadt die Entwicklung eines neuen, gemischt genutzten Quartiers am Ostufer der Unterwarnow. Dem Warnowquartier.

Ja, das Warnowquartier soll als eine grüne Modellstadt der Zukunft entwickelt werden – ein Experimentierquartier, welches beispielhafte Lösungen für drängende Problemlagen unserer heutigen Zeit aufzeigt. Angefangen bei der Entwicklung eines regenerativen Energiekonzepts für das Quartier über die Beantwortung der Frage nach einer zukunftsfähigen Organisation des täglichen Zusammenlebens der Bewohner*innen sowie Überlegungen, welche Aufgaben öffentliche Frei- und Grünräume in den kommenden Jahren übernehmen sollten und wie sich neue Mobilitätskonzepte nachhaltig umsetzen lassen, sollen innovative Ideen sowie bewährte Maßnahmen der Quartiersentwicklung in die Konzeptfindung einfließen.

Es soll ein modernes Quartier für alle mit einer modellhaften Bebauung und vielen Freiräumen entstehen. Ein Ort der Vielfalt und flexiblen Nutzungen mit einer robusten, zukunftsoffenen Grundstruktur. Dabei wird auch das Bauen auf dem Wasser einen besonderen Stellenwert einnehmen und ein architektonisches Highlight bilden. Für die Hanse- und Universitätsstadt Rostock bietet sich mit diesem Vorhaben die einmalige Chance, das Thema Leben auf dem Wasser erstmals in der Stadt umzusetzen und sich dadurch mit originellen, zukunftsweisenden und vorbildhaften Lösungen zu präsentieren. Im Rahmen der BUGA 2025, die in Rostock stattfinden wird, soll ein Hauptaugenmerk der Besucher*innen auf eben dieser Attraktion liegen, womit ein weiterer Beitrag zur maritimen Imagebildung der Stadt geleistet werden kann.

Die BUGA 2025 soll trotz Corona-Pandemie stattfinden.

Anja Epper studierte Architektur mit Schwerpunkt Städtebau an der RWTH Aachen. Im Rostocker Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Wirtschaft ist sie seit 1996 Sachgebietsleiterin für das Sachgebiet Bauvorhaben und Stadtgestaltung. Anja Epper ist Mitglied der Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern und Vorstandsmitglied im SRL e.V.

Interessiert an Bundesgartenschauen? Lesen Sie hier mehr zur BUGA Heilbronn.

Das Interview erschien erstmals in der Juniausgabe 2020 der Garten + Landschaft.

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Grüne Dekade im Ruhrgebiet

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(Foto: Alex Schwenke).

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Längst hat das Ruhrgebiet die Tage der dreckigen, grauen Kohlebergwerke hinter sich gelassen. Was in den Köpfen der Republik vielleicht noch nicht angekommen ist, wird sich spätestens im nächsten Jahrzehnt manifestieren: Dem Ruhrgebiet steht eine grüne Dekade bevor. 2017 startet Essen als Grüne Hauptstadt, 2027 richtet das Ruhrgebiet die Internationale Gartenschau (IGA) aus. Das gab die Deutsche Bundesgartenschau-Gesellschaft im Dezember bekannt. Karola Geiß-Netthövel, Direktorin des Regionalverbands Ruhr, freut sich: „Auch dazwischen werden wir ganz viel haben, wie den Abschluss des Emscherumbaus oder die Landesgartenschau.“ Die IGA wird zum ersten Mal von einer Region ausgetragen.

Für die IGA sollen fünf Parklandschaften entstehen und 20 bis 25 bestehende Parks und Gärten ausgebaut werden. Es sind Fördergelder in Millionenhöhe zu erwarten. Welche Projekte genau verwirklicht werden, ist noch nicht bekannt, die Bürger sind aufgerufen, Ideen einzubringen, sie können sich auch mit Privatgärten an der großen Gartenschau beteiligen.

Grüner Wandel
Das Ruhrgebiet hat in den vergangenen Jahrzehnten einen grünen Wandel vollzogen. Viele ehemalige Zechen sind schon oder werden noch in Parks umgewandelt, bekanntestes Beispiel ist der Landschaftspark Duisburg-Nord von Peter Latz. Für die IGA 2027 wird auch der Radschnellweg Ruhr ein großer Pluspunkt sein, der sich von Duisburg über Essen, Bochum und Dortmund bis nach Hamm durch das Ruhrgebiet zieht.

Die erste Landesgartenschau in NRW brachte den Maximilianpark in Hamm hervor, der auch 2027 wieder Teil der Gartenschau werden soll. Der Hengsteysee zwischen Dortmund, Hagen und Herdecke war noch 1929 eine Flusskläranlage. Hagen hofft, hier schon 2022 oder 2025 die Regionale ausrichten zu können.

Mehr zum Landschaftspark Duisburg-Nord finden Sie hier!

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Die Visualisierung zeigt eine mit Bäumen bestandene Wiese. In der Mitte liegt eine kleine Lichtung. Ein Weg führt an einem Hügel vorbei. Ortspark Kirchheim, Visualisierung: bloomimages Berlin GmbH – SINAI
In ihrem Entwurf für den Ortspark Kirchheim inszenieren die Planer*innen von Sinai vier kontrastierende Atmosphären – darunter auch die Sphäre „Wildnis“. Visualisierung: bloomimages Berlin GmbH – SINAI
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Die Landesgartenschau in Kirchheim startet im Mai 2024. Die Bauarbeiten laufen bereits auf Hochtouren. Alles zum Projekt Ortspark Kirchheim von SINAI.

Ortspark Kirchheim mit vier Parksphären 

Im Jahr 2024 ist es soweit. Die Landesgartenschau Kirchheim öffnet ihre Pforten. Ein zehn Hektar großer Park verknüpft fortan die Gemeindeteile Kirchheim und Heimstetten. Zudem bietet der Ortspark Bürger*innen wie Besucher*innen gleichermaßen Raum zur Erholung und Aktivität. Bereits im Jahre 2019 konnte SINAI den Wettbewerb zur Landesgartenschau Kirchheim für sich entscheiden. Seitdem laufen die Detailplanungen und Realisierungsarbeiten. Herzstück des Entwurfs ist der Ortspark. Für ihn zeichnen die Landschaftsarchitekt*innen von SINAI eine Vision unter dem Titel „Natur.Verbunden“, indem sie vier kontrastierende Atmosphären inszenieren. Wildnis, Wasser, Wald und Wiesen bilden die Grundbausteine des neuen Gemeindeparks. Diese werden durch ein übergeordnetes Wegesystem verknüpft. In Form einer verzerrten Acht verläuft eine zentrale Erschließungspromenade durch alle Parkteile. An wesentlichen Wegepunkten weitet sich der Pfad zu Platzsituationen auf. Auch öffentliche Einrichtungen finden sich entlang des Weges. Durch Querverbindungen verwebt sich die innere Schleife mit dem angrenzenden Stadtraum. 

Landschaft als Inspiration

Neben Wohnbebauung fassen öffentliche Gebäude den Ortspark. Ein neues Rathaus, Schulen und Kitas bilden die Parkkante. Durch den Gemeindepark und die öffentlichen Einrichtungen soll vor Ort eine neue gemeinsame Mitte entstehen. Denn bisher liegen die Gemeindeteile Kirchheim und Heimstetten getrennt voneinander. Nun kann sich durch die Umgestaltung im Zuge der Landesgartenschau ein verbindendes Zentrum etablieren. Dabei hat SINAI die landschaftlichen Qualitäten mit großer Feinheit herausgelesen und interpretiert. Die diversen Parksphären entwickelten sie aus bestehenden landschaftlichen Motiven heraus. Durch ihren Entwurf kreieren sie dabei eine sinnliche Erfahrbarkeit der Freiraumqualitäten. Damit einher geht gleichsam ein hoher ökologischer Anspruch. So warten die vier unterschiedlichen Parkbereiche nicht nur mit einer gestalterischen Diversität auf. Die Planung sieht zum Beispiel auch jeweils unterschiedliche ökologische Entwicklungsszenarien vor.

Ökologische Konzepte für Kirchheim

Für die Baumpflanzungen entwickelte SINAI beispielsweise ein Pflanzkonzept, welches heimische Baumarten mit Arten kombiniert, die den Herausforderungen der Klimakrise besser gewachsen sind. Insgesamt sollen mehr als 700 Bäume neu gepflanzt werden. Durch die Artenauswahl wird dabei ein resilienter Wald entstehen, der wie alle anderen Parkteile auch lange über das Gartenschaujahr hinaus bestehen bleibt. In der Parksphäre „Wald“ werden außerdem große Flächen des Bestandsgrüns erhalten. Weiterhin bleibt im Bereich „Wildnis“ die Bestandsvegetation zu großen Teilen bestehen.

Kleine Wege sowie Lichtungen lockern das Dickicht auf und machen den Bereich in Teilen betretbar. Das ökologische Konzept sieht hierbei jedoch auch Areale vor, die unzugänglich bleiben. So können sich innerhalb des Ortsparks Zonen entwickeln, die der Natur vorbehalten bleiben. Hier nimmt ein sukzessives Wachstum seinen Lauf und bietet Tieren ein ungestörtes Habitat. Darüberhinaus etablieren sich auch in der Parksphäre „Wiese“ Lebensräume für Insekten und Schmetterlinge. Weite Flächen mit autochthonen Blühwiesen und nur vereinzelten Gehölzsolitären bieten dazu den Raum.

Weite Parkwiesen im Ortspark Kirchheim sollen auch Lebensräume für Insekten und Schmetterlinge bieten. Visualisierung: bloomimages Berlin GmbH – SINAI
Weite Parkwiesen im Ortspark Kirchheim sollen auch Lebensräume für Insekten und Schmetterlinge bieten. Visualisierung: bloomimages Berlin GmbH – SINAI

Parksee als neues Herzstück

Schließlich wartet auch die Sphäre „Wasser“ mit einer ökologischen wie gestalterischen Attraktion auf. Auf besonderen Wunsch der Bürger*innen hin entsteht hier ein über 7 000 Quadratmeter großer Landschaftssee. Das Gewässer wird von wasserbeeinflussten Landschaftsräumen begleitet. Die Planung sieht beispielsweise Schilfinseln und Auenbäume vor. Die Realisierung des Parksees ging dabei nicht ohne Schwierigkeiten vonstatten. So mussten im Laufe der Planung einige Punkte aus der Vorentwurfsplanung überarbeitet werden. Unter anderem die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt, das Wasserwirtschaftsamt, der Bund für Naturschutz und der Landesbund für Vogelschutz waren dabei in den Prozess integriert. Sie wiesen zum Beispiel auf die geringe Tiefe des Sees oder die zu gewährleistende Barrierefreiheit der Uferbalkone hin. Durch den intensiven Austausch zwischen den Planer*innen von SINAI und den Behörden konnten die Problematiken jedoch behoben werden.

Der See ist das Herzstück des Ortspark Kirchheim. Visualisierung: bloomimages Berlin GmbH – SINAI
Der See ist das Herzstück des Ortspark Kirchheim. Visualisierung: bloomimages Berlin GmbH – SINAI

Anpassungen im Realisierungsprozess

So wird der gesamte Ostpark – und nun auch die Uferzone – barrierefrei zugänglich sein. Die Hauptwege im Park wurden zwar nun teilweise verschmälert, die Materialität jedoch beibehalten. Neben unterschiedlichen anderen Befestigungen kommen auch Asphalt und Beton zum Einsatz. So können alle Bewegungsgruppen gleichermaßen die Wege begehen und die Flächen nutzen.

Auch am Parksee kam es zu Anpassungen. Dieser wird in der Realisierung auf bis zu 3,5 Meter vertieft um die Wassertemperatur und somit auch das Algenwachstum geringer zu halten. Auch die Formgebung der Uferbereiche wurde im Planungsverlauf noch angepasst. Die gesamte Westseite ist als weich geschwungene Uferlinie ausgeprägt. Dabei begleiten sanfte Böschungen den Bereich der Liegewiese. Nur ein kleiner Bereich des Sees an der Ostseite weist eine gerade Kante auf. Hier entstehen die Uferterrassen. Weiterhin wird hier eine Filteranlage gebaut. Da kein Anschluss an ein Fließgewässer besteht, sahen die Verantwortlichen eine natürliche Selbstreinigung als kritisch. Durch die Filteranlage wird das Wasser in dichte Schilfpflanzungen gepumpt und rein biologisch gereinigt. So kann auch bei starkem Nutzungsdruck eine hohe Wasserqualität garantiert werden. Bereits ein Jahr vor Beginn der Landesgartenschau – im April/Mai 2023 – wird der See komplett geflutet.

Lageplan des gesamten Ortspark Kirchheim, Plan: SINAI
Lageplan des gesamten Ortspark Kirchheim, Plan: SINAI

Offiziell begannen die Bauarbeiten bereits im September 2021. Die Realisierung des zehn Hektar großen Ortsparks und der verschiedenen Parksphären läuft seitdem auf Hochtouren. Mit großen Schritten eilen Planungsbüro und Verantwortliche nun auf die Eröffnung am 15. Mai 2024 zu. Dann können sich sowohl Besucher*innen auf ein vielfältiges Ausstellungsangebot freuen. Als auch die Anwohner*innen auf eine neue – grüne – Ortsmitte.

Alles wichtige über das Büro SINAI lesen Sie hier.

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