erfahren Sie hier. Der Eingang des Natur Park Südgelände in Berlin-Schöneberg (Foto: Marco Zanin für Fondazione Benetton Studi Ricerche)
erfahren Sie hier. Der Eingang des Natur Park Südgelände in Berlin-Schöneberg (Foto: Marco Zanin für Fondazione Benetton Studi Ricerche)

Der Carlo Scarpa Preis 2022 geht an das Berliner Südgelände

Nach 25 Jahren geht der Carlo Scarpa Preis erstmals wieder an eine Parklandschaft in Deutschland. Welches Berliner Areal die Jury ehrt, lesen Sie hier.

Der Internationale Carlo Scarpa Preis, benannt nach dem italienischen Landschaftsarchitekten, geht im Jahr 2022 an den Natur Park Südgelände in Berlin. Damit erhält zum ersten Mal seit 25 Jahren wieder eine deutsche Parklandschaft den Preis.

Die italienische Benetton Studien- und Forschungsstiftung mit Sitz in Treviso gab die Preisvergabe am 16. März 2022 in Mailand bekannt. Schon seit 1990 wird der Carlo Scarpa Preis jährlich ausgelobt. Er würdigt landschaftsarchitektonische besondere Orte, die naturbezogene, historische und gestalterische Werte miteinander in Beziehung setzen. Der Natur Park Südgelände steht laut der Stiftung für das besondere Naturverständnis Berlins. Er stellt eine Brücke zwischen Ökologie, Kunst und städtischer Kultur dar.

Der Natur Park Südgelände wurde von der Stadt Berlin gesichert und vom landeseigenen Unternehmen Grün Berlin GmbH entwickelt und betrieben.

Christoph Schmidt, Geschäftsführer Grün Berlin: „Wir freuen uns sehr über die hochkarätige Auszeichnung des Carlo Scarpa Preis. Der langgestreckte Natur Park Südgelände steht nicht nur beispielhaft für die Umwandlung einer ehemaligen Berliner Bahnstrecke in einen Park. 1999 als dezentrales Projekt der EXPO 2000 in Hannover eröffnet, ist das Schöneberger Südgelände eine Mischung aus wilder Natur, technischen Relikten und erlebbarer Kunst: ein Stück Stadtnatur, das untrennbar mit der politischen, sozialen und urbanen Geschichte Berlins verbunden ist.“

Der Natur Park Südgelände

Luigi Latini, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der Fondazione Benetton Studi Ricerche, sagte: „Der Natur Park Südgelände steht für eine intensive Vermittlung von Natursinn, für Erinnerungskultur, Innovation und ästhetische Forschung. Seine Geschichte wird als Schlüssel zu einem umfassenderen Verständnis einer Stadt verstanden, die eine außergewöhnliche Beziehung zur Natur entwickelt hat und eine besondere Vorstellung von ‘urbaner Natur’ vermittelt.“

Der Natur Park Südgelände steht dabei auch für die ganze Stadtnatur in Berlin, weit über den Stadtteil Tempelhof-Schöneberg hinaus. Denn das Gelände ist Teil eines geschützten Biotopverbundes und Freiraumsystems, das über acht Kilometer lang als linearer Bereich von Norden nach Süden durch Berlin verläuft.

Das Parkgelände bietet viele Nutzungs- und Erholungsangebote. Es vernetzt stadthistorisch und -politisch wichtige Orte und dient zugleich als Wegeverbindung zu Fuß und mit dem Rad. Es liegt auf dem Areal des ehemaligen Rangierbahnhofs Tempelhof, der 1952 stillgelegt wurde. Danach eroberte die Natur die Gleise und Bahnhofsflächen zurück. Bis heute sind hier die technischen Elemente des Bahnhofs, aber auch Umwelt und Kunst zu sehen. Die wilde Natur wird von einem Team aus Gärtner*innen sowie von Heidschnucken-Schafen gepflegt. Zum Areal gehört auch die knapp 5 000 Quadratmeter große Lokhalle mit Wasserturm und Brückenmeisterei. Sie wurde denkmalgerecht zu einem kulturellen Veranstaltungs- und Atelierstandort saniert.

Die Auszeichnung: Eine ausführliche Dokumentation des Parks

Der Carlo Scarpa Preis 2022 wurde mit der Begründung vergeben, das Südgelände stehe für „Natursinn, Erinnerungskultur, Innovation und ästhetische Forschung“. Kern der Auszeichnung ist eine wissenschaftliche Studie zur preisgekrönten Landschaft. Diese umfasst eine ausführliche Dokumentation zu Entwicklung und Geschichte des Ortes, fotografische und wissenschaftlich Essays, Interviews mit beteiligten Akteur*innen sowie einen Dokumentarfilm. Ab Mai 2022 werden die Dokumente in englischer Sprache von der Benetton Stiftung veröffentlicht.

Veranstaltungshinweis: 

Den im Rahmen des Carlo Scarpa Preis produzierten Dokumentarfilm zeigt feldfünf in Berlin am 18. und 27. November.  Anschließenden lädt feldfünf zum informellen Gespräch über den Film und die Berliner Stadtnatur mit dem Regisseur Davide Gambino und weiteren beteiligten Personen ein. Mehr zu der zweiteiligen Veranstaltungsreihe erfahren Sie hier: Filmscreening Carlo Scarpa Preis.

Das Filmscreening bei feldfünf ist Teil einer zweiteiligen Veranstaltungsreihe des Internationalen Carlo Scarpa Preis für den Garten, der erste Teil findet im Italienischen Kulturinstitut Berlin statt.

In ihrer Begründung zum Carlo Scarpa Preis 2022 schreibt die Stiftung: „[…] wegen der immer dringlicheren Notwendigkeit, Orte als Ergebnis gemeinsamer Erfahrung und Stätte der Begegnung von Wissen und Zuhören zu sehen, positioniert zwischen sozialem Umfeld und kultureller Debatte, hat der wissenschaftliche Beirat der Fondazione Benetton Studi Ricerche beschlossen, das Carlo-Scarpa-Siegel drei Persönlichkeiten zu übergeben, die den Geist dieser gemeinsamen Erfahrung vermitteln: der Landschaftsplanerin Rita Suhrhoff (Grün Berlin, verantwortlich für den Park), dem Bildhauer Klaus Duschat (Odious) und dem Ökologen und Landschaftsplaner Ingo Kowarik. In ihren Händen ist der Preis Ausdruck der Verbundenheit und Anerkennung all derjenigen, die mit ihrer Arbeit zeigen, wie notwendig es ist, eine bewusste Beziehung zur Erde zu entwickeln, und die ihr leidenschaftliches Streben nach Wissen verbunden mit dem unermüdlichen Wunsch, sich bei der Gestaltung von Landschaften höchsten ästhetischen, ethischen und ökologischen Ansprüchen zu stellen, unter Beweis stellen.“

Der zweite Carlo Scarpa Preis für Deutschland

Der Natur Park Südgelände ist erst der zweite deutsche Preisträger des Carlo Scarpa Preises. Davor erhielt das Dessau-Wörlitzer Gartenreich im Jahr 1997 die Auszeichnung. Es gehört auch zum UNESCO-Welterbe. Weitere Preisträger und Forschungsobjekte der Stiftung sind die Agdal-Gärten von Marrakesch (2000), das „Rose Valley Red Valley“ im türkischen Kappadokien (2020/21) sowie die Tee-Gärten im chinesischen Wuyuan (2019).

Der Carlo Scarpa Preis soll nicht nur die landschaftliche Besonderheit und Pflege bestimmter Grünflächen hervorheben. Er  soll überdies auch als Instrument, um diese nachhaltig zu schützen. Entsprechend lenkt der Preis die Aufmerksamkeit auf die intellektuellen und manuellen Aufgaben, die hinter der Erstellung und Pflege eines Parks stehen. Zudem sucht das Komitee nach besonderen Projekten, die zum Nachdenken anregen und zukunftsfähige Konzepte haben. Es besteht aus einem internationalen Team an Architekt*innen, Gartenexpert*innen, Agronom*innen, Geographiker*innen, Botanist*innen und Historiker*innen. Das Siegel des Preises basiert auf einem Design von Carlo Scarpa selbst (1906-1978).

Eine andere beeindruckende Landschaft, die 2020 mit dem Carlo Scarpa Preis geehrt wurde, ist das Rosental und die Rote Schlucht in Kappadokien.

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Studentische Arbeiten II: Die G+L im September 2021

Aurelia Ibach
Aurelia Ibach

Das Heft als Teaser: weitere studentische Arbeiten online

Im September 2019 veröffentlichten wir die erste G+L mit dem Titel „Studentische Arbeiten“. Hier stellten wir außergewöhnliche Projekte vor, die im Jahr zuvor in den Landschaftsarchitektur­studiengängen deutscher Universitäten entstanden sind. Nun, zwei Jahre später und unter ganz anderen Studienbedingungen (die Corona-Pandemie lässt grüßen), setzen wir die Ausgabe zur Reihe fort (und denken im Übrigen bereits jetzt schon wieder voller Begeisterung über das Folgeheft „Studentische Arbeiten III“ nach).

Damit alles fair bleibt, konzentrieren wir uns im vorliegenden Heft auf Abschluss- und Projektarbeiten, die an Hochschulen und ­Uni­versities of Applied Sciences entstanden sind. Unser Ziel: heraus­ragenden studentischen Arbeiten und den Nachwuchs­talenten, die dahinter stehen, eine Plattform zu geben und Sicht­barkeit für ­Ausnahmetalente zu schaffen.

Bei unseren Vorgesprächen mit Professor*innen und Studierenden mussten wir in der G+L-Redaktion schnell akzeptieren: Ein Heft mit 66 Seiten reicht in keinem Fall aus, die vielen, wirklich guten und spannenden Projekte angemessen vorzustellen, die aktuell an unseren Hochschulen gemacht werden. In diesem Sinne: Sehen Sie das vorliegende Heft bitte als Teaser. Denn: Noch mehr studentische Projekte veröffentlichen wir in den kommenden September-Tagen – Projekt für Projekt – hier, bei uns auf der Webseite.

Was sollten Berufsanfänger*innen anders machen?

Abgesehen von den Projekten aus den Häusern TH Ostwestfalen-Lippe, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, FH Erfurt und BTU Cottbus-Senftenberg bietet das Heft zudem ein paar sehr persön­liche Insights in das Hochschulleben: Eine Absolventin fasst für uns zusammen, was sie gerne vor ihrem Landschaftsarchitekturstudium gewusst hätte, fünf HSWT-Professor*innen sagen frei heraus, was Studierende aus ihrer Sicht nicht wissen (bzw. nicht checken), eine Landschaftsarchitektin blickt zurück auf ihre ersten Monate im Berufsleben und René Rheims von KRAFT.RAUM erörtert, was Berufsanfänger*innen anders machen sollten.

In diesem Sinne: Viel Freude beim Lesen und Stöbern sowie schon mal einen guten Start ins neue Semester (vielleicht diesen Herbst doch tatsächlich wieder ein bisschen in Präsenz?!).

Die G+L 09/21 ist bei uns im Shop erhältlich.

Das neue Fahrradparkhaus Bonn ist aus einzelnen Modulen hergestellt und mit Holz verkleidet. Im Inneren werden die Räder per Paternoster nach oben oder unten transportiert. Das Foto zeigt die Einweihung mit einer kleinen Menschenmenge vor dem Parkhaus.
Das neue Fahrradparkhaus Bonn ist aus einzelnen Modulen hergestellt und mit Holz verkleidet. Im Inneren werden die Räder per Paternoster nach oben oder unten transportiert. Credits: Martin Magunia für SWB Bonn

Die Stadt Bonn hat am 12. Dezember das erste vollautomatische Fahrradparkhaus eingeweiht. Mehr zu der neuen Abstellmöglichkeit am Beuel Bahnhof lesen Sie hier.

„Wir möchten ein CO2-freies Bonn“, verkündet die Stadt im Zuge der Kampagne „Emissionsfreie Innenstadt“. Es sei ein großes Ziel, die Klimakrise erfordere jedoch entschlossenes Handeln. Deshalb möchte Bonn es der eigenen Bevölkerung so einfach wie möglich machen, einen Beitrag zu diesem Ziel zu leisten. Dazu arbeitet sie derzeit konzentriert an drei Maßnahmenschwerpunkten. Zum Einen ist das die Errichtung von Mobilstationen, weiterhin der Bau von Radrouten und schließlich die Umrüstung des städtischen Fuhrparks auf Elektromobilität. Nach der erfolgreichen Einweihung der Mobilstationen vor rund einem Jahr entstand nun in Zusammenarbeit mit und unter der Regie der Stadtwerke ein neues Fahrradparkhaus am Bahnhof Beuel. 

Fahrradparkhaus als ein Schritt hin zur Mobilitätswende

„Es ist ein weiterer Baustein der Mobilitätswende in Bonn“, betont Oberbürgermeisterin Katja Dörner. Das erste intelligente und vollautomatische Fahrradparkhaus Bonn wurde am 12. Dezember feierlich eingeweiht. Das System stammt von dem Schweizer Hersteller V-Locker und soll zukünftig am Mobilitätsknoten Bahnhof Beuel die Möglichkeit bieten, das eigene Fahrrad diebstahlsicher, trocken und kostengünstig abzustellen. „So wird die Nutzung umweltfreundlicher Verkehrsmittel erneut komfortabler, was wiederum allen Verkehrsteilnehmer*innen in Bonn zugutekommt“, führt Oberbürgermeisterin Katja Dörner weiter aus.

Einfache Anmietung per App

Das System ist denkbar einfach. Per App können potentielle Nutzer*innen, einen Platz in einem der Fahrradparkhäuser von unterwegs oder von Zuhause bereits im Vorfeld buchen. Das Öffnen, Schließen und Beenden des Mietvorganges vor Ort wird mit wenigen Klicks über das Handy gesteuert. Über die App ist auch einsehbar, ob noch ein freier Platz im Parkhaus zur Verfügung steht. Insgesamt bietet das Parkhaus Raum für 96 Fahrräder. Um in den circa 0,4 Quadratmeter großen Boxen unterzukommen, dürfen die Räder nicht schwerer als 30 Kilogramm sein. Weiterhin darf der Lenker nicht breiter als 73 Zentimeter und das Fahrrad nicht höher als 113,5 Zentimeter und nicht länger als 190 Zentimeter sein.

Wer diese Voraussetzungen erfüllt, kann das Rad ab einem Euro pro Tag im Fahrradparkhaus Bonn abstellen. Auch längere Mietzeiträume sind möglich, wobei die Preise sinken, je länger die Box angemietet wird. Für eine Woche liegt der Preis bei fünf Euro, für einen Monat bei 15 Euro, für ein Halbjahr bei 60 Euro und für ein ganzes Jahr bei 90 Euro. Um zu Stoßzeiten lange Warteschlangen zu vermeiden, verfügt das Fahrradparkhaus über insgesamt acht Zugangsportale. Gerade für Pendler*innen, die am Bahnhof in den Öffentlichen Nahverkehr umsteigen und ihr – hochwertiges – Rad nicht im Außenraum stehen lassen möchten, könnte das Angebot beispielsweise attraktiv sein.

Nur ein Baustein von vielen

Die Stadt ist sich jedoch bewusst, dass die – zwar preisgünstige, jedoch nicht kostenlose – Abstellmöglichkeit nicht die alleinige Lösung für die Parkproblematik von Fahrrädern in der Stadt sein kann. Deshalb werden neben dem Pilotprojekt am Bahnhof Beuel und drei Fahrradparkhäusern in gleicher Bauweise, auch weitere freie Parksysteme im Stadtbezirk realisiert. „Es gilt weiterhin, einfache und kostenlose Parkplätze für Räder aller Art anzubieten. Nur im Verbund mit anderen Parkplätzen und Systemen entsteht eine erreichbare, attraktive Beueler City“, betont Beuels Bezirksbürgermeister Guido Pfeiffer.

Für die Bonner*innen soll das Fahrradparkhaus am Beueler Bahnhof noch vor Weihnachten nutzbar sein. Dann wird sich zeigen, welchen Effekt es für die Mobilitätswende der Stadt erzielt.

Was andere Städte für die Verkehrswende tun, lesen Sie hier am Beispiel München und der Mobilitätsstation.

 

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