COP28: Lang ersehnter Fortschritt nach 30 Jahren

H.E. Dr. Sultan Al Jaber, Präsident der COP28, und H.E Simon Stiell, UNFCCC Executive Secretary, während der finalen Sitzung am 13. Dezember im Konferenzzentrum in Dubai. (Photo by COP28 / Mahmoud Khaled)
S.E. Dr. Sultan Al Jaber, Präsident der COP28 und S.E. Simon Stiell, UNFCCC-Exekutivsekretär während des Abschlussplenums der UN-Klimakonferenz COP28 in der Expo City Dubai am 13. Dezember 2023 in Dubai, Vereinigte Arabische Emirate. (Foto: COP28 / Mahmoud Khaled)

Nach zwei Wochen intensiver Verhandlungen ist die 28. Klimakonferenz in Dubai zu Ende gegangen. Überraschenderweise enthält das endgültige Abkommen der COP28 die lang erwartete Erwähnung der Abkehr von fossilen Brennstoffen. Lesen Sie hier mehr über die Konferenz.

Abkehr von fossilen Brennstoffen

Der Klimagipfel COP28 in Dubai ging am 13. Dezember nach intensiven Verhandlungen zu Ende. Die endgültige Vereinbarung wird von vielen als großer Schritt vorwärts angesehen: Zum ersten Mal seit 30 Jahren haben sich fast alle Länder der Welt darauf geeinigt, sich von fossilen Brennstoffen als Hauptverursacher des Klimawandels zu verabschieden. Auch wenn diese Vereinbarung längst überfällig und rechtlich nicht bindend ist, so ist sie doch ein Meilenstein. Einige ölproduzierende Länder, allen voran die OPEC, arbeiteten bis in die letzten Stunden der Konferenzen daran, die Erwähnung fossiler Brennstoffe im Abschlussdokument zu vermeiden, was ihnen jedoch nicht gelang.

Seit einigen Jahren wird auf den COP-Konferenzen über einen klaren Aufruf zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen diskutiert. Viele Länder sind immer noch frustriert darüber, dass in der diesjährigen Vereinbarung nur von einem „transitioning away“ und nicht von einem vollständigen „phase-out“ aus fossilen Brennstoffen die Rede ist. Außerdem enthält der Text viele Schlupflöcher, die es ermöglichen könnten, die Produktion und den Verbrauch von Kohle, Öl und Gas fortzusetzen.

Nach einem frühen Durchbruch bei der Einrichtung eines Fonds, der für Loss and Damage (etwa „Verluste und Schäden“) durch den Klimawandel auf der COP28 aufkommen soll, zeigten sich viele Länder enttäuscht. Vor allem fehlten neue finanzielle Zusagen der wohlhabenderen Länder, um die Abkehr von fossilen Brennstoffen und die Anpassung an die Klimaauswirkungen zu unterstützen.

Verdreifachung der erneuerbaren Energien bis 2030

COP-Präsident Sultan Al Jaber war kritisiert worden, weil er die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die negativen Umweltauswirkungen fossiler Brennstoffe leugnete. Nun erhielt er Beifall dafür, dass es ihm gelungen ist, ein Abkommen auszuhandeln, in dem fossile Brennstoffe endlich erwähnt werden. Zugleich wurde die Präsidentschaft aber von Vorwürfen überschattet, die Vereinigten Arabischen Emirate hätten die COP28 genutzt, um Geschäfte mit Öl und Gas zu machen. Viele Vertreter*innen der fossilen Brennstoffindustrie waren anwesend. Dennoch einigten sich 200 Länder darauf, die CO2-Emissionen aus Öl und Gas künftig zu reduzieren.

Die Vereinbarung von Dubai ist die erste global Bestandsaufnahme („global stocktake“), die zeigt, wie die Länder ihre Klimaschutzmaßnahmen beschleunigen können und müssen, um die Ziele des wegweisenden Pariser Abkommens von 2015 zu erreichen. Dies geht mit zahlreichen internationalen Zusagen einher, die erneuerbaren Energien zu verdreifachen, Maßnahmen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt zu ergreifen und die Unternehmensemissionen zu reduzieren. 100 der 200 Mitgliedsländer verpflichteten sich, die weltweit installierten erneuerbaren Energien bis 2030 zu verdreifachen und die Effizienzraten bis zum Ende des Jahrzehnts zu verdoppeln.

Einige Fortschritte wurden bei den Methanemissionen erzielt, die nach CO2 das zweitschlimmste Treibhausgas darstellen. Fünfzig Ölgesellschaften, die die Hälfte der weltweiten Produktion ausmachen, verpflichteten sich, das routinemäßige Abfackeln („flaring“) von aktiven Öl- und Gasbohrungen zu beenden. Darunter versteht man das Verbrennen von überschüssigem Methan. Wenn diese Zusage erfolgreich ist, wird sie einen Temperaturanstieg von 0,1 Grad Celsius verhindern.

Zu Beginn der COP28 waren die Erwartungen niedrig. Das Ergebnis ist bei weitem nicht perfekt, aber immerhin wurde Fortschritt erzielt. (Foto. COP28 / Mahmoud Khaled)
Zu Beginn der COP28 waren die Erwartungen niedrig. Das Ergebnis ist bei weitem nicht perfekt, aber immerhin wurde Fortschritt erzielt. (Foto. COP28 / Mahmoud Khaled)

Nicht einmal annähernd ein Triumph?

Viel Kritik kam von den kleinen Inselstaaten und Entwicklungsländern. So sagte die Verhandlungsführerin von Samoa, dass die Abkehr von fossilen Brennstoffen auf einer breiteren Basis in der Wirtschaft und nicht nur in den Energiesystemen erfolgen müsse. Sie zeigte sich auch besorgt darüber, dass die Kohlenstoffabscheidung und -speicherung weiterhin zulässig ist, was für einige Unternehmen ein Freibrief für die weitere Förderung von Öl und Gas sein könnte.

Und obwohl eine Vereinbarung, die Ära der fossilen Brennstoffe offiziell zu beenden, vor 10 oder 20 Jahren sehr willkommen gewesen wäre, ist sie nun überfällig. Die Delegierten der COP28 feierten das Ergebnis, aber laut The Guardian „war es nicht der Wendepunkt, der nötig war, um eine Klimakatastrophe zu verhindern, um die Ära der tödlichen fossilen Brennstoffe zu beenden oder um den Nordstern von 1,5°C zu retten. Zu behaupten, es sei ein Triumph oder auch nur annähernd so etwas, ist schlichtweg eine Lüge.“

Wie geht es weiter? Ein wichtiger Termin für die Länder ist Anfang 2025, wenn die nächsten national festgelegten Beiträge (Nationally Determined Contributions) fällig sind. Und Ende 2024 wird die COP29 in Baku, Aserbaidschan, stattfinden, wo Beobachter einen starken russischen Einfluss erwarten und befürchten, dass die Ölproduzenten versuchen könnten, einen Rückzieher zu machen. Dennoch ist es einem ölproduzierenden Land gelungen, eine wichtige Verpflichtung in eine COP einzubringen. Es liegt nun an den Mitgliedstaaten, dieses Signal für das Ende der Ära der fossilen Brennstoffe ernst zu nehmen.

Weiterlesen: Die letztjährige COP27 brachte zwar Fortschritte beim Thema Loss and Damage, war aber insgesamt eher enttäuschend.

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Digitale Umfrageplattform für mikrogeografische Beteiligung

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Stimmungsvolle Ansicht roter Dächer in urbaner Umgebung, fotografiert von Yevheniia

Stellen Sie sich vor, Beteiligungsverfahren wären so kleinteilig, dass sie einzelne Straßenecken, Parks und Hinterhöfe digital abbilden, auswerten und punktgenau für die Bürgerbeteiligung öffnen – und zwar nicht in ferner Zukunft, sondern jetzt. Digitale Umfrageplattformen für mikrogeografische Beteiligung machen genau das möglich. Sie katapultieren die Partizipation aus staubigen Sitzungssälen direkt auf den Bildschirm – mit Präzision, Transparenz und Geschwindigkeit. Aber wie funktioniert das, wer profitiert wirklich und warum ist diese Technologie für die Stadtentwicklung im deutschsprachigen Raum so vielversprechend? Willkommen in der Ära der digitalen Echtzeit-Beteiligung bis auf den Quadratmeter genau.

  • Einführung in digitale Umfrageplattformen als Werkzeuge der mikrogeografischen Beteiligung
  • Präzise Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung auf Quartiers-, Straßen- und Objektebene
  • Technische Grundlagen: GIS, Geofencing, Datenvisualisierung und Schnittstellen
  • Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz: Anwendungsfälle, Herausforderungen, Erfolge
  • Vorteile für Planer, Verwaltungen und die Stadtgesellschaft: Effizienz, Inklusion, Transparenz
  • Herausforderungen: Datenschutz, digitale Spaltung, Repräsentativität, Qualitätssicherung
  • Strategien für eine erfolgreiche Implementierung in der kommunalen Praxis
  • Potenziale für die Zukunft: Integration in Smart-City-Infrastrukturen und Stadtentwicklung 4.0
  • Kritische Reflexion: Vom Partizipations-Feigenblatt zur demokratischen Innovation
  • Konkrete Handlungsempfehlungen für professionelle Akteure in Planung und Verwaltung

Was ist mikrogeografische Beteiligung – und warum braucht es digitale Umfrageplattformen?

Die klassische Bürgerbeteiligung in der Stadtplanung gleicht oft einer Mischung aus Ritual und Zufallsprinzip. Wer Zeit und Muße hat, besucht abendliche Foren, gibt Stellungnahmen ab oder kritzelt Anmerkungen auf Plänen im Rathaus. Die Folge: Die Beteiligung bleibt häufig oberflächlich, die Rückmeldungen sind unscharf, die Zielgruppen einseitig. Schon lange fordern Stadtplaner und Landschaftsarchitekten Formate, die den lokalen Kontext besser einfangen – und zwar nicht auf der Metaebene, sondern im Maßstab 1:1. Hier setzt die mikrogeografische Beteiligung an. Sie verspricht Beteiligung, die bis auf den Bordstein, den Spielplatz oder die Bushaltestelle präzise erfasst, was Menschen bewegt.

Digitale Umfrageplattformen sind dabei weit mehr als Online-Fragebögen. Sie kombinieren moderne Geoinformationssysteme (GIS) mit intuitiven User-Interfaces und dynamischer Datenvisualisierung. Bürger können auf digitalen Karten gezielt Orte markieren, Kommentare verorten, Verbesserungsvorschläge einreichen und sogar priorisieren. Die Plattformen werten diese Rückmeldungen in Echtzeit aus, clustern sie nach Themenfeldern und machen sie für Planer, Verwaltung und Politik unmittelbar sichtbar – nicht als anonyme Masse, sondern fein granuliert nach Standorten, Nutzungssituationen und Zielgruppen.

Warum ist das für die Stadtentwicklung in Deutschland, Österreich und der Schweiz so relevant? Ganz einfach: Die Herausforderungen urbaner Transformation werden immer lokaler. Es geht nicht mehr nur um große Masterpläne, sondern um die Qualität einzelner Räume, Wege und Plätze. Mikrogeografische Beteiligungsplattformen liefern das fehlende Bindeglied zwischen Top-down-Strategien und Bottom-up-Erfahrungen. Sie eröffnen die Chance, lokale Expertise systematisch in die Planung einzubinden – und zwar ohne Zeitverzug, ohne Filter und ohne Umwege.

Das verändert das Rollenverständnis aller Akteure. Planer erhalten nicht mehr nur aggregierte Meinungsbilder, sondern konkrete Hinweise zu Engpässen, Konflikten oder Potenzialen in einzelnen Quartieren. Verwaltungen gewinnen einen direkten Draht zu den Anliegen der Bevölkerung – und können Entscheidungen nachvollziehbar kommunizieren. Und für Bürger wird Beteiligung endlich alltagstauglich: Von zu Hause, unterwegs oder direkt vor Ort, mit Smartphone, Tablet oder PC. Kurz: Die Schwelle zur Mitgestaltung sinkt dramatisch.

Doch wie funktionieren diese Plattformen technisch, wie werden Daten erhoben und gesichert – und wie lässt sich verhindern, dass aus digitaler Beteiligung bloßes Clicktivism wird? Diese Fragen sind zentral, wenn die mikrogeografische Beteiligung nicht zur Spielwiese digitalaffiner Minderheiten, sondern zum echten Demokratie-Update werden soll.

Technische Grundlagen: So funktionieren digitale Umfrageplattformen für mikrogeografische Beteiligung

Im Zentrum jeder digitalen Umfrageplattform steht eine leistungsfähige Geodaten-Infrastruktur. Sie bildet die räumliche Basis, auf der sämtliche Beteiligungsprozesse ablaufen. Moderne Plattformen verwenden dabei zumeist offene Kartenlösungen wie OpenStreetMap, kombinieren diese mit amtlichen Kataster- und Luftbilddaten und ermöglichen so die exakte Verortung von Rückmeldungen. Über Geofencing-Technologien können bestimmte Areale gezielt freigeschaltet werden – etwa ein geplantes Neubaugebiet, ein Park oder eine Straßenachse. Nutzer erhalten dann die Möglichkeit, innerhalb dieser Flächen Verbesserungsvorschläge, Probleme oder Ideen punktgenau zu platzieren.

Ein zweiter technischer Baustein ist die intelligente Datenvisualisierung. Statt einer anonymen Kommentarflut entstehen Heatmaps, Cluster und Themenkarten, die Planern und Verwaltung sofort zeigen, wo es Häufungen gibt, welche Themen dominieren und wo es möglicherweise Handlungsbedarf gibt. Fortschrittliche Plattformen integrieren sogar Künstliche Intelligenz, die Stimmungsbilder analysiert, Dopplungen erkennt und Rückmeldungen thematisch zusammenfasst. Das Ergebnis ist eine neue Qualität der Auswertung, die klassische Excel-Listen und Papierstapel weit hinter sich lässt.

Eine besondere Stärke mikrogeografischer Plattformen liegt in der Schnittstellenoffenheit. Über sogenannte APIs (Application Programming Interfaces) lassen sich Rückmeldungen nahtlos in bestehende Planungstools, GIS-Anwendungen und Verwaltungsprozesse einbinden. So werden aus digitalen Beteiligungsdaten keine Insel-Lösungen, sondern Bausteine einer integrierten Stadtentwicklung. Durch die Verknüpfung mit Open Data, 3D-Stadtmodellen und Sensorik entsteht ein lebendiges, datengetriebenes Abbild des urbanen Raums – das jederzeit aktualisiert, erweitert und analysiert werden kann.

Datensicherheit und Datenschutz sind dabei keine Nebensache, sondern Grundvoraussetzung für das Gelingen. Moderne Plattformen setzen auf Verschlüsselung, Anonymisierung und DSGVO-konforme Prozesse. Nutzer behalten die Kontrolle über ihre Angaben, Rückmeldungen werden pseudonymisiert und sind nur für autorisierte Akteure in Planung und Verwaltung einsehbar. Viele Anbieter ermöglichen zudem Transparenzberichte, in denen nachvollzogen werden kann, wie die Daten genutzt und ausgewertet wurden.

Auch Barrierefreiheit spielt eine zunehmend wichtige Rolle. Gute Plattformen sind responsiv, mehrsprachig und für Menschen mit Einschränkungen konzipiert. Sie bieten Hilfestellungen, leicht verständliche Erklärtexte und oft sogar Unterstützung durch Chatbots oder Service-Hotlines. Kurzum: Technische Exzellenz ist kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung dafür, dass digitale Beteiligung tatsächlich inklusiv und wirkungsvoll wird.

Praxisbeispiele und Erfahrungen: Wie Städte im deutschsprachigen Raum mikrogeografische Beteiligung umsetzen

Werfen wir einen Blick auf die Praxis: In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es mittlerweile eine wachsende Zahl an Kommunen, die mit digitalen Umfrageplattformen experimentieren – mit ganz unterschiedlichen Motiven und Ergebnissen. In Hamburg etwa wurde im Rahmen des Projekts „Beteiligung.Nord“ eine Plattform entwickelt, die Bürger an der Umgestaltung ganzer Straßenzüge teilhaben ließ. Die Besonderheit: Rückmeldungen waren nicht nur allgemein möglich, sondern konnten auf einzelne Kreuzungen, Bushaltestellen oder Grüninseln verortet werden. Das Resultat: Planer erhielten ein ungewöhnlich detailliertes Bild von Nutzungskonflikten, Mobilitätsbedürfnissen und Aufenthaltsqualitäten – und konnten die Planung entsprechend nachjustieren.

In Zürich setzt die Stadtverwaltung auf eine Plattform, die speziell für die Beteiligung in Parkanlagen konzipiert wurde. Nutzer markieren Lieblingsplätze, melden Missstände oder schlagen neue Nutzungen vor. Besonders spannend: Die Plattform ist mit dem städtischen Beschwerdemanagement verknüpft. So werden aus Beschwerden direkt Handlungsschritte abgeleitet – und die Bürger erhalten Feedback, was mit ihren Hinweisen passiert. Das schafft Transparenz und Vertrauen in die Planung.

Wien wiederum hat im Rahmen des Smart-City-Programms eine mikrogeografische Umfrageplattform für die Entwicklung des Sonnwendviertels genutzt. Hier wurden nicht nur Anwohner, sondern auch Gewerbetreibende und temporäre Nutzer wie Schüler oder Senioren gezielt einbezogen. Die Plattform ermöglichte es, Rückmeldungen nach Tageszeit, Wochentag und Nutzungsschwerpunkt auszuwerten – etwa zur Sicherheit auf dem Schulweg oder zur Aufenthaltsqualität am Abend. Das Ergebnis: Die Planung konnte flexibel auf differenzierte Nutzergruppen reagieren und gezielte Maßnahmen entwickeln.

Auch kleinere Städte und Gemeinden profitieren von digitaler Mikro-Beteiligung. In der Schweiz etwa nutzte die Gemeinde Uster eine Plattform, um die Neugestaltung eines zentralen Platzes dialogisch zu begleiten. Bürger konnten nicht nur Vorschläge einreichen, sondern diese auch bewerten und priorisieren. Die Plattform generierte daraus Handlungsempfehlungen, die direkt in den politischen Prozess einflossen. Das Resultat: Eine ungewöhnlich hohe Akzeptanz der Planung und deutlich weniger Widerstände im weiteren Verfahren.

Doch bei aller Begeisterung zeigen die Beispiele auch Grenzen: Die digitale Spaltung bleibt eine Herausforderung, ältere Menschen und technikferne Gruppen sind weiterhin schwer erreichbar. Auch die Frage der Repräsentativität ist ungelöst: Wer nutzt die Plattformen wirklich, und wie werden stille Gruppen sichtbar gemacht? Erfolgreiche Projekte setzen daher zunehmend auf hybride Beteiligungsformate – digitale und analoge Angebote, die sich gegenseitig ergänzen und so die Reichweite und Wirkung maximieren.

Chancen, Risiken und Erfolgsfaktoren: Wie gelingt die digitale Transformation der Beteiligung?

Die Potenziale mikrogeografischer Umfrageplattformen sind enorm – und sie reichen weit über das klassische Beteiligungsspektrum hinaus. Sie ermöglichen eine nie dagewesene Präzision, Geschwindigkeit und Transparenz in der Kommunikation zwischen Stadtgesellschaft und Verwaltung. Planer erhalten belastbare Daten direkt aus dem Alltag der Nutzer, können Konflikte frühzeitig erkennen und Maßnahmen gezielt steuern. Verwaltungen gewinnen ein Werkzeug, das nicht nur Partizipation dokumentiert, sondern auch als Frühwarnsystem für Probleme dient. Und die Stadtgesellschaft wird zum aktiven Mitgestalter, der nicht nur kritisiert, sondern auch Verantwortung übernimmt.

Doch die Risiken sind nicht zu unterschätzen. Datenschutz bleibt ein Dauerthema: Wer garantiert, dass sensible Standortdaten nicht in falsche Hände geraten? Wie wird verhindert, dass Rückmeldungen manipuliert oder missbräuchlich verwendet werden? Hier braucht es klare Regeln, technische Standards und unabhängige Kontrolle. Auch die Gefahr der digitalen Exklusion ist real: Wer keinen Internetzugang hat oder digitale Plattformen nicht nutzen kann, bleibt außen vor. Professionelle Akteure müssen daher gezielt niedrigschwellige Angebote schaffen und analoge Formate mitdenken.

Ein weiteres Risiko ist die Überforderung der Beteiligten. Wenn Plattformen zu komplex sind, zu viele Optionen bieten oder Rückmeldungen nicht nachvollziehbar ausgewertet werden, droht Frust statt Motivation. Hier gilt: Weniger ist oft mehr. Eine klare, intuitive Nutzerführung, transparente Kommunikation und echtes Feedback an die Teilnehmenden sind entscheidend für den Erfolg. Plattformen dürfen nicht als Black Box wahrgenommen werden, sondern müssen nachvollziehbar machen, was mit den Daten passiert und welche Wirkung die Beteiligung tatsächlich entfaltet.

Repräsentativität ist und bleibt ein Knackpunkt. Digitale Umfragen neigen dazu, bestimmte Gruppen zu bevorzugen – etwa jüngere, technikaffine oder gut vernetzte Bürger. Um diesem Bias entgegenzuwirken, sind gezielte Outreach-Strategien nötig: Kooperationen mit Schulen, Vereinen oder Sozialträgern, mobile Beteiligungsstationen im öffentlichen Raum oder gezielte Ansprache bisher unterrepräsentierter Gruppen. Nur so entsteht ein vollständiges Bild der städtischen Bedürfnisse und Potenziale.

Schließlich braucht es eine neue Beteiligungskultur in Verwaltung und Politik. Digitale Umfrageplattformen sind kein Selbstläufer – sie entfalten ihre Wirkung nur, wenn die Ergebnisse ernst genommen, transparent kommuniziert und in konkrete Maßnahmen überführt werden. Das erfordert Mut, Offenheit und die Bereitschaft, klassische Entscheidungswege zu hinterfragen. Wer Beteiligung als Feigenblatt missversteht, verspielt das Potenzial der Technologie. Wer hingegen auf echte Koproduktion setzt, kann die digitale Transformation der Stadtentwicklung zum Gewinn für alle machen.

Ausblick und Handlungsempfehlungen: Mikrogeografische Beteiligung als Schlüssel zur Stadtentwicklung 4.0

Die Zukunft der Stadtentwicklung ist digital – und sie ist lokal. Mikrogeografische Umfrageplattformen eröffnen die Chance, urbane Transformationsprozesse so präzise, inklusiv und adaptiv zu gestalten wie nie zuvor. Sie sind das fehlende Bindeglied zwischen Big Data und Alltagswissen, zwischen strategischer Planung und konkreter Lebenswelt. Wer heute investiert, legt das Fundament für eine neue Ära der Bürgerbeteiligung – und positioniert sich als Innovationstreiber im Wettbewerb der Städte.

Für professionelle Akteure in Stadtplanung, Landschaftsarchitektur und Verwaltung ergeben sich daraus klare Handlungsempfehlungen. Erstens: Plattformen nur dann einsetzen, wenn sie technisch ausgereift, barrierefrei und datenschutzkonform sind. Zweitens: Beteiligungsprozesse hybrid gestalten – digitale und analoge Formate verzahnen, um alle Zielgruppen zu erreichen. Drittens: Ergebnisse ernst nehmen, transparent kommunizieren und in konkrete Maßnahmen übersetzen. Viertens: Kooperationen mit lokalen Akteuren suchen, um Reichweite und Akzeptanz zu erhöhen. Fünftens: Beteiligung als kontinuierlichen Prozess verstehen, nicht als einmalige Aktion.

Auch die Integration in bestehende Smart-City- und Digitalisierungsstrategien ist entscheidend. Plattformen sollten nicht als Insellösungen betrieben werden, sondern in Dateninfrastrukturen, Urban Data Platforms und digitale Zwillinge eingebettet werden. So entsteht ein ganzheitliches, lernendes System, das Planen, Bauen, Betreiben und Mitgestalten miteinander verbindet – in Echtzeit, auf Augenhöhe und mit maximaler Wirkung.

Der Weg dahin ist anspruchsvoll, aber lohnend. Die Technik ist vorhanden, die Beispiele machen Mut – jetzt braucht es den Willen zur Umsetzung, die Bereitschaft zum Lernen und den Mut zur offenen Kommunikation. Stadtentwicklung 4.0 ist keine Science-Fiction, sondern eine Frage des professionellen Anspruchs. Wer die Chancen mikrogeografischer Beteiligung nutzt, gestaltet nicht nur bessere Städte, sondern auch eine intelligentere, demokratischere und resilientere Gesellschaft.

Am Ende gilt: Digitale Umfrageplattformen sind kein Allheilmittel, aber ein mächtiges Werkzeug. Sie können Beteiligung revolutionieren – wenn sie klug, verantwortungsvoll und mit Blick für das Lokale eingesetzt werden. Die Zukunft der Partizipation liegt im Quadratmeter – und sie beginnt genau jetzt.

Zusammengefasst: Mikrogeografische Umfrageplattformen sind der Gamechanger für die Beteiligungskultur in der Stadtentwicklung. Sie verbinden technologische Innovation mit demokratischem Anspruch und ermöglichen Beteiligung auf Augenhöhe, in Echtzeit und mit nie dagewesener Präzision. Die technische Basis ist solide, die Einsatzmöglichkeiten vielfältig, die Erfolge sichtbar – aber auch die Herausforderungen sind real. Wer das Potenzial dieser Plattformen erkennt und professionell nutzt, verschafft sich einen entscheidenden Vorsprung im Rennen um die Stadt von morgen. Nicht irgendwann, sondern heute.

Helene Hölzl, Foto © Arion Kruja
Helene Hölzl, Foto © Arion Kruja

Gärten, Pflanzen und schöne Landschaftsräume aber auch Kunst, Musik und Gesang waren Helene Hölzls Leben. Ein Nachruf von Marlene Dolar Doná und Antonia Gresser.

Werdegang von Helene Hölzl

Mit dem Waldpark in Potsdam hat Helene vor über 20 Jahren – damals noch für das Amsterdamer Landschaftsarchitekturbüro B&B – ihr erstes großes Projekt entworfen. Dieses spiegelt den für sie typischen, sensiblen Umgang mit dem Ort wider. Es war Teil der Bundesgartenschau 2001 und wurde in der Architekten-Welt viel beachtet und häufig publiziert.
Später im Jahr 2005, als wir unseren Verein ‚LAS – Landschaftsarchitektur in Südtirol‘ gründeten, wussten wir darum, dass Helene in Holland und zuvor in Deutschland weilte und arbeitete, und dass sie an der TU München, in Berlin und Rom studierte. Zudem hatte sie Lehraufträge als Universitätsdozentin am Politecnico Mailand und Politecnico Turin. Einige Male kam sie als Gast zu uns, präsentierte sich in Kolloquien als weltoffene und ideenreiche Diskussionsteilnehmerin bis sie schließlich 2006 Mitglied der LAS wurde und sich sehr für deren Themen engagierte.
So dauerte es nicht lange, bis Helene einfiel, eine Wanderausstellung zum Thema ‚Grün planen‘ zu initiieren. Wir anderen waren schon fast müde, unseren Landsleuten, den Gemeinden und Landesbeamten die Inhalte unseres Berufes vorzutragen, denn das war nicht einfach. Helene Hölzl hatte viele Ideen und einen riesigen Elan, uns alle mitzureißen um eine tolle Ausstellung aufs Parkett zu bringen, die wir 2008 in allen interessierten Gemeinden Südtirols einrichten und vortragen konnten.

Landschaft und Straßenbau

Einige Zeit danach startete Helene im Landhaus Bozen wieder einen Workshop. Diesmal ging es um das Thema Straßen. Etliche Vertreter der einzelnen Ressorts, die mit dem Thema zu tun hatten, waren zugegen und jeder trug seine Gedanken dazu vor. Nachdem alle angehört wurden, ergriff Helene das Wort. Die Ruhe und Sachlichkeit, mit der sie ihre Ansichten ausdrückte, ließ alle aufhorchen und es wurde still im Saal. Sie hatte eine ganz eigene, besonnene und gleichzeitig sehr überzeugende Herangehensweise ans Thema und verstand es, alle ins Gespräch einzubinden und bei den Teilnehmern Enthusiasmus für die Sache zu erzeugen. Es war keine leichte Sache, das Thema ‚Landschaft‘ mit den Beamten des Straßenbaues auf Augenhöhe zu diskutieren. Helene schaffte auch diese Hürde. Mitwirkende haben konstruktiv und zielführend miteinander kommuniziert.
Helene hat sich in den vergangenen Jahren ehrgeizig für die Inhalte der Landschaftsarchitektur und – Landschaftsplanung im neuen Raumordnungsgesetz als aktives Mitglied der Kammer der Architekten, Landschaftsplaner, Raumplaner und Denkmalpfleger in Südtirol eingesetzt und einiges erreichen können.

Leider haben ihre körperlichen Kräfte manchmal ausgesetzt und so ist sie heuer an einem sonnigen Frühlingsnachmittag unerwartet im Alter von 51 Jahren verstorben.
Wir trauern um unsere engagierte und liebenswerte Kollegin, deren Gedankengut und Gefühlswelt wir zwar einige Jahre erleben durften, welches uns aber jetzt umso mehr fehlen wird.
So erinnere ich mich an gemeinsame Begehungen ihrer Gartengestaltungen, in denen sie aufzeigte, wie sie den umgebenden Lebensraum und die Vegetation in ihre Entwürfe mit einbezog bzw. wie sie die Wünsche ihrer Kunden in ihren Werken einfließen ließ. Sie zeichnete Skizzen von den Lebensräumen, die eine Parallele zu ihren Entwürfen darstellten. Ich denke hier z.B. an die Entwürfe der Neuen Volksbank in Bozen, die Außen- und Dachflächen beim Milchverarbeitungskonsortium Mila in Bozen oder beim Hotel Cristall in Obereggen.

Foto © Arion Kruja
Foto © Arion Kruja

Berufliche Meilensteine von Helene Hölzl

Den Abschluß ihres Schaffens bilden die Aussenanlagen des Manna Resorts in Montan – ein wunderschöner weitläufiger Hotelgarten, dessen Fertigstellung im vergangenen Herbst erfolgte.
Aus Helenes früher Zeit sind in Südtirol herausragende Werke wie der Eingangsbereich des Botanischen Gartens in Trauttmansdorff mit den hohen Metallvasen im Schotterfeld oberhalb der Mauerkrone und deren Durchfahrt auf der Straße nach Schenna zu nennen. Solch mutige Gestaltungen waren vor dem Jahr 2000 sehr innovativ und richtungsweisend für die Landschaftsarchitektur in Südtirol. Auffallend ist auch der Eingangsbereich des Hotel ‚Four Point by Sheraton‘ in Bozen mit den überhohen rot-quadratischen Vasen vor der Lounge.
Nicht nur Gärten, auch städtebauliche Projekte wie das Wohnbauviertel ‚Casa Nova‘ in Bozen gehörten um das Jahr 2000 zu Helenes beruflichem Meilenstein. 10 Hektar Obst- und Weinbaufläche sollten dieser Bebauung geopfert werden. Für die Planungsaufgabe dieses Viertels wurde das holländische Team um Frits van Dongen, dem Helene angehörte direkt beauftragt aufgrund von Titeln, Curricula und erbrachten Leistungen. Daraus ging die Idee hervor, eine hohe Bebauungsdichte durch Aneinanderfügen von burgenartigen Wohnbauten zu erzielen, die über intensive Grüngestaltungen mit dem ländlichen Kontext kommunizieren sollten. Helenes Aufgabe dabei war es, diese landschaftlichen Einbindung durch grüne Höfe, Weingärten als Grün dazwischen, Baumpflanzungen, Grünverbindungen, Gründächer und grüne Fassaden zu konzipieren.

Das Empfinden zwischen Kunst und Natur

Helene hat sich schon immer – auch in ihrer frühen Zeit als große Entwerferin und Landschaftskünstlerin hervorgetan. Ihre Stärke war es, das Empfinden zwischen Kunst und Natur in ihren Entwürfen zur Geltung zu bringen. Sie beherrschte Kunstinstallationen genauso wie der umgebenden Natur nachempfundene Pflanzungen und verstand beide Elemente je nach Situation und Auftrag geschickt in Szene zu setzen.
Ihre Gestaltungen sind sehr farbenfroh, kontrastreich und trotzdem harmonisch. So wurde Helene Hölzl in einem Buch des Callwey-Verlages zum Thema ‚Gärten des Jahres – die 50 schönsten Privatgärten‘ geehrt, wo ein von ihr gestalteter Garten von 1 500 Quadratmeter Fläche an einem Gutshof in Andrian veröffentlicht wurde.

Helene Hölzls Plan für Wunnebad Winnenden – Saunagarten mit PEYKER Landschaftsarchitektur © Arion Kruja
Helene Hölzls Plan für Wunnebad Winnenden – Saunagarten mit PEYKER Landschaftsarchitektur © Arion Kruja

Helene Hölzl war nicht nur Landschaftsarchitektin. Durch ihre Ausbildung am Konservatorium war sie auch Musikerin und Sängerin, was zu einer ihrer weiteren Leidenschaften gehörte. Ich habe sie einmal im Kreise ihrer Familie singen gehört und war beeindruckt. Ihre Stimme war sehr gut gebildet und kräftig. Sie hat oft in der Kirche ihres Heimatortes Orgel gespielt und in einem Gospelchor gesungen.
Am 30. April 2022 wurde Helene in Andrian zu Grabe getragen. Der Andrianer Kirchenchores hat den Trauergottesdienst feierlich umrahmt.
Helene verstarb am 27. April 2022 – mitten aus dem Leben gerissen. Sie hatte noch viel vor. Projekte, die sie mit Leidenschaft bearbeitete, konnte sie nicht mehr zu Ende führen.
Liebe Helene, du bist nicht mehr hier!
Dein Schaffen aber hat Spuren hinterlassen und dein Geist wird in deinen Werken weiterleben.

Marlene Dolar Doná, Landschaftsarchitektin LAS