Die neuen Freiräume in Gummersbach-Bernberg waren einer der sieben Preisträger beim letzen nrw.landschaftsarchitektur.preis. Foto: Nikolai Benner
Zum elften Mal lobt der bdla in Nordrhein-Westfalen den nrw.landschaftsarchitektur.preis aus. Die Auszeichnung ermöglicht Büros im bdla erneut die Einreichung von konzeptionellen, grünordnerischen, landschaftsplanerischen, städtebaulichen und klimawirksamen Projekten neben der klassischen Objektplanung – und das ganz bis zum 26. Januar 2024.
Landschaftsarchitektur-Preis NRW
Der nordrhein-westfälische Landschaftsarchitektur-Preis, erstmals 2004 ausgelobt, wird alle zwei Jahre verliehen und zeigt die Leistungsfähigkeit nordrhein-westfälischer Landschaftsarchitekt*innen. In Zusammenarbeit mit Baukultur Nordrhein-Westfalen e.V. werden die Beiträge in Ausstellungen und Printprodukten präsentiert. Der Preis 2024 bewertet nicht nur klassische Objektplanung, sondern auch konzeptionelle, grünordnerische, landschaftsplanerische, städtebauliche und klimawirksame Projekte. Büros im bdla sind aufgefordert, Beiträge einzureichen, die durch geschickte Aufbereitung und Herausarbeitung der Alleinstellungsmerkmale auf einem DIN A1-Blatt und mit einem kurzen Text präsentiert werden können.
Die Kriterien für die Bewertung umfassen hochwertige, sozial und ökologisch orientierte Stadt-, Freiraum- und Landschaftsentwicklung. Sponsoren des Preises 2024 sind die Lorberg Quality Plants GmbH & Co. KG, RINN Beton- und Naturstein GmbH & Co.KG sowie der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau NRW e.V.
Teilnahme
Teilnahmeberechtigt sind Mitglieder des Bund Deutscher Landschaftsarchitekt:innen (bdla). Außerdem muss das eingereichte Projekt in Nordrhein-Westfalen realisiert oder bearbeitet worden sein. Die Projekte dürfen bis zu acht Jahre alt sein, jedoch nicht bereits zu vorherigen Ausschreibungen eingereicht worden sein. Jede*r Teilnehmer*in darf bis zu zwei Beiträge einreichen.
Einsendeschluss ist der 26. Januar 2024. Obacht: Es wird keine Verlängerung geben.
Neugestaltung Moselvorgelände, Bernkastel-Kues, 1. Preis Planorama Landschaftsarchitektur, Berlin
Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen monatlich über die spannendsten Wettbewerbsergebnisse.
Klimagarten – Landesgartenschau Kamp-Lintford 2020, 9. Nachwuchswettbewerb des bdla nw, 1. Preis Jenny Ohlenschlager und Lisa Brunnert, Hamburg
Die Landschaftsarchitekten von Planorama inszenieren mit breiter Freitreppe das Moselvorgelände als Entrée der Stadt. Mit Aussicht auf das gegenüberliegende Ufer samt historischer Kirchenkulisse dient die Treppenanlage zum Aufenthalt oder als Tribüne. Sie verknüpft die Altstadt mit dem tiefergelegenen Uferplatz, der bisher hauptsächlich dem Parken vorbehalten war. „Die Arbeit überzeugt durch ihre klare großräumige Gliederung“, so die Jury. Der zentrale Platz- und Aufenthaltsbereich am Ufer leitet sich aus der Bernkasteller Stadtstruktur ab und bildet mit klarem Bezug die Verlängerung der Altstadt. Die durchgängige Uferpromenade dient vorwiegend Fußgängern und Radfahrern, die benötigten Parkplatzflächen für den Schifffahrtstourismus ordnen sich in den Randbereichen an, mit Zufahrten außerhalb des Zentrums. Der Moselradweg wird von einer Baumreihe begleitet und ist in die breite Moselpromenade integriert. Ein einheitlicher Plattenbelag verbindet Promenade und Uferplatz, zusätzlich strukturiert ein Belagswechsel drei „Aufenthaltsinseln“ mit freien Baumgruppen inmitten der großen Platzfläche.
Gestaltung der öffentlichen Räume in der Sterkrader Innenstadt, Oberhausen, 1. Rang Kraft.Raum, Krefeld
Der Nachwuchswettbewerb des bdla Nordrhein-Westfahlen suchte nach einem „Klimagarten“, der im nächsten Jahr auf der Landesgartenschau Kamp-Lintford präsentiert werden soll. Die Absolventinnen Jenny Ohlenschlager und Lisa Brunnert überzeugten die Jury mit ihrem Gartenkonzept „The Heat“, welches das Kleinklima und die fortlaufende Versiegelung unserer Lebensumwelt thematisiert. Der Ansatz ist konzeptionell und erlebbar zugleich – ein baumbestandener Gartenraum in dessen Innerem sich eine offene Asphaltfläche verbirgt. Die Gegenüberstellung der versiegelten Fläche und der Pflanzung ermöglicht den Besuchern eine direkte Sinnerfahrung bei passendem Wetter, durch deutliche Temperaturunterschiede zwischen der als Wildnis bezeichneten Vegetation und der frei bestrahlten Asphaltfläche. Zusätzliche Erläuterungen oder Infotafeln sind nicht nötig. Der Schatten der Vegetation mitsamt der luftkühlenden Verdunstung spart im gesamten Jahresverlauf einen definierten Bereich der Asphaltfläche aus, das konzeptionelle Kernmoment von „The Heat“. Zwei Wetterstationen dokumentieren die kleinklimatischen Unterschiede.
Mit ihrer Strategie, Freiräume im Oberhausener Stadtbezirk Sterkrade über punktuelle Eingriffe zu aktivieren, überzeugten die Landschaftsarchitekten von Kraft.Raum die Jury in der Mehrfachbeauftragung. Zwei Aktionsbänder sollen sich zukünftig jeweils von den Stadteingängen in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung durch die Fußgängerzone ziehen. Sie verbinden alle Teilräume der Innenstadt miteinander und dienen als Orientierungsmarken für Besucher. Die Bänder heben sich als zwei Meter breite Pflasterstreifen vom umgebenden Belag ab und definieren zu einer Seite hin die Vorzone der Ladenlokale. Bereits vorhandene Gehölze integrieren sie ebenso wie Neuanpflanzungen und das individuell entwickelte modulare Stadtmobiliar. Die jeweiligen Plätze an den Stadteingängen bilden in ihrer Neugestaltung markante Auftaktplätze: Gefasst von einem geschnittenen Gehölzrahmen, bleibt ihre Mitte frei für multifunktionale Nutzungen. Der „Kleine Markt“ erhält als zentraler Marktplatz eine definierte Platzintarsie, seitlich ergänzt durch einen lockeren Baumhain.
Der Elberadweg gehört zu Dresdens beliebtesten Fahrrad- und Wanderwegen. Mit dem Mobil-O-Mat möchte die Stadt weitere Ideen zur Mobilität der Zukunft sammeln. Photo: Sylvio Dittrich
Dresden hat ambitionierte Klimaziele und ist für seine Initiativen zur Bürgerbeteiligung bekannt. Nun hat sich die Stadt vom Wahl-O-Mat inspirieren lassen, der sonst bei politischen Wahlen Stimmungsbilder ermöglicht: Der interaktive Mobil-O-Mat lädt Bürger*innen dazu ein, die Mobilität der Zukunft mitzugestalten.
Die Stadt Dresden hat gemeinsam mit urbanista, einem Büro für Stadtentwicklung und urbane Zukunftsstrategien, den Mobil-O-Mat entwickelt. Dieser Online-Beteiligungsprozess war vom 5. Februar bis zum 17. März geöffnet. Er dient dazu, herauszufinden, welche Mobilitätsmaßnahmen die Bürger*innen von Dresden als zukunftsträchtig einstufen. Denn vor dem Hintergrund der 2022 in Dresden beschlossenen Leitziele der Mobilität geht es nun daran, die Umsetzung zu planen.
Teilnehmende konnten in die Rolle einer verkehrsplanenden Person schlüpfen und ein Maßnahmenset zusammenstellen. Es gab dafür ein fiktives Budget von 500 Euro. Die Maßnahmen konnten sowohl den Fuß- und Radverkehr als auch Bus und Bahn, Kfz- und Wirtschaftsverkehr, vernetzte Mobilitätsangebote, elektrische Antriebe, Parken und den Stadtraum betreffen.
Mobil-O-Mat, Copyright: urbanista
Simulation der Auswirkung von Maßnahmen auf Verkehr und Mobilität
Der Dresdner Mobilitätsplan 2035+ schreibt den Verkehrsentwicklungsplan 2025plus fort. Dabei soll er einen Fahrplan für die Zukunft darstellen. Die Leitziele der Mobilität in Dresden sind folgende:
Klimaschonende Mobilität
Sozial, gesund und sicher unterwegs
Stadtverträgliches Verkehrssystem
Erreichbarkeit und ökonomische Stabilität
Da die Planung von Verkehr und Mobilität komplex ist und viele Anforderungen bezüglich der lebenswerten, klimaverträglichen und verkehrssicheren Stadt hat, befragte die Stadt Dresden ihre Bürger*innen, die alle von dem Thema betroffen sind. Denn es gibt bereits zahlreiche Ideen und Meinungen dazu, wie die Mobilität der Zukunft in Dresden aussehen könnte. All diese sollen in dem Beteiligungsprozess durch den Mobil-O-Mat gesammelt und systematisch dargestellt werden.
Dabei ist der Mobil-O-Mat mehr als nur ein Umfrage-Tool. Vielmehr ermöglicht er es, die Auswirkungen von Maßnahmen auf Mobilität und Verkehr zu simulieren. Teilnehmende hatten bis zum 17. März die Möglichkeit, aus etwa 50 Maßnahmen ein persönliches Set zu erstellen. Jede dieser Maßnahmen verursacht Kosten, kann aber auch ein Guthaben einbringen, wenn Geld eingenommen wird. Die Planung in dem Simulator berücksichtigte dies und funktionierte, solange das fiktive Budget von 500 Euro vorhanden war.
Der Dresdner Hauptbahnhof ist einer der wichtigsten Knotenpunkte in Ostdeutschland. Copyright: DMG/Sylvio Dittrich
Ein Stimmungsbild zur Mobilität in Dresden
Jede der Maßnahmen im Mobil-O-Mat hat einen bestimmten Wert, der zeigt, wie die vier Ziele die Verkehrs- und Mobilitätsplanung von Dresden beeinflussen. Über die Simulation hinweg färbt sich der Stand der Ziele von grau zu hellgrün bis hin zu dunkelgrün. Je besser die Ziele erreicht werden, desto ausgewogener ist die Planung.
Die Ziele im Mobil-O-Mat spiegeln dabei die im MOBIdialog 2035+ erarbeiteten und vom Stadtrat beschlossenen 14 Leitziele für die Mobilität wider. Insgesamt gehören 62 Personen dem Diskussionsforum an. Dies sind zufällig ausgewählte Dresdnerinnen und Dresdner sowie Vertreter*innen der Politik, Wissenschaft, Verbände, Vereine und Institutionen.
Mit dem Mobil-O-Mat verfolgen urbanista und die Stadt Dresden die Absicht, diese Leitziele bekannter zu machen und Aufmerksamkeit für die Mobilitätsstrategie der Stadt zu schaffen. Zudem möchte die Stadtverwaltung ein Stimmungsbild zur Mobilität in Dresden erhalten. Die Ergebnisse werden auf www.dresden.de/mobiplan veröffentlicht.
Dresden ist Tag und Nacht mit Straßenbahn- und Buslinien verknüpft, die in fast alle Ecken der Stadt fahren. Copyright: Sebastian Weingart
Teil der EU-Städtemission
Im Jahr 2022 verkündete die Europäische Kommission, dass Dresden zu den „100 klimaneutralen und intelligenten Städten bis 2030“ der EU-Mission gehören würde. Eine Arbeitsgruppe aus SachsenEnergie AG, Stadtentwässerung Dresden GmbH, Stadtreinigung Dresden GmbH und Stadtverwaltung hatte die Bewerbung erarbeitet. Die EU-Städtemission unterstützt Pilotstädte dabei, innovative und stadtgesellschaftlich mitgetragene Wege zur Treibhausgasneutralität zu erarbeiten und umzusetzen.
Fast 400 Städte aus allen 27 Ländern der Europäischen Union hatten sich für die EU-Städtemission beworben. 100 EU-Städte und 12 Städte aus Ländern, die mit dem Horizont Europa (2021-2027) assoziiert sind, erhielten den Titel. Sie werden vollständig vom EU NetZeroCities-Programm unterstützt, erhalten aber keine direkte finanzielle Förderung.
Als Teil der Mitgliedschaft müssen Städte einen Climate City Contract erarbeiten. Dieses städtische Rahmenprogramm beschreibt, wie der Weg zur Klimaneutralität aussehen könnte. Dabei ist es besonders wichtig, relevante Akteur*innen in den Kommunen zu beteiligen. Mit dem Mobil-O-Mat zeigt Dresden, wie dies auf spielerische Art und Weise gelingen kann.
Eine wesentliche Strategie in Dresden ist die enge Verzahnung des Mobilitätsplans 35+ mit der Smart-City-Strategie. Auch ein Positiv-Energie-Quartier gehört zu den geplanten Innovationen. Im September 2024 soll der Climate City Contract von Dresden bei der Europäischen Kommission eingereicht werden.
Weiterlesen: Schon 2021 lud die Stadt Dresden ihre Bürger*innen dazu ein, am Energie- und Klimaschutzkonzept mitzuarbeiten. Das Ziel der Stadt besteht darin, schon vor 2050 klimaneutral zu werden. Ob das funktionieren kann, haben wir hier diskutiert.