Deutschland in der Baukrise? – Die G+L im Januar 2024

Die Januarausgabe der G+L beschäftigt sich mit dem Thema Baukrise in Deutschland. Coverbild: Amanda Kloska via Unsplash
Die Januarausgabe der G+L beschäftigt sich mit dem Thema Baukrise in Deutschland. Coverbild: Amanda Kloska via Unsplash

Bauministerin Klara Geywitz spricht von einer „kurzen konjunkturellen Herausforderung“, Vonovia stoppt jedoch aufgrund zu hoher Kosten den Bau von 60 000 Wohnungen. Inzwischen ist die Verunsicherung in der deutschen Bau­ und Immobilienindustrie groß. Wie tief stecken wir schon in der Krise? Das diskutieren wir in der Januarausgabe der G+L und holen hierfür die Expert*innenmeinung aus Planung, Bauindustrie, Wirtschaft und öffentlichem Dienst ein.

Nicht allen Segmenten geht es schlecht

PROJECT, Euroboden, Signa: In den vergangenen Monaten mussten mehrere Immobilienunternehmen Insolvenz anmelden. Die gesellschaftliche Aufmerksamkeit hierzu ist groß und überraschend langanhaltend. Deutschland stecke in einer Baukrise, berichten zahlreiche Medien. Die Kräne in Berlin und Co. ständen still. Rein faktisch ist das aber natürlich ziemlicher Quatsch. Nicht allen Segmenten der Baubranche geht es schlecht.

Die Krise im Wohnungsneubau

Betroffen von der Krise ist hauptsächlich der Wohnungsneubau. Die Zahl der Baugenehmigungen brach 2023 um ein Drittel ein. Die Gründe hierfür finden sich allen voran in hohen Kosten, gestiegenen Zinsen, fehlenden Grundstücken und hohen staatlichen Auflagen. Im September empfing Bundeskanzler Olaf Scholz 30 Verbände sowie Vertreter*innen von Ländern und Kommunen auf dem Wohnungsbaugipfel in Berlin. Es folgte ein 14-Punkte- Plan. Von Klara Geywitz‘ Ziel der 400 000 neuen Wohnungen pro Jahr sind wir weiterhin weit entfernt.

Verunsicherung in der gesamten Baubranche

Die Krise konzentriert sich also auf einen Bereich, die Verunsicherung nimmt jedoch kollektiv in der gesamten Baubranche zu. Und das nicht unberechtigterweise. Expert*innen aus Wirtschaftsforschungskreisen ließen uns in den Redaktionen der G+L und des BAUMEISTER wissen, seit Jahren die nötigen Maßnahmen für den Wohnungs(neu)bau vorgebetet zu haben. Die Politik bliebe aber penetrant untätig. Warum soll sich nun etwas tun? Aus der BAUMEISTER-Redaktion hieß es zudem, erste Bauindustrie-Unternehmen schickten ihre Mitarbeitenden in Kurzarbeit.

Wer muss wo und wie tätig werden?

In der vorliegenden G+L wollen wir wissen, inwiefern diese sogenannte „Baukrise“ bzw. „Wohnungsbaukrise“ Landschaftsarchitektur und Stadtplanung betrifft, aber vor allem auch, was nun aus Planungsperspektive zu tun ist. Andrea Gebhard, Stephan Lenzen, Thomas Welter, aber auch Tim-Oliver Müller haben uns geantwortet und für uns nochmal auf den Punkt gebracht, wer wie und wo nun tätig werden muss – aber auch, warum nun niemand in einen Panik-Modus verfallen sollte.

Liebe Leser*innen, wir hoffen, Sie sind gut in dieses neue Jahr gestartet und freuen uns auf 2024 mit Ihnen.

Das Heft gibt es hier im Shop.

In unserer letzten Ausgabe „Gehälter in der Planung“ haben wir die finanzielle Situation von Planer*innen diskutiert – und einen Blick in die Kassen der Büros geworfen. Mehr dazu im Editorial.

Das könnte Sie auch interessieren
eine-gruppe-von-menschen-die-eine-strasse-neben-hohen-gebauden-entlang-gehen-6Ooq3GMvYIc
Frischluftschneisen sichern – GIS-Tools im Einsatz
200 Meter neben dem Stonehenge soll ein Autobahntunnel gebaut werden (Foto: Song Shin/Unsplash)
Stonehenge-Autobahntunnel laut Gericht ungesetzlich
Grüne Lunge rund um Eiffelturm
menschen-die-auf-einer-strasse-gehen-BRo7ry8LL4A
Baukultur und Nachhaltigkeit – gestalterische Qualität in der Resilienzdebatte
Blick auf den Münzbach. Quelle: Buga2029/urbanegestalt Köln
Buga 2029: Wettbewerb für Bacharach entschieden
Coverfoto: James Brittain
Parken in der Stadt – Die G+L im Mai 2023
Peter Latz ausgezeichnet
Skyline einer Stadt, die teilweise von Nebel und Dunst umhüllt ist – Sinnbild für natürliche Kühlung durch Verdunstung mit Wasserflächen und Feuchtbiotopen im urbanen Raum.
Natürliche Kühlung durch Verdunstung – Planung mit Wasserflächen und Feuchtbiotopen
Verantwortung für die Stadt übernehmen
Das Gelände um das Botanikum in München, Plan: © studio grüngrau I O&O Baukunst GmbH
Botanikum München

Der Rhein als grenzüberschreitende Verbindung

Die Rheinufer-Projektgruppe der IBA Basel 2020 hat sich zum Ziel gesetzt, einen grenzüberschreitenden Flusspark entlang der Flusslandschaft des Rheins zu gestalten. Grundlage für diese Vision aus vielen Einzelprojekten ist eine Studie, die gemeinsame Bilder für die Region entwirft.

Weitere Informationen erhalten Sie im Heft 08/2015 auf Seite 35.

Die Bedeutung von einem starken Wassermanagement

Effizientes Wassermanagement ist ein Schlüssel zur Bekämpfung urbaner Hitzeinseln und trägt maßgeblich zur Klimaanpassung und Lebensqualität in Städten bei. Durch innovative Lösungen wie Regenwassernutzung, durchlässige Oberflächen und kühlende Wasserflächen können städtische Räume nachhaltig von den Auswirkungen des Klimawandels entlastet werden. Foto von Gilles Rolland-Monnet auf Unsplash

In Zeiten zunehmend heißer werdender Sommer und häufiger auftretender Hitzewellen steht die Anpassung an den Klimawandel im urbanen Raum im Mittelpunkt planerischer und ingenieurtechnischer Überlegungen. Ein zentrales Thema hierbei ist das Wassermanagement, das nicht nur die Versorgung mit Wasser sicherstellt, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Minderung urbaner Hitzeinseln leisten kann. Wassermanagement umfasst eine Vielzahl von Techniken und Systemen, die darauf abzielen, den Wasserfluss in Städten zu optimieren und gleichzeitig die negativen Auswirkungen von Hitze und Trockenheit zu verringern.

Die urbanen Hitzeinseln und ihre Ursachen

Städtische Hitzeinseln entstehen, wenn dichte Bebauung, Asphaltflächen und wenig Grünflächen zu einer Erhöhung der Umgebungstemperaturen führen. Diese Wärmespeicherung hat nicht nur Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Stadtbewohner, sondern auch auf die Gesundheit und Energieeffizienz von Gebäuden. Besonders in dicht besiedelten Gebieten sind die Bewohner hohen Temperaturen und einer schlechten Luftqualität ausgesetzt, was den Bedarf nach wirksamen Maßnahmen zur Hitzereduktion unterstreicht.

Wassermanagement-Systeme als Lösungsansatz

Effizientes Wassermanagement in urbanen Räumen bietet mehrere Lösungen zur Bekämpfung der Hitzeproblematik. Dabei kommen verschiedene Systeme und Technologien zum Einsatz:

1. Grünflächen und Regenwassernutzung

Grünflächen spielen eine entscheidende Rolle bei der Kühlung urbaner Räume. Bäume, Sträucher und Gräser verdunsten Wasser und wirken so temperaturregulierend. Dies kann durch die Integration von Regenwassernutzungssystemen optimiert werden. Regenwasserspeicher und -zisternen sammeln überschüssiges Wasser, das anschließend zur Bewässerung von Grünflächen genutzt werden kann. Solche Systeme tragen nicht nur zur Reduktion der Belastung durch Abwasser bei, sondern erhöhen auch die Wasserverfügbarkeit für städtische Grünräume, die für die Kühlung wichtig sind.

2. Durchlässige Oberflächen und Versickerungssysteme

Ein weiterer Ansatz im Wassermanagement ist die Verwendung von durchlässigen Belägen für Gehwege, Parkplätze und Straßen. Diese sogenannten „grünen“ oder „permeablen“ Flächen ermöglichen es Regenwasser, in den Boden zu versickern, anstatt abzufließen und die Kanalisation zu belasten. Die natürliche Verdunstung aus dem Boden trägt zur Kühlung der Luft bei und fördert gleichzeitig die Grundwasserneubildung. In Kombination mit gezielten Versickerungssystemen, wie Rigolen oder Sickerbecken, kann so das städtische Mikroklima nachhaltig verbessert werden.

3. Kühlende Wasserflächen und Teiche

In einigen Stadtteilen können künstliche Gewässer wie Teiche oder Wasserflächen als zusätzliche Kühlquelle dienen. Diese Flächen absorbieren überschüssige Wärme und tragen durch Verdunstung zur Senkung der Temperaturen bei. Zudem bieten sie ästhetischen Mehrwert und fördern die Biodiversität in urbanen Räumen.

4. Wasserführende Fassaden und Dachbegrünung

Ein innovativer Ansatz sind wasserführende Fassaden oder begrünte Dächer, die zur Kühlung von Gebäuden beitragen. Hierbei wird Wasser auf spezielle Fassadenkonstruktionen oder Dachflächen geleitet, wo es verdunstet und somit die umgebende Luft kühlt. Diese Maßnahmen fördern nicht nur den thermischen Komfort der Gebäude, sondern bieten auch eine natürliche Klimaanpassung, die städtische Räume lebenswerter macht.

Herausforderungen im Wassermanagement

Trotz der Vielzahl an Möglichkeiten zur Integration von Wassermanagement in städtische Strukturen gibt es Herausforderungen, die es zu überwinden gilt:

  1. Finanzierung und Planung: Die Implementierung wassermanagement-technischer Maßnahmen erfordert Investitionen in Infrastruktur und kontinuierliche Wartung. Viele Städte kämpfen jedoch mit begrenzten Budgets und einer unzureichenden Planungskapazität, um solche Projekte flächendeckend umzusetzen.

  2. Wasserverfügbarkeit: In Regionen mit geringen Niederschlägen kann die Nutzung von Regenwasser als Ressource problematisch sein. Die Abhängigkeit von natürlichen Wasserquellen erfordert in diesen Fällen eine präzisere Abstimmung zwischen Bedarf und Verfügbarkeit.

  3. Stadtentwicklung und Integration in bestehende Infrastrukturen: In dicht bebauten Städten ist es oft schwierig, neue Wassermanagement-Lösungen zu integrieren, ohne bestehende Infrastrukturen zu beeinträchtigen. Lösungen müssen oft flexibel sein und an den urbanen Kontext angepasst werden.

Best Practices im Wassermanagement

Trotz dieser Herausforderungen gibt es weltweit bereits Beispiele für erfolgreiche Implementierungen:

  • In Singapur wurde das Konzept des „Blue-Green-Plan“ entwickelt, das die systematische Nutzung von Grünflächen, Regenwasserspeicherung und Wasserflächen zur Verbesserung des städtischen Mikroklimas umfasst. Die Integration von Regenwasserauffangsystemen auf Dächern und Fassaden hilft dabei, die Stadt kühl zu halten und den Wasserverbrauch zu senken.

  • Berlin hat mit seiner „Blauen Infrastruktur“ ein Modell entwickelt, bei dem Wasserflächen und versickerungsfähige Oberflächen in den städtischen Raum integriert werden, um den städtischen Wärmehaushalt zu regulieren und die Verdunstung zu fördern.

  • In Kopenhagen wurde ein umfassendes Regenwassermanagementsystem entwickelt, das sowohl als Hochwasserschutz dient als auch die Kühlung des Stadtklimas unterstützt.

Fazit

Ein funktionierendes Wassermanagement ist mehr als nur die Steuerung des Wasserflusses in Städten – es ist ein integraler Bestandteil der Anpassungsstrategien gegen städtische Hitzeinseln und die damit verbundenen Klimafolgen. Die Investition in durchdachte wassermanagementtechnische Systeme, die Regenwassernutzung, durchlässige Flächen und Wasserflächen umfassen, kann nicht nur die Lebensqualität in Städten erhöhen, sondern auch zur Nachhaltigkeit und Klimafitness urbaner Räume beitragen. Fachleute aus der Architektur und Landschaftsarchitektur sind gefragt, innovative Lösungen zu entwickeln und umzusetzen, die die Städte der Zukunft klimafreundlicher und lebenswerter machen.

Mehr zu Beat the Heat erfahren Sie hier.