Digitalisierung der Baubranche (Foto: Proxyclick Visitor Management System / Unsplash)

Digitalisierung der Baubranche (Foto: Proxyclick Visitor Management System / Unsplash)

Die Bundesarchitektenkammer sieht Handlungsbedarf im Bereich der Digitalisierung der Baubranche. In einer Broschüre haben die Kammern konkrete Forderungen an die Bundesregierung formuliert. Darin wird klar, dass Digitalisierung sich auch auf viele Tätigkeitsbereiche rund um Architektur auswirkt. 

Digitalisierung Baubranche Zukunftsthema

Obwohl die neue Bundesregierung kaum mehr als 100 Tage im Amt ist, richtet die Architektenkammer des Bundes bereits einen Appell an die Regierung. Die Vertreter*innen der 16 Länderkammern fordern, die Digitalisierung der Baubranche zu forcieren. Denn nur wenn digitale Werkzeuge und Planungsmethoden zur Verfügung stehen, können die politischen Ziele in Wohnungsbau und Klimaschutz erreicht werden. Die Baubranche ist eine der großen Branchen der deutschen Wirtschaft und befindet sich derzeit in einer spannenden Phase. Dazu trägt auch die Digitalisierung bei. Sie ist allerdings kein Selbstzweck, sondern dient der Qualität der gebauten Umwelt und hilft, diese nachhaltig zu gestalten. Anders herum gesagt, ist die Digitalisierung der Baubrache ein wesentliches Mittel, um den aktuellen Herausforderungen im Klimaschutz zu begegnen und die formulierten Klimaziele zu erreichen. 

Die Digitalisierung der Baubranche ist eines der wichtigsten Zukunftsthemen. Schon jetzt umfasst das Spektrum digitaler Methoden und Werkzeuge eine ganze Bandbreite. Sie reicht von Building Information Modeling über 3D-Druck von Modellen und Gebäuden, über digitale Fabrikation, künstliche Intelligenz, Mass Customization bis hin zu Robotik, Block Chain und Smart City. Auch bei der Architektenkammer des Bundes sind eine Vielzahl von Initiativen, von Architekt*innen und berufspolitisch Aktiven engagiert, um in der digitalen Transformation Orientierung zu bieten. Zur Unterstützung Interessierter gehören Angebote wie bundesweite Fortbildungsprogramme, praxisnahe Publikationen, qualitätvolle Veranstaltungsformate und berufspolitische Stellungnahmen. Auch die neue Broschüre der Bundesarchitektenkammer zur Digitalisierung der Baubranche leistet einen wichtigen Beitrag dazu. 

Forderungen zur Digitalisierung

Die Methode des Building Information Modeling ist im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung verankert. Dementsprechend ist die Regierung bestrebt, Building Information Modeling auch im Bundesbau zum Standard zu machen. Damit dabei die zahlreichen kleinen und mittleren Architekturbüros in Deutschland nicht abgehängt werden, engagiert sich die Architektenkammer für ihre Mitglieder. Sie setzt sich dafür ein, dass kleine und mittlere Büros in ihrer Vielfalt, Agilität und Flexibilität als treibende Kraft für die Digitalisierung wahrgenommen werden und durch optimale Rahmenbedingungen Unterstützung bekommen. Wie genau diese Unterstützung bei der Digitalisierung der Baubranchen aussieht, das präsentiert die Broschüre „Berufspolitische Forderungen zur Digitalisierung“. Die Veröffentlichung ist von den Digitalisierungsexpert*innen der Bundesarchitektenkammer verfasst und mit Vorschlägen in sieben Handlungsfeldern versehen.

Broschüre benennt sieben Handlungsfelder

Zu den sieben Handlungsfeldern, die die Kammer im Bereich der Digitalisierung der Baubranche identifiziert, gehört die Forderung nach zentraler Planungsverantwortung bei Architekt*innen. Denn auch wenn die BIM-Methode eine starke Kooperation aller am Projekt Beteiligten mit sich bringt, haben Architekt*innen die größte Kompetenz für die erfolgreiche Koordination eines Projekts. Daher fordert die Kammer, dass bei Projekten der öffentlichen Hand die BIM-Gesamtkoordination bei Architekt*innen und Architekten verbleibt.

Die Architektenkammer fordert auch die Unabhängigkeit der Planung von der Ausführung. Denn nur wenn die Planung unabhängig von den wirtschaftlichen Interessen der Ausführenden bleibt, können die Interessen der Bauherrschaft, der Gesellschaft, der Umwelt und der Baukultur gewahrt sein. Daher fordert die Kammer, dass die Planung öffentlicher Bauprojekte nicht an Generalübernehmer vergeben werden darf.

Auch die Struktur kleiner und mittelständischer Unternehmen sieht die Kammer bei der Digitalisierung der Baubranche als Standortvorteil. Daher wird in der Broschüre ein schneller Ausbau der digitalen Infrastruktur und der flächendeckenden, qualitativ hochwertigen Breitbandversorgung gefordert. Ebenso trägt zur Digitalisierung der Baubranche der Ausbau bereits existierender Förderprogramme bei. Wenn digitale Planungsmethoden in Ausschreibungen aufgenommen werden, darf das nicht dazu führen, dass kleine Architekturbüros ausgegrenzt werden. 

Darüber hinaus fordert die Architektenkammer des Bundes, die Digitalisierung im Bauwesen politisch zu flankieren. Die bisher erlebte Fragmentierung von Kompetenzen in verschiedenen Bundesministerien ist nicht hilfreich. Vielmehr fordert die Architektenschaft eindeutige und zentrale Ansprechpartner*innen für Digitalisierungsbedürfnisse im neuen Bauministerium. Nur so kann die Zersplitterung von Zuständigkeiten vermieden werden. 

Architektenkammer für Prozessbeschleunigung

Außerdem fordern die Vertreter*innen der Architektenschaft den Schutz digitaler Daten, Modelle und des Know-hows. Aus ihrer Sicht ist es unbedingt erforderlich, die gesetzlichen Schutzrechte an den notwendigen Schutz und die Vielgestaltigkeit digitaler Arbeitsergebnisse anzupassen. Derzeit ist das im Urheberrechtsschutz, Datenbankschutz oder Wettbewerbsschutz nicht ausreichend berücksichtigt. 

Desweiteren heisst es in der Broschüre zur Digitalisierung der Baubranche, dass offene, transparente und inter-operable Systeme von Nöten sind. Deshalb fordert die Bundesarchitektenkammer von öffentlichen Auftraggebern, in der Ausschreibung keine spezifische Software oder bestimmte Formate vorzuschreiben oder in der Vergabe vorzuziehen.

Schließlich ist eine ununterbrochene, digitale Prozesskette auch in den Bauverwaltungen sicherzustellen. Dafür müssen auch die Verwaltungen über bessere Ausstattung, Schulungen sowie Personalaufstockungen leistungsfähiger werden. Auch ein stringentes Voranbringen der Digtalisierung eines einheitlichen Baugenehmigungsverfahrens ist der Architektenkammer wichtig. Damit will sie eine grundlegende Beschleunigung der Prüf- und Genehmigungsprozesse erzielen.

Auch interessant: Der Westbank Campus im Silicon Valley. Dort realisieren Kengo Kuma, Bjarke Ingels Group, James K.M. Cheng Architects, WRNS studio sowie Studio Gang ein neues Quartier.

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Bundespreis Koop.Stadt: 5 Fragen

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Mit dem Bundespreis Koop.Stadt schaffen die Träger*innen der Nationalen Stadtentwicklungspolitik, Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden, einen Preis, der herausragende kommunale Beispiele einer Kooperationskultur zwischen Kommune und Zivilgesellschaft ausgezeichnet. Alles was Sie dazu wissen müssen, erfahren Sie im Interview mit den Projektleiter*innen Lisa Schopp und Stephan Willinger.

200 000 Euro Preisgeld für den Bundespreis Koop.Stadt

 

An wen richtet sich der Preis?

Wir suchen Kommunen ab 10 000 Einwohner*innen, die durch ihre Zusammenarbeit mit Stadtmacher*innen zu einer Kooperativen Stadt werden. Planungsbüros, Bürger*innen, Initiativen oder Vereine können Kommunen bei der Bewerbung unterstützen. Die Einreichung der Bewerbung ist jedoch nur durch die Kommune selbst möglich.

Was kann eingereicht werden?

Bewerben können sich die Kommunen mit angestoßenen, laufenden sowie bereits umgesetzten Instrumenten oder Kooperationsprojekten der Stadtentwicklung. Die Auslober*innen suchen konkrete Maßnahmen zur Förderung der Zusammenarbeit und einer aktiven Mitgestaltung durch zivilgesellschaftliche Initiativen, Vereine oder soziokulturelle Akteur*innen. Dazu zählen allgemeine rechtliche, politische und strukturelle Maß­nahmen wie beispielsweise die Einrichtung von runden Tischen, Vermittlerstellen oder Zugang zu Raum für diese Akteur*innen. Aus der Bewerbung soll sich ein Gesamtbild über die Kooperationskultur der Kommune ergeben.

Was ist der Mehrwert der Teilnahme?

Der Preis zeichnet Kommunen für ihre erfolgreiche kooperative Stadtentwicklung aus und trägt auf diese Weise zu Imagegewinn, Motivation und Bindung neuer Kooperationspartner*innen bei. Neben der Auszeichnung selbst und der Einladung zur Preisverleihung im Rahmen des Bundes­kongresses der Nationalen Stadtentwicklungspolitik, der im Mai 2021 in Köln stattfindet, werden die die Preisträger*innen dabei unterstützt, mehr Menschen zu aktiv Handelnden in der Stadtentwicklung zu machen. Die zehn am höchsten bewerteten Bewerber*innen erhalten insgesamt eine Summe von 200 000 Euro Preisgeld zur Umsetzung weiterer Kooperationsprojekte. Die Auszeichnung ist für fünf Jahre gültig. Die eingereichten Best-Practice-Beispiele werden in einer Publikation gesammelt und aufbereitet.

Fachübergreifende Jury

Wie wird bewertet?

Die Jury prämiert Kommunen, die mit klugen Ideen kooperative Stadtentwicklungsprojekte angeschoben und dadurch etwas Neues geschaffen haben. Die Projekte können aus allen Handlungsfeldern kommen, vom Städtebau bis zur Freiraumgestaltung. Bei der Beurteilung werden rechtliche, politische und strukturelle Bausteine der Kooperation beleuchtet. In die Bewertung fließen angestoßene, laufende sowie bereits umgesetzte Instrumente, Leitbilder oder politisch beschlossene Maßnahmen mit ein. Grundsätzlich lässt sich sagen: Je mehr an Kooperation mit verschiedenen Akteurs­gruppen nachgewiesen werden kann und je mehr Handlungsfelder abgedeckt werden, desto besser die Bewertung.

Wie erfolgt die Jurierung?

Nach einer ersten Vorprüfung tritt eine fachübergreifend zusammengesetzte Jury zusammen, die die Beiträge bewertet und die Preisträger*innen auswählt. Die Jury des Bundespreises Kooperative Stadt setzt sich aus den Partner*innen der Nationalen Stadt­entwicklungspolitik zusammen: Ver­treter*innen des Deutschen Städtetags, des Deutschen Städte- und Gemeindebunds und der Länder sowie des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat.

Die Bewerbung ist noch bis zum 10. März 2021 unter www.koop-stadt.de möglich.

Lisa Schopp und Stephan Willinger sind Projektleiter*innen der Nationalen Stadtentwicklungspolitik im Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Das Projekt Bundespreis Koop.Stadt wird durchgeführt durch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt-, und Raumforschung.

Wider die Tristesse

Mit Bike- und Skateinlagen assoziieren viele kalte, graue, eintönige Betonwüsten. Ralf Maier, Landschaftsarchitekt und ehemaliger BMX-Profi, sprach mit uns darüber, wie aus diesen Anlagen wahre Betonlandschaften werden und was es bei Planung und Materialwahl zu beachten gibt. Derzeit arbeitet die FLL an einer neuen Empfehlung für Planung, Bau und Instandhaltung von Skate- und Bikeanlagen. 

Ziel der Empfehlung ist, die Anforderungen der Rollsportnorm DIN EN 14974 aus dem Jahr 2010 für Planer, ausführende Firmen und Betreiber zu ergänzen und unter Beteiligung der verschiedenen Nutzer- und Interessengruppen sowie der fachlich betroffenen Verbände verschieden Themenbereiche abzudecken, darunter Anforderungen an die Materialien und Vorzeigebeispiele.

Skateboard, BMX-Rad und Mountainbike sind längst keine Trendsportgeräte mehr, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen, entsprechende Anlagen sind in immer mehr Städten selbstverständlich. Bei der Planung wird aber immer noch viel falsch gemacht, sodass Anlagen oft nicht angenommen werden.

In einem ersten Schritt ist mit Hilfe verschiedener Nutzer- und Interessengruppen der Gelbdruck der FLL entstanden. Das Einspruchsverfahren läuft vom 2. Mai bis zum 1. August.

Weitere Informationen hier

Mehr zu Bike- und Skateinlagen lesen Sie im Interview mit Landschaftsarchitekt Ralf Maier in Garten+Landschaft 07/2016 – Die Rückkehr des Menschen.