18.10.2022

Gesellschaft

Eduard Neuenschwander. Architekt und Umweltgestalter – Buchrezension

von Sarah Huber
Eduard Neuenschwander. Architekt und Umweltgestalter, Cover: gta Verlag, Foto: Heinrich Helfenstein
Eduard Neuenschwander. Architekt und Umweltgestalter, Cover: gta Verlag, Foto: Heinrich Helfenstein

Grenzüberschreitend – so wird Eduard Neuenschwanders Umgang mit der Natur bezeichnet. Doch was bedeutet das und wodurch wird diese Grenzüberschreitung sichtbar?

Die Landschaftsarchitektin Claudia Moll und der Architekt Axel Simon geben auf 256 Seiten einen Einblick in die wichtigsten Werke des Schweizer Architekten, der sich selbst als „Umweltgestalter“ bezeichnete. Insgesamt veranschaulichen 18 exemplarische Projekte, wie Neuenschwander in unterschiedlichen Maßstäben arbeitete. Das Buch entstand an der ETH in Zürich und wurde 2009 mit dem DAM Architectural Book Award ausgezeichnet

Neuenschwanders Gestaltungsmittel

Die Publikation beginnt mit einem Abriss über Neuenschwanders Leben. Der Architekt wurde 1924 in Zürich geboren und stark geprägt durch einen Arbeitsaufenthalt im finnischen Atelier Alvar Aalto. Die finnische Landschaft und Baukultur beeinflussten den jungen Schweizer Architekten immens. Seine Projektspanne reichte deshalb vom Umbau eines Bauernhauses in Toggwil bis hin zur Garten- und Landschaftsausstellung „Grün 80“ in Basel. Dabei heben sich diese Entwürfe von jenen seiner Zeitgenossen ab. Seine Architektur macht den Ort in der Landschaft sichtbar und somit die Landschaft selbst. Die Autor*innen sensibilisieren ihre Leser*innen für die typischen Gestaltungsmittel von Neuenschwander, welcher zum Beispiel den Begriff der „Geschichtssinnlichkeit“ prägte. Er überlagerte alte und neue Strukturen und erschuf dabei ein neues Gesamtwerk. 1975 gründete er das Institut für Umweltgestaltung. Hierin formulierte der Architekt seinen ganzheitlichen Anspruch an die Umweltgestaltung. Er verstand den Siedlungsfreiraum als Teil des „Großbiotops Stadt und Landschaft“, als dynamisches und prozesshaftes System.

Eduard Neuenschwander im Kontext

Den Autor*innen gelingt es, Eduard Neuenschwanders architektonischen Werdegang zu veranschaulichen als auch Bezüge zu heutigen Entwicklungen zu setzen. Dies geschieht durch die nachvollziehbare Unterteilung in insgesamt sechs Kapitel, welche sich seinen Projekten widmen und sie thematisch kategorisieren. Ausführlich und informativ berichten Moll und Simon über die Schweizer Naturgartenbewegung. Sie stellen Neuenschwander dazu in Kontext, denn er galt als ein Hauptakteur dieser Epoche der europäischen Gartenkunst. Skizzen und Fotographien dokumentieren seine Werke eindrücklich, Zitate sind wirkungsvoll eingebunden. Moll und Simon verdeutlichen gekonnt seine ganzheitliche Betrachtungsweise, in der Ästhetik, Biologie und der Mensch als Nutzer vereint werden. Den Leser*innen wird klar, dass diese Sichtweise eine Selbstverständlichkeit für ihn darstellte obwohl sie seinerzeit als grenzüberschreitend galt.
Das Buch präsentiert eine sehr gelungene Zusammenstellung von Eduard Neuenschwanders architektonischen Werken. Sein sensibler Umgang mit dem Landschaftsraum erscheint gerade heute aktueller und notwendiger denn je. Die Lektüre ist daher überaus empfehlenswert und richtet sich an alle Architekt*innen und Landschaftsarchitekt*innen, doch auch für den interessierten Laien ist eine Empfehlung auszusprechen.

Der Text entstand in der „wissenschaftlichen Schreibwerkstatt Landschaftsarchitektur“ am TUM-Lehrstuhl Landschaftsarchitektur und Transformation bei Prof. Udo Weilacher. Im Rahmen des Seminars wählen Student*innen Fachliteratur aus und erarbeiten gemeinsam individuelle Buchrezensionen.

Ebenfalls interessant ist das Buch „Landschaftlichkeit als Architekturidee“ von Margitta Buchert. Lesen Sie hier unsere Rezension.

 

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