Hamburger Senat nimmt Rahmenplan zu Stadteingang Elbbrücken an

Blick auf den geplanten Stadteingang.

Ein Blick aus der Vogelperspektive auf den geplanten Stadteingang. Visualisierung: Freie und Hansestadt Hamburg

Nach zwei Jahren Vorarbeit ist der Rahmenplan für das 80 Hektar große Gebiet um die Elbbrücken zwischen nördlicher Veddel bis ins südliche Hammerbrook nun beim Hamburger Senat beschlossene Sache. Alles zum Projekt lesen Sie hier.

Hamburg ist seiner Vision eines neugestalteten südöstlichen Stadtkerneingangs vor kurzem einen Schritt näher gekommen: Mitte Oktober nahm der Senat den Rahmenplan für die städtebauliche Entwicklung des Areals um die Elbbrücken an und machte damit den Weg frei für eine umfangreiche Umgestaltung des bisher nur als mäßig attraktiv wahrgenommenen Stadtteils. Bisher litt das Gebiet – immerhin geht es um rund 80 Hektar – unter seiner Rolle als an Schienen- und Straßenverkehr reichen Transitraums. Man fuhr über die Elbe und war froh, am Ziel anzukommen. Zum Spazierengehen lädt die Gegend in der unmittelbaren Umgebung des umstrittenen Elbtower-Bauprojekts bisher jedenfalls nicht ein.

Stadteingang Elbbrücken soll weniger fragmentiert werden

 

Das soll bald anders werden. Der Stadteingang Elbbrücken wird künftig weniger durch Verkehrstrassen zerschnitten sein. Dafür wird sie grüner und durch die Nutzung der Billeufer als Freizeitflächen auch blauer werden. Dafür sorgt ein Rahmenplan, den das Architekt*innenbüro gmp in Zusammenarbeit mit WES Landschaftsarchitektur aus Hamburg und Büro Hager aus Zürich nach der erfolgreichen Teilnahme am städtebaulich-freiraumplanerischen Testplanungsverfahrens im Jahr 2019 erarbeitet hat und der nun vom Hamburger Senat angenommen wurde.

Eines der Hauptanliegen des Rahmenplans ist die bessere Vernetzung des zurzeit noch stark fragmentierten Stadtteils rund um die Elbbrücken. Insbesondere die Bahntrassen und die Billhorner Brückenstraße, eine der meistbefahrenen Straßen Hamburgs, prägen aktuell das Bild des Areals. Schon länger Gegenstand von Diskussionen war das Autobahnkleeblatt unweit des Billhafens im Stadtteil Rothenburgsort an eben jener Billhorner Brückenstraße. In den 60er Jahren im Zuge damals moderner Verkehrsplanung errichtet, spaltet es bis heute Nachbarschaften, stellt teils unüberwindbare Hürden für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen dar und ist trotz allem überdimensioniert.

Mehr Grün und Blau im neugestalteten Stadtbezirk

Der Rückbau des Kleeblatts an den Elbbrücken ist jetzt beschlossene Sache und macht daher Platz für Quartiere frei, in denen sich innovative Gewerbeformen und Unternehmen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft ansiedeln sollen. Abgewandt vom Straßenlärm sind auch neue Wohnflächen vorgesehen. Insgesamt könnten über 800 neue Wohnungen im neugestalteten Bezirk entstehen, wie Dorothee Stapelfeldt, Hamburger Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, betont.

Zukünftig wird sich eine durchgehende Parklandschaft durch den Stadtteil ziehen. Geplant ist ein schrittweiser Ausbau einer grünen Freizeitfläche, die sich von der Norderelbe bis zum Fluss Bille im Stadtteil Hammerbrook erstreckt. Bisher unzugängliche Uferabschnitte weichen zukünftig Uferpromenaden und Grünräumen mit verschiedenen Freizeitangeboten. Ein Erlebnisweg etwa vom Hochwasserbassin in Hammerbrook bis zur Brandshofer Schleuse, der zum Teil mithilfe von Stegen über das Wasser führt oder der Billepark, der bewusst im Kontrast von Natur- und Industrieflächen steht, sind zwei der neuen Freizeitflächen am neu geplanten Stadteingang Elbbrücken.

Langer Atem bis zur Fertigstellung

Zwei Varianten stehen für die Umgestaltung des Veddeler Marktplatzes zur Verfügung. Entweder wird die denkmalgeschützte Zollhalle komplett umbaut, um eine akustisch vom Stadtlärm abgekoppelte Insel zu schaffen. Oder aber lassen die neuen Gebäude einen Sichtbezug zur Elbe zu. In jedem Fall jedoch wird ein neuer Park mit dem Namen „Veddeler Balkon“ in der Nähe des Elbufers entstehen. Um die unterschiedlichen Örtlichkeiten innerhalb des Stadteingangs Elbbrücken stärker miteinander zu vernetzen und der Zerschneidung durch die Verkehrstrassen entgegenzuwirken, sind eine Reihe von neuen Fußgänger*innen- und Radbrücken geplant, etwa über den Billhafen oder über die Bahnlinie zwischen Veddel und Grasbrook.

Einen langen Atem gelte es allerdings zu haben. Die Umsetzung der Pläne wird folglich bis zu 15 Jahre dauern. Bis es mit den Baumaßnahmen los geht, sollen auch die Bürger*innen der Stadt noch bei vielen Punkten mitreden können. Zunächst wird die Stadt über die Details zu den Neugestaltungsplänen zum Hamburger Stadteingang Elbbrücken am 22. November 2021 ab 19:00 Uhr während einer online-Veranstaltung informieren.

Mehr Informationen zum Umbau des Stadteingangs Elbbrücken und den Rahmenplan zum Download finden Sie hier.

Das passiert auch gerade in Hamburg: Nach einer großzügigen Umgestaltung soll Anfang 2022 der Hochbunker St. Pauli in Hamburg eröffnen.

Das könnte Sie auch interessieren
hochwinkelfotografie-der-stadt-RvCbIQ0S-Lc
Loss Functions erklärt – was lernt die KI wirklich falsch?
Naturkatastrophe: Auftreten, Ursachen & Vorsorge
Zu sehen ist der Rappenbachalp auf Höhe der Breitengehrenalpe.
Rappenalpbach soll renaturiert werden
Oben Grün: Über die Zukunft unserer Dächer
Nein zur IGA 2017 in Tempelhof
Nachhaltigkeit (sustainable) und Inklusion (together)
New European Bauhaus Prizes 2022
Der geplante Zentralpark Gasometervorfeld in Wien: Ein nachhaltiger Stadtpark, der Natur, Kultur und Gemeinschaft auf 51.000 m² vereint. Visualizations: Monolot
Zentralpark Gasometervorfeld
Webinar: Kreativität und Vielfalt mit Pflasterklinker im öffentlichen Raum
Mit Blick auf die Europäische Zentralbank: Der neu umgestaltete Paul-Arnsberg-Platz lädt die Menschen nun viel mehr zum Verweilen ein. Foto: Marco Zeidler/Grünflächenamt
Paul-Arnsberg-Platz in Frankfurt umgestaltet
Fassaden- und Innenraumbegrünung
Zahlen, Daten, Fakten zur Dachbegrünung 2020

Urban Heat Analytics – KI erkennt Hitzefallen vor dem ersten Sonnenstrahl

hochwinkelfotografie-der-stadt-RvCbIQ0S-Lc
Vogelperspektive einer deutschen Stadt, eingefangen von Markus Spiske mit einer Leica Summicron-R 2.0 / 50mm Linse.

Hitzestress ist längst kein Sommermärchen mehr – er ist urbaner Alltag. Doch was, wenn künstliche Intelligenz urbane Hitzefallen erkennt, bevor auch nur ein Sonnenstrahl den Asphalt küsst? Willkommen in der Ära der Urban Heat Analytics: Hier werden Städteklima, Sensorik und KI zu einem mächtigen Werkzeug für Planer, Architekten und Stadtgestalter. Ein Blick hinter die Kulissen einer Revolution, die unsere Städte abkühlen könnte – und Planungsprozesse auf ein neues Level hebt.

  • Definition und Bedeutung von Urban Heat Analytics im Kontext aktueller urbaner Herausforderungen
  • Technologische Grundlagen: Sensorik, Datenquellen und der Einsatz künstlicher Intelligenz
  • Wie KI Hitzefallen frühzeitig identifiziert und welche Vorteile das für die Planung bringt
  • Praxisbeispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz: Was funktioniert, was bremst?
  • Chancen für nachhaltige Stadtentwicklung, klimaresiliente Quartiere und lebenswerte Freiräume
  • Risiken, Limitationen und ethische Herausforderungen intelligenter Hitzedaten
  • Die Rolle von Governance, Datensouveränität und Bürgerbeteiligung
  • Innovative Methoden und Tools für Planer und Landschaftsarchitekten
  • Ein Ausblick: Wie Urban Heat Analytics die DNA der Stadtplanung langfristig verändern kann

Urban Heat Analytics: Wenn Künstliche Intelligenz das Klima der Stadt durchleuchtet

Die Städte Mitteleuropas stehen vor einer Herausforderung, die sich nicht mehr weglächeln lässt: Immer häufiger steigen die Temperaturen in den Sommermonaten auf Rekordwerte, während die Nächte kaum Abkühlung bieten. Der berühmte „Urban Heat Island“-Effekt, also die städtische Wärmeinsel, verwandelt dicht bebaute Quartiere in Backöfen, die sowohl Mensch als auch Infrastruktur belasten. Die Ursachen sind vielfältig: versiegelte Flächen, fehlende Grünräume, dichte Bebauung und zu wenig Wasserflächen. Doch während die Symptome bekannt sind, blieb die exakte Lokalisierung und Vorhersage von Hitzefallen bislang oft ein Ratespiel. Genau hier setzen Urban Heat Analytics an – und sie könnten das Spiel grundlegend verändern.

Urban Heat Analytics sind datenbasierte Methoden, die mithilfe fortschrittlicher Sensorik, hochauflösender Satellitenbilder und künstlicher Intelligenz die Temperaturdynamik im Stadtraum in Echtzeit analysieren. Dabei werden unterschiedlichste Quellen zusammengeführt: Wetterstationen liefern meteorologische Basisdaten, mobile Sensoren messen Oberflächentemperaturen, während Drohnen und Satellitenbilder die räumliche Dimension in bisher unerreichter Präzision erfassen. All diese Informationen landen in mächtigen Datenbanken, werden von Algorithmen sortiert, analysiert und in leicht verständliche Visualisierungen übersetzt.

Doch der eigentliche Clou liegt in der Vorhersage. Moderne KI-Modelle sind in der Lage, auf Basis historischer und aktueller Daten Muster zu erkennen, Risiken zu identifizieren und Prognosen zu erstellen – und zwar, bevor der erste Hitzetag aufzieht. Sie berücksichtigen dabei nicht nur aktuelle Wetterdaten, sondern auch Faktoren wie Materialität der Fassaden, Schattenwurf durch Bäume, Windströmungen, Bebauungsdichte und sogar die Nutzungsmuster von Flächen. So entsteht ein hochdynamisches Bild der städtischen Thermik, das Planern und Entscheidern ganz neue Werkzeuge an die Hand gibt.

Die Relevanz dieser Entwicklung kann kaum überschätzt werden. Denn wer Hitzefallen kennt, kann sie gezielt entschärfen: durch gezielte Begrünung, Entsiegelung, smarte Wasserflächen oder stadtklimatisch optimierte Bebauung. Urban Heat Analytics sind damit weit mehr als ein technisches Gimmick – sie sind ein Schlüssel zur klimaresilienten und lebenswerten Stadt der Zukunft. Doch wie funktioniert das Ganze im Detail? Und was bedeutet das konkret für die Planungspraxis?

Die Antwort beginnt bei der Technologie – und endet bei einer neuen Kultur des Stadtmachens, die Daten nicht als Selbstzweck, sondern als Fundament für nachhaltige Transformation begreift. Zwischen Sensorik und Partizipation, zwischen KI und Kiez, entfaltet sich ein Spielfeld, das kluge Planung, mutige Innovation und interdisziplinären Dialog erfordert. Wer jetzt einsteigt, gestaltet die Stadt nicht nur für heute, sondern für die nächsten Generationen mit.

Technologische Grundlagen: Von der Sensorik bis zur KI-gestützten Prognose

Die Basis jeder Urban Heat Analytics Anwendung ist ein robustes, vernetztes Datengerüst. Sensoren unterschiedlicher Bauart erfassen an neuralgischen Punkten der Stadt Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Strahlungsintensität, Windgeschwindigkeit und andere klimarelevante Parameter. Moderne LoRaWAN-Netzwerke oder 5G-basierte Lösungen ermöglichen eine nahezu lückenlose und drahtlose Übertragung dieser Daten in Echtzeit. Ergänzt werden diese Messungen durch Satellitenbilder, die speziell für städtebauliche Anwendungen mit hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung bereitgestellt werden. Besonders relevant sind thermale Satellitendaten, die die Oberflächentemperatur ganzer Stadtquartiere erfassen und so Hotspots identifizieren, die am Boden nur schwer zugänglich wären.

Eine Schlüsselrolle spielt dabei das „Data Fusion“-Prinzip: Unterschiedliche Datenquellen werden nicht isoliert betrachtet, sondern systematisch zusammengeführt. Geo-Informationssysteme (GIS) bilden dabei das Rückgrat, indem sie sämtliche Informationen räumlich verorten und mit weiteren urbanen Daten wie Bebauungsstrukturen, Vegetationsflächen, Verkehrsaufkommen und Energieverbrauch kombinieren. Das Ergebnis ist ein multilayerfähiges, dynamisches Stadtmodell, das nicht nur die aktuelle Situation abbildet, sondern auch die Grundlage für Simulationen und Prognosen bildet.

Hier tritt die künstliche Intelligenz auf den Plan. Moderne Machine Learning-Algorithmen werden darauf trainiert, in den riesigen Datenmengen Muster und Zusammenhänge zu erkennen, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben. Sie identifizieren nicht nur bestehende Hitzefallen, sondern können auch Vorhersagen treffen: Welche Straßen, Plätze oder Gebäude werden bei bestimmten Wetterlagen zu Hotspots? Wo wirken geplante Maßnahmen wie Fassadenbegrünung oder entsiegelte Flächen am effektivsten? Welche Wechselwirkungen gibt es zwischen Mikroklima, Mobilitätsströmen und sozialen Faktoren?

Ein herausragendes Beispiel sind sogenannte „Digital Urban Twins“ – digitale Abbilder der Stadt, die sämtliche Klimadaten, Infrastrukturelemente und sogar das Verhalten der Bewohner in Echtzeit abbilden. In diesen Modellen lassen sich verschiedene Szenarien durchspielen: Was passiert mit dem Mikroklima, wenn ein neues Wohnquartier entsteht? Wie verändern sich die Temperaturprofile bei anhaltender Trockenheit oder nach einer Starkregenphase? Auf Basis dieser Simulationen können Planer gezielt Maßnahmen entwerfen und ihre Wirksamkeit testen, bevor sie real umgesetzt werden.

Die technologische Entwicklung eröffnet dabei nicht nur neue Möglichkeiten, sondern stellt die Planung auch vor neue Herausforderungen. Fragen der Datenqualität, Interoperabilität und Cybersicherheit müssen ebenso bedacht werden wie der Schutz persönlicher Daten und die Sicherstellung von Transparenz und Nachvollziehbarkeit der KI-Modelle. Nur wenn diese Aspekte von Anfang an mitgedacht werden, kann Urban Heat Analytics sein volles Potenzial entfalten – und das Vertrauen der Stadtgesellschaft gewinnen.

Frühwarnsysteme für Hitzefallen: Wie KI die Planung auf ein neues Niveau hebt

Stellen wir uns vor: Es ist Frühling, die Sonne steht noch tief, doch im digitalen Zwilling der Stadt laufen bereits die ersten Hitzesimulationen für den Sommer. Die KI erkennt, dass eine dicht bebaute Straßenschlucht im Innenstadtquartier in wenigen Wochen zum Hotspot werden könnte, weil der Windabriss durch ein Neubauprojekt die natürliche Durchlüftung blockiert. Noch bevor sich die ersten Anwohner beschweren oder gesundheitliche Belastungen auftreten, schlägt das System Alarm – und liefert gleich Vorschläge für Gegenmaßnahmen: mehr Schatten durch Baumpflanzungen, Entsiegelung von Gehwegen, temporäre Wasserflächen oder Anpassungen im Bebauungsplan.

Der Charme dieser Frühwarnsysteme liegt in ihrer Proaktivität. Während klassische Klimagutachten oft auf vergangenen Wetterdaten und statischen Annahmen beruhen, arbeiten KI-basierte Modelle mit Echtzeitdaten und dynamischen Szenarien. Sie können kurzfristige Wettertrends ebenso einbeziehen wie langfristige Stadtentwicklungsprozesse. So werden Planer von reaktiven Problemlösern zu proaktiven Gestaltern – und können Hitzestress schon vermeiden, bevor er entsteht.

Ein anschauliches Beispiel liefert die Stadt Wien, die ihr digitales Stadtmodell gezielt für das Hitzemanagement einsetzt. Bereits in der Planungsphase neuer Quartiere werden Simulationen durchgeführt, um potenzielle Hitzefallen zu identifizieren. Die Ergebnisse fließen direkt in die Gestaltung von Freiräumen, die Auswahl von Baumarten und die Materialwahl für Oberflächen ein. In Zürich wiederum werden Verkehrsflüsse und Mikroklima zusammen analysiert, um die Wechselwirkungen zwischen Mobilität und Wärmeentwicklung besser zu verstehen – und gezielt gegenzusteuern.

Doch nicht nur Großstädte profitieren von dieser Technologie. Auch kleinere Kommunen können durch Kooperationen mit Forschungsinstituten, den Einsatz von Open-Source-Tools und intelligente Datennutzung ihre Planung aufwerten. Besonders vielversprechend ist dabei die Kopplung von Urban Heat Analytics mit partizipativen Prozessen: Anwohner können über Apps oder Online-Plattformen eigene Beobachtungen melden, die dann in die Modelle einfließen und die Datenbasis weiter verbessern. So entsteht eine neue Form der kollaborativen Stadtklimaforschung, die Wissenschaft, Verwaltung und Bürgerschaft zusammenbringt.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Gesundheitsrisiken können minimiert, vulnerable Gruppen gezielt geschützt, die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum gesteigert und nicht zuletzt Kosten für nachträgliche Hitzeschutzmaßnahmen gespart werden. Urban Heat Analytics werden damit zum strategischen Hebel für nachhaltige Stadtentwicklung – vorausgesetzt, sie werden klug und verantwortungsvoll eingesetzt.

Praxis, Potenziale und Herausforderungen: Urban Heat Analytics im deutschsprachigen Raum

Deutschland, Österreich und die Schweiz verfügen über eine traditionsreiche Stadt- und Landschaftsplanung, die sich in den letzten Jahren zunehmend für digitale Innovationen geöffnet hat. Zahlreiche Pilotprojekte zeigen, wie Urban Heat Analytics in der Praxis funktionieren – und wo noch Nachholbedarf besteht. In Hamburg etwa wurde ein umfassendes Netzwerk von Klimasensoren installiert, das in Kombination mit KI-gestützten Analysen die frühzeitige Identifikation von Hitzespots in verschiedenen Stadtteilen ermöglicht. Die Daten werden nicht nur für die Planung neuer Grünflächen genutzt, sondern auch für kurzfristige Maßnahmen wie temporäre Verschattung oder Wasserspiele.

In München laufen derzeit mehrere Forschungsprojekte, die Hitzeanalysen mit Bürgerbeteiligung koppeln: Über eine Smartphone-App können Bewohner ihre subjektive Hitzebelastung melden, die dann mit objektiven Messdaten abgeglichen wird. Daraus entsteht ein feingliedriges Bild der städtischen Wärmebelastung, das gezielt für die Planung von Anpassungsmaßnahmen genutzt wird. In Basel wiederum werden Urban Heat Analytics genutzt, um die Effekte großflächiger Entsiegelungsprogramme zu evaluieren und die Wirkung unterschiedlicher Begrünungsstrategien zu simulieren.

Trotz dieser Erfolge gibt es aber auch Stolpersteine. Der Flickenteppich aus Zuständigkeiten, Datenschutzvorgaben und technischen Standards erschwert vielerorts die flächendeckende Einführung von Urban Heat Analytics. Noch immer sind viele Kommunen auf externe Dienstleister angewiesen, weil eigenes Know-how im Bereich KI und Datenanalyse fehlt. Hinzu kommt die Sorge vor einer „Black Box“-Planung, bei der algorithmische Entscheidungen nicht mehr nachvollziehbar sind und die demokratische Kontrolle leidet.

Doch gerade hier zeigt sich das transformative Potenzial der neuen Technologien: Sie zwingen Verwaltungen, neue Formen der Kooperation zu erproben, Kompetenzen aufzubauen und die eigene Organisation zu modernisieren. Interdisziplinäre Teams aus Planern, IT-Experten, Klimaforschern und Soziologen sind keine Ausnahme mehr, sondern werden zur Regel. Neue Governance-Strukturen wie Urban Data Hubs oder Open Urban Platforms sorgen für Transparenz, Datensouveränität und eine stärkere Einbindung der Bürger.

Das wichtigste Fazit aus der Praxis: Urban Heat Analytics sind kein Allheilmittel, aber ein mächtiges Werkzeug im Kampf gegen urbane Überhitzung. Entscheidend ist nicht die Technik allein, sondern wie sie in die alltäglichen Planungsprozesse integriert wird – und ob es gelingt, eine neue Kultur des offenen, datenbasierten Stadtmachens zu etablieren.

Risiken, Ethik und die Zukunft intelligenter Hitzedaten

So faszinierend die Möglichkeiten von Urban Heat Analytics auch sind, gibt es doch einige Fallstricke, die nicht unterschätzt werden dürfen. Ein zentrales Risiko ist die algorithmische Verzerrung: KI-Modelle lernen aus vergangenen Daten – und können dabei bestehende räumliche oder soziale Ungleichheiten verstärken, wenn sie nicht bewusst korrigiert werden. So besteht etwa die Gefahr, dass Stadtteile mit besserer Datenabdeckung auch bevorzugt von Hitzeschutzmaßnahmen profitieren, während sozial schwächere Quartiere weiter ins Hintertreffen geraten.

Datenschutz und Datensouveränität sind weitere kritische Themen. Die Sammlung und Verarbeitung großer Mengen personenbezogener oder sensibler Umwelt- und Gesundheitsdaten erfordert höchste Standards in puncto Sicherheit und Transparenz. Die Frage, wem die Daten gehören, wie sie genutzt werden und wer letztlich über die Interpretation entscheidet, bleibt vielerorts umstritten. Hier braucht es klare Governance-Regeln, offene Schnittstellen und einen permanenten Dialog zwischen Verwaltung, Wissenschaft und Stadtgesellschaft.

Auch die Kommerzialisierung von Stadt- und Klimadaten birgt Risiken. Wenn urbane Daten zu einer Handelsware werden und private Anbieter die Kontrolle über zentrale Infrastrukturen gewinnen, droht eine Abhängigkeit, die langfristig die Souveränität der Städte gefährden kann. Offene Datenplattformen, Open-Source-Ansätze und transparente Algorithmen sind daher essenziell, um Urban Heat Analytics als öffentliches Gut zu verankern.

Schließlich bleibt die Frage nach der Rolle der Bürger. Nur wenn Urban Heat Analytics verständlich erklärt, partizipativ gestaltet und gemeinsam weiterentwickelt werden, können sie ihr volles Potenzial entfalten. Die Integration von lokalem Wissen, subjektiven Erfahrungen und kollektiver Intelligenz ist ein entscheidender Erfolgsfaktor – und sorgt dafür, dass die Technologie nicht zum Selbstzweck, sondern zum Werkzeug für bessere Städte wird.

Der Blick in die Zukunft zeigt: Die nächste Generation von Urban Heat Analytics wird noch stärker auf adaptive, lernende Systeme setzen, die sich flexibel an neue Herausforderungen anpassen. Künstliche Intelligenz bleibt dabei ein Werkzeug – aber die eigentliche Innovation liegt in der Fähigkeit, Daten, Menschen und Räume intelligent zu verknüpfen. In diesem Sinne sind Urban Heat Analytics nicht nur ein technologischer Fortschritt, sondern ein Katalysator für die nächste Stufe der Stadtentwicklung – offen, resilient und lebenswert.

Fazit: Urban Heat Analytics – Ein Quantensprung für die klimaresiliente Stadtplanung

Die Zeiten, in denen städtische Hitzefallen nur nach Bauchgefühl und Erfahrungswerten behandelt wurden, sind vorbei. Mit Urban Heat Analytics hält eine neue, datengetriebene Ära Einzug in die Stadt- und Landschaftsplanung. Künstliche Intelligenz, Sensorik und digitale Zwillinge ermöglichen es, Risiken frühzeitig zu erkennen, Szenarien durchzuspielen und gezielte Maßnahmen zu entwickeln – bevor der Sommer zur Belastungsprobe wird. Die Praxisbeispiele aus dem deutschsprachigen Raum zeigen: Wer die Technologie klug einsetzt, gewinnt wertvolle Zeit, Ressourcen und Lebensqualität. Doch der Weg ist kein Spaziergang. Governance, Ethik und Partizipation müssen ebenso mitgedacht werden wie technische Fragen. Am Ende steht eine neue Kultur des Planens: offen, vernetzt, lernfähig – und bereit, den Hitzestress der Zukunft mit kühlem Kopf zu meistern. Wer jetzt handelt, gestaltet nicht nur die Stadt von morgen, sondern prägt die DNA der urbanen Resilienz für Jahrzehnte. Willkommen in der Zukunft der Echtzeitplanung – sie beginnt jetzt, lange bevor der erste Sonnenstrahl auf den Asphalt trifft.

Den Pausenhof der Schule am Burgfeld in Bag Segeberg gestaltete das Büro grabner huber lipp landschaftsarchitekten und stadtplaner um. Foto: Felix Ziegler
Den Pausenhof der Schule am Burgfeld in Bag Segeberg gestaltete das Büro grabner huber lipp landschaftsarchitekten und stadtplaner um. Foto: Felix Ziegler

In Bad Segeberg realisierten die Planer*innen von grabner huber lipp landschaftsarchitekten und stadtplaner, gemeinsam mit dem Büro TWOWORKS als Projektpartner in der Bauleitung, die Umgestaltung des Pausenhofs der Schule am Burgfeld. Asphalt wich entsiegelten Versickerungsflächen, die Schule öffnet sich nun zu Park und Stadt. Wie das gelang, welche Wünsche die Schüler*innen äußerten und wie der Verkehr erschlossen wurde, erläutert das Büro in seiner Projektvorstellung selbst.

Schulgelände zu Park und Stadtteil geöffnet

Asphaltwüste adé: Nach weniger als zwei Jahren Bauzeit erinnert nichts mehr an den trostlosen Pausenhof der Schule am Burgfeld in Bad Segeberg. Eingebettet in den öffentlichen Stadtteilpark, schufen die Erneuerung nicht nur neue Angebote für Schüler*innengruppen aller Altersstufen, sondern auch für Schulpersonal, Eltern und Anwohner*innen. Das Schulgelände wird entsprechend in unterschiedliche Nutzungsbereiche gegliedert, die Nischen im parkartigen Baumbestand schaffen. Neben Bereichen für Spiel, Sport und Bewegung für alle Altersklassen sind vor allem vielfältige Treffpunkte, Kommunikations- und Rückzugsorte für die Schüler*innen wichtig.

Natürlich wird der Freiraum nicht nur während der Pause, sondern auch im Rahmen der schulischen Bildung und Ganztagsbetreuung genutzt. Hierfür bieten sich insbesondere die ruhigeren Lernorte Schulgarten und -teich sowie das grüne Klassenzimmer am Forum an. Das Forum öffnet das Schulgelände zum Park und Stadtteil und wird bewusst für öffentliche Nutzungen und Veranstaltungen außerhalb der Schulzeit freigegeben. An die Barrierefreiheit wurde bei allen Maßnahmen gedacht. Die Neugestaltung des Schulgeländes unterstützt den Wandel zu einer Schule, die Methoden des lebendigen Lernens umsetzt. Zudem kommt die Neugestaltung den Bedürfnissen der Schüler*innen nach Bewegung, Sicherheit und Ruhe entgegen.

Forum steht allen offen

Die ehemals kargen Freibereiche trennten die Schule am Burgfeld bisher von der Stadt und dem umgebenden Park. Ursprünglich gab es dunkle, schwer auffindbare Eingänge, gefährliche Kreuzungspunkte zwischen Pkw, Fahrradfahrer*innen und Fußgänger*innen sowie dunkle Parkwege. Nun liegt die Schule offen und einladend in den umgebenden Park eingebettet. Die Außenanlagen wurden so gestaltet, dass sie als Vermittler zwischen dem Schulgebäude aus den 70er-Jahren und der umgebenden Südstadt dienen. Der hochwertige Baumbestand und die Topografie binden sich dabei gezielt mit ein. Insbesondere das Forum verbindet die Schule mit dem Stadtteil und steht für alle offen.

Schule am Burgfeld als lebendiger Teil der Stadt

Der Pausenhof der Schule am Burgfeld bettet sich offen und ohne Zäune in den kleinen Nachbarschaftspark der Südstadt ein. Alle Freianlagen, insbesondere das Forum und die Spiel- und Sportbereiche, stehen so auch den Bewohner*innen der Südstadt offen und werden rege genutzt. Für außerschulische Veranstaltungen ist die entsprechende Infrastruktur – darunter Strom- und Wasseranschlüsse sowie ein Stadtteilraum – gegeben. Schüler*innen, Lehrer*innen und Parknutzer*innen begegnen sich nun täglich und ungezwungen vor und nach der Schule. Die Schule wird so zu einem Begegnungsort und lebendigen Teil der Stadt, anstatt sich wie sonst oft üblich abzuschotten.

Der Baumbestand und die Topografie banden die Planer*innen bei der Umgestaltung gezielt mit ein. Foto: Felix Ziegler
Der Baumbestand und die Topografie banden die Planer*innen bei der Umgestaltung gezielt mit ein. Foto: Felix Ziegler

Spielbereiche und Rückzugsorte gewünscht

Während der Corona-Pandemie fanden Online-Beteiligungsverfahren statt. Die dabei entwickelten Ideen und Wünsche der Schüler*innen, Lehrer*innen, Stadtteilvertreter*innen und Eltern flossen in die Gestaltung ein. Den Schüler*innen war eine offene und übersichtliche Gestaltung des Haupteingangsbereichs mit Sitz- und Aufenthaltsbereichen besonders wichtig. Die Sitzgelegenheiten sollten schlicht, elegant und für größere Gruppen geeignet sein. Eine vielfältige Bepflanzung, der Schriftzug der Schule und eine Informationsstele für Veranstaltungen waren ebenfalls gewünscht.

Beliebte Sportarten in den Pausen sind Fußball, Basketball und Tischtennis. Um Konflikte zwischen jüngeren und älteren Schüler*innen zu vermeiden, wurden Sport- und Spielbereiche getrennt. Sitzmöglichkeiten am Spielfeldrand als „Zuschauertribüne“ waren ebenfalls wichtig. Im Spielbereich waren Bodentrampoline, Kletterelemente und Schaukeln gefragt. Für den Außenbereich der Mensa wünschten sich die Schüler*innen eine lange Sitzstufe und Tisch-Bank-Kombinationen. Im Forumbereich sollten Sitzmöglichkeiten und Nischen als Rückzugsorte geschaffen werden. Zudem wünschen sich die Schüler*innen Platz für Handwerken im Freien und die Beobachtung von Natur, Insekten und Vögeln am Schulteich und im Park.

Barrierefreie Verkehrserschließung

Die Neugestaltung des Schulgeländes setzt auf nachhaltige und funktionale Verbesserungen. Ehemalige Asphaltflächen wurden entsiegelt, wodurch natürliche Versickerungsflächen entstanden. Die dezentrale Regenentwässerung optimiert das Wassermanagement, ergänzt durch die Sanierung der Schulgebäude-Entwässerung. Eine sichere, barrierefreie Verkehrserschließung mit neuen Fahrradabstellanlagen, Kiss&Ride-Zone und Parkplätzen sorgt für klare Wegeführung für Schüler*innen und Lehrer*innen. Barrierefreie Außenanlagen mit rollstuhlgerechten Hochbeeten und Sitzgelegenheiten fördern die Inklusion. Die flexibel und vielseitig nutzbaren Freianlagen stehen sowohl der Schule als auch dem Stadtteil offen.

Lebendige, identitätsstiftende Umgebung für Schule

Die Neugestaltung entwickelt die Qualitäten der bestehenden Topografie und des Baumbestand behutsam weiter. Sie wertet so das Schulgebäude der 70er-Jahre auf. Die Balance zwischen Gestaltung und Offenheit ermöglicht den Schüler*innen eine aktive Aneignung der Freiflächen, etwa im Schulgarten oder am Schulteich. Gleichzeitig entsteht ein filigraner Kontrast zwischen naturnahen, „wilden“ Ruhezonen und intensiv gestalteten Spiel- und Sportflächen. Die Wiederverwendung von Materialien, etwa des Granitpflasters, schafft eine gestalterische Verbindung zwischen den einzelnen Bereichen. So verbinden sich Struktur und Freiheit zu einer lebendigen, identitätsstiftenden Umgebung für Schule und Stadtteil.

Nach der Neugestaltung des Schulgeländes der Schule am Burgfeld ist der einst trostlose Pausenhof nicht wiederzuerkennen. Eingebettet in den Stadtteilpark entstanden vielfältige Spiel- und Aufenthaltsbereiche sowie ein Forum für Veranstaltungen. Die Schule öffnet sich zur Stadt, indem sie barrierefreie, sichere Wegeführungen und eine einladende Gestaltung bietet. Die Entsiegelung ehemaliger Asphaltflächen und eine dezentrale Regenentwässerung fördern nachhaltiges Wassermanagement. Die Mischung aus naturnahen Ruhezonen und intensiv gestalteten Spielflächen ermöglicht eine vielseitige Nutzung. Hochwertige Materialien und die behutsame Einbindung der bestehenden Topografie schaffen eine harmonische Verbindung von Alt und Neu. So wird das Schulgelände zu einem lebendigen, identitätsstiftenden Ort für Schüler*innen, Schulpersonal und die Bewohner*innen des Stadtteils.

Büroprofil

Nach Zusammenschluss der Büros von Doris Grabner (seit 1999) und Jürgen Huber (seit 2007) führen die Partner*innen heute mit Patrick Lipp und unterstützt durch drei Assoziierten die praktische Tätigkeit von grabner huber lipp landschaftsarchitekten und stadtplaner partnerschaft mbb.

Von der Machbarkeitsstudie über Wettbewerbsverfahren und Entwurfsplanung bis zur Begleitung der Umsetzung steht das Finden und Erfinden des Wesens der Orte im Zentrum, um Funktionen und Ansprüche in individuelle Freiräume und Atmosphären zu integrieren.
Wir verfolgen jenen Ansatz, in dem Freiflächen nicht als zusätzlichen Faktor, sondern als Ausgangspunkt der urbanen Struktur betrachtet werden. So entstehen bei uns städtebauliche Ideen, die sowohl verdichtetes Bauen als auch eine hohe Aufenthaltsqualität und ökologische Funktionalität ermöglichen.

Dabei zählt zuallererst, was da ist. Die Leistungsphasen 0 und 1 müssen mit größter Behutsamkeit bedacht werden. Nur so entstehen authentische und nachhaltige Projekte. Multicodierendes, vielschichtiges, gestapeltes und die (Zuständigkeits-)Grenzen übergreifendes – „desektoralisierendes“ – Planen sind unsere Lösungsansätze für ein ressourcensparendes Bauen. Die große Kunst dabei ist, in großer Dichte gute Freiräume für Menschen zu generieren.

 

Die Märzausgabe der G+L widmet sich dem Thema Schulen: Wie ein Schulhof im Jahr 2025 aussehen sollte, was sich Schüler*innen und Leher*innen wünschen und wie es an Deutschlands Schulen um digitale Bildung bestellt ist, erfahren Sie in den Projektvorstellungen, Interviews und Kommentaren der Märzausgabe. Das Heft ist hier im Shop erhältlich.

Ergänzend zum Heft gibt es auf der Webseite der G+L hier weitere Schulhofprojekte zu entdecken.