Schottergarten ist kein Steingarten

Schotter- und Kiesflächen in deutschen Gärten sind teilweise verboten. In Zukunft sollen diese noch stärker reguliert werden. Der bdla plädiert deshalb für eine deutliche Unterscheidung zwischen Schottergärten, Steingarten, Schotterpflanzungen und Schottermulch. Den Kommentar des bdla lesen Sie hier.

Gärten und insbesondere Vorgärten prägen unsere Städte und Dörfer wesentlich. Sie bilden Übergangszonen in den öffentlichen Raum und beeinflussen das Gesicht unserer Wohnviertel; sie tragen dementsprechend zu unserer aller Lebensqualität bei und begleiten und bereichern unsere täglichen Wege. Diese Gärten mit unserem derzeitigen Wissen qualitätsvoll und nachhaltig als Lebensräume zu gestalten, sollte eines unserer vorrangigen Ziele sein.

Schottergärten sind eine in den vergangenen Jahren bei immer mehr Hausbesitzer*innen in Mode gekommene Gestaltung – vornehmlich der Vorgärten als Interpretation eines pflegeleichten Gartens. Da diese „Schottergärten“ meist nur sehr spärlich bepflanzt werden und sich daraus ökologisch wertlose Flächen ergeben, haben mittlerweile viele bayrische Kommunen Verbote gegen sogenannte Schottergärten ausgesprochen, zum Beispiel die Stadt Erlangen im Februar 2020 und Würzburg im Juli 2020. Das Land Baden-Württemberg hat im August 2020 sogar ein landesweites Verbot ausgesprochen.

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Vom Bayrischen Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr wurde im Juli 2021 ein Schreiben an alle Kommunen in Bayern verschickt. In diesem Schreiben wird darauf hingewiesen, dass Kies- oder Schotterflächen – auch in versickerungsfähiger Gestaltung – künftig als bauliche Anlagen im Sinne von § 19 Abs. 2 und Abs. 4 BauNVO einzuordnen sind. Das bedeutet, dass sie zukünftig in die GRZ (Grundflächenzahl) mit eingerechnet werden müssen. Dies wird begründet durch die meist sehr spärliche Bepflanzung, durch die versickerungsverhindernden Wurzelschutzfolien gegen Unkrautbewuchs und die aufheizende Wirkung der Schotterflächen.

Für ein Verbot der Schottergärten

Schottergärten widersprechen auch aus Sicht des bdla sämtlichen Grundsätzen für nachhaltige, klimagerechte, biodiverse Gartengestaltung. Sie sollten deswegen aus folgenden Gründen vermieden werden:

  • Flächen, die ohne Bepflanzung ausschließlich mit Mineralschotter oder Kies abgedeckt sind, heizen sich und die Umgebung sehr stark auf. Dieser Effekt verstärkt sich, je dunkler das Abdeckmaterial ist.
  • Abdeckfolien, die zum Schutz gegen Unkrautaufwuchs unter dem Schotter eingebaut werden, verhindern oder erschweren ein Versickern von Regenwasser. Zudem zerstören sie den Aufbau einer natürlichen Bodenfauna.
  • Die für Schottergärten typischerweise spärliche (damit pflegeleichte) Bepflanzung besteht meist aus wenigen immergrünen, blütenlosen Pflanzen und ist damit weitgehend wertlos für die heimische Fauna, insbesondere für Vögel, Insekten oder (Wild-)Bienen.
  • Durch die fehlende Vegetation keine Staubbindung, kein Kühlungseffekt durch Verdunstung, keine Sauerstoffproduktion oder CO2-Bindung.

 

Schottergärten, Steingarten und Co. – die Unterschiede

Ein Schottergarten ist aber kein Steingarten. Was wie ein Wortspiel klingt beinhaltet eine sehr wichtige Unterscheidung von den verbotenen „Schottergärten“ zu weiteren Elementen der modernen Landschaftsarchitektur. Aus Sicht des bdla Bayern ist vor allem hinsichtlich der Einstufung als bauliche Anlagen deutlich zu unterscheiden zwischen den kritisierten Schottergärten und klassischen (alpinen) Steingärten, Pflanzungen in mineralische Kies- und Schottersubstrate und der Abdeckung von Pflanzflächen mit mineralischen Mulchdecken.

Gemäß Wikipedia (Stand: 21.10.2021) wird ein Schottergarten wie folgt definiert:

„Ein Schottergarten ist eine großflächig mit Steinen bedeckte Gartenfläche, in welcher die Steine das hauptsächliche Gestaltungsmittel sind. Pflanzen kommen nicht oder nur in geringer Zahl vor, wenn, dann oft durch strengen Formschnitt künstlich gestaltet. Als Steinmaterial kommen häufig gebrochene Steine mit scharfen Kanten und ohne Rundungen zum Einsatz (Schotter); für den gleichen Stil können aber auch GeröllKies oder Splitt verwendet werden. Der Begriff dient der Abgrenzung von klassischen Stein- und Kiesgärten, bei denen die Vegetation im Vordergrund steht, und wurde in diesem Sinne durch Studien, Medien und Initiativen geprägtHauptziel für die Anlage von Schottergärten ist eine als ordentlich wahrgenommene Gartenfläche, bei gleichzeitiger Erwartung eines geringen Pflegeaufwands.“

Der bdla Bayern möchte an dieser Stelle vor allem die folgenden Elemente der Landschaftsarchitektur benennen. Sie sind eindeutig von Schottergärten zu differenzieren:

1. Klassische Steingärten

Bei klassischen Steingärten steht die Vegetation im Vordergrund. Vorbild für Steingärten sind oft alpine und sonnenexponierte Trockenlagen. Steingärten werden mit trockenheitsverträglichen Gräsern und Stauden bepflanzt. Als Substrate dienen meist schottrige oder kiesige, abgemagerte Böden mit einem geringen Humusanteil. Steine dienen meist vor allem zur Dekoration oder im Fall von Trockenmauern zur Überwindung von Höhenunterschieden. Während Schottergärten eher als lebensfeindlich einzustufen sind, sind Steingärten intensiv bepflanzt und als Lebensraum für wärmeaffine Tiere geeignet. Beispiele hierfür sind Eidechsen und Insekten. Idealerweise bestehen Steingärten aus regionalem Steinmaterial.

2. Pflanzungen in Schottersubstrate

In den vergangenen Jahren wurden von vielen Gartenämtern und Hochschulen sehr erfolgreiche Untersuchungen zur Pflanzung von Stauden und Gräsern in mineralische Substrate aus Kiesen und Schotter durchgeführt. Das Ergebnis war folglich: Durch eine Pflanzung von geeigneten Stauden und Gräsern, die durch die kiesigen Unterbodensubstrate in die tieferliegenden Bodenschichten wurzeln, sind diese Pflanzungen wesentlich unempfindlicher gegen Trockenheit und damit besser für sonnenexponierte Lagen geeignet als reine Oberbodenpflanzungen.

Auch bei stark beanspruchten Staudenflächen wie zum Beispiel in Schulen ist der Anwuchserfolg in mineralischen Substraten meist besser als bei reinem Oberboden, der durch Betreten wesentlich stärker verdichtet wird. Es gibt außerdem eine große Anzahl an heimischen Ruderalpflanzen wie zum Beispiel die Königskerze oder die Wegwarte, die sehr gut in mineralischen Substraten wachsen und wichtige Blüten- und Nahrungspflanzen für zahlreiche Insekten sind. Durch eine geschickte Artenauswahl blühen die Pflanzflächen das ganze Jahr.

 

3. Abdeckung von Pflanzflächen mit Splitt als Mulchschicht

Um ein Austrocknen und Aushärten von Oberbodenflächen zu verringern, werden Staudenpflanzungen meist mit Rindenmulch oder Holzhäckselmulch abgedeckt. Diese Mulchschicht verringert erstens den Bewuchs mit Fremdvegetation, zweitens sorgt sie für eine bessere Aufnahme von Regenwasser und führt drittens durch den Kapillarbruch zu einer geringeren Verdunstung des in der obersten Bodenschicht gespeicherten Bodenwassers. Allerdings hat Rindenmulch auch große Nachteile: Rindenmulch verrottet meist innerhalb weniger Jahre, senkt den PH- Wert des Bodens in einen leicht sauren Bereich und entzieht dem Boden Stickstoff.

Mineralischer Mulch aus Schotter oder Splitt hat diese Nachteile nicht und sorgt für einen dauerhaften Schutz der Stauden und Gräser, die sich mit einer mineralischen Mulch wesentlich besser entwickeln. Mit einer Mulchschicht aus Splitt oder Schotter trocknet der Boden weniger aus, wird vor Verdichtung geschützt und verringert den Bewuchs mit Unkraut. Der Einbau eines Vlieses ist nicht notwendig und auch nur bedingt möglich, da die Flächen relativ dicht mit Stauden bepflanzt sind. Ziel dieser Pflanzungen ist eine fast vollständige Bedeckung des Bodens mit den Pflanzen innerhalb weniger Jahre. Dann ist die Mulchschicht auch nur noch stellenweise oder temporär in den Wintermonaten sichtbar.

Staudenpflanzungen in kiesigen und schottrigen Substraten mit einer mineralischen Mulchabdeckung werden aufgrund ihrer Dauerhaftigkeit, des verringerten Pflegeaufwands und des hohen Biodiversitätswertes zunehmend in Verkehrsflächen und Sickerflächen eingebaut.

 

Alle drei genannten Themen der Gartengestaltung sind unverzichtbare Elemente in der Landschaftsarchitektur, die auf dem ersten Blick den Schottergärten sehr ähnlich sind. Deshalb fordert der bdla Bayern ausdrücklich eine Differenzierung von Schottergärten zu Steingärten, Schottermulch und kiesigen Bodensubstraten.

Apropos Schottergärten: in unserem G+L-Beitrag Gärten des Grauens finden Sie eine große Auswahl an solchen Gärten und anderen Kuriositäten.