Das Elterngeld soll als staatliche Leistung die Gleichberechtigung in Deutschland fördern - doch ein aktueller Gesetzentwurf hat zu hitzigen Debatten geführt. Bildquelle: Pixabay
Das Elterngeld soll als staatliche Leistung die Gleichberechtigung in Deutschland fördern - doch ein aktueller Gesetzentwurf hat zu hitzigen Debatten geführt. Bildquelle: Pixabay

Die Debatte um das Elterngeld entbrannte kürzlich wieder aufgrund einer geplanten Gesetzesänderung. Worum es dabei genau ging und was das für Planerinnen bedeuten könnte, lesen Sie hier.

Elterngeld: Definition und Zweck

Das Elterngeld ist zunächst einmal eine Sozialleistung des Staates für Eltern von Säuglingen und Kleinkindern. Die monatliche Zahlung soll es Eltern ermöglichen, ihr Kind zu erziehen und zu betreuen. Der Betrag liegt zwischen 300 und 1.800 Euro im Monat und hängt vom jeweiligen Nettoverdienst ab. Für Eltern, die sich auf die Betreuung ihrer Kinder konzentrieren möchten, soll es in der neuen Lebenssituation finanzielle Sicherheit geben.

Ein Elternteil kann für mindestens zwei und maximal zwölf Monate das Basiselterngeld beziehen. Wenn beide Elternteile den Nachwuchs aufziehen, können sie sich 14 Monate untereinander aufteilen. In Kombination mit dem ElterngeldPlus und dem Partnerschaftsbonus ist auch eine noch längere Auszahlung möglich.

Um die staatliche Leistung zu beantragen, ist eine Menge Papierkram nötig. Maßgeblich ist immer das durchschnittliche Nettoeinkommen des betreuenden Elternteils in den letzten zwölf Monaten vor der Geburt. Dieses Einkommen muss nach der Geburt wegfallen, um vom Elterngeld zum Teil ersetzt zu werden. Denn es soll sich um eine Kompensation handeln, die zugleich mehr finanzielle Unabhängigkeit in der Zeit nach der Geburt bietet.

Bisher liegt die jährliche Einkommensgrenze, um Elterngeld zu erhalten, bei 300 000 Euro pro Paar und 250 000 bei Alleinverdienenden. Bildquelle: Unsplash
Bisher liegt die jährliche Einkommensgrenze, um Elterngeld zu erhalten, bei 300 000 Euro pro Paar und 250 000 bei Alleinverdienenden. Bildquelle: Unsplash

Flexiblere Gestaltung des Elterngeldes seit 2021

Ab 2023 könnte beim Elterngeld eine Einkommensobergrenze in Kraft treten. Bisher ist es so, dass mit der Höhe des Einkommens vor Geburt auch die Summe des ausgezahlten Elterngeldes ansteigt. Maximal 2 770 Euro an monatlichem Einkommen werden berücksichtigt: Ab einem durchschnittlichen Einkommen von 1 240 Euro und bis zu 2 770 gibt es das Basiselterngeld von 65 Prozent und somit höchstens 1.800 Euro. Bei einem Einkommen in den zwölf Monaten vor Geburt, das bei unter 1 240 Euro pro Monat liegt, wird ein höherer Prozentsatz angewendet, um bis zu 100 Prozent des vorherigen Einkommens zu ersetzen. Wer vor der Geburt kein Einkommen hatte, erhält den Mindestbeitrag von 300 Euro pro Monat.

Im Jahr 2021 sollte das Elterngeld, das erst nach der Geburt des Kindes beantragt werden kann, flexibler, partnerschaftlicher und einfacher gestaltet werden. Seitdem ist es zum Beispiel möglich, in Teilzeit zu arbeiten oder andere Einkommensersatzleistungen zu beziehen, ohne dass sich die Höhe des Elterngeldes reduziert. Bei Frühgeburten erhalten Eltern außerdem länger Elterngeld, nämlich je nach Anzahl der verfrühten Woche ein bis zwei Monate mehr.

Ab 2024 könnte die Grenze für das Elterngeld auf 150 000 Euro pro Paar gesenkt werden. Der entsprechende Gesetzentwurf hat zu Debatten geführt. Bildquelle: Pixabay
Ab 2024 könnte die Grenze für das Elterngeld auf 150 000 Euro pro Paar gesenkt werden. Der entsprechende Gesetzentwurf hat zu Debatten geführt. Bildquelle: Pixabay

Geplante Einkommensgrenze ab 2024: 150 000 Euro

So weit, so gut. Seit Anfang Juli 2023 wird nun diskutiert, die Einkommensgrenzen ab 2024 anzupassen. Bisher erhalten alle Eltern, die gemeinsam bis zu 300 000 Euro pro Jahr verdienen, Elterngeld. Vor den Änderungen 2021 lag diese Grenze für Paare sogar bei 500 000 Euro pro Jahr. Ab dem 1. Januar 2024 könnte die Einkommensobergrenze für Paare nun laut einem Entwurf des Bundesfamilienministeriums erneut abgesenkt werden, nämlich auf maximal 150 000 Euro an zu versteuerndem Einkommen pro Jahr. Für Alleinerziehende könnte die Grenze ebenfalls auf 150 000 Euro gesenkt werden – derzeit liegt sie bei 250 000 Euro pro Jahr.

Abgesehen davon, dass viele höherverdienende Paare davon benachteiligt wären, dreht sich der aktuelle Konflikt auch um das Ehegattensplitting. Denn während das Elterngeld die Gleichberechtigung fördern soll, unterstützt das Ehegattensplitting mit seinen steuerlichen Erleichterungen eine traditionelle Arbeitsteilung zwischen Hauptverdiener (meist der Mann) und Zuverdiener (meist die Frau). Wenn die Frau in einem Minijob arbeitet, spart sie die Einkommenssteuer und ist über die gesetzliche Krankenversicherung des Partners abgesichert.

Nun sind Überlegungen aufgetreten, das Ehegattensplitting abzuschaffen. Ebenso gibt es Debatten um die ab 2025 geplante Kindergrundsicherung von 250 Euro pro Monat, die das Kindergeld ablösen soll. Beide Maßnahmen sollen das Elterngeld finanzieren. Viele Stimmen rufen danach, stattdessen einen Fokus darauf zu legen, mehr Kitaplätze bereitzustellen – fast 400 000 Plätze fehlen derzeit in Deutschland.

Kritiker*innen merken an, dass es in der Familienpolitik viel drängerendere Probleme wie etwa Hindernisse bei der Gleichberechtigung und fehlende Kitaplätze gibt. Bildquelle: Pixabay
Kritiker*innen merken an, dass es in der Familienpolitik viel drängerendere Probleme wie etwa Hindernisse bei der Gleichberechtigung und fehlende Kitaplätze gibt. Bildquelle: Pixabay

Bedeutung des Elterngeldes für Planerinnen

Das durchschnittliche Jahresgehalt für Stadtplaner*innen in Deutschland liegt je nach Erfahrung bei 42 500 bis 54 300 Euro. Dabei ist es wie in vielen anderen Berufen so, dass Frauen tendenziell weniger verdienen. Planerinnen dürften sich als Alleinerziehende somit in den meisten Fällen für das Elterngeld qualifizieren – auch, wenn die geplante Senkung der Einkommensgrenze ab 2024 umgesetzt wird. Anders sieht es jedoch aus, wenn ein weiterer Elternteil dazukommt und das Jahreseinkommen als Paar bei über 150 000 Euro liegt.

Wie auch in anderen Berufen ist es für Planerinnen möglich, während der Elternzeit in Teilzeit zu arbeiten. Dann kommt das sogenannte ElterngeldPlus zum Einsatz, das halb so hoch ist wie das Basiselterngeld. Dies soll die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stärken. Auf Wunsch lassen sich Basiselterngeld und ElterngeldPlus miteinander kombinieren. Dabei hilft die betreffende Elterngeldstelle.

Paare, die sich die Erwerbs- und Sorgearbeit gleich aufteilen, können zudem bis zu vier zusätzliche ElterngeldPlus-Monate erhalten, den sogenannten Partnerschaftsbonus. Dafür müssen beide gleichzeitig zwischen 24 und 32 Wochenstunden in Teilzeit arbeiten. Da der Planungsberuf oft von Projekten abhängt, kann es sinnvoll sein, auch während der Elternzeit weiterzuarbeiten.

Weiterlesen: Wir finden, dass Landschaftsarchitektinnen in der Planung unterrepräsentiert sind. Mehr zu Frauen in diesem Beruf lesen Sie hier.

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Europan 17 – Living Cities 2: Wettbewerb ab März 2023 offen

Eines der Gewinnerprojekte von EUropan 16 war das "Archive of European Culture" in Landshut. Bildquelle: Europan Deutschland
Eines der Gewinnerprojekte von EUropan 16 war das "Archive of European Culture" in Landshut. Bildquelle: Europan Deutschland

Der thematische Wettbewerb Europan 17 richtet sich an junge Expert*innen aus der Stadtplanung, Landschaftsarchitektur und Architektur unter 40. Bewerbungen für die diesjährige Ausgabe des Wettbewerbs sind ab März 2023 möglich.

Europan 17: Living Cities 2

Als Werkzeug für europäische Städte und urbane Stakeholders bietet Europan die Möglichkeit, innovative Strategien für Transformation zu entwickeln. Teilnehmende an dem Wettbewerb reichen hierzu ihre Ideen für definierte Standorte ein, auf die bei Erfolg die Umsetzung folgt. Im Jahr 2023 trägt der Europan 17-Wettbewerb den Titel „Living Cities 2 – Lebendige Städte“. Er fragt danach, wie wir in den urbanisierten Räumen unserer Städte und Kommunen dem Klimawandel begegnen können. Auch soziale, wirtschaftliche und kulturelle Ungleichheiten sollen mit innovativen, integrativen Projekten und neuen Planungsprozessen behandelt werden.

Der Europan-Wettbewerb hat überdies das Ziel, vernachlässigte, leere, brachliegende oder stigmatisierte Flächen anhand neuer Ideen wieder zu attraktivem Stadtraum zu machen. So sollen lebendige, integrative und durchmische Stadträume entstehen. Der Bewerbungsstart ist im März 2023.

Europan wird seit Ende der 1980er Jahre europaweit ausgelobt. Alle zwei bis drei Jahre findet der Wettbewerb mit einem neuen thematischen Schwerpunkt statt. Dabei gibt es verschiedene Standorte in den teilnehmenden Ländern, für die Teams aus ganz Europa zukunftsweisende Ideen vorschlagen können.

Die Vertreter*innen eines Standorts können Städte oder öffentliche Einrichtungen sein, wobei auch die Zusammenarbeiten mit privaten Partner*innen möglich ist. Mit dem Wettbewerb Europan 17 suchen sie nach Antworten und Projekten für die Transformation von Standtorten. Sie unterstützen die Realisierung des prämierten Wettbewerbsbeitrags. Dafür können Städte und Kommunen einen Standort für den Wettbewerb vorschlagen, der einen strategischen Ansatz und innovative Ideen zur Transformation braucht, was mit einem „herkömmlichen“ Wettbewerb nicht erreicht werden kann.

Das Ziel von Europan

Europan führt alle zwei Jahre einen internationalen Planungs- und Architekturwettbewerb durch. Dabei handelt es sich um einen Ideenwettbewerb, der europäische Städte mit neuen Generationen an Architekt*innen, Stadtplaner*innen und Freiraumplaner*innen zusammenbringen soll. Zu jedem Wettbewerb gibt die internationale Organisation, die unter anderem in Deutschland ein Büro hat, ein aktuelles Thema vor. Dieses ist dabei für die Entwicklung der europäischen Stadt stets von zentraler Bedeutung. Auch im Jahr 2021 war das Thema „Living Cities“.

An jedem Europan-Wettbewerb nehmen über 50 europäische Städte sowie mehr als 2 000 Teams teil. Internationale Formate begleiten den Wettbewerb, um den Austausch und die Vernetzung dadurch auf europäischer Ebene zu fördern. Dabei sollen diese beiden Zwecke erfüllt werden:

  • Entwicklung neuer Lösungen für die lokale Stadtentwicklung
  • Nationale und internationale Vernetzung für junge Planer*innen

Dabei entsteht eine Plattform für eine kontinuierliche Debatte rund um die Transformation der europäischen Stadt. Zudem ermöglicht Europan die Entwicklung von Planungsprozessen und Pilotprojekten. Das Europan-Netzwerk besteht aus europäischen Expert*innen der Fachdisziplinen Architektur, Städtebau, Stadtplanung und Landschaftsarchitektur. Etwa 250 Städte und Kommunen in Europa unterstützen das Netzwerk mit ihrem Praxiswissen.

Das Gewinnerprojekt „Viriditas ante portas“ am Standort Schwäbisch Gmünd beim Wettbewerb Europan 16. Bildquelle: Europan Deutschland
Das Gewinnerprojekt „Viriditas ante portas“ am Standort Schwäbisch Gmünd beim Wettbewerb Europan 16. Bildquelle: Europan Deutschland

Bisherige Standorte von Europan

Der Europan-Wettbewerb wird in jedem teilnehmendem Land von einer Regionalorganisation durchgeführt. In Deutschland ist es der gemeinnützige Verein Europan Deutschland. Er hat die Weiterentwicklung des Wohnungs- und Städtebaus sowie die Förderung des Wettbewerbswesens für Städtebau und Architektur auf europäischer Ebene zum Ziel. Seit 1989 gibt es den Verein, der zu den acht Gründungsmitgliedern von Europan gehört. Heute nehmen die folgenden 13 Länder ständig an Europan teil: Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, Kroatien, Niederland, Norwegen, Österreich, Polen, Schweden, Schweiz und Spanien.

In den letzten 30 Jahren gab es insgesamt 15 europaweite Europan-Verfahren. Daraus sind zahlreiche innovative und prämierte Projekte entstanden, die neue Perspektiven aufzeigen und bestehende, „schwierige“ Standorte transformieren. 25 Länder und über 600 Städte waren bis heute an dem Wettbewerbsverfahren beteiligt. Wer am Wettbewerb Europan 17 teilnehmen möchte, kann innerhalb Deutschlands eine formlose Interessensbekundung per E-Mail oder Telefon an den deutschen Europan-Verein schicken. Darauf folgt ein Erstgespräch mit weiteren Informationen.

Im Jahr 2021 nahmen die deutschen Standorte Ettlingen, Landshut, Schwäbisch Gmünd, Selb und Wernigerode am Europan 16 Wettbewerb teil. Mehr über die Europan 16 Standorte in Deutschland lesen Sie hier.

Das Projekt „Queerbeet“ gewann bei Europan 16 in Ettlingen. Bildquelle: Europan Deutschland
Das Projekt „Queerbeet“ gewann bei Europan 16 in Ettlingen. Bildquelle: Europan Deutschland

Europan 17: Teilnehmende

Für den diesjährigen Wettbewerb sind Bewerbungen ab März möglich. Unter anderem hat bereits der Stadtrat von München der Teilnahme am Ideenwettbewerb Europan 17 zugestimmt. Nun sucht er nach Ideen von jungen Planer*innen aus ganz Europa. Es geht um die Zukunft einer Teilfläche des Münchner Europarks am Helene-Wessel-Bogen. Diese Flächen sind derzeit stark versiegelt und weisen eine monofunktionale Nutzung auf. Sie sollen zu einem nachhaltigen, zukunftsfähigen und resilienten Stadtbaustein werden.

In Norwegen stehen bereits vier Standorte für Europan 17 fest, darunter der Ort Larvik. Dieser hat einen alten Fischerhafen, der inzwischen verfallen ist. Gemeinsam mit der näheren Umgebung soll er zu einem attraktiven Stadtteil werden. In Italien gehört der Ort Cantù in der Lombardei zu den Standorten. Und in Spanien nimmt unter anderem die Schlucht von Chiva bei Valencia als Standort an Europan 17 teil. Dort wird es um die Flussbettregenerierung gehen.

Europaweit soll es bis zu 50 Standorte für den Wettbewerb Europan E17 geben. Die Ergebnisse sollen im Dezember 2023 feststehen und werden dann dem jeweiligen Stadt- oder Kommunalrat vorgestellt. Dies eröffnet die Möglichkeit, Projektideen in Strukturkonzepte mit einzubinden.

Übrigens: Mehr über den Standort-Call für Europan 17 erfahren Sie hier.

Building Information Modeling (BIM) für Freiraumplanung – Standards und Anwendungen

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Bunte städtische Fassaden entlang eines Flusses vor den Bergen in Österreich. Foto von Wolfgang Weiser.

BIM ist längst mehr als ein Buzzword: In der Freiraumplanung entfaltet Building Information Modeling sein wahres Potenzial – von smarter Zusammenarbeit über digitale Dokumentation bis zu nachhaltigen, zukunftsfähigen Freiräumen. Wer noch glaubt, BIM sei nur für Hochbau und Infrastruktur relevant, unterschätzt, wie radikal sich Planung, Bau und Betrieb von Parks, Plätzen und Grünzügen durch datenbasierte Standards verändern. Zeit, mit Vorurteilen aufzuräumen – und die echten Mehrwerte für die Praxis zu beleuchten.

  • Grundlagen: Was BIM in der Freiraumplanung bedeutet und warum es über 3D-Modelle hinausgeht.
  • Die wichtigsten BIM-Standards – national und international – und ihre Relevanz für Freiraumprojekte.
  • Praktische Anwendungen: Von der Konzeptphase bis zum Betrieb, mit konkreten Beispielen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
  • Chancen: Wie BIM nachhaltige, resiliente Freiräume fördert und die Zusammenarbeit im Planungsteam revolutioniert.
  • Herausforderungen: Warum Datenstrukturen, Schnittstellen und rechtliche Aspekte echte Stolpersteine sein können.
  • Die Rolle von Open BIM, IFC und nativen Datenmodellen speziell für die Landschaftsarchitektur.
  • Fachliche und kulturelle Barrieren – und wie sie sich in der Praxis überwinden lassen.
  • Digitale Tools, Workflows und neue Kompetenzen für Planer, Bauherren und Betreiber.
  • Perspektiven: Wie sich BIM in der Freiraumplanung weiterentwickeln wird und welche Trends die nächsten Jahre prägen.

Was ist BIM in der Freiraumplanung – und warum ist es mehr als nur ein 3D-Modell?

Building Information Modeling, kurz BIM, ist im Hochbau bereits Alltag und im Infrastrukturbau ein Muss. Doch in der Freiraumplanung haftet dem Begriff oft noch der Ruf eines Fremdkörpers an. Viele denken bei BIM reflexartig an spektakuläre 3D-Modelle von Bürohochhäusern oder Autobahnbrücken. Doch diese Sichtweise ist heute überholt und wird dem Potenzial von BIM in der Landschaftsarchitektur schlicht nicht gerecht. Denn BIM ist nicht nur ein digitales Modell, sondern vor allem ein methodischer Ansatz, der sämtliche Informationen über einen Freiraum – von der ersten Konzeptskizze bis zum Rückbau – zentral, strukturiert und zugänglich macht.

Im Kern bedeutet BIM, dass sämtliche Informationen eines Projekts digital verknüpft und über den gesamten Lebenszyklus hinweg nutzbar sind. Das reicht von Geometrien und Materialien über Pflanzenlisten, Bodenaufbauten und Entwässerungssysteme bis hin zu Wartungsintervallen und Nutzungsszenarien. Anders gesagt: BIM macht den Freiraum zum digitalen Zwilling, der nicht nur zeigt, wie ein Park aussieht, sondern auch, wie er funktioniert – und das in jeder Phase der Planung, Ausführung und Nutzung.

Für Planer bedeutet das einen radikalen Perspektivwechsel. Statt statischer Pläne und fragmentierter Dokumente entsteht ein durchgängiges, stets aktuelles Datenmodell. Änderungen werden nachvollziehbar, Kollisionen frühzeitig erkannt, Abstimmungen mit Fachplanern und Behörden effizienter. Das reduziert Fehler, spart Kosten und sorgt für bessere Ergebnisse – vorausgesetzt, alle Akteure ziehen mit.

Besonders relevant ist BIM für komplexe Freiraumprojekte, in denen zahlreiche Gewerke, Disziplinen und externe Schnittstellen ineinandergreifen: städtische Parks mit Spiel- und Sportflächen, Plätze mit aufwändiger Infrastruktur, landschaftliche Großprojekte mit Straßen, Wasserläufen und Brücken. Hier hilft BIM, den Überblick zu behalten, Verantwortlichkeiten zu klären und Informationsverluste zu vermeiden.

Doch BIM ist kein Selbstläufer. Gerade in der Freiraumplanung, wo Natur, Vegetation und Nutzung eine größere Rolle spielen als im klassischen Hochbau, braucht es spezifische Datenstrukturen, flexible Modelle und ein tiefes Verständnis der eigenen Prozesse. Die Frage ist daher nicht, ob BIM in der Freiraumplanung ankommt – sondern wie es gelingt, die Methode sinnvoll und praxisnah einzusetzen, ohne in Technikgläubigkeit oder Bürokratismus zu verfallen.

Standards und Schnittstellen: Das Rückgrat von BIM in der Freiraumplanung

Wer BIM in der Freiraumplanung ernsthaft einführen will, kommt an Standards nicht vorbei. Sie sind das unsichtbare Rückgrat jedes erfolgreichen BIM-Projekts – und zugleich häufig der Stolperstein in der Praxis. Während im Hochbau und in der Infrastruktur seit Jahren internationale Standards wie der Industry Foundation Classes (IFC) Standard etabliert sind, ist die Landschaftsarchitektur erst dabei, ihre eigenen Datenschemata und Prozesse zu definieren.

Der IFC-Standard, entwickelt von buildingSMART International, bildet die Grundlage für die plattformunabhängige Zusammenarbeit und den Austausch von Gebäudedaten. Für die Freiraumplanung sind jedoch viele IFC-Objekte und -Eigenschaften nicht ausreichend oder gar nicht vorhanden. Rasensysteme, Baumgruppen, wassergebundene Decken oder Spielgeräte – all das muss erst einmal sinnvoll modelliert und beschrieben werden. Genau hier setzen Initiativen wie „IFC-Landscape“ an, die sich zum Ziel gesetzt haben, die besonderen Anforderungen der Landschaftsarchitektur in das IFC-Format zu integrieren.

In Deutschland geben die VDI-Richtlinie 2552 Blatt 11.4 und die BIM-Handlungsempfehlungen der Bundesarchitektenkammer wichtige Orientierung. Sie beschreiben, wie BIM-Modelle für Freianlagen aufgebaut, gepflegt und ausgetauscht werden können. In Österreich und der Schweiz gibt es vergleichbare Leitfäden und Normen, zum Beispiel das Merkblatt SIA 2051 oder die ÖNORM A 6241-1. Entscheidend ist, dass ein gemeinsames Verständnis für Begriffe, Datenstrukturen und Austauschformate entsteht – damit niemand im Datensumpf versinkt.

Ein weiteres zentrales Thema sind Schnittstellen. Denn kaum ein Freiraumprojekt ist eine Insel. BIM-Modelle müssen mit GIS-Systemen, CAD-Plänen, Leistungsverzeichnissen, Bauzeitenplänen und Facility-Management-Software kommunizieren. Hier helfen offene Schnittstellen wie LandXML, CityGML oder gbXML, aber auch spezifische Exporte und Importe zwischen den gängigen Softwarelösungen. Je besser die Schnittstellen, desto mehr Nutzen stiften die Modelle – und desto nachhaltiger können sie im Betrieb genutzt werden.

Allerdings: Standards sind kein Allheilmittel. Sie müssen kontinuierlich weiterentwickelt und an die Praxis angepasst werden. Gerade die Vielfalt der Freiraumelemente, Materialien, Pflanzen und Pflegeanforderungen stellt hohe Anforderungen an die Flexibilität von BIM-Datenmodellen. Wer hier zu dogmatisch vorgeht, läuft Gefahr, die kreative und ortsspezifische Qualität der Freiraumplanung zu ersticken. Es gilt daher, Standards als Werkzeug zu begreifen – nicht als Zwangsjacke.

Mehrwert in der Praxis: Anwendungen und Nutzen von BIM für Freiraumplanung

BIM ist kein Selbstzweck, sondern soll konkrete Mehrwerte in der täglichen Arbeit schaffen. In der Freiraumplanung zeigen sich diese Vorteile besonders deutlich, wenn alle Projektbeteiligten von Anfang an einbezogen werden – vom Entwurf über die Ausführung bis zum Betrieb. Ein zentrales Anwendungsfeld ist die kollaborative Planung: Unterschiedliche Disziplinen – Landschaftsarchitektur, Tiefbau, Elektrotechnik, Entwässerung, Stadtplanung – arbeiten am selben digitalen Modell. Änderungen im Entwurf, etwa bei Wegeverläufen oder Höhenschichten, werden sofort sichtbar und können auf Planungsfehler oder Kollisionen geprüft werden. Das spart nicht nur Zeit, sondern reduziert die berüchtigten „Nachträge“ während der Bauphase erheblich.

Ein weiterer Vorteil ist die Transparenz entlang des gesamten Projektverlaufs. Auftraggeber erhalten bereits in der Konzeptphase realistische Visualisierungen, Mengen- und Kostenberechnungen werden präziser, und die Dokumentation für Ausschreibungen oder Bauabnahmen entsteht quasi nebenbei. Auch für die Bürgerbeteiligung bieten BIM-Modelle neue Möglichkeiten: Planungen lassen sich verständlich visualisieren, alternative Entwürfe können mit wenigen Klicks simuliert werden, und Auswirkungen auf Umwelt, Klima oder Nutzung sind frühzeitig erkennbar.

Im Betrieb entfaltet BIM sein volles Potenzial. Denn alle relevanten Informationen – von der Pflanzenpflege über die Wartung von Spielgeräten bis zu den Standorten von Bewässerungsanlagen – sind im Modell hinterlegt. Betreiber können so Wartungszyklen optimieren, Schäden schneller erkennen und den Lebenszyklus der Anlage aktiv steuern. Gerade für Kommunen, die angesichts knapper Budgets und steigender Anforderungen nachhaltiger wirtschaften müssen, ist das ein echter Vorteil.

Praktische Beispiele aus Hamburg, Zürich oder Wien zeigen, wie BIM in großen Freiraumprojekten – von Parks bis zu Flussuferpromenaden – bereits erfolgreich eingesetzt wird. Dort werden nicht nur Planungsprozesse effizienter, sondern auch ökologische und soziale Ziele besser erreicht. So helfen simulationsbasierte Modelle etwa, Regenwassermanagement und Biodiversität frühzeitig in die Planung zu integrieren, oder die Aufenthaltsqualität für unterschiedliche Nutzergruppen zu optimieren.

Am wichtigsten bleibt jedoch: BIM ist kein Ersatz für planerische Kreativität oder Erfahrung. Es ist ein Werkzeug, das Freiraumplaner mit neuen Möglichkeiten ausstattet – vorausgesetzt, sie verstehen die Technologie als Ergänzung, nicht als Steuerungsinstrument. Wer BIM als Chance begreift, kann nachhaltigere, resilientere und nutzerfreundlichere Freiräume gestalten und sich im Wettbewerb der Zukunft behaupten.

Herausforderungen und Stolpersteine: Warum BIM in der Freiraumplanung kein Selbstläufer ist

So verlockend die Vorteile von BIM in der Theorie klingen, so hart ist oft die Landung in der Praxis. Denn die Freiraumplanung ist geprägt von Vielfalt, Komplexität und vielen Akteuren, die mit höchst unterschiedlichen digitalen Vorkenntnissen und Erwartungen an die Projekte herangehen. Ein zentrales Problem bleibt die Standardisierung von Objekten und Daten: Während im Hochbau Fenster, Türen oder Wände klar definiert sind, sind Freiraumelemente oft Unikate – sei es eine bepflanzte Lärmschutzwand, ein individueller Spielplatz oder eine Regenwasserrinne mit Versickerungsfunktion. Hier stoßen bestehende Datenmodelle schnell an ihre Grenzen, und viele Planer müssen eigene Bauteile und Attribute entwickeln – oft ohne klare Vorgaben oder Unterstützung durch die Softwarehersteller.

Ein weiteres Hindernis ist die Frage der Schnittstellen. Viele Planungsbüros arbeiten mit unterschiedlichen CAD- und BIM-Programmen, die nur bedingt miteinander kommunizieren. Der Austausch zwischen Architektur, Ingenieurwesen und Landschaftsarchitektur ist damit mühselig und fehleranfällig. Zwar gibt es offene Formate wie IFC oder CityGML, doch sie sind für die spezifischen Anforderungen der Freiraumplanung noch nicht optimal angepasst. Hinzu kommen rechtliche Unsicherheiten: Wer trägt die Verantwortung für die Richtigkeit der Daten? Wie werden Urheberrechte, Datenschutz und Haftungsfragen geregelt? All das kann dazu führen, dass Beteiligte lieber beim Bewährten bleiben, als sich auf neue digitale Pfade zu wagen.

Auch die Kosten- und Zeitfrage ist nicht zu unterschätzen. Die Einführung von BIM erfordert Schulungen, Softwarelizenzen, Anpassung von Arbeitsabläufen und eine neue Fehlerkultur. Kleinere Büros ohne große IT-Abteilung fühlen sich hier oft überfordert. Zudem sind Auftraggeber und Bauherren in der Freiraumplanung häufig weniger digital affin als im Hochbau. Sie fordern BIM zwar zunehmend in Ausschreibungen, wissen aber nicht immer, was genau sie erwarten dürfen – oder wie sie die gelieferten Modelle sinnvoll weiterverwenden können.

Hinzu kommt, dass viele Planer die Gefahr sehen, dass BIM zu einem reinen Compliance-Projekt verkommt. Wenn die Modelle nur gepflegt werden, um Normen zu erfüllen oder digitale Checklisten zu bedienen, bleibt die eigentliche Planungskreativität auf der Strecke. Es droht der Verlust individueller Lösungen zugunsten standardisierter Abläufe – ein Risiko, das in der Freiraumplanung besonders schmerzt, weil hier oft ortsspezifische, kreative Lösungen gefragt sind.

Schließlich spielt auch die Unternehmenskultur eine große Rolle. BIM ist kein Softwareprojekt, sondern ein Wandel der gesamten Arbeitsweise. Nur wenn alle Beteiligten – von der Geschäftsleitung über die Projektleiter bis zu den Auszubildenden – die Vorteile und Herausforderungen verstehen und bereit sind, alte Zöpfe abzuschneiden, kann BIM sein Potenzial entfalten. Das erfordert Mut zur Veränderung, Offenheit für neue Prozesse und die Bereitschaft, Fehler als Lernchance zu begreifen statt als Makel.

Perspektiven und Trends: Wie sich BIM in der Freiraumplanung weiterentwickelt

Die Entwicklung von BIM in der Freiraumplanung steht erst am Anfang, doch die Richtung ist klar: Die Digitalisierung wird die Art und Weise, wie Freiräume geplant, gebaut und betrieben werden, in den nächsten Jahren grundlegend verändern. Ein zentraler Trend ist die Integration von BIM und GIS – also die Verschmelzung von Planungs- und Geoinformationen zu einem ganzheitlichen digitalen Stadt- oder Landschaftsmodell. Damit werden nicht nur Flächen und Objekte präziser erfasst, sondern auch Umwelt-, Klima- und Nutzungsdaten nahtlos eingebunden. So entstehen digitale Zwillinge, die das Potenzial haben, die gesamte Stadtentwicklung intelligenter, effizienter und nachhaltiger zu machen.

Ein weiteres spannendes Feld ist die Nutzung von Open BIM und offenen Datenstandards. Je mehr Hersteller, Softwareanbieter und öffentliche Auftraggeber auf offene Formate setzen, desto leichter wird die Zusammenarbeit über Disziplinen und Landesgrenzen hinweg. Initiativen wie buildingSMART, die die Entwicklung von IFC-Landscape vorantreiben, sind hier ebenso gefragt wie die aktive Beteiligung der Planer-Community – schließlich wissen Praktiker am besten, welche Anforderungen die Modelle erfüllen müssen.

Auch die Verbindung von BIM mit KI-gestützten Simulationen und Szenarien gewinnt an Bedeutung. Schon heute lassen sich mit entsprechenden Tools Auswirkungen von Entwürfen auf Mikroklima, Biodiversität oder Nutzerverhalten simulieren – und so fundiertere Entscheidungen treffen. In Zukunft könnten solche Modelle sogar automatisch Vorschläge für nachhaltigere oder wirtschaftlichere Lösungen generieren, indem sie Echtzeitdaten aus Betrieb und Nutzung auswerten. Das klingt futuristisch, ist aber in Pilotprojekten bereits Realität – etwa bei der Optimierung von Bewässerungssystemen oder der Anpassung von Pflegekonzepten an den Klimawandel.

Die Rolle der Ausbildung und Weiterbildung wird dabei immer wichtiger. Wer morgen erfolgreich Freiräume plant, muss nicht nur kreativ und fachlich fit sein, sondern auch digitale Kompetenzen mitbringen – von der Modellierung über den Datenexport bis zur Interpretation von Simulationsergebnissen. Hochschulen, Kammern und Verbände sind daher gefordert, praxisnahe Schulungsangebote und Zertifikate zu entwickeln, die sich an den realen Bedürfnissen der Büros orientieren.

Schließlich bleibt die Frage, wie sich BIM im Betrieb und in der Verwaltung etablieren lässt. Der größte Nutzen entsteht erst dann, wenn digitale Modelle nicht nach der Bauabnahme im Datenarchiv verschwinden, sondern aktiv für Wartung, Pflege, Umbau und Monitoring genutzt werden. Kommunen und Betreiber sind daher gut beraten, von Anfang an mit am Tisch zu sitzen – und gemeinsam mit Planern und Bauunternehmen digitale Strategien zu entwickeln, die den Lebenszyklus von Freiräumen wirklich abbilden und verbessern.

Fazit: BIM ist der Schlüssel zu zukunftsfähigen Freiräumen – wenn die Branche den Wandel annimmt

Building Information Modeling ist in der Freiraumplanung längst kein Nischenthema mehr, sondern auf dem besten Weg, zum Standard für anspruchsvolle, nachhaltige und resiliente Projekte zu werden. Die Methoden, Standards und Tools entwickeln sich rasant weiter und eröffnen neue Möglichkeiten für bessere Planung, effizientere Ausführung und intelligenten Betrieb. Doch der Weg ist steinig: Es braucht offene Schnittstellen, praxisnahe Standards, gemeinsames Verständnis und eine große Portion Veränderungsbereitschaft – bei Planern, Bauherren und Betreibern gleichermaßen. Wer den digitalen Wandel aktiv gestaltet, kann sich entscheidende Vorteile sichern: von der Fehlervermeidung über die bessere Bürgerbeteiligung bis zur nachhaltigen Bewirtschaftung von Parks, Plätzen und Grünanlagen. Es lohnt sich also, jetzt einzusteigen, die eigenen Prozesse kritisch zu hinterfragen und BIM als Werkzeug für bessere Freiräume zu begreifen. Denn die Städte und Landschaften von morgen werden nicht nur gebaut – sie werden modelliert, simuliert, getestet und stetig verbessert. Willkommen in der Zukunft der Freiraumplanung.