Wettbewerbsbeitrag Energiecampus Dortmund, Abbildung: asp Architekten
Ausschnitt aus dem Plakat des Projekts, Abbildung: asp Architekten

In Dortmund entsteht ein neuer Energiecampus. Schon 2027, zur Eröffnung der Internationalen Gartenausstellung in der Metropole Ruhr, sollen erste Gebäude stehen. Welche Formen diese annehmen werden zeigt ein städtebaulicher Realisierungswettbewerb. Den Wettbewerb haben asp Architekten für sich entschieden. 

Transformation der Region

Im Nordwesten von Dortmund wächst ein moderner Innovationscampus für Forschung, Produktion und Entwicklung von energiebezogenen Technologien. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Wasserstoff. Früher war die Montanindustrie ein wichtiger Motor bei der Entwicklung des Ruhrgebiets. Das lässt sich in Dortmund noch immer ablesen. Aber auch Meilensteine auf dem Weg in eine postindustrielle Zukunft prägen Dortmund. Bereits mit dem Technologie-Zentrum Dortmund, in unmittelbarer Nähe zur Universität, setzte die Stadt Zeichen. Diesen soll nun der Energiecampus Dortmund folgen. Schon jetzt sind zahlreiche Unternehmen der Energiebranche in der Ruhrgebietsstadt ansässig. Diese sowie die dazugehörigen wissenschaftlichen Institutionen werden ab 2027 in Dortmund-Huckarde vereint. Sie werden dort, am nördlichen Ende des Stadtentwicklungskorridors Emscher und in direkter Nachbarschaft zur Kokerei Hansa, die Transformation der Region fortschreiben.

Auf dem Weg zum Energiecampus Dortmund

Zunächst prüfte eine Machbarkeitsstudie, ob die Ansiedlung eines Energiecampus in Dortmund sinnvoll ist. In einem städtebaulichen Vorentwurf wurde schließlich die Idee konkretisiert und erste städtebauliche Konzepte wurden skizziert. Diese sehen einen vielfältigen und hochwertigen Stadtraum vor, der sowohl Beschäftigen als auch Nachbar*innen und Besucher*innen dient. Neben Forschungs- und Institutsgebäuden spielen deshalb Begegnungsräume mit hoher Aufenthaltsqualität eine große Rolle. Um diese städtebauliche Gestaltung des Energiecampus Dortmund zu konkretisieren, fand ein nicht offener, einphasiger städtebaulicher Realisierungswettbewerb statt.

Für die hochbauliche Konzeption des Energiecampus Dortmund ist eine moderne, intelligente Architektur vorgesehen. Die soll neue Standards im innovativen Bauen sowie in der Gebäudeautomatisation setzen. Gleichermaßen sind hohe Anforderungen im Bereich Energieeffizienz und Ressourcenschutz gefragt. Damit soll der Energiecampus in Dortmund zum Modellprojekt werden, in dem umweltfreundliche, schadstofffreie und primärenergetisch optimierte Baustoffe zu einer durchgängigen und konsequenten Kreislaufwirtschaft beitragen.

Wettbewerbsbeitrag Energiecampus Dortmund, Abbildung: asp Architekten
Wettbewerbsbeitrag Energiecampus Dortmund, Abbildung: asp Architekten

Städtebauliches Gerüst für den Energiecampus

Die Fläche für den künftigen Energiecampus Dortmund liegen im Stadtteil Huckarde. Dort spannt sie zwischen der Emscherallee, einem Bahndamm, den Grün- und Freiräumen des Geländes der Internationalen Gartenausstellung und dem Areal der Kokerei Hansa auf. Letztere ist schon seit Jahren stillgelegt. Im Rahmen der IGA Metropole Ruhr 2027 bekommt sie nun ein neues Umfeld. Denn von der Kokerei nach Norden wächst der neue Kokereipark Hansa. Unweit dieses Parks entsteht dann auch der Energiecampus Dortmund. 

Für diese Fläche entwickelten asp Architekten, die Gewinner des Wettbewerbs, ein städtebauliches Gerüst. Dieses orientiert sich an der ortsbildprägenden Linearität der Kokerei Hansa. Hier flankieren geradlinig gesetzte Baukörper eine zentrale Werkstraße, an der sich ein lebendiges Nebeneinander von Arbeiten, innovativer Mobilität sowie Freiraum aufreiht. Um ihren Charakter als Rückgrats zu unterstreichen, weisen die Gebäude entlang der Werkstraße höhere Geschossigkeiten auf. Westlich der Werkstraße  sorgen robuste Strukturen für Lärmschutz gegenüber der Emscherallee. Und im Osten schaffen breite Fugen im städtebaulichen Gefüge Raum für großzügige Platzsituationen, für Anknüpfungspunkte an den Landschaftspark und für Blickbeziehungen zur Kokerei. 

Mittendrin das Transferzentrum

Inmitten des neuen Energiecampus Dortmund liegt das  Transferzentrum. Dieses ist als Mischung aus Inkubatorspace, Innovationsturm, Fertigungshalle, Showkorridor und Freiraumdeck konzipiert. Es bietet flexible Gebäudestrukturen sowie unterschiedliche Freiräumen. Beide zusammen vereinen die hohen Ansprüche, die an den Energiecampus Dortmund gestellt werden. Sie helfen darüber hinaus optimale Arbeitsumgebungen und eine attraktive Erweiterung von Huckarde zu schaffen. Die Baustrukturen am südlichen Rand des Plangebiets erweitern die Bebauungsstrukturen, schaffen programmatische Synergien und stellen einen stadträumlichen Bezug zur Kokerei Hansa her. Mit einem baulichen Hochpunkt und dem Mobilitätszentrum wird der südliche Eingang zum Campus markiert. Im nördlichen Bereich bekommt der neue Energiecampus Dortmund einen weiteren Abschluss. Der betont den Übergang des neuen Campus zur zukünftigen Haltestelle der Stadtbahn mit einer einladenden Platzsituation. 

Die Architektursprache des Energiecampus sucht eine Verbindung zwischen Innovation und Bestand. Vor dem Hintergrund kommen klassische Formen und Elemente mit innovativen Materialien und Bautypologien zusammen. Dabei erhalten die Sockelgeschosse aus recyceltem Ziegel große vertikale Öffnungen. Wie in vielen industriellen Baudenkmälern der Region, können diese Bereiche über Werktore in den Außenraum expandieren. Die Obergeschosse hingegen bestehen aus ressourcenschonenden Materialien wie Holz, Lehm oder Recyclingbeton. Mechanische Lüftungs- und Kühlungssysteme tragen dazu bei, den Energiebedarf des Gebäudes niedrig zu halten. Um ihn vor Ort zu decken, werden Photovoltaik, Solarthermie und Gründächer für alle Baukörper vorgeschrieben.

Wettbewerbsbeitrag Energiecampus Dortmund, Abbildung: asp Architekten
Wettbewerbsbeitrag Energiecampus Dortmund, Abbildung: asp Architekten

Prinzip Einfachheit

Das Konzept des Entwurfs von asp Architekten besticht durch seine Einfachheit. Die Sockelgeschosse bilden fast durchgehende, acht Meter hohe Hallen, die aus 1 000 Quadratmeter großen Modulen bestehen. Bei Bedarf können diese beliebig zusammengeschlossen und kombiniert werden. Im Innenbereich erlauben flexible Erschließungs- und Wandsysteme, die Räume an sich verändernde Gebäudeanforderungen anzupassen. Denn während Produktion und Fertigung größere Flächen benötigen, sind kleinere Einheiten für Start-ups und Werkstätten ausreichend. Auch die Raumhöhe ist so ausgelegt, dass sowohl größere Fertigungsmaschinen aufgestellt als auch temporäre Zwischendecken eingezogen werden können. Auf den Sockelgeschossen sitzen jeweils 16 Meter tiefe Riegel, die als Büroflächen, Werkstätten oder Labore funktionieren können.

Freiraum und Erdgeschosse im Campus

Zum lebendigen Energiecampus Dortmund gehören aus Sicht der Entwurfsverfasser asp Architekten attraktive Erdgeschosszonen. Die strahlen bis in den öffentlichen Raum hinein und schaffen eine lebendige Atmosphäre. An stadträumlich wichtigen Stellen sind kleinteilige Versorgungsmöglichkeiten, Show-Rooms, Arbeitsflächen, Industrial-Art-Ausstellungen, Foyers und Gemeinschaftsräume angeordnet. Eine besondere Rolle spielt das Mobilitätszentrum. Es versorgt den Energiecampus Dortmund mit verkehrlichen Angeboten, Logistikflächen und Freizeitmöglichkeiten.

Bei der Gestaltung des innovativen Energiecampus spielt der Freiraum eine große Rolle. Deshalb sind in Huckarde zukünftig auch qualitätvolle Begegnungs- und Erholungsräumen wichtig. Der Entwurf von asp Architekten sieht ein robustes Netz an Grünräumen vor, das den Campus durchzieht und mit dem Landschaftspark der IGA 2027 verbindet. Dabei reicht die Bandbreite von Freiräumen von grünen Fugen über Quartiersplätze, Wassertreppen, Rigolen und Gartenterrassen bis zu begrünten Dachflächen. Letztere sorgen für einen geringen Grad an Versiegelung und tragen damit zur klimagerechten Stadtentwicklung bei.

Das Regenwassermanagement auf dem Energiecampus Dortmund ist ebenfalls wichtig. Es besteht aus drei Komponenten: Begrünte Dächer halten Niederschläge zurück und reduzieren bei Sonneneinstrahlung die Aufheizung der Gebäude. Darüber hinaus helfen Grünflächen, Mulden und Retentionsbecken Regenwasser zurückzuhalten und verdunsten zu lassen. Bei Starkregen füllen sich zuerst die Rückhalteflächen im Norden des Areals, bevor das Wasser in die südlichen Retentionsbecken und den benachbarten Wassergarten der IGA 2027 gelangt. Darüber hinaus sieht das Konzept die Nutzung von Grauwasser in Gebäuden des Energiecampus vor, wie zum Beispiel für Toilettenspülungen. Aber auch außerhalb der Gebäude kommt es bei der Bewässerung von Grün zum Einsatz.

Die Gewinner*innen eines weiteren Wettbewerbs stehen ebenfalls fest: der für das Rheinufer Krefeld.

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Eine langfristige, strategische Entwicklung der Stadt Mühldorf am Inn zeigt im Zukunftsbild durch die Entwicklung räumlich konkreter Interventionen den Istzustand von 2053. Bild: Paulina Schroeder
„InnLand nutzt UmLand“ fokussiert sich auf die Entwicklung der Land- und Agrarwirtschaft in der Region um Mühldorf am Inn. Eines der Ziele des Projekts, das im Rahmen einer Projektarbeit im Master Urbanistik an der Technischen Universität München entstand, ist es, die Stadt durch eine resiliente und produktive Landwirtschaft zu einer autarken Versorgergesellschaft zu wandeln. Daraus ergeben sich zeitgleich weitere Vorteile für eine soziale und grüne Stadtentwicklung.

Nicht nur in unserer Septemberausgabe 2023 machen wir Raum für Projekte aus dem Studium. Auch hier, auf unserer Webseite, stellen Studierende ihre eigenen Arbeiten selbst vor. Die Projekte finden Sie alle auf unserer Themenseite „Studium“ – und die Septemberausgabe gibt’s in unserem Shop.

Das Projekt

Die Projektarbeit “InnLand nutzt UmLandzeigt eine alternative Zukunft für die Ortsentwicklung in Mühldorf am Inn bis 2053. Das Ziel ist es, in den nächsten dreißig Jahren die Stadt nachhaltig und in Anbetracht der Landschaftsräume sowohl durch kurzzeitige als auch langfristige Investitionen in Ökonomie, Demografie und Nachhaltigkeit zu entwickeln. Im Fokus stehen dabei drei Interventionsräume an den Stadträndern, welche durch ihre unterschiedlichen Eigenschaften verschiedene Entwicklungspotentiale aufweisen und besonders zur Zukunft der Land- und Agrarwirtschaft in der Region beitragen sollen. Besonders im ländlichen Raum verliert der Arbeitsmarkt im Primärsektor an Bedeutung, neue Arbeitssektoren wie die Wissensökonomie gewinnen an Gewichtung. Doch genau das ländliche Umfeld bietet die Qualität der Sekundärstadt in einer Metropolregion. Zunehmender Zuzug aus der Stadt ist das Resultat.
Die drei Potentialräume an der Ortsrändern entwickeln sich über temporäre aktive Nutzungen langfristig zu Nachbarschaftstreffpunkten, wo lokale Nahrungsmittelproduktion und Veranstaltungen neues Wissen in der Bevölkerung generieren. Bild: Amelina Brandes, Lisa Kuchenreuther
Die drei Potentialräume an der Ortsrändern entwickeln sich über temporäre aktive Nutzungen langfristig zu Nachbarschaftstreffpunkten, wo lokale Nahrungsmittelproduktion und Veranstaltungen neues Wissen in der Bevölkerung generieren. Bild: Amelina Brandes, Lisa Kuchenreuther

Landwirtschaft resilient gestalten

Unser Ziel ist es, das Arbeitsfeld besonders für die künftige Generation durch Innovation und Transformation attraktiver zu machen und dem voranschreitenden Klimawandel und den zunehmenden Risiken der industriellen Landwirtschaft entgegenzuwirken. Ein erhöhter Wasserverbrauch, die Bodenübernutzung und zunehmende Ernterückgänge sind Auswirkungen eines monokulturellen Anbaus. Um die produktive Landschaft auch zukünftig erhalten zu können, muss diese resilienter gestaltet werden und ein Bewusstsein in der Gesellschaft entstehen. Um einen Zugang zu den Arbeitsprozessen zu ermöglichen, kann eine aktive Beteiligung an lokaler Produktion in den Stadtgebieten einen Impuls für einen solchen Wandel setzen.

Eine bessere Organisation und Vernetzung zwischen den ortsbildprägenden Akteuren erzeugt eine nachhaltige Entwicklung und wahrt die Landschaftsräume in der Stadt und der umgebenden Region. Bild: Paulina Schroeder
Eine bessere Organisation und Vernetzung zwischen den ortsbildprägenden Akteuren erzeugt eine nachhaltige Entwicklung und wahrt die Landschaftsräume in der Stadt und der umgebenden Region. Bild: Paulina Schroeder

Eine autarke Versorgungsgesellschaft soll entstehen

Die Kreisstadt soll Vorreiter für den Landkreis durch eine autarke Versorgungsgesellschaft werden. Der Eigenanbau von lokalen Produkten durch die Nachbarschaftsbeteiligung kann auf individuelle Haushalte übergreifen. Temporäre Nutzungen von Freiflächen werden langfristige Treffpunkte für Jung und Alt. Durch die neu geschaffene Attraktivität als Wohn- und Arbeitsstandort wird die junge Bevölkerung an den Standort langfristig gebunden. Arbeitsplätze in familienstarken Unternehmen vor Ort werden durch Anpassungsstrategien und Weiterentwicklung der Digitalisierung gestärkt. Neue, innovative Unternehmen im Bereich der Land- und Agrarwirtschaft bilden einen interessanten und zukunftsfähigen Berufszweig und ziehen Fachkräfte und Auszubildende an.

Nachhaltige Landwirtschaft bedeutet das Schaffen einer landwirtschaftlichen Struktur, in der umweltschonende Agrartechnologien eingesetzt sowie eine langfristige Schonung natürlicher Ressourcen voraus gesetzt werden. Bild: Mine Büyükişcana
Nachhaltige Landwirtschaft bedeutet das Schaffen einer landwirtschaftlichen Struktur, in der umweltschonende Agrartechnologien eingesetzt sowie eine langfristige Schonung natürlicher Ressourcen voraus gesetzt werden. Bild: Mine Büyükişcana

Flächenreduzierende Ortsentwicklung

Voraussetzung dafür ist der Bau flexibler und kleiner Wohneinheiten als Alternative zu den monofunktionalen Einfamilienhaus-Siedlungen. Nachverdichtung und Durchmischung in bestehenden Wohn- und Gewerbegebieten bringen ein möglichst nachhaltiges und flächenreduzierendes Stadtwachstum mit sich. Der Bau der Osttangente könnte als Umfahrung des Stadtkerns das hohe Verkehrsaufkommen im Zentrum reduzieren. Hauptverkehrswege bekommen weniger Bedeutung, Fuß- und Radwege gewinnen an Wichtigkeit. Auch der Naherholungsraum am Ufer des Inns erhält als neue Grünraumvernetzung zwischen Zentrum und dem südlichen Quartier eine neue Qualität und wird durch verschiedene Interventionen zugänglicher. Das verbesserte Grünnetzwerk zwischen den Siedlungsrändern und dem historischen Stadtzentrum lässt die Wohngebiete zusammenwachsen.

Die Maßnahmen in den unterschiedlichen Potentialräumen entwickeln sich von temporären Interventionen zu langfristigen strukturellen Entwicklungen, welche miteinander verknüpft sind und unterschiedliche Akteure involvieren. Bild: Amelina Brandes
Die Maßnahmen in den unterschiedlichen Potentialräumen entwickeln sich von temporären Interventionen zu langfristigen strukturellen Entwicklungen, welche miteinander verknüpft sind und unterschiedliche Akteure involvieren. Bild: Amelina Brandes

Der Entwurf entstand im Rahmen von „Mühldorf 2053“, einem Interdisziplinären Projekt im Master Urbanistik an der Technischen Hochschule München. Mehr über die Hintergründe zum Projekt gibt es hier zu lesen, und die Entwürfe weiterer Studierenden finden Sie hier.

Königsallee Düsseldorf: Ein neues Image für die Kö

Calatrava Architects designt ein neues Gebäude für die Düsseldorfer Kö. Bild: © Santiago Calatrava LLC
Calatrava Architects designt ein neues Gebäude für die Düsseldorfer Kö. Bild: © Santiago Calatrava LLC

Die Königsallee, oder „Kö“, wie Einheimische sagen, prägt das Image von Düsseldorf. Bald könnte die Kö aber mehr sein als die teuerste Straße der Stadt: In den nächsten Jahren soll sich hier einiges ändern. Mehr Gastronomie, andere Geschäfte und vor allem: mehr Fußgänger*innen.

Neubelebung der Düsseldorfer Königsallee

Die Düsseldorfer Königsallee ist eines der wichtigsten Wahrzeichen der Stadt. Die Straße prägt das Image von Düsseldorf, besteht aber vor allem aus teuren Läden und Elite-Bankhäusern. Kann so eine Ikone aussehen? Die Stadtregierung hat gemeinsam mit den Architekt*innen von Calatrava einige Änderungen geplant. So soll die „Kö“ künftig schöner und lebenswerter werden. Weniger Autos, andere Geschäfte und mehr Gastronomie sind einige der Ziele für die nächsten Jahre. Dafür sollen mehrere Millionen Euro investiert werden.

Am 23. Januar 2023 präsentierten Uwe Reppegather, Gründer der CENTRUM-Gruppe, Bürgermeister Dr. Stephan Keller und Architekt Dr. Santiago Calatrava ein Projekt für ein neues Gebäude an der Königsallee. Das sogenannte Calatrava Boulevard-Gebäude soll sich an der Kreuzung zwischen Königsallee, Königstraße und Steinstraße befinden. Das Ziel des Projektes besteht darin, die Kö als majestätischen Boulevard wiederzubeleben.

Calatrava Boulevard soll eine Top-Adresse für internationale Flaggschiff-Läden werden und zugleich Platz für Büroräume bieten. Dabei sollen die traditionellen Kö-Fassaden erhalten bleiben. Der Boulevard verläuft parallel zur Königsallee und verknüpft sie mit der Steinstraße. Das umgebende Grün sowie das offene Glasdach und die Skulptur-artige Architektur sollen ein Platz für internationale und lokale Restaurants und Läden bieten, die vom Wetter geschützt sind. Durch die wellenförmige innere Fassade soll eine neue Einheit zwischen Königstraße und Steinstraße entstehen.

Das neue Gebäude an der Kö soll Fußgänger*innen einladen und einen Raum zum Verweilen bieten. Bild: © Santiago Calatrava LLC
Das neue Gebäude an der Kö soll Fußgänger*innen einladen und einen Raum zum Verweilen bieten. Bild: © Santiago Calatrava LLC

Das Hauptgebäude des Calatrava Boulevard

Das Zentrum des Designs von Calatrava ist der Gebäudeabschnitt gegenüber vom Martin-Luther-Platz. Hier wird sich ein geschwungenes, gewölbtes Dach mit einer Höhe von etwa 41,2 Metern befinden. Es bleibt damit unter der typischen Bauhöhe von Hochhäusern in Düsseldorf. Die dreieckige zentrale Axe bietet direkten Zugang zum Boulevard, der weiter mit den Büro-Lobbys und den Restaurants und Läden verknüpft ist.

Die begehbaren Dachterrassen des Calatrava Boulevards sollen grün und attraktiv gestaltet sein, um Besuch einzuladen und zur Nachhaltigkeit der Kö beizutragen. Integrierte Solarpanels versorgen das neue Gebäude mit nachhaltig erzeugtem Strom.

Das Projekt hat bereits mit dem Bau des Kö 36-Gebäudes und dem Bezug durch die Marken Moncler und Fendi begonnen. Die Stadt sieht eine schrittweise Modernisierung vor, um die Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb entlang der Königsallee so gering wie möglich zu halten. 2028 soll das Bauprojekt an der Kö abgeschlossen sein.

Europas schönste Einkaufsstraße

Dr. Stephan Keller, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Düsseldorf, sagte bei der Projektvorstellung im Januar: „Der Calatrava Boulevard unterstreicht einmal mehr die Internationalität unserer Stadt. Ich bin sehr froh, dass die CENTRUM die von der Königsallee abgewandten Flächen mit herausragender Architektur umfassend neu entwickelt und damit dem weltberühmten Boulevard einen ganz neuen, zusätzlichen Glanz verleiht. Die Investition von über 1 Milliarden EUR an diesem Standort ist ein klares Bekenntnis zu unserer Stadt, für das ich Uwe Reppegather sehr dankbar bin. So viel Mut ist notwendig, um unsere Stadt in die Zukunft zu führen. Die Entwürfe zeigen, dass dies unter Beibehaltung der historischen Architektur gelingen kann.“

Uwe Reppegather, Geschäftsführer der CENTRUM, kommentiert den Entwurf: „Wir wollen die Königsallee zu einem der Premium-Einzelhandelsplätze in Europa machen. Dazu haben wir lange und intensiv mit dem internationalen Luxuseinzelhandel diskutiert und den Dialog der Stadt über die Zukunft der Königsallee intensiv begleitet. Das daraus resultierende Konzept sieht eine innovative Kombination von zeitgemäßen Einzelhandelsflächen für internationale Flagship-Stores mit gehobener Gastronomie vor, die zum Verweilen und Flanieren einlädt. Dieses Projekt mit seiner internationalen Ausstrahlung kann zu einem neuen Wahrzeichen als Europas schönste Einkaufsstraße werden!“

CENTRUM ist ein inhabergeführtes Unternehmen aus dem Jahr 1998, das sich auf die Entwicklung zeitgemäßer Einzelhandelsflächen in Top-Lagen deutscher Großstädte konzentriert. Das Gesamtvolumen der abgeschlossenen Entwicklungen liegt bei über 5 Milliarden Euro.

Diese Visualisierung zeigt, wie sich das Boulevard-Gebäude in die Königsallee einfügen würde. Bild: © Santiago Calatrava LLC
Diese Visualisierung zeigt, wie sich das Boulevard-Gebäude in die Königsallee einfügen würde. Bild: © Santiago Calatrava LLC

Über die Königsallee

Die Königsallee, gern auch kurz als Kö bezeichnet, ist ein nordsüdlicher Boulevard im Düsseldorfer Stadtzentrum. Sie gehört zu den bekanntesten Luxuseinkaufsstraßen in Europa. Der Stadtgraben oder Kö-Graben ist charakteristisch für die Gestaltung der Straße. Zudem zeichnet sie sich durch einen eindrucksvollen Baumbestand und eine Breite von fast 87 Metern aus. Damit ist sie die breiteste Straße in Deutschland.

Schon heute gibt es vier Gehwege an der Königsallee, jeweils an den Seiten des Grabens und entlang der Häuserzeile. Die westliche Seite hat insgesamt weniger Besuchende und wird in ihrem Nordteil daher auch als „stille Seite“ bezeichnet. Insgesamt ist auf der Ostseite der Kö mehr los. Im Sommer 2004 feierte die Straße ihr 200-jähriges Bestehen. Übrigens: Bekannt ist der Kö-Bogen vom polnisch-amerikanischen Architekten Daniel Libeskind, der hier 2013 entstand.

Der neue Calatrava Boulevard soll die Straße wieder zu ihrem alten Ruhm zurückführen. Zugleich hoffen die Architekt*innen sowie die Stadt, dass die neue Attraktion mehr Besuchende anzieht. Insbesondere für Fußgänger*innen soll es hier angenehmer werden. Und ein weiterer Anziehungspunkt soll die erhöhte Umweltfreundlichkeit der Straße durch die Grünflächen am Calatrava Boulevard sein.

In Düsseldorf tut sich viel: Tadao Ando und Enzo Enea arbeiten derzeit an dem Campus und Tower im Eingangsbereich der Stadt.