Das neue Fahrradparkhaus Bonn ist aus einzelnen Modulen hergestellt und mit Holz verkleidet. Im Inneren werden die Räder per Paternoster nach oben oder unten transportiert. Das Foto zeigt die Einweihung mit einer kleinen Menschenmenge vor dem Parkhaus.
Das neue Fahrradparkhaus Bonn ist aus einzelnen Modulen hergestellt und mit Holz verkleidet. Im Inneren werden die Räder per Paternoster nach oben oder unten transportiert. Credits: Martin Magunia für SWB Bonn

Die Stadt Bonn hat am 12. Dezember das erste vollautomatische Fahrradparkhaus eingeweiht. Mehr zu der neuen Abstellmöglichkeit am Beuel Bahnhof lesen Sie hier.

„Wir möchten ein CO2-freies Bonn“, verkündet die Stadt im Zuge der Kampagne „Emissionsfreie Innenstadt“. Es sei ein großes Ziel, die Klimakrise erfordere jedoch entschlossenes Handeln. Deshalb möchte Bonn es der eigenen Bevölkerung so einfach wie möglich machen, einen Beitrag zu diesem Ziel zu leisten. Dazu arbeitet sie derzeit konzentriert an drei Maßnahmenschwerpunkten. Zum Einen ist das die Errichtung von Mobilstationen, weiterhin der Bau von Radrouten und schließlich die Umrüstung des städtischen Fuhrparks auf Elektromobilität. Nach der erfolgreichen Einweihung der Mobilstationen vor rund einem Jahr entstand nun in Zusammenarbeit mit und unter der Regie der Stadtwerke ein neues Fahrradparkhaus am Bahnhof Beuel. 

Fahrradparkhaus als ein Schritt hin zur Mobilitätswende

„Es ist ein weiterer Baustein der Mobilitätswende in Bonn“, betont Oberbürgermeisterin Katja Dörner. Das erste intelligente und vollautomatische Fahrradparkhaus Bonn wurde am 12. Dezember feierlich eingeweiht. Das System stammt von dem Schweizer Hersteller V-Locker und soll zukünftig am Mobilitätsknoten Bahnhof Beuel die Möglichkeit bieten, das eigene Fahrrad diebstahlsicher, trocken und kostengünstig abzustellen. „So wird die Nutzung umweltfreundlicher Verkehrsmittel erneut komfortabler, was wiederum allen Verkehrsteilnehmer*innen in Bonn zugutekommt“, führt Oberbürgermeisterin Katja Dörner weiter aus.

Einfache Anmietung per App

Das System ist denkbar einfach. Per App können potentielle Nutzer*innen, einen Platz in einem der Fahrradparkhäuser von unterwegs oder von Zuhause bereits im Vorfeld buchen. Das Öffnen, Schließen und Beenden des Mietvorganges vor Ort wird mit wenigen Klicks über das Handy gesteuert. Über die App ist auch einsehbar, ob noch ein freier Platz im Parkhaus zur Verfügung steht. Insgesamt bietet das Parkhaus Raum für 96 Fahrräder. Um in den circa 0,4 Quadratmeter großen Boxen unterzukommen, dürfen die Räder nicht schwerer als 30 Kilogramm sein. Weiterhin darf der Lenker nicht breiter als 73 Zentimeter und das Fahrrad nicht höher als 113,5 Zentimeter und nicht länger als 190 Zentimeter sein.

Wer diese Voraussetzungen erfüllt, kann das Rad ab einem Euro pro Tag im Fahrradparkhaus Bonn abstellen. Auch längere Mietzeiträume sind möglich, wobei die Preise sinken, je länger die Box angemietet wird. Für eine Woche liegt der Preis bei fünf Euro, für einen Monat bei 15 Euro, für ein Halbjahr bei 60 Euro und für ein ganzes Jahr bei 90 Euro. Um zu Stoßzeiten lange Warteschlangen zu vermeiden, verfügt das Fahrradparkhaus über insgesamt acht Zugangsportale. Gerade für Pendler*innen, die am Bahnhof in den Öffentlichen Nahverkehr umsteigen und ihr – hochwertiges – Rad nicht im Außenraum stehen lassen möchten, könnte das Angebot beispielsweise attraktiv sein.

Nur ein Baustein von vielen

Die Stadt ist sich jedoch bewusst, dass die – zwar preisgünstige, jedoch nicht kostenlose – Abstellmöglichkeit nicht die alleinige Lösung für die Parkproblematik von Fahrrädern in der Stadt sein kann. Deshalb werden neben dem Pilotprojekt am Bahnhof Beuel und drei Fahrradparkhäusern in gleicher Bauweise, auch weitere freie Parksysteme im Stadtbezirk realisiert. „Es gilt weiterhin, einfache und kostenlose Parkplätze für Räder aller Art anzubieten. Nur im Verbund mit anderen Parkplätzen und Systemen entsteht eine erreichbare, attraktive Beueler City“, betont Beuels Bezirksbürgermeister Guido Pfeiffer.

Für die Bonner*innen soll das Fahrradparkhaus am Beueler Bahnhof noch vor Weihnachten nutzbar sein. Dann wird sich zeigen, welchen Effekt es für die Mobilitätswende der Stadt erzielt.

Was andere Städte für die Verkehrswende tun, lesen Sie hier am Beispiel München und der Mobilitätsstation.

 

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UnternehmenV-Locker
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Digitale Ökobilanzen für städtische Bauprojekte

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Atemberaubende Luftaufnahme einer Schweizer Stadt von Chundy Tanz, die urbane Planung und digitale Entwicklung eindrucksvoll zeigt.

Ökobilanzierung in der Stadtplanung? Was vor wenigen Jahren noch nach Excel-Tabelle im Hinterzimmer klang, ist heute Hightech, Echtzeit, datengetrieben – und längst ein entscheidender Hebel für nachhaltige Bauprojekte. Digitale Ökobilanzen liefern nicht nur Zahlen, sondern machen die Klimaauswirkungen städtischer Bauvorhaben erstmals sichtbar, vergleichbar und steuerbar. Zeit, einen genauen Blick auf Chancen, Fallstricke und praktische Umsetzung zu werfen.

  • Was digitale Ökobilanzen sind und wie sie klassische Methoden ablösen
  • Die wichtigsten Datenquellen, Tools und Schnittstellen für städtische Projekte
  • Rechtliche, technische und kulturelle Herausforderungen bei der Implementierung
  • Praxisbeispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz – von Pilotprojekten und Best Practice
  • Die entscheidende Rolle von Transparenz, Partizipation und Governance in der Ökobilanzierung
  • Chancen für Stadtplanung, Architektur und nachhaltige Quartiersentwicklung
  • Gefahren digitaler Ökobilanzen: Algorithmische Verzerrung, Intransparenz, Greenwashing
  • Wie digitale Ökobilanzen den Paradigmenwechsel in der Planung vorantreiben
  • Empfehlungen für Kommunen, Planungsbüros und Entwickler zur erfolgreichen Einführung

Vom Rechenblatt zum digitalen Bauökosystem: Was sind digitale Ökobilanzen?

Digitale Ökobilanzen sind weit mehr als schicke Grafiken für den Nachhaltigkeitsbericht: Sie sind das datenbasierte Rückgrat moderner Stadtentwicklung. In der klassischen Ökobilanz – häufig auch als „Life Cycle Assessment“ (LCA) bezeichnet – werden Umweltwirkungen eines Bauprojekts über den gesamten Lebenszyklus hinweg analysiert. Dazu zählen Rohstoffgewinnung, Herstellung, Transport, Bau, Betrieb, Sanierung und Rückbau. Während diese Berechnungen früher meist statisch, papierbasiert und retrospektiv erfolgten, eröffnen digitale Tools heute ganz neue Dimensionen in puncto Präzision, Dynamik und Interaktivität.

Im Zentrum steht ein digitaler Zwilling des Bauprojekts oder Quartiers, der sämtliche relevanten Materialflüsse, Energieverbräuche und Emissionen simuliert. Die eingesetzten Softwarelösungen – von spezialisierten LCA-Tools bis zu komplexen BIM-Integrationen – ermöglichen es, verschiedene Entwurfsvarianten bereits in der frühen Planungsphase miteinander zu vergleichen. So kann beispielsweise abgeschätzt werden, wie sich unterschiedliche Dämmmaterialien, Fassadentypen oder Energiekonzepte auf den ökologischen Fußabdruck eines Gebäudes auswirken.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Erstens lassen sich Zielkonflikte – etwa zwischen Energieeffizienz, Ressourcenschonung und Kosten – transparent machen. Zweitens können Planer dynamisch auf neue Rahmenbedingungen reagieren, etwa geänderte Baustoffpreise, technische Innovationen oder verschärfte Klimaziele. Drittens unterstützen digitale Ökobilanzen die Kommunikation mit Behörden, Investoren und Öffentlichkeit, indem sie komplexe Zusammenhänge verständlich visualisieren.

Doch was unterscheidet die digitale Ökobilanz konkret von ihrem analogen Vorgänger? Zunächst ist es die Datenintegration: Moderne Systeme greifen auf umfangreiche Datenbanken zu, aktualisieren sich automatisch und können sogar Echtzeitdaten aus Sensorik und IoT (Internet of Things) einbinden. Hinzu kommt die Möglichkeit, Szenarien und Sensitivitätsanalysen zu erstellen, also etwa Worst-Case- und Best-Case-Varianten durchzuspielen. Und nicht zuletzt öffnen Schnittstellen zu GIS (Geoinformationssystemen), BIM (Building Information Modeling) und urbanen Datenplattformen ganz neue Wege der Vernetzung – von der Quartiers- bis zur Stadtebene.

Ein Beispiel aus der Praxis: In Zürich werden bei städtischen Neubauprojekten sämtliche Bauprodukte digital erfasst und ihre ökologischen Kennwerte automatisiert analysiert. Damit können Planer bereits in der Entwurfsphase gezielt Materialien mit niedrigem CO₂-Fußabdruck auswählen – und die Auswirkungen jeder Planänderung in Echtzeit bewerten. Ähnliche Ansätze gibt es in Wien, München und Basel, wo digitale Ökobilanzen zunehmend zum Standard werden. Die zentrale Botschaft: Wer heute noch nach Bauchgefühl plant, hat morgen ein echtes Problem.

Daten, Tools, Schnittstellen: Die technische DNA der digitalen Ökobilanz

Die technische Umsetzung digitaler Ökobilanzen ist alles andere als trivial. Im Zentrum steht die Verknüpfung multipler Datenquellen – von Baustoffdatenbanken wie ÖKOBAUDAT oder ecoinvent über lokale Emissionsdaten bis hin zu Echtzeitwerten aus Sensorik und Smart-Metering. Die Qualität und Aktualität dieser Daten bestimmt maßgeblich die Aussagekraft der Ökobilanz. Gerade bei städtischen Bauprojekten, die häufig komplexe Materialströme, Nutzungsmischungen und unterschiedliche Lebenszyklusphasen vereinen, kommt der Datenintegration eine Schlüsselrolle zu.

Ein weiteres zentrales Element ist die Wahl der richtigen Software. Während klassische LCA-Tools wie GaBi, SimaPro oder openLCA etabliert sind, setzen immer mehr Planungsbüros auf BIM-basierte Lösungen. BIM – kurz für Building Information Modeling – verknüpft digitale Gebäudemodelle mit Echtzeitdaten und erlaubt eine dynamische Kopplung von Planung, Ausführung und Betrieb. Im Idealfall entsteht so ein durchgängiges Bauökosystem, in dem die Ökobilanz keine isolierte Disziplin mehr ist, sondern integraler Bestandteil des Gesamtprozesses.

Eine der größten Herausforderungen für Kommunen und Entwickler ist der Aufbau von Schnittstellen: Wie lassen sich Geodaten, Materialdaten, Betriebsdaten und Nutzerfeedback effizient verknüpfen? Hier punkten offene Standards und Plattformen, die Interoperabilität und Datensouveränität sichern. Auch der Datenschutz spielt eine immer größere Rolle, insbesondere wenn personenbezogene Daten – etwa zur Gebäudenutzung oder Mobilität – in die Bilanzierung einfließen. Ohne klare Governance, Verantwortlichkeiten und Zugriffsregeln läuft die digitale Ökobilanz schnell Gefahr, zur Black Box zu werden, in der niemand mehr den Überblick behält.

Ein weiteres technisches Thema ist die Skalierbarkeit: Während die Bilanzierung eines einzelnen Gebäudes vergleichsweise einfach erscheint, wird es bei größeren Quartieren, Infrastrukturprojekten oder gar ganzen Stadtteilen richtig spannend. Hier kommen urban digitale Zwillinge ins Spiel, die wie ein Nervensystem sämtliche relevanten Datenströme bündeln, auswerten und für die Ökobilanzierung nutzbar machen. Städte wie Helsinki und Rotterdam zeigen, wie solche Systeme nicht nur Nachhaltigkeit, sondern auch Resilienz, Nutzerkomfort und Betriebssicherheit optimieren können.

Abschließend lohnt ein Blick auf die Rolle von Künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen: Diese Technologien helfen, enorme Datenmengen zu analysieren, Muster zu erkennen und Prognosen für zukünftige Umweltauswirkungen zu erstellen. Doch Vorsicht: Je komplexer die Modelle, desto größer die Gefahr algorithmischer Verzerrungen. Deshalb gilt auch hier: Transparenz, Nachvollziehbarkeit und regelmäßige Validierung sind Pflicht – alles andere ist digitales Greenwashing.

Rechtliche und organisatorische Hürden: Warum die Praxis oft hinter der Technik zurückbleibt

So überzeugend die technischen Möglichkeiten sind, so groß sind die Hürden in der Umsetzung. Ein zentrales Problem: Die rechtlichen Rahmenbedingungen für digitale Ökobilanzen sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz noch alles andere als einheitlich. Während auf europäischer Ebene mit der Taxonomie-Verordnung und der neuen Bauprodukteverordnung erste Weichen gestellt werden, fehlt es auf nationaler und kommunaler Ebene oft an klaren Vorgaben. Welche Daten müssen erhoben werden? Wer ist für die Qualitätssicherung verantwortlich? Wie werden Ergebnisse dokumentiert und geprüft? All diese Fragen sind vielfach offen – und sorgen für Unsicherheit in Planung und Genehmigung.

Ein weiteres Hemmnis ist die fragmentierte Zuständigkeit in der Verwaltung: Während das Umweltamt für Emissionsdaten zuständig ist, verwalten Bauämter die Planungsunterlagen, während wiederum das Statistikamt Betriebsdaten erhebt. Ohne zentrale Koordination und einheitliche Datenstandards bleibt die Ökobilanzierung Flickwerk. Erfolgreiche Städte setzen deshalb auf Urban Data Plattformen und interdisziplinäre Projektteams, die alle relevanten Stakeholder – von Planern über Betreiber bis zu Bürgern – an einen Tisch holen.

Hinzu kommen kulturelle Vorbehalte: Viele Akteure fürchten, mit der Digitalisierung Kontrolle abzugeben oder sich von Algorithmen „entmündigen“ zu lassen. Dass die Ökobilanz plötzlich transparent macht, wo bisher Unklarheit herrschte, sorgt nicht selten für Konflikte – etwa zwischen Investoren, die auf schnelle Rendite setzen, und Planern, die langfristige Nachhaltigkeit im Blick haben. Hier braucht es eine neue Planungskultur, die Daten als Chance und nicht als Bedrohung begreift.

Auch die Schulung und Weiterbildung von Fachkräften ist ein kritischer Erfolgsfaktor. Die wenigsten Architekten, Ingenieure oder Stadtplaner sind von Haus aus Datenexperten. Umso wichtiger sind Weiterbildungsangebote, die digitale Kompetenzen, ökologisches Grundwissen und rechtliche Rahmenbedingungen verknüpfen. Hochschulen und Kammern sind hier ebenso gefordert wie Softwareanbieter und Kommunen.

Schließlich darf die Frage der Finanzierung nicht unterschätzt werden: Die Einführung digitaler Ökobilanzen kostet Geld – für Software, Datenintegration, Schulung und laufenden Betrieb. Gerade kleinere Kommunen und Büros stoßen hier schnell an ihre Grenzen. Förderprogramme, Partnerschaften und Open-Source-Ansätze können helfen, die Einstiegshürden zu senken. Doch klar ist: Wer jetzt nicht investiert, zahlt später drauf – sei es durch ineffiziente Gebäude, teure Nachbesserungen oder verpasste Klimaziele.

Best Practice und Lessons Learned: Wie Städte und Quartiere von digitalen Ökobilanzen profitieren

Die gute Nachricht: Es gibt sie, die Vorreiter in Sachen digitaler Ökobilanzierung. Ein Blick nach Hamburg zeigt, wie im Rahmen des Projekts „Stadtquartier 4.0“ sämtliche Planungs- und Betriebsdaten in einem digitalen Zwilling zusammengeführt werden. Hier können Planer in Echtzeit sehen, wie sich Materialwahl, Energiekonzept oder Nutzerverhalten auf den CO₂-Ausstoß des Quartiers auswirken. Die Ergebnisse fließen direkt in die Entscheidungsfindung ein – etwa bei der Frage, ob eine Tiefgarage wirklich notwendig ist oder alternative Mobilitätskonzepte ökologisch sinnvoller sind.

In Zürich hat die Stadtverwaltung einen eigenen „Ökobilanzmanager“ entwickelt, der sämtliche städtischen Bauprojekte systematisch bewertet und miteinander vergleicht. So lassen sich Best-Practice-Lösungen identifizieren, skalieren und auf andere Projekte übertragen. Besonders spannend: Auch Bürger können über eine Online-Plattform eigene Vorschläge einbringen und die Auswirkungen verschiedener Szenarien selbst simulieren. Das schafft Akzeptanz, Verständnis und Transparenz.

Wien wiederum setzt auf eine enge Verzahnung von BIM, GIS und LCA-Tools. Bei der Entwicklung neuer Stadtteile wie Aspern Seestadt werden alle Bauprodukte digital erfasst, geprüft und bilanziert – von der ersten Skizze bis zum Rückbau. Die Stadt arbeitet dabei eng mit Universitäten, Softwareanbietern und Planungsbüros zusammen. Das Ergebnis: Gebäude, die nicht nur effizient, sondern auch ressourcenschonend, klimafreundlich und kreislauffähig sind. Die digitale Ökobilanz ist hier kein Add-on mehr, sondern Pflicht in jedem Planungsschritt.

Auch kleinere Kommunen profitieren: In der Schweiz nutzt die Gemeinde Uster ein einfaches, webbasiertes Ökobilanztool, mit dem selbst Laien die Umweltwirkungen von Bauprojekten nachvollziehen können. Das stärkt die Beteiligung und sorgt dafür, dass Nachhaltigkeit kein Elitenprojekt bleibt. Entscheidend ist dabei die Einfachheit der Bedienung und die klare Visualisierung komplexer Sachverhalte – schließlich will niemand in endlosen Zahlenkolonnen versinken.

Was alle diese Beispiele eint: Die digitale Ökobilanz wird zur Entscheidungsinstanz. Sie liefert nicht nur Zahlen, sondern ermöglicht eine ganz neue Qualität der Stadtentwicklung – transparent, partizipativ und dynamisch. Der Schlüssel zum Erfolg liegt dabei nicht in der Technik, sondern in der Zusammenarbeit: Wer Daten, Kompetenzen und Perspektiven intelligent vernetzt, schafft lebenswerte Städte für die Zukunft.

Chancen, Risiken und der Paradigmenwechsel in der Planungskultur

Digitale Ökobilanzen sind kein Allheilmittel – aber sie sind der mächtigste Hebel, um nachhaltige Stadtentwicklung in der Praxis zu verankern. Sie ermöglichen es, Zielkonflikte sichtbar zu machen, Innovationen zu testen und Entscheidungen auf eine solide Datenbasis zu stellen. Gerade angesichts immer strengerer Klimavorgaben, begrenzter Ressourcen und wachsender Anforderungen an Lebensqualität sind sie unverzichtbar.

Doch mit der neuen Macht der Daten wachsen auch die Risiken. Algorithmische Verzerrungen, fehlerhafte Eingaben oder mangelnde Transparenz können dazu führen, dass Bauprojekte schlechter abschneiden als in der Realität – oder umgekehrt als „grün“ verkauft werden, obwohl der ökologische Nutzen fragwürdig ist. Stichwort Greenwashing: Wenn digitale Ökobilanzen zur reinen PR-Maßnahme verkommen, verspielen Städte und Entwickler ihre Glaubwürdigkeit – und am Ende das Vertrauen der Öffentlichkeit.

Auch der Umgang mit Unsicherheiten bleibt eine Herausforderung. Selbst die beste Bilanz kann nicht jede Zukunft exakt vorhersehen – zu viele Faktoren sind volatil, von Energiepreisen bis zu Nutzerverhalten. Deshalb gilt: Digitale Ökobilanzen sind Werkzeuge zur Steuerung, keine Orakel. Sie müssen regelmäßig überprüft, angepasst und ergänzt werden. Nur so bleiben sie relevant und verlässlich.

Ein weiteres Risiko ist die Kommerzialisierung der Bilanzierung: Wenn proprietäre Softwareanbieter die Datenhoheit übernehmen, droht die Stadtentwicklung zum Spielball wirtschaftlicher Interessen zu werden. Offene Standards, Open-Source-Lösungen und klare Governance-Strukturen sind deshalb essenziell, um digitale Souveränität zu sichern. Nur so bleibt die Ökobilanz ein öffentliches Gut – und kein exklusives Privileg großer Konzerne.

Am Ende geht es um einen Paradigmenwechsel in der Planungskultur: Weg vom Bauchgefühl, hin zur datenbasierten, partizipativen und dynamischen Stadtentwicklung. Wer diesen Wandel aktiv gestaltet, profitiert von effizienteren Prozessen, besseren Gebäuden und zufriedeneren Bürgern. Wer ihn verschläft, riskiert Stillstand, Ineffizienz und verpasste Chancen. Die digitale Ökobilanz ist dabei nicht das Ziel – sondern der Weg.

Fazit: Die digitale Ökobilanz ist mehr als ein Tool – sie ist der Taktgeber nachhaltiger Stadtentwicklung

Digitale Ökobilanzen verändern die Spielregeln der Stadtplanung – und das auf allen Ebenen. Sie machen Umweltwirkungen sichtbar, vergleichbar und steuerbar. Sie ermöglichen es, Innovationen zu testen, Zielkonflikte zu lösen und Entscheidungen auf eine solide Datenbasis zu stellen. Doch ihr Erfolg hängt nicht allein von der Technik ab, sondern von der Fähigkeit, Daten, Menschen und Prozesse intelligent zu vernetzen. Transparenz, Partizipation und offene Standards sind dabei ebenso wichtig wie technisches Know-how und politischer Wille. Wer heute in digitale Ökobilanzen investiert, sichert nicht nur die Einhaltung von Klimazielen und Ressourcenschutz – sondern schafft lebenswerte, zukunftsfähige Städte. Die Zeit der Excel-Tabellen ist vorbei. Die Zukunft gehört den Daten – und denen, die sie verantwortungsvoll nutzen.

Städtewachstum – die G+L im April

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Die demografische Entwicklung wird Deutschland bis 2035 mit voller Wucht treffen – sowohl in den Metropolen als auch im ländlichen Raum. In der Aprilausgabe 2021 der G+L gilt unser Fokus den Metropolen und ihren zunehmenden Wachstumsschmerzen: Wir thematisieren Städtewachstum. Wir werfen einen Blick nach Frankfurt, Freiburg, Hamburg, Leipzig, München, Paris und Zürich und diskutieren kritisch, wie die Städte mit dem zunehmenden Flächendruck umgehen, ohne ihre Grünflächen zu kannibalisieren. Was die Sendung mit der Maus mit Städtewachstum zu tun hat, erklärt Chefredakteurin Theresa Ramisch im Editorial.

Städtewachstum und seine Konsequenzen

 

Den 50. Geburtstag groß feiern, das ist aufgrund der Corona-Pandemie derzeit nahezu unmöglich. Zumindest für uns Normalos, nicht aber für das Geburtstagskind des letzten Monats: die Sendung mit der Maus. Unter viel Applaus feierte sie Anfang März ein halbes Jahrhundert „Lach- und Sachgeschichten“. In der Jubiläumsausgabe erforschten Armin, Christoph und Co., was die Maus in den nächsten 50 Jahren erleben wird – mit Geschichten über Roboter, 3D-Drucker und einem Intro auf Klingonisch (ja, wirklich, die Sprache aus „Star Trek“). 

Die Frage, die dabei natürlich nicht fehlen durfte, war: Wie werden wir in Zukunft bei immer dichter werdenden Städten zusammenleben? Ein Thema, das uns in den planenden Disziplinen inzwischen seit Jahr­zehnten beschäftigt und trotzdem immer wieder neu Anlass gibt, weitere Ansätze und Methoden zu entwickeln. Zufälligerweise ist es auch genau das Thema der vorliegenden G+L. Denn: Mehr und mehr Menschen ziehen weiterhin in die Metropolen, der ländliche Raum hingegen wird an Bevölkerung verlieren. Das sagt zum einen Armin in der Maus-Jubiläumsfolge (und: Wie könnte Armin jemals falsch liegen?!), allen voran bestätigt das aber auch die neue Raum­­­ordnungs­prognose, die der BBSR im März veröffentlichte.

Die Folgen für unsere Städte sind massiv. München, Stuttgart, aber auch Hamburg, Berlin und Köln ächzen zunehmend unter dem anhaltenden Wachstumsdruck. Zugleich scheint das Grün in der Stadt mit jedem neu ausgeschriebenen Baufeld, mit jeder Nachverdichtung zurückzuweichen. Sollten die betroffenen Großstädte nicht frühzeitig nachsteuern, werden sich die ­Konse­quenzen des unkontrollierten Wachstums fatal auf die Lebensqualität und das Stadtklima auswirken.

Ansätze für die Städte der Zukunft

Allgemeine Strategien, wie Metropolen dem Wachstumsdruck begegnen können, gibt es zuhauf. Aber können die was? Wir denken nein – schließlich bringt jede Stadt ihre individuellen Heraus­forderungen mit sich. Da greift kein Schema F. Aus diesem Grund verzichten wir in diesem Heft explizit auf das Vorstellen ­allgemeiner Handlungsansätze und schauen stattdessen direkt in die Städte. Während Armin für die Maus nach Zürich reiste, entschieden wir von der G+L uns für einen Blick nach Frankfurt am Main, Hamburg, Leipzig und Potsdam – also für vier der Städte, die laut dem BBSR und dem Berlin-Institut besonders vom Wachstum betroffen sein werden.

Zugegeben, wir gehen das Ganze ein wenig planerischer an als die Maus, aber mit hoffentlich nicht minder interessanten Ideen. Unser Ziel war es, Ihnen, liebe Leser*innen, viele gute Ansätze zu liefern, wie wir mit nachhaltiger Planung Dichte in unseren Städten der Zukunft möglich machen können, ohne unser Stadtgrün und -klima in Gefahr zu bringen.

PS: Dieses Heft ist die erste Ausgabe der diesjährigen Stadt-Spezial-Serie. Unter dem Motto „Städte für morgen“ diskutieren wir in drei aufeinanderfolgenden Heften drei Themen, an denen aktuell keine Planungs­abteilung vorbeikommt.