20.12.2023

Event

12. Internationale Landschaftsbiennale Barcelona

von Andreas Ebert
Stadtplanung par excellence: Barcelona. Während die Superblocks der Stadt gerne positives Beispiel sind, konnte die Landschaftsbiennale Barcelona 2023 nicht überzeugen. Foto: Kaspars Upmanis / Unsplash
Stadtplanung par excellence: Barcelona. Während die Superblocks der Stadt gerne positives Beispiel sind, konnte die Landschaftsbiennale Barcelona 2023 nicht überzeugen. Foto: Kaspars Upmanis / Unsplash

„The Poetics of Remediation“ war das Motto der diesjährigen Landschaftsbiennale in Barcelona. Es ging also um die Poetik der Sanierung. Die Biennale wurde diesem Motto thematisch und intern allerdings nicht immer gerecht.


Wichtiges Instrument zur Eindämmung des Klimawandels

Vom 24. bis 28. November 2023 fand die zwölfte internationale Landschaftsbiennale in Barcelona (12th Barcelona International Landscape Biennial) statt. Das diesjährige Thema der Biennale war „The Poetics of Remediation“, also die Poetik der Sanierung. Es wurde darüber nachgedacht, wie Landschaft ein wichtiges Instrument für die Eindämmung des Klimawandels und künftige Herausforderungen in der bebauten Umwelt werden könnte.

Dafür wurden Landschaftsarchitekt*innen aus der ganzen Welt eingeladen. Anthropozentrische Landschaftsvorstellungen aus der westlichen Welt dominierten dennoch die Biennale. Ausnahmen gab es vor allem innerhalb der Beiträge der Universitäten im Rahmen des Schulpreises.


Der Schulpreis geht nach Norwegen

Die Biennale umfasste die Verleihung des Internationalen Rosa-Barba-Casanovas-Preises für die besten Landschaftsprojekte, den Preis der Internationalen Landschaftsarchitekturschule und ein Symposium zu den neuesten Themen der Landschaftsarchitektur.

Am ersten Tag wurden die Beiträge des Schulpreises vorgestellt. Zehn Finalist*innen präsentierten ihre Projekte in der Architekturfakultät der Universitat Politècnica de Catalunya (UPC). Unter den Finalist*innen war auch die Technische Universität München mit Beiträgen unter der Leitung von Professor Udo Weilacher. Den Schulpreis gewann die Arctic University of Norway mit Beiträgen, die das Ziel haben, gemeinsam mit menschlichen und nicht-menschlichen Akteur*innen Prozesse zu entwerfen. Besondere Anerkennungen bekamen die Technische Universität Istanbul und die Päpstliche Katholische Universität Peru.

Das Wochenende lud zu verschiedenen Events ein. Unter anderem wurden neue Bücher vorgestellt, unterschiedliche Orte in Barcelona besucht und abends ein thematisch angelehntes Kinoprogramm angeboten.


Rosa Barba Prize: nur vereinzelt soziale oder ökologische Projekte

Am vierten Tag begann das Hauptprogramm der Biennale. Alle Projekte der elf Finalist*innen des Rosa-Barba-Preises wurden präsentiert. Es wurde deutlich, dass die Jury bemüht war, Projekte aus allen Teilen der Welt abzubilden. Die Projekte kamen aus Nord- und Südamerika, Europa, Asien, Afrika und Ozeanien. Eine deutsche Vertreterin gab es auch, die Sommerinsel in Heilbronn – geplant als ARGE von LOMA architecture . landscape . urbanism und RB+P Landschaftsarchitektur aus Kassel. Gewonnen hat schließlich das Projekt Tangshan Quarry Park in Nanjing, China, von Z+T Studio.

Die einzelnen Projekte beschrieben unterschiedliche Maßstäbe und Thematiken. Von einer regionalen Narrativentwicklung für die Kohleregion Birmingham bis zu einem Schwammstadtprojekt in Bangkok wurden landschaftsarchitektonische Eindrücke aus der ganzen Welt gezeigt. 225 internationale Projekte wurden eingereicht.

Überraschend war zu sehen, wie wenige Projekte tatsächlich aktuelle Herausforderungen unserer Zeit lösen. Viele Projekte zeigten ein konservatives Bild der Landschaftsarchitektur. Skulpturales, Gärten und Landschaftsdesigns bestimmten weite Teile der präsentierten Projekte. Nur vereinzelt tauchten tatsächlich soziale Projekte, wie der Quartierspark in Medellín, oder ökologische Projekte, wie der Benjakitti Forest Park in Bangkok von Turenscape, auf.

Viele Verfasser*innen beschrieben ihre Projekte mit Superlativen, ohne die präsentierten ökologischen, sozialen oder kontextbezogenen Beschreibungen erfüllen zu können. Präsent war auch die Aneignung indigener Elemente einzelner Projekte. Es wurde also viel „über“ und wenig „mit“ gesprochen. Trotz der verschiedenen Länder, aus denen die Projekte kamen, gab es wenig Diversität unter den Projektrepräsentant*innen.


Vorträge – von indigenem Wissen über Bogotás Stadtumbau bis zur Pflanzverwendung

Das Programm des fünften und letzten Tages bestand aus Vorträgen von Jurymitgliedern. Besonders erfrischend war der Vortrag von Bruno Marques. Der IFLA-Präsident sprach über die wichtigsten Kernthemen der Landschaftsarchitektur, vermittelte Motivation und Aufbruch. Er sprach darüber, wie wichtig es für die Landschaftsarchitektur ist, alle Menschen an der Planung unserer Landschaften zu beteiligen. Dabei ging er speziell auf indigenes Wissen ein – auch darauf, dieses Wissen von den Menschen, die es haben, vertreten zu lassen. Also genau das, was auf der Landschaftsbiennale nicht geschehen ist.

Weitere interessante Vorträge gab es von Professor Gareth Doherty von der Harvard University über Landschaftsarchitektur in Grenzregionen, den mitreißenden Vortrag von Martha Fajardo über den grünen Stadtumbau von Bogotá in Kolumbien und den Vortrag von Professor Cassian Schmidt über Pflanzenverwendung in Zeiten des Klimawandels.


Was für die nächste Biennale schön wäre

Dazu hätte man sehr gerne Rückfragen gestellt. Das war aber nicht vorgesehen. Die Landschaftsbiennale ist ein besonderes Event für die Landschaftsarchitektur. Das ist sichtbar und wichtig. Dennoch wäre es schön, wenn auf der kommenden Biennale jüngere und diversere Gesichter auftauchen würden und mehr Raum für Diskussionen und Rückfragen angeboten wird, um ein zeitgemäßes Bild internationaler Landschaftsarchitektur zeigen zu können, das nicht vor allem von westlichen Ideen und Landschaftsdesigns geprägt ist.

Die letzte Biennale fand 2021 statt. Preisträger des Rosa Barba International Landscape Prize war Michael Van Valkenburgh‘s Brooklyn Bridge Park in New York. Alles zum Projekt hier.

 

 

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