Faktorgrün entwirft neues Quartier

Das Büro Faktorgrün Stuttgart reüssiert zusammen mit Thomas Schüler. Sie gewinnen im Juli 2021 einen Wettbewerb zur Neugestaltung des Quartiers „Düsseldorfer / Bottroper Strasse“ im Stuttgart-Bad Cannstatt. Neben städtebaulichen und freiraumplanerische Antworten, waren realisierbare Ideen für Wohnbebauung gefragt. Wir stellen den Siegerentwurf hier vor.

 

Im Stuttgarter Bezirk Bad Cannstatt liegt der Hallschlag. Dieses Quartier durchläuft derzeit erfolgreich Veränderungsprozesse. Wichtige Impulse dafür kamen mit der Unterstützung aus dem Bund-Länder-Programm Soziale Stadt. In diesem Jahr stand die städtebauliche und freiraumplanerische Neuentwicklung eines Areals zwischen Düsseldorfer und Bottroper Straße an. Die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft mbH lobte einen Wettbewerb aus. Dabei war die Realisierung von Wohnbebauung mit etwa 300 Wohneinheiten gesetzt. Ob auch Wohnen und Arbeiten hier kombiniert werden können, blieb den Teilnehmer*innen des Wettbewerbs überlassen. Den hat das Büro Faktorgrün Stuttgart zusammen im Team mit Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner gewonnen.

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Faktorgrün: Entwicklung in Stuttgart-Bad Cannstadt

 

Plangrafiken: Faktorgrün Stuttgart Landschaftsarchitekten

Der Stadtteil Hallschlag in Stuttgart-Bad Cannstatt entwickelt sich seit 2020 zu einem attraktiven und lebendigen Stadtquartier. An dieser Erfolgsgeschichte haben viele Akteure Anteil. Deren Zusammenarbeit entstand, nachdem Hallschlag 2007 in das Bund-Länder-Programm „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – Die Soziale Stadt“ aufgenommen wurde. Denn durch die Fördermittel des Bundes und des Landes Baden-Württemberg konnten zahlreiche Projekte und Maßnahmen initiiert und realisiert werden. Die finanzielle Unterstützung ermöglichte aber auch die Einbeziehung der Öffentlichkeit. Nur zusammen mit den Menschen vor Ort, mit deren Engagement und durch deren Unterstützung konnte sich Hallschlag verändern. Dem lokalen Stadtteilmanagement gelang es dabei, die Menschen vor Ort dauerhaft zu motivierten und einzubinden.

Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft

Neben dem Stadtteilmanagement ist die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft ein wichtiger Akteur. Sie verfügen über einen umfangreichen Bestand im Stadtteil Hallschlag. Entsprechend waren auch sie daran interessiert, dass das Quartier attraktiver und lebendiger wird. Kurz nach Aufnahme in das Programm Soziale Stadt, begann die Wohnungsbaugesellschaft zu modernisieren. Sie beauftragen aber auch Wettbewerbe für Neubauvorhaben. Denn das ist ihre Strategie. Sie modernisieren und setzen ihren Bestand Instand und errichten gleichzeitig neue Gebäude. Das Areal zwischen Düsseldorfer und Bottroper Straße profitiert von dieser Herangehensweise. Hier entstehen nun nach den Ideen vom Büro Faktorgrün Stuttgart und Thomas Schüler neue Wohngebäude. 

Das Konzept vom Team um Faktorgrün Stuttgart

Faktorgrün Stuttgart leitet sein städtebauliches Konzept aus den vorhandenen Strukturen des Stadtteils ab. Der ist geprägt von eigenständigen Bereichen mit unterschiedlichen Bautypologien. Demgemäß arbeitet auch Faktorgrün Stuttgart einen eigenständigen Stadtbaustein heraus. Dieser greift die Idee benachbarter Zeilenbauten auf und verwandelt sie in Wohnhöfe. In diesen Wohnhöfen ergänzen sich verschiedene Abstufungen von öffentlichen und privaten Räumen.

 

Plangrafiken: Faktorgrün Stuttgart Landschaftsarchitekten

Darüber hinaus ist das von Faktorgrün Stuttgart entworfene Quartier durchlässig. Es bietet eine barrierefreie Durchwegung, die einen zukünftigen Grünzug mit der Richtung Neckar liegenden Travertinpark verbindet. Die Verbindungsachse führt bewusst durch das Quartier hindurch und verbindet verkehrsfreie Stadträume miteinander.

Die Baufelder und Freiräume

Plangrafiken: Faktorgrün Stuttgart Landschaftsarchitekten

Das Team aus Thomas Schüler und Faktorgrün Stuttgart schlägt versetzte Baufelder vor. Sie bilden jeweils kleine Nachbarschaften mit unterschiedlichen Raumgefügen. Die unterschiedlichen Gefüge oder Sequenzen wachsen schließlich zu einer Abfolge verschiedener Stadträume zusammen. An der Düsseldorfer Straße bildet ein zurückgesetzter Entreeplatz den Auftakt in das Quartier. Dafür bleiben dort die Bestandsbäume erhalten. Sie bilden bereits heute eine Grüne Mitte. Demnächst führen sie in das Quartier hinein bis zum zentralen Nachbarschaftsplatz. An dem Knick, an dem die Straße Am Römerkastell zur Bottroper Straße wird, entsteht ein grüner Platzraum. Der bildet einen wichtigen Trittstein zum östlich gelegenen Travertinpark.

Der Nachbarschaftsplatz im Quartier 

Als Mitte des neuen Quartiers sieht Faktorgrün Stuttgart den neuen Nachbarschaftsplatz vor. Als ruhiger Stadtplatz, von der Straße Am Römerkastell abgewandt, ist er Ort für Aufenthalt und Quartiersleben. Er dient als Begegnungs- und Kommunikationsort für die Bewohner*innen des Stadtteils und des neuen Quartiers. Ein nach Süden ausgerichtetes Café ergänzt obendrein den Platz um einen wichtigen Anziehungspunkt. Es belebt den Platz genauso wie Gewerbeflächen im Erdgeschoss und verschiedene Betreuungsangebote. Sie alle stärken Bedeutung des Platzes als öffentlichen Raum. Sie bilden zugleich einen durchlässigen Filter zur angrenzenden Straße. Für die Platzmitte sieht Faktorgrün Stuttgart zudem einen einfachen, wassergebundenen Belag vor. Darüber hinaus laden Bänke unter den Bäumen um Verweilen ein. Sie geben dem Platz infolgedessen den Charakter eines Wohnzimmers. Ein kleiner Brunnen bildet ein weiteres, belebendes Moment auf dem Platz.

Bautypologien im neuen Quartier

Das Quartier lebt nach den Ideen von Thomas Schüler und Faktorgrün Stuttgart von zwei unterschiedlichen Bautypologien: erstens offene Wohnhöfe und zweitens Gebäudewinkel. Die Winkel liegen sich jeweils Gegenüber und stärken die Idee der diagonalen Durchwegung. In den Gebäudewinkeln befinden sich jeweils gemeinschaftliche Nutzungen und Sonderwohnformen. Kurzum: Die rahmen und beleben die angrenzenden Freiflächen. Die Wohnhöfe liegen auf einem kleinen Sockel und sind über Treppen mit dem öffentlichen Raum verbunden. Im Innenbereich bieten die Wohnhöfe zudem ruhige, halböffentliche und begrünte Hofsituationen. Dort liegen auch wohnungsnahe Spielflächen und Orte der Kommunikation. Die Anordnung der Gebäude fördert die Gemeinschaft und Nachbarschaft. Dadurch kann und soll die Identifizierung mit dem Quartier gedeihen. Das Zusammenspiel aus Architektur und Freiraumgestaltung schafft damit die Basis für ein gemeinschaftliches Wohnen mit ausreichender Privatheit.

Mehr aus der Welt der Wettbewerbe: Die Stadt Mannheim hat im Sommer 2021 gleich zwei Sieger in ihrem Wettbewerbsentscheid gekürt. Lesen Sie hier wie sich der Swanseaplatz zukünftig entwickeln kann.